# taz.de -- Phishing-Angriff auf Signal: Prävention statt Panik
       
       > Bundestagsvize Andrea Lindholz fordert ein Signal-Verbot für Abgeordnete.
       > Es offenbart, wie sehr es an Wissen über Messengerdienste mangelt.
       
 (IMG) Bild: Nicht die verwendete Technik ist das Problem, Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz von CSU
       
       Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz von der CSU [1][fordert ein
       Verbot der Nutzung von Signal für Abgeordnete und Mitarbeiter des
       Bundestages]. Das wäre ungefähr so schlau, wie Autos zu verbieten, weil sie
       Unfälle verursachen, statt Regeln und Kontrollen im Straßenverkehr zu
       verbessern. Mit solchen pauschalen Äußerungen sammelt man keine Zustimmung,
       sondern zeigt, dass man nicht versteht, wie moderne, digitale
       Kommunikationskanäle funktionieren.
       
       Ein möglicher tieferer Grund für den Verbotsvorstoß: Der eigentlich
       zielführende Weg würde Einsicht und Selbstreflexion erfordern. Denn nicht
       die verwendete Technik ist das Problem, sondern dass auch knapp 13 Jahre
       nach [2][Angela Merkels „Neuland“-Aussage] anscheinend immer noch nicht
       alle in Regierung und Parlament verstanden haben, wie das Internet und die
       Dienste, die fast jeder täglich nutzt, funktionieren. Wer wie Lindholz
       argumentiert, blendet aus, dass bei der Nutzung digitaler Dienste die
       eigentliche Schwachstelle allzu oft der Mensch ist.
       
       Die Schuldigen sehr schnell in Russland auszumachen? Geschenkt.
       Vorausgesetzt, Schuldzuweisungen und Aktionismus wären nicht die einzige
       politische Konsequenz der Angriffe via Signal auf Politiker.
       
       ## Wie wäre es mit stattdessen mit Pen Tests und Schulungen?
       
       Besser wären Debatten darüber, wie man ein Mindestmaß an Sicherheits- und
       Technikverständnis innerhalb des politischen Apparats gewährleisten könnte.
       Neben Schulungen könnten sogenannte pen tests für mehr Sicherheit sorgen:
       simulierte Cyberattacken, durchgeführt von IT-Experten, um
       Sicherheitslücken aufzudecken, bevor echte Angreifer sie ausnutzen –
       Prävention statt Panik. Der eigentliche Skandal ist, dass so ein technisch
       simpler Angriff, bei dem mehrere Politiker getäuscht wurden, gelingen
       konnte.
       
       Irritierend ist zudem Lindholz’ Vorschlag, vom „US-Dienst“ Signal zur
       „europäischen“ Alternative Wire zu wechseln. Wire sitzt zwar heute in der
       Schweiz, war jedoch zwischenzeitlich in den USA ansässig. Lässt sich
       schnell herausfinden, wenn man sich ins Neuland begibt.
       
       27 Apr 2026
       
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 (DIR) Klaudia Lagozinski
       
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