# taz.de -- Deepfakes in der EU: Brüssel verwässert Regeln für KI
> Die Europäische Union will härter gegen sogenannte Deepfakes vorgehen.
> Doch gleichzeitig lockert sie KI-Regeln.
(IMG) Bild: Die Organisation HateAid protestierte mit einer verpixelten Justitia unweit des Bundestages gegen Deepfakes
Die EU will ihre neuen Regeln für die sogenannte [1][künstliche Intelligenz
(KI)] spürbar lockern und ihre Anwendung weiter aufschieben. Sie kommt
damit den Wünschen der deutschen Maschinenbauer entgegen. Zugleich haben
sich EU-Unterhändler darauf geeinigt, die umstrittenen KI-Nacktbilder zu
verbieten.
Die Einigung erfolgte im sogenannten Trilog zwischen den EU-Institutionen.
Zuvor hatten die Konservativen im Europaparlament gemeinsame Sache mit
Rechtsextremen gemacht, um die Position des Parlaments zu verwässern. Zudem
gab es massiven Druck aus Deutschland und aus den USA, um die Regeln zu
lockern.
Das Ergebnis ist ein Flickenteppich. Dies zeigt sich schon an den
unterschiedlichen Terminen für die Anwendung der KI-Regeln. So soll das
Verbot für [2][Porno-Deepfakes] und sexualisierte Bilder bereits am 2.
Dezember in Kraft treten, wie eine Sprecherin der zyprischen
Ratspräsidentschaft mitteilte.
Demgegenüber sollen die Regeln für „autonome“ Hochrisikosysteme erst ab
Dezember 2027 gelten. Noch später – erst im August 2028 – treten die
Bestimmungen für riskante KI-Systeme in Kraft, die in andere Programme oder
Produkte integriert sind. Ursprünglich sollten sie schon ab August 2026 zur
Anwendung kommen.
## Ausnahmen für Maschinenbau
Bei den Regeln für den KI-Einsatz in der Industrie einigten sich die
Unterhändler auf Ausnahmen für den Maschinenbau. Industrieverbände hatten
einen solchen Schritt wegen angeblicher Doppelungen mit bestehenden
Gesetzen gefordert. Diese Doppelungen würden nun entfernt, teilte das
Parlament mit.
Für „einfache“ KI-Anwender ist vor allem das Verbot von Apps relevant, mit
denen sich Nacktbilder herstellen lassen. Die EU reagiert damit auf
[3][Vorfälle in der Nachrichtenapp X]. Mithilfe des Chatbots Grok von
US-Milliardär Elon Musk waren Millionen sexualisierte Bilder von Frauen und
Kindern erstellt worden.
Die grüne Europaabgeordnete Lena Schilling aus Österreich begrüßte die
Einigung: „Bis Ende dieses Jahres werden Menschen, insbesondere Frauen und
Mädchen, besser davor geschützt sein, dass grausame ‚Nudifier‘-Apps frei
auf dem EU-Markt verfügbar sind“, sagte sie. Damit habe sich der grüne
Vorschlag für ein Verbot durchgesetzt.
Weitere Lockerungen fordert Axel Voss (CDU). Es sei zwar ein Erfolg, dass
„Doppelprüfungen“ gestrichen wurden. Allerdings sei dies nur ein erster
Schritt. „Wir brauchen einen Rahmen, der Innovation ermöglicht und Schutz
garantiert – nicht einen Flickenteppich aus sektoriellen KI-Sonderregeln“,
so Voss. Die EU-Staaten müssten aufhören, immer neue bürokratische Auflagen
zu machen.
## FDP geht Deregulierung nicht weit genug
Auch der FDP geht der sogenannte KI-Omnibus nicht weit genug. „Die
Änderungen sind Schönheitsreparaturen statt der dringend nötigen
Kernsanierung“, sagte die deutsche FDP-Parlamentarierin Svenja Hahn. Sie
nannte das Ergebnis einen „Mini-Kompromiss mit Maxi-Bürokratie“.
Demgegenüber rühmten sich die Sozialdemokraten, „die breit angelegte
Deregulierung des KI-Einsatzes in Geräten wie Industriemaschinen,
medizinischen Geräten und Spielzeug“ verhindert zu haben. Dies sei ein
großer Erfolg, sagte der SPD-Abgeordnete Tiemo Wölken.
7 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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