# taz.de -- KI-Fakes von Giorgia Meloni: Ein antifeministischer Kampf gegen die Wahrheit
> Italiens rechte Premierministerin wehrt sich zu recht gegen KI-generierte
> Bilder von ihr. Doch das Problem geht weit über bekannte Politikerinnen
> hinaus.
(IMG) Bild: Von Giorgia Meloni sind KI-generierte Bilder im Umlauf
Auch mal eine spannende Entwicklung: Eine rechtspopulistische Politikerin
warnt doch tatsächlich vor Falschinformationen im Internet. Irre! Auch
irre: Mal sagen zu müssen, dass sie recht hat. Italiens Premierministerin
Giorgia Meloni hat sich am Dienstag kritisch auf X über Deepfakes geäußert,
die wohl von ihr in Umlauf sind.
Sie schreibt die mit KI-generierten Fakes „eifrigen Gegnern“ zu, die, „um
anzugreifen und Falschheiten zu erfinden, inzwischen auf alles Mögliche
setzen“ würden. Dazu postete sie einen Screenshot, auf dem ein
Social-Media-Beitrag zu sehen ist. Er zeigt ein Bild von Meloni in
Unterwäsche auf einem Bett, und einen Kommentar: „Dass sich eine
Premierministerin in diesem Zustand präsentiert, ist wahrlich beschämend
und ihrer institutionellen Rolle unwürdig. Aber sie kennt keine Scham.“
„Keine Scham“ ist das Stichwort, allerdings in Bezug auf die Menschen, die
solche Bilder erstellen oder teilen. Dass es nun eine Rechte trifft, sollte
keine Häme hervorrufen. Meloni, selbst wenn sie Vorsitzende der rechten
Fratelli d’Italia ist, ist nur ein weiteres Opfer einer Praktik, die
insbesondere gegen Frauen genutzt wird: Die Gegnerin wird sexualisiert, die
Bilder geteilt.
Dabei geht es nicht unbedingt darum, eine Lüge zu verbreiten. Es geht vor
allem darum, eine Regierungschefin auszuziehen in einer Welt, in der
Anzugträger dominieren. Es geht um Erniedrigung.
## Bikini- und Nacktbilder
Auch wenn Meloni schreibt, der Täter habe sie durch diese Darstellung „ganz
erheblich aufgewertet“, weist sie auf die Gefahren hin. „Deepfakes sind ein
gefährliches Werkzeug, weil sie täuschen, manipulieren und jeden treffen
können. Ich kann mich wehren. Viele andere nicht.“ Damit hat sie recht.
Dafür muss es aber nicht mal ein Deepfake sein. Erst 2025 wurde öffentlich
bekannt, dass Männer in einer italienischen Facebook-Gruppe mit knapp
32.000 Mitgliedern [1][Fotos ihrer Partnerinnen und Ex-Partnerinnen
posteten], auf denen sie in Bikini oder Unterwäsche zu sehen waren – oder
nackt. Inzwischen hat Meta die Gruppe abgeschaltet.
All das ist keine Pornografie. Es fehlt die Zustimmung der Gezeigten – bei
der Aufnahme selbst, beim Erstellen des KI-Fakes, beim Verbreiten. Es ist
schlicht in Bilder gepresste sexualisierte Gewalt. Dass die jeden treffen
könnte, wie Meloni schreibt, ist nicht konkret genug: Männer sind eben doch
recht selten Opfer.
Dass ausgerechnet eine Rechtspopulistin nun auf die Gefahren von KI und
Desinformation hinweist und den Ratschlag gibt, Inhalte erst mal zu prüfen,
bevor man sie glaubt oder teilt, ist dennoch ironisch. Seit Jahren tun sich
gerade rechte Parteien und ihr politisches Vorfeld auf
Social-Media-Plattformen damit hervor, dass sie mit Lügen und
Verschwörungserzählungen Hass und damit Wähler*innenstimmen oder gar
Gewalt mehren.
## Komplett erfundene Fake-Charaktere
Seit dem Aufstieg von KI, seit sich damit immer echter wirkendes Material
erzeugen lässt, wird diese auch immer stärker dafür eingesetzt. [2][Nicht
nur, um falsche Fotos und Videos von Gegner*innen zu erzeugen, sondern
auch um ganze Fake-Charaktere zu erstellen, zu denen User*innen eine
Beziehung aufbauen und so schneller in menschenverachtende Ideologien
gezogen werden sollen].
Und auch das funktioniert hervorragend über Sexualisierung: junge Frauen,
die vor Migration warnen, erfundenen Nazi-Vorfahren huldigen – und vor
allem leicht zu steuern sind, eben weil sie nicht existieren. Meloni nun
per KI schlecht darstellen zu wollen, ist keine Lösung im Kampf gegen
rechts, sondern ein antifeministischer Kampf gegen die Wahrheit.
6 May 2026
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## AUTOREN
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