# taz.de -- FAQ für Signal-Nutzer:innen: Wenn der Angreifer plötzlich mitliest
       
       > Nach dem Angriff auf Signal-Nutzer:innen sollten Betroffene schnell
       > handeln. Was man tun kann und wie man vermeidet, dass der eigene Account
       > übernommen wird.
       
 (IMG) Bild: „Digitales Holzauge, sei wachsam!“
       
       Die Liste wird immer länger: Zwei Bundesministerinnen, die
       Bundestagspräsidentin, Bundestagsabgeordnete mehrerer Parteien,
       Nato-Generäle, Bundeswehr-Angehörige – sie alle sollen Berichten zufolge
       Ziele eines Phishing-Angriffs mit mutmaßlich russischer Urheberschaft sein.
       Einige von ihnen fielen laut der Berichterstattung des Spiegels auf die
       Angriffe herein und erlaubten damit Unbefugten Zugriff auf ihr jeweiliges
       Konto bei dem Messengerdienst Signal.
       
       Der Generalbundesanwalt ermittelt, und in der Bundespolitik wird nun
       aufgeregt diskutiert über die Sicherheit von Kommunikation – und
       IT-Kompetenzen. Dass es entsprechende Angriffe auf Menschen aus Politik,
       Militär und auch Medien gibt, berichtete im deutschsprachigen Raum zuerst
       das Portal [1][netzpolitik.org] Anfang des Jahres. Immer mehr
       kristallisiert sich nun das Ausmaß heraus.
       
       Wie läuft so ein Angriff ab? 
       
       Nutzer:innen erhalten in dem Messengerdienst eine Nachricht von einem
       neuen Kontakt. Dessen Nutzername kann „Signal Support“ sein, ist es jedoch
       nicht immer. Der genaue Name ist aber auch unerheblich, weil der
       Messengerdienst die Nutzernamen nicht überprüft. In der Nachricht heißt es
       auf Englisch beispielsweise, das Nutzerkonto sei angegriffen worden,
       private Daten würden abgegriffen, aus Sicherheitsgründen müsse man den
       Verifizierungsprozess neu durchlaufen.
       
       Bei einer anderen Variante der Masche wird ein vermeintlicher Link zu einer
       Gruppeneinladung geschickt, bei der man einen QR-Code scannen soll. Fällt
       man darauf herein, haben die Angreifer Zugriff auf das eigene Konto.
       Phishing heißt diese Methode – ein Kofferwort aus „password“ und „fishing“,
       also abfischen. Bekannt ist Phishing vor allem beim Onlinebanking, wo
       Kriminelle sich damit unbefugten Zugriff auf Konten verschaffen.
       
       Ist Signal also unsicher? 
       
       Der Angriff nutzt keine Sicherheitslücke aus, sondern das fragilste Element
       im IT-System: den Menschen. Signal ist weiterhin einer der sichersten für
       die Allgemeinheit zugänglichen Messengerdienste. Der Quellcode liegt offen,
       sodass kundige Menschen ihn auf Sicherheitslücken oder Hintertüren
       überprüfen können. Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt und hinter
       dem Messenger steht kein profitorientiertes Unternehmen, das mit den Daten
       der Nutzer:innen Geld verdienen will, sondern eine Stiftung.
       
       Vermutlich sind es diese Sicherheits-Features, die auch
       Parlamentarier:innen zur Nutzung bewegt haben. [2][Signal teilte
       mit], man werde „verschiedene Änderungen einführen, um diese Art von
       Angriffen weiter zu erschweren“. Weitere Details nennt Signal nicht.
       Denkbar wäre etwa, dass die Registrierungssperre – eine Funktion, die das
       Verbinden weiterer Geräte verhindert – standardmäßig aktiviert wäre.
       
       Wie kann ich erkennen, ob ich betroffen bin? 
       
       Signal-App öffnen, auf das eigene Profil klicken und dort auf „Gekoppelte
       Geräte.“ Hier sollte nur dann ein weiteres Gerät auftauchen, wenn man
       selbst Signal auf dem Computer oder auf einem Tablet verwendet. Tut man das
       nicht und es ist eines auf der Liste, erst einmal kurz kritisch überlegen:
       Vielleicht hat man vor Jahren selbst Signal auf dem Computer eingerichtet
       und es dann vergessen? Wenn das sicher nicht der Fall ist, muss man aktiv
       werden.
       
       Was sollten Betroffene tun? 
       
       Wer nur vom vermeintlichen Signal-Support angeschrieben wurde, aber nicht
       darauf reagiert hat, hat richtig gehandelt. Nutzer:innen sollten den
       Kontakt dann blocken und am besten auch melden – und zwar an den echten
       Signal-Support. Das geht entweder direkt in der App oder unter
       [3][https://support.signal.org/hc/de/requests/new]. Hat man den Angreifern
       die PIN gegeben und diese haben das Gerät gekoppelt, gibt es zwei
       Möglichkeiten: Entweder die Angreifer lesen bislang „nur“ mit und man
       selbst hat noch Zugriff. Dann empfiehlt das Bundesamt für Sicherheit in der
       Informationstechnik (BSI) folgendes Vorgehen: Signal-PIN ändern, Konto
       löschen (nicht die App), ein neues Konto mit neuer PIN erstellen.
       
       Darüber hinaus sollten Nutzer:innen ab jetzt besonders aufmerksam sein,
       was Fake-Anrufe, Identitätsdiebstahl oder andere Missbrauchsmöglichkeiten
       der Handynummer angeht. Wer kann und sichergehen will, wechselt sie.
       Komplizierter wird es, wenn die Angreifer das Konto übernommen und einen
       selbst ausgesperrt haben. Hier rät das BSI, auf anderen Wegen alle Kontakte
       darüber zu informieren, dass der Account kompromittiert ist. Die jeweiligen
       Kontakte sollen das übernommene Konto blockieren. Am besten sei es, darüber
       hinaus Gruppenchats zu löschen und neu zu erstellen. Für sich selbst muss
       man ebenfalls ein neues Konto erstellen – und das kompromittierte an Signal
       melden.
       
       Wie kann man vorsorgen? 
       
       Bei Signal ist zwar eine Telefonnummer für die Registrierung notwendig –
       doch in der App lässt sich diese verbergen. Zudem lässt sich in den
       Account-Einstellungen unter Konto eine Registrierungssperre aktivieren.
       Dann muss man bei einem erneuten Registrieren der eigenen Nummer – etwa bei
       einem Wechsel des Mobiltelefons – die Signal-PIN eingeben, ansonsten wird
       das Konto für 7 Tage gesperrt. Signal selbst weist darauf hin, dass der
       Support nie Nutzer:innen von sich aus kontaktiere.
       
       Wäre es besser, einen anderen Messengerdienst zu nutzen? 
       
       Phishing gibt es nicht nur bei Messengerdiensten. Bekannt geworden ist es
       vor allem beim Onlinebanking, wo Kriminelle mit gefakten Mails unbedarfte
       Nutzer:innen dazu bringen, ihre Zugangsdaten herauszugeben. Hier in der
       Konsequenz die Bank zu wechseln, würde wenig helfen. Ähnlich ist es im Fall
       Signal: Der Messengerdienst ist bereits einer der sichersten, die für die
       Allgemeinheit zugänglich sind. Aber [4][es gibt natürlich Alternativen]:
       Genannt wird gerade häufig Wire. Er ist ebenfalls quelloffen und die
       Kommunikation auch Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
       
       Wire richtet sich vor allem an Unternehmenskunden, ist aber auch für
       Privatnutzer:innen erhältlich. Für Firmen und Behörden ist die
       Software auch deshalb interessant, weil sie diese auf eigenen Servern
       nutzen und anpassen können. So gibt es eine spezielle Wire-Version, die das
       BSI zugelassen hat für den dienstlichen Einsatz in Behörden. Öffentlich
       zugänglich ist diese nicht. Der Kernunterschied aber liegt woanders:
       Während hinter Signal eine gemeinwohlorientierte Stiftung steckt, ist
       [5][bei Wire unter anderem die milliardenschwere Schwarz-Gruppe], der etwa
       Lidl gehört, beteiligt.
       
       29 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://netzpolitik.org/2026/phishing-angriff-zahlreiche-journalistinnen-im-visier-bei-attacke-ueber-signal-messenger/
 (DIR) [2] /Signal-zu-Phising-Attacke/!6174605
 (DIR) [3] https://support.signal.org/hc/de/requests/new
 (DIR) [4] /Social-Media/!6072255
 (DIR) [5] /Alternative-Messenger-Dienste/!5743214
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
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