# taz.de -- Studie zu Kosten der Erneuerbaren: Wind und Sonne billiger als Gas
> Die Deutsche Umwelthilfe rechnet gemeinsam mit der Windbranche aus, wie
> viel Geld die Energiewende sparen kann. Doch die Gasbranche widerspricht.
(IMG) Bild: Schöne Aussichten: Die Energiewende ist mutmaßlich günstiger, als Katherina Reiche behauptet
Mit Solarenergie und Windkraft an Land lässt sich günstiger Strom erzeugen
als mit modernen Erdgaskraftwerken. Zu diesem Ergebnis kommt eine
Kurzstudie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und des
Wirtschaftsverbandes Windkraftwerke (WVW). Bei der Kalkulation wurden auch
die Kosten für Netzausbau und Batteriespeicher berücksichtigt. Diese Kosten
fallen zwangsläufig an, wenn der unregelmäßig anfallende Strom aus
erneuerbaren Quellen bedarfsgerecht verfügbar gemacht werden soll.
Laut der Studie ergeben sich [1][für Solar- und Windkraftanlagen], die im
Jahr 2027 neu errichtet werden, Systemkosten von jeweils rund 11 Cent je
Kilowattstunde. Für Gaskraftwerke berechnet die Untersuchung abhängig vom
Erdgaspreis hingegen Kosten von bis zu 31 Cent. Kostentreiber seien dabei
„die rasant gestiegenen Preise der Kraftwerkshersteller, Brennstoff- und
Emissionszertifikate-Kosten sowie die erwarteten niedrigen Betriebsstunden
der Gaskraftwerke“.
Die Studie setzt nämlich für Anlagen, die im Jahr 2027 in Betrieb gehen,
nur 1.100 Vollbenutzungsstunden an – also eine Laufzeit des Kraftwerks von
durchschnittlich drei Stunden am Tag. Kann ein Kraftwerk so selten laufen,
treibt das die Kosten pro Kilowattstunde, weil die Kapitalkosten dann auf
eine relativ geringe Erzeugung umgelegt werden müssen.
Ein Kostenfaktor der erneuerbaren Energien besteht wiederum darin, dass sie
einen Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze notwendig machen. Die
Studie legt die Kosten, die auf Basis des Netzentwicklungsplans der
Übertragungsnetzbetreiber und der Netzausbaupläne der Verteilnetzbetreiber
bis zum Jahr 2045 kalkuliert werden, anteilig auf die Windenergie an Land,
sowie Dach- und Freiflächen-Photovoltaik um. Das Ergebnis: Dach-PV muss mit
1,95 Cent und Freiland-PV mit 3,95 Cent je Kilowattstunde belegt werden.
Dazwischen steht die Windkraft mit 2,07 Cent.
## Verbände kritisieren Katherina Reiche
Auch die Kosten für den Ausbau von Batteriespeichern wurden den
Erneuerbaren zugeschlagen. Die Studie nimmt an, dass pro installiertem
Kilowatt Solar- und Windkraftleistung eine Kilowattstunde Speicherkapazität
vorgehalten werden muss. Damit kommt sie auf Speicherkosten pro
Kilowattstunde zwischen 0,93 Cent (Windkraft) und 2,44 Cent
(PV-Dachanlage).
DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner sieht durch die Studie
„ein argumentatives Kartenhaus“ zusammenbrechen, [2][das
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zusammen mit den Chefs von Eon
und RWE aufgebaut] habe. Lothar Schulze, Vorstandsvorsitzender des WVW,
sagt, das Gutachten schaffe „die Faktengrundlage für energiepolitisch
vernünftige Entscheidungen“. Bisher sei „keine Quantifizierung der
Systemkosten im Vergleich“ verfügbar gewesen. Fazit des Windlobbyisten:
„Der ambitionierte Ausbau der erneuerbaren Energien ist wirtschaftlich
vorteilhaft und sichert uns gegen Importabhängigkeiten ab.“
Ersteller der 22 Seiten umfassenden Analyse ist Ralf Bischof,
Geschäftsführer der RBID GmbH. Er gehörte im April 1998 zu den
Mitbegründern der Düsseldorfer Naturstrom AG und war von 2006 bis 2009
Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie. Zeitweise war er dann bei
der RWE-Tochter Innogy.
Kritik an dem Papier äußert der Verband [3][Die Gas- und
Wasserstoffwirtschaft] (ehemals: Zukunft Erdgas): „Die Debatte über
angeblich niedrige Systemkosten erneuerbarer Energien greift zu kurz, wenn
sie zentrale Anforderungen an das Energiesystem ausblendet“, sagt ein
Verbandssprecher auf Anfrage der taz. Entscheidend sei nicht nur, „wie
günstig Strom in einzelnen Stunden produziert wird, sondern ob er auch dann
verfügbar ist, wenn er gebraucht wird – also auch in mehrtägigen
Dunkelflauten“.
## Was passiert in Dunkelflauten?
Für die Energiepolitik gelte: „Versorgungssicherheit entsteht im System –
nicht im Einzelvergleich von Erzeugungskosten.“ Studien, die diese
systemische Funktion ausblenden oder Kosten nur auf Basis einzelner
Technologien vergleichen, lieferten „kein realistisches Bild der
tatsächlichen Anforderungen“.
Solange Batterie-Speichertechnologien vor allem kurzfristige Schwankungen
über Stunden ausgleichen können, ersetzten sie keine gesicherte Leistung
über mehrere Tage hinweg, sagt der Sprecher der Gaslobby. Genau diese Rolle
übernähmen steuerbare Kraftwerke heute und nach dem Plan der
Kraftwerkstrategie auch in Zukunft. Sie seien „deshalb kein Gegenmodell zu
erneuerbaren Energien, sondern eine notwendige Ergänzung für ein stabiles
und bezahlbares Energiesystem“.
In der Tat reißt das Papier das Thema Dunkelflaute nur kurz an: „Außerhalb
der seltenen Dunkelflauten“, so heißt es, [4][könnten Speicher] „zu einem
großen Teil mit günstigem Überschussstrom aus Sonne und Wind gefüllt
werden“. Während einer Dunkelflaute hingegen lässt sich dann doch wieder
nur Strom aus Erdgas einspeichern – mit dem Ziel, zumindest die Last etwas
zu glätten.
27 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Weltweite-Stromproduktion/!6172421
(DIR) [2] /Plaene-der-Bundesregierung/!6173258
(DIR) [3] https://lobbypedia.de/wiki/Die_Gas-_und_Wasserstoffwirtschaft
(DIR) [4] /Energiewende-Batterien-alleine-reichen-nicht-wir-brauchen-Speichergase/!6144965
## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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