# taz.de -- Hantavirus: Ein Schiff kann nicht landen
       
       > Auf einem Luxuskreuzer erkranken mehrere Passagiere, drei sterben.
       > Inzwischen ist für einen Teil der Fälle eine Hantavirus-Infektion
       > bestätigt.
       
 (IMG) Bild: Medizinische Betreuung auf hoher See: Blick auf den Kreuzer „Hondius“ am 6. Mai
       
       Es ist ein uraltes Szenario, eingebrannt in die Menschheitsgeschichte,
       verstärkt durch literarische Motive: Einem Schiff mit todbringender
       Krankheit an Bord wird das Anlegen verweigert. Entsprechend groß ist die
       mediale Aufmerksamkeit, seit Anfang Mai bekannt wurde, dass ein
       Kreuzfahrtschiff vor Afrikas Küste liegt und sich unter den Passagieren
       womöglich eine schwerwiegende Viruserkrankung ausbreitet.
       
       Tatsächlich weist der Fall, der inzwischen von der
       Weltgesundheitsorganisation (WHO) betreut wird, einige Besonderheiten auf,
       die Virolog*innen aufhorchen lassen. Das Risiko für die Weltbevölkerung
       gilt aber als gering.
       
       Am 1. April legte die „Hondius“ unter niederländischer Flagge in Ushuaia
       ab. Ushuaia ist die südlichste Stadt Argentiniens und die Hauptstadt der
       argentinischen Provinz Feuerland. Die „Hondius“ ist das weltweit erste
       Kreuzfahrtschiff der Polarklasse 6, gebaut für touristische Reisen mit
       Expeditionscharakter. Die aktuelle Fahrt sollte zu entlegenen Regionen im
       Südatlantik führen.
       
       [1][Laut WHO] waren an Bord: 147 Menschen aus 23 Nationen der Erde. Unter
       den Passagieren war auch ein niederländisches Ehepaar, das zuvor bereits
       Südamerika und insbesondere Argentinien bereist haben soll. Nur wenige Tage
       nach dem Aufbruch in Feuerland zeigte der Mann mit Fieber, Kopfschmerz und
       leichtem Durchfall erste Symptome einer Infektion, die sich so rasant
       verschlechterten, dass er bereits am 11. April an Bord verstarb.
       
       Sein Leichnam wurde am 24. April auf die Insel Sankt Helena, Teil des
       britischen Überseegebiets, überführt – begleitet von der Ehefrau des
       Verstorbenen, die ebenfalls bereits erste Symptome zeigte. Noch am selben
       Tag meldete sich ein weiterer Passagier beim Schiffsarzt, er wurde am 27.
       April nach Südafrika evakuiert, wo er bis heute auf der Intensivstation
       liegen soll.
       
       ## Virus kommt ursprünglich bei Nagetieren vor
       
       Nachdem Tests auf mehrere Atemwegserkrankungen negativ ausgefallen waren,
       bestätigte sich schließlich am 2. Mai eine Infektion mit dem Hantavirus.
       Nachdem am selben Tag eine weitere, deutsche Passagierin an Bord des
       Kreuzfahrtschiffs verstarb, meldete das Vereinigte Königreich eine Häufung
       von schweren Atemwegserkrankungen und mehreren Todesfällen an die WHO.
       
       In der Zwischenzeit war die niederländische Ehefrau, die in Sankt Helena
       von Bord gegangen war, ebenfalls nach Südafrika geflogen. Noch im Flugzeug
       Richtung Johannesburg verschlechterte sich ihr Zustand rapide, am 26. April
       verstarb sie in der Notaufnahme. Am 4. Mai bestätigte sich auch in ihrem
       Fall der Verdacht auf das Hantavirus.
       
       Das Hantavirus ist ein Virus, dessen Hauptwirte Nagetiere wie Mäuse und
       Ratten sind und das in unterschiedlichen Varianten in verschiedenen
       Regionen der Welt auftritt. Die Tiere selbst erkranken nicht, scheiden das
       Virus aber aus. Menschen können sich zum Beispiel bei der Beseitigung von
       Kot oder Kadavern anstecken.
       
       Während etwa die europäischen Virusvarianten nur in sehr seltenen Fällen
       tödlich verlaufen, sind die in Nord- und Südamerika verbreiteten Viren
       deutlich gefährlicher. Die in Argentinien in manchen Regionen endemische
       Andesvirus-Variante kann zum Hantavirus-Lungen-Syndrom führen – mit einer
       Sterblichkeit von bis zu 50 Prozent.
       
       ## Fall zeigt Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit
       
       Infektionen mit dem Hantavirus-Lungen-Syndrom werden regelmäßig gemeldet,
       allerdings handelt es sich in den seltensten Fällen um eine Übertragung von
       Mensch zu Mensch. Bekannt wurde in Argentinien ein Ausbruch im Jahr 2018,
       als in einer kleinen Ortschaft ein Infizierter bei einer Familienfeier
       mehrere Personen ansteckte.
       
       Im Fall des Kreuzfahrtschiffs vermuten Expert*innen, dass sich das
       niederländische Ehepaar bereits vor Beginn der Reise infiziert haben
       könnte. Üblicherweise treten Symptome binnen einer bis mehrerer Wochen auf.
       Die WHO betont allerdings, dass „die meisten routinemäßigen touristischen
       Aktivitäten nur ein geringes oder gar kein Risiko einer Exposition
       gegenüber Nagetieren oder deren Exkrementen“ bedeuten. Eine
       Mensch-zu-Mensch-Übertragung trat bislang nur bei sehr engem Kontakt auf.
       
       Der Fall zeigt die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit im Fall
       eines grenzüberschreitenden Virusausbruchs: [2][Das Gesundheitsministerium
       in Argentinien] überwacht nach eigenem Bekunden nun verstärkt das
       inländische Infektionsgeschehen – auf Feuerland, wo das Schiff vor über
       einem Monat ablegte, sei aber noch nie eine Infektion aufgetreten. Die
       genaue Diagnostik übernehmen zwei virologische Zentren in Afrika.
       Fluggäste, die mit der später in Johannesburg verstorbenen Passagierin
       Kontakt gehabt könnten, werden nachverfolgt.
       
       ## Schiff darf auf den Kanaren anlegen
       
       Die „Hondius“ ankert seit Tagen an der Nordwestküste Afrikas vor Kap Verde.
       Der Inselstaat sieht sich einer Aufnahme und entsprechenden Überwachung der
       Passagiere aber nicht gewachsen. Auf einer Sitzung der WHO wurde am
       Dienstag beschlossen, dass das Schiff stattdessen auf den Kanarischen
       Inseln, einem Teil Spaniens, anlegen soll.
       
       Dort gibt es eine entsprechend ausgerüstete Klinik. Die kanarische
       Regierung zeigte sich wenig begeistert, die spanische Gesundheitsministerin
       bestätigte aber am Mittwochnachmittag die Aufnahme der noch auf dem Schiff
       verbliebenen, symptomfreien Passagiere.
       
       Ein Passagier, der bereits im April von Bord des Kreuzfahrtschiffs gegangen
       und zurück in die Schweiz gereist war, ließ sich dort testen und liegt mit
       bestätigter Hanta-Infektion im Züricher Universitätsklinikum. Drei weitere
       Passagiere wurden vom Schiff gebracht, zwei seien ernsthaft erkrankt und
       sollen in den Niederlanden behandelt werden. Eine deutsche Passagierin, die
       engen Kontakt zu dem an Bord Verstorbenen gehabt hatte, soll in Düsseldorf
       getestet und gegebenenfalls weiterbehandelt werden.
       
       Laut Martin Eiden, Leiter des Referenzlabors für Hantaviren am
       Friedrich-Loeffler-Institut, stellt der Ausbruch ein „aus
       wissenschaftlicher Sicht außergewöhnliches Ereignis dar, insbesondere weil
       eine mögliche Mensch-zu-Mensch-Übertragung des sogenannten Andes-Hantavirus
       im Raum steht“. Es handele sich aber um einen lokal begrenzten Vorfall,
       ohne Anzeichen „für eine neue globale Bedrohung“.
       
       Dennoch, so Eiden, zeige der Vorfall, wie wichtig [3][„internationale
       Gesundheitsüberwachung,] schnelle Diagnostik und transparente Kommunikation
       bei ungewöhnlichen Infektionsereignissen“ seien.Mitarbeit: María José
       Dugarte Bernal
       
       6 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.who.int/emergencies/disease-outbreak-news/item/2026-DON599
 (DIR) [2] https://www.argentina.gob.ar/noticias/salud-monitorea-junto-organismos-internacionales-los-casos-de-hantavirus-reportados-en-el
 (DIR) [3] /Gesundheitspolitik-nach-Covid/!6089291
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Manuela Heim
       
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