# taz.de -- Syriens Justiz im Wandel: Neue Verbrechen, alte Gesetze
       
       > Nach dem Sturz von Präsident Assad ringt Syrien um Gerechtigkeit: altes
       > Rechtssystem, neue Verbrechen und die Frage, ob Reformen heute wirklich
       > noch gelingen können.
       
       Vor mehr als einem Jahr wurde das Regime von Baschar Al-Assad in Syrien
       gestürzt. Viel hat sich seitdem im Land verändert – nicht alles zum Guten.
       Bislang aber genau gleichgeblieben ist das Rechtssystem in Syrien. Und
       damit auch die Gesetze, die während der fast jahrzehntelangen
       Assad-Herrschaft erlassen wurden.
       
       Syrien befindet sich heute in einer Übergangsphase. Die fast 55 Jahre
       Diktatur und fast 10 Jahre Bürgerkrieg hängen der Bevölkerung weiter nach.
       Viele Verbrechen sind in diesen Jahren geschehen – und sie blieben fast
       immer straflos. Nun suchen die Menschen im Land nach der Gerechtigkeit, die
       ihnen so lange verwehrt blieb.
       
       Andere suchen nach Gerechtigkeit für Verbrechen, die ihnen unter der neuen
       Regierung angetan wurden. Zwar zeigt die sich bemüht: Im vergangenen Herbst
       hatte etwa ein erster Prozess gegen Mitglieder der Streitkräfte der
       syrischen Übergangsregierung begonnen. Es geht um den gewaltsamen Tod
       Hunderter Alawitinnen und Alawiten im März 2025. Der Sprecher des
       Justizministeriums, Baraa Abdel Rahman, sprach damals von einem
       „Meilenstein für die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit“.
       
       Doch kann das alte System überhaupt für Gerechtigkeit sorgen? Darüber
       spricht in diesem Podcast der taz panterstiftung die syrische Journalistin
       Clair Akkawi mit dem Richter Anwar Majni, der Menschenrechtlerin Mariana
       Karkoutly, und dem Aktivisten Bassam Al-Ahmad. Es ist die zweite
       Podcastfolge des Projekts [1][„Her Turn – Supporting Syrian Female
       Journalists“], das im April 2025 angefangen hat. Die erste Podcastfolge
       drehte sich rund um das [2][Thema Versöhnung]. Beide Folgen wurden von der
       taz-Nahostredakteurin Lisa Schneider moderiert.
       
       ## Gesetze überprüfen, Strafen anpassen
       
       Anwar Majni etwa, der das Rechtssystem von innen kennt, sagt: „Unter dem
       alten Regime haben Gesetze vor allem dazu gedient, die Macht des Regimes zu
       stärken. Nun müssten deshalb alle Gesetze überprüft und Strafen angepasst
       werden.“
       
       Marian Karkoutly blickt aus einer feministischen Perspektive auf die
       Gesetzeslage in Syrien. Und fordert etwa, das endlich das Gesetz zur
       Staatsbürgerschaft reformiert wird. Derzeit können nämlich nur Männer ihre
       Staatsbürgerschaft an ihre Kinder weitergeben.
       
       Ob Syrien sich allem Reformwillen zum Trotz auf dem richtigen Weg befindet,
       bezweifelt Bassam Al-Ahmad. Eine echte Reform der Institutionen habe bisher
       nicht stattgefunden, die innenethnischen Konflikte in Syrien hielten an.
       
       Trotzdem hat er Hoffnung, für dieses neue Syrien. Er sagt: „Wir haben die
       Diktatur überwunden. Wir haben Jahre des Konflikts und Kriegs hinter uns
       gelassen“ und „wir dürfen diese Chance haben nicht verspielen. Wir dürfen
       nicht zulassen, dass wir wieder unter das Joch der Tyrannei geraten“.
       
       Dieser Podcast erscheint in zwei Fassungen: Sie können ihn hier auf Deutsch
       hören oder in der arabischen Originalfassung auf der Plattform des
       syrischen Radiosenders [3][Radio Arta] ([4][[Link auf
       https://www.youtube.com/watch?v=a2xKVaG0kVk]][5][Facebook]). Die
       Teilnehmerinnen haben auch regelmäßig in der [6][Kolumne Trümmer und
       Träume] geschrieben.
       
       20 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Journalistinnen-aus-Syrien/!vn6089214/
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 (DIR) [4] https://www.youtube.com/watch?v=a2xKVaG0kVk
 (DIR) [5] https://www.facebook.com/share/v/1BoRSfx1Vc/
 (DIR) [6] /Truemmer-und-Traeume/!t6105581
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lisa Schneider
       
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