# taz.de -- Der große taz-Kongress: Das war das taz lab 2026
       
       > Bei über 100 Veranstaltungen haben wir Tacheles geredet. Der
       > taz-Festtagsticker zum Nachlesen.
       
       ## ABBA läutet den Abend ein
       
       19.40 Uhr: Unter dem Klang von ABBAs Dancing Queen laufen Scharen von
       taz-Mitarbeitenden in die Kantine ein. Bei der glamourösen Abschlussgala
       soll nicht nur das Ende des diesjährigen taz labs eingeläutet, sondern auch
       sein Erfinder geehrt werden. Nach 17 taz labs gibt Kurator Jan Feddersen
       den Staffelstab weiter. Mit Torte, Festreden auf Feddersen, Musik und guter
       Laune wird nun bis in den Sonntag gefeiert. Sicher ist: Spätestens nächstes
       Jahr sehen wir uns bestimmt alle wieder – zum 18. taz lab.
       
       Damit beenden wir den Ticker für heute. Vielen Dank fürs Mitverfolgen!
       
       ## Eralp: „Mit mir und mit uns ziehen alle Berlinerinnen und Berliner ins
       Rote Rathaus“
       
       18.33 Uhr: Auch wenn die Sonne nicht mehr auf den orangenen Küchentisch
       scheint und der Wind kräftiger wird, ist der Andrang riesig. Grund dafür
       ist die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, die bei der
       Abgeordnetenhauswahl im Herbst antreten wird. Heute erst Parteitag der
       Linken, nun sitzt sie im Besselpark bei der taz. Eralp will Berlins
       Bürgermeisterin werden. Im Panel [1][„Sind Sie die Mamdani Berlins, Frau
       Eralp?“] will Parlamentsredakteur Stefan Reinecke wissen, ob sie sich mit
       New Yorks linkem Bürgermeister vergleicht. Beide sind, für politische
       Verhältnisse, relativ jung und links. Den Vergleich lehnt sie trotzdem
       kategorisch ab, weil sie sich nicht gerne mit Männern vergleiche. „Es geht
       ja nicht um meine Person, sondern darum, dass wir eine grundsätzlich andere
       Politik brauchen“, sagt sie. Die Stärke ihrer Partei im Wahlkampf um das
       Rote Rathaus sieht sie darin, dass sie keine Klientelpolitik mache. „Mit
       mir und mit uns ziehen alle Berlinerinnen und Berliner ins Rote Rathaus“,
       sagt sie. (tik)
       
       Lang: Diskussion um Begriff „woke“ nervt 
       
       18:14 Uhr: Kurz vor Beginn der Diskussion [2][„Wie woke darf Politik
       sein?“] mit Ricarda Lang und Karin Prien hört man draußen an der
       Bildschirmwand: „Das wird doch bestimmt so eine Scheindebatte, oder?
       Vielleicht holen wir uns noch drei Bier?“ Dann viel liebevoller Applaus zu
       Beginn der Diskussion.
       
       Für die Bundesministerin Karin Prien ist woke „Achtsamkeit und Kulturkampf
       in der Realität“. Die Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang ist „genervt von
       den Debatten um den Begriff“ und erinnert an den Umgang mit Frauke
       Brosius-Gersdorf. Man könne hier nicht mehr nur von Scheindebatten
       sprechen.
       
       Die Bundesministerin entgegnet, sie habe sich vorgenommen die Gräben der
       letzten Jahre nicht zu akzeptieren, sondern die ganzen Trigger-Themen
       liegen zu lassen. Sie habe keinen Kulturkampf umgesetzt, als sie bei
       Amtsantritt die Gender-Sprache im Ministerium abgeschafft habe, sondern nur
       den deutschen Sprachgebrauch angewandt. Ricarda Lang räumt ein, angesichts
       der Radikalisierung der Gesellschaft könne man sich nicht hinstellen und
       sagen, nur die Regierung unter Merz habe zur Verdoppelung der Umfragewerte
       einer offensichtlich rechtsextremen Partei beigetragen, sondern auch die
       politische Linke. Dennoch bespiele bisher nur die politische Rechte diesen
       Diskurs des anti-woken Populismus. (bsz)
       
       „Klima-ist-teuer“-Narrativ habe sich durchgesetzt 
       
       17.45 Uhr: „Man ist schon frustriert, dass Klimathemen keine größere Rolle
       spielen und immer wieder von anderen Themen verdrängt werden“, sagt der
       grüne Bundestagsabgeordnete Johannes Wagner. Bei der Podiumsdiskussion
       [3][„Immer mehr Klimakatastrophen. Na und?“] am orangenen Tisch diskutiert
       er mit Christoph Hesse, dem ehemaligen Leiter der Initiative LocalZero, und
       Violetta Bock, Bundestagsabgeordneter der Linken, über die Zukunft der
       Klimabewegung.
       
       Bock kritisiert vor allem das Greenwashing und die fehlende Betrachtung
       sozialer Fragen in der deutschen Politik. Für sie sei Klimapolitik immer
       auch Klimagerechtigkeitspolitik. In anderen Ländern, beispielsweise
       Brasilien, sei man in dieser Hinsicht schon weiter. Wagner glaubt, dass
       auch in Deutschland soziale Fragen eng mit Klimathemen verknüpft seien:
       „Natürlich machen wir Klimapolitik für Menschen und nicht für die
       Eisbären“, sagt er. Diese Verbindung gerate jedoch zunehmend aus dem Fokus.
       Mit Debatten um Migration und Wirtschaftsfragen würden Menschen von
       sozialen und klimarelevanten Fragen abgelenkt. Konservative und
       „Klima-ist-teuer“-Narrative hätten sich durchgesetzt.
       
       Christoph Hesse glaubt, man müsse dort ansetzen, wo nach Klimakatastrophen
       die Aufmerksamkeitsökonomie abflache, wie zum Beispiel im Ahrtal. „Wir
       müssen in diese Räume gehen und kollektives Gestalten wieder groß machen“,
       erklärt er. (feh)
       
       ## Wie weiter in Syrien?
       
       17.43 Uhr: „Wie kann irgendetwas aufgebaut werden, wenn gleichzeitig diese
       Verbrechen passieren?“ fragt die Autorin und Journalistin Ronya Othmann.
       Gemeint sind die Massaker an den alawitischen Minderheiten unter dem
       Interimspräsidenten Ahmed al-Scharaa. Nach einem Online-Panel mit syrischen
       Journalist*innen am frühen Nachmittag [4][geht es auf der Blauen Bühne]
       wieder um Syrien, diesmal um die Zukunft und die Hoffnung auf einen
       demokratischen Übergang.
       
       Ronya Othmann widerspricht mehrmals der Politikwissenschaftlerin und
       Journalistin Kristin Helberg, die es ebenso schwierig findet, Vertrauen in
       al-Scharaa zu setzen, die aktuellen Entwicklungen jedoch als einen ersten
       Schritt in die richtige Richtung sieht. Othmann bezeichnet dies als
       „Unsinn“, der weder das Vorgehen gegen Minderheiten noch die islamistische
       Ideologie des Interimspräsidenten berücksichtige.
       
       Der Jurist und Nahost-Experte Naseef Naeem ordnet hingegen die rechtlichen
       Entwicklungen ein und warnt davor, auf der verabschiedeten
       Übergangsverfassung demokratische Hoffnungen zu bauen: Worte wie Demokratie
       oder Volkssouveränität kämen darin nicht vor. Es sei schwierig, sich
       Versöhnung und Demokratie vorzustellen, wenn man sich die Gewalt der
       letzten Jahre vor Augen führe, so Helberg weiter. „Syrien ist ein Land
       voller Opfer, aber niemand hat sich dafür entschuldigt.“ (jg)
       
       Jan van Aken: „Es ist genug Geld da, es ist nur falsch verteilt“
       
       17.49 Uhr: Jan van Aken, noch Parteivorsitzender der Linken, hat
       angekündigt, nicht mehr für den Parteivorsitz zu kandidieren. Beim Panel
       [5][„Rot-Rot-Grün und alles würde gut?“], stellt er sich gemeinsam mit
       Katharina Dröge (B90/Grüne) in der taz-Kantine noch einmal den Fragen der
       taz. Gestellt werden diese von den beiden Parlamentsredakteur:innen
       Anja Krüger und Tobias Schulze.
       
       Die beiden Politiker:innen sind sich in vielem einig. Zum Beispiel,
       wenn es darum geht, Bürger:innen vor Energiepreisschocks zu schützen und
       Mineralölkonzerne ins Visier zu nehmen. Einer Meinung sind sie aber nicht
       immer. „Es gibt Themen, wo wir uns natürlich hart streiten. Das ist zum
       Beispiel die Außenpolitik“, sagt Dröge. Sowohl im Nahostkonflikt als auch
       in Bezug auf die Ukraine gibt es tiefe Gräben zwischen den Parteien.
       
       Was beide Parteien gleich beträfe, sei die politische Hoffnungslosigkeit
       vieler progressiver Menschen, so Dröge. „Wir müssen ganz konkrete
       Vorschläge machen, wo die Menschen sehen, okay, das kann funktionieren“,
       sagt van Aken darüber, wie progressive Kräfte wieder positive
       Zukunftsnarrative stricken sollten, um wieder mehrheitsfähig zu werden.
       Wichtig dafür seien Steuern, so der Konsens der beiden Politiker:innen.
       „Die Lösung für fast alles ist die Vermögensteuer. Es ist genug Geld da, es
       ist nur falsch verteilt“, sagt van Aken und räumt damit den lautesten
       Beifall des Panels ab. (tik)
       
       ## Was man von Victor Orbán lernen kann
       
       17.43 Uhr: Obwohl der Tag sich dem Ende zuneigt und der Besselpark langsam
       leerer wird, platzt der grüne Küchentisch aus allen Nähten, als die
       taz.eins-Ressortleiterin Anna Klöpper mit der Politikwissenschaftlerin
       Eszter Kováts darüber spricht, [6][was die gesellschaftliche und politische
       Linke von Orbáns Abwahl lernen kann]. (lv)
       
       ## Geraubter Stolz
       
       17.30 Uhr: Später am Nachmittag wird es wieder transatlantisch. Die
       US-Star-Soziologin Arlie Russell Hochschild spricht mit Mareike Barmeyer
       und Gina Bucher über die „emotionale Gefangennahme“ der weißen
       Arbeiterklasse durch Donald Trump. Hochschild, die jahrelang in den
       abgehängten Regionen der USA geforscht hat, warnt davor, die
       Wähler:innen der Rechten einfach abzustempeln. „Beschuldigt nicht die
       Opfer, sondern geht auf sie zu.“
       
       Die Demokratische Partei, die historisch die Stimme der Arbeiterklasse war,
       hat sich zunehmend marginalisiert und von ihrer einstigen Basis entfernt.
       Während die politische Linke schrumpft, füllt die Rechte das emotionale
       Vakuum mit einer Erzählung von Wiedergutmachung und neuem Nationalstolz.
       Wer verstehen will, [7][wie die USA in dieses „Mess“ geraten sind], muss
       laut Hochschild den Schmerz und die Scham derer ernst nehmen, die sich vom
       politischen Diskurs ignoriert fühlen. (pc)
       
       ## Schnaps und Konfetti für Ostdeutschland
       
       17.10 Uhr: „Wir haben keine Becher mehr“, stellt Chefredakteurin Katrin
       Gottschalk fest. Auch am Nachmittag könne man also bestens ein
       Schnapsformat beginnen. Und das geht so: Drei Moderierende, sechs
       Gäst*innen und flaschenweise Schnaps.
       
       Bei [8][„Wetten dass … die Demokratie gewinnt?“] auf der gelben Bühne im
       Park kommen nach und nach mehr Gäst*innen auf die Bühne. Unter den Bäumen
       lauscht das Publikum dem Panel anlässlich der Landtagswahlen in
       Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im Herbst.
       
       Zuerst begrüßt Katrin Gottschalk Cathleen Hoffmann und Silvio Witt. Der
       ehemalige Oberbürgermeister von Neubrandenburg Witt spricht offen über
       seinen Rücktritt zum 1. Mai 2025. „Eine Kapitulation war es nicht“, sagt er
       und erzählt, wie er über Jahre hinweg versucht hat, rechte und konservative
       Kräfte in der Region zurückzudrängen. Doch irgendwann sei ihm die Kraft
       ausgegangen.
       
       Trotz schwerer Themen ist die Stimmung vor der gelben Bühne keinesfalls
       hoffnungslos. Im Gegenteil: Es regnet Konfetti. Denn Rachel Hanf, die
       Mitorganisatorin des ersten CSDs in Grevesmühlen, hat heute Geburtstag. Die
       20-Jährige ist schon seit fünf Jahren politisch aktiv. „Uns wurden einige
       Steine in den Weg gelegt“, berichtet sie. Aber: „Keiner macht was. Da habe
       ich gesagt: Dann muss ich halt ran.“ Das Publikum ist tief beeindruckt von
       der jungen Aktivistin, die dieses Jahr den CSD in Wismar organisiert. Auch
       Alicja Orlow, Robert Fietzke und Marcel Böge berichten moderiert von Anne
       Fromm und Konrad Litschko von ihrer Arbeit in Sachsen-Anhalt und
       Mecklenburg-Vorpommern. Am Ende des Panels kann das Publikum eine
       Außenwette einbringen. (kr)
       
       ## Geschmückte taz
       
       17.03 Uhr: Fragen Sie, die Sie heute vor Ort sind, sich auch, was es mit
       diesen merkwürdigen Linien am Gebäude auf sich hat? Die Antwort: Zur Feier
       des Tages wurde die Fassade des taz-Gebäudes mit unlesbaren, aber nicht
       unleserlichen Zeichen geschmückt. Was genau es damit auf sich hat, können
       unsere Gäste [9][bei der Face-to-Trace-Performance im direkten Gespräch]
       mit dem Berliner Künstler Axel Malik erfahren (lv)
       
       ## Journalismus, jetzt auch auf Social Media
       
       16.50 Uhr: Auf der pinken Bühne geht es um die Frage [10][„Was ist
       Newsfluencing?“]. Der Großteil der unter 20-Jährigen bezieht seine
       Nachrichten heute online – viele davon auch über soziale Plattformen. Auf
       die Frage, wer überhaupt keine Nachrichten über Social Media konsumiert,
       gehen nur zwei Hände hoch.
       
       Die eingeladenen Newsfluencer:innen Tessniem Kadiri, Sophia Sailer und
       Chris Müller moderieren alle Nachrichtenformate auf Social Media. Doch mit
       dem ihnen aufgedrückten Label können sie sich größtenteils nicht
       identifizieren. „In erster Linie bin ich ein ausgebildeter Journalist“,
       erklärt Müller, der unter anderem seine Recherchen auf Youtube präsentiert.
       
       Mit dem Begriff „Newsfluencing“ geht häufig ein Vorwurf aus dem klassischen
       Journalismus einher: Newsfluencer würden Menschen beeinflussen und seien
       nicht neutral. Tessniem Kadiri, die einen Tiktok-Kanal des WDR moderiert,
       hält diese Kritik für irreführend: „Wenn du eine klare Meinung äußerst,
       performst du wahrscheinlich besser. Das kann manchmal eine Gefahr sein“,
       sagt Kadiri. Dennoch könne man nicht pauschal behaupten, Content Creator
       würden ihre Meinungen schlechter kennzeichnen oder seien grundsätzlich
       weniger neutral. Die Journalistin Sophia Sailer stimmt ihr zu: „Außerdem
       muss man sagen: Es gibt keine komplett neutrale Berichterstattung.“ Jede
       Journalistin und jeder Journalist betrachte die Welt aus einer bestimmten
       Haltung heraus. Newsfluencer:innen würden diese Haltung oft sogar
       transparenter machen als klassische Redaktionen. (aho)
       
       ## Dröge und van Aken in der rot-grün-roten Maske
       
       16.53 Uhr: Katharina Dröge und Jan van Aken halten in der Maske noch einen
       kleinen Schnack. Es wird gelacht. Wird hier Rot-Grün-Rot vorbereitet? (jvb)
       
       ## Ulf Poschardt auf instabilen Brücken
       
       16.45 Uhr: [11][Es ist eng vor der Podcastbühne.] Ob Ulf Poschardt,
       Herausgeber der Welt-Gruppe, beim taz lab spricht, hat intern für
       „mannigfaltige Diskussionen“ gesorgt, wie Kurator Jan Feddersen einräumt.
       Dort moderiert er die Veranstaltung mit den Podcast-Hosts Dominik Steffens
       und Benjamin Scherp.
       
       Auf dem rein männlich besetzten Podium fliegen direkt die Giftpfeile
       Richtung „Blasenlogik“. Die taz sei zwar großartig, wenn sie Unerwartetes
       tue, aber mittlerweile oft „schwer auszuhalten“, wenn sie nur noch das
       eigene Milieu spiegele, sagt Poschardt. Er diagnostiziert eine
       „Totalverblödung“ und warnt, dass das Land noch dieses Jahr gegen die Wand
       fahre, wenn sich nichts strukturell ändere.
       
       Warum ist er überhaupt hier? „Wegen Jan“, sagt Poschardt knapp. Er sehe
       jeden Versuch als sinnvoll an, aus der eigenen Blase herauszutreten, auch
       wenn er moralisches Argumentieren als „verlogen“ ablehnt. Die Brücken, die
       hier heute gebaut werden sollen, hält er für instabil: Wer
       Wirtschaftsnachrichten lese und nicht nur das Feuilleton, merke schnell,
       dass die Realität eine andere Sprache spreche. Vier Fünftel dessen, was
       heute auf dem taz lab verhandelt wird, würde er am liebsten abschaffen.
       (pc)
       
       ## Kann Stillen feministisch sein?
       
       16.35 Uhr: [12][Ist Breast tatsächlich best?], fragt am Küchentisch
       Moderatorin Nora Belghaus die Stillberaterin Christiane Stange am grünen
       Küchentisch. Der Journalistin Lisa Kreuzmann wird diese Frage
       gesellschaftlich nicht umfangreich genug beantwortet.
       
       90 Prozent der Frauen geben vor der Geburt ihres Kindes an stillen zu
       wollen. Lisa Kreuzmann argumentiert, dass sich viele unter Druck gesetzt
       fühlen, und findet, zu einer freien Entscheidung gehört auch, sich über
       alle Möglichkeiten ausreichend informieren zu können.
       
       Eberhard Schäfer bringt ein, das Stillen dazu beitragen könnte,
       traditionelle Geschlechterrollen zu verfestigen, weil der Vater zum Stillen
       in der Regel nicht gebraucht wird. (taz)
       
       ## Die Wahrheit ist ja …
       
       16.27 Uhr: Die pralle Sonne strahlt auf die lila Bühne, wo taz-Redakteure
       beim Panel [13][„Alles Satire – oder: was jetzt?“] laut darüber nachdenken,
       was Satire überhaupt ist, wo ihre Grenzen liegen und wie es eigentlich mit
       dem Humor in der taz aussieht. Passend zum Ressort ist die Stimmung
       aufgeheitert, wie auch beim Publikum.
       
       „Satire ist, wenn ich einem Arschloch zu verstehen gebe, dass es ein
       Arschloch ist, ohne zu sagen, dass es ein Arschloch ist“, erklärt
       taz-Wahrheits-Redakteur Michael Ringel. „Der Witz in Satire liegt darin,
       dass sie weh tut“, sagt indes Doris Akrap, die Leitung der Medienseite der
       taz. Mitsuo Iwamato, wochentaz-Redakteur, würde sich wünschen, dass die
       Wahrheit in alle Richtungen gleichermaßen schießt, ohne doppelte Standards
       zu pflegen. (tik)
       
       ## Die Versäumnisse der US-Demokraten
       
       16.21 Uhr: „Hillary Clinton war 2016 keine geeignete Konkurrentin für
       Trump. Ihr fehlte es an Wärme und Nahbarkeit“ sagte Holger Stark,
       stellvertretender Chefredakteur der Zeit, glich zu Beginn des Panels
       [14][„Trump oder: Waschen wir unsere Hände in Unschuld?“].
       
       Wie es passieren konnte, dass Trump erneut zum US-Präsidenten gewählt
       wurde, erklärt der Journalist mit der Ansprache der Arbeiterklasse: Trump
       konnte sich – trotz seines Reichtums – erfolgreich als deren Vertreter
       inszenieren. Statt auf Identitätspolitik setzt er auf Themen wie Migration
       und steigende Lebenshaltungskosten. Darüber hinaus gelingt es ihm, Menschen
       zu entertainen – in Starks Worten: „Der Typ hat den Laden im Griff.“
       
       Die politische Linke hingegen konnte keine vergleichbare Mobilisierung
       erreichen. Es mangele an klaren, alltagsnahen Botschaften und einer
       überzeugenden Ansprache breiter Wählerschichten, wie die der
       Arbeiterklasse. Vor diesem Hintergrund stellt sich die entscheidende Frage:
       Gelingt es den Demokraten, für die nächste Wahl eine Kandidatin oder einen
       Kandidaten zu finden, der diese Lücke schließen kann? (kb)
       
       ## Der Staat und seine Fürsorgepflicht
       
       16.05 Uhr: Auf der pinken Bühne stellen sich Psychotherapeut Lukas Maher,
       Psychologin Emelie Dürrwächter und Moderatorin sowie taz-lab-Redakteurin
       Lenja Vogt die Frage: [15][„Wie geht’s dir?“]
       
       Das Gespräch startet mit einer großen Frage: Wie gehe ich mit der aktuellen
       politischen Lage und dem Weltschmerz um? Die beiden Speaker*innen sind
       sich einig: Social Media verstärkt diese Gefühle, und gegen Ohnmacht helfen
       Gespräche mit dem Umfeld und Therapie. Einigkeit herrscht auch in einer
       anderen Frage: Psychotherapie ist politisch. Maher sieht Kürzungen von
       Psychotherapie als eine autoritäre Sparpolitik. „Ein Staat hat eine
       Fürsorgepflicht seinen Bürger*innen gegenüber“.
       
       Zum Schluss diskutiert das Publikum fleißig mit. Suchen junge Menschen zu
       sehr Zuflucht in Diagnosen, über die sie sich identifizieren? Fehlt es der
       Psychotherapie an kultureller Kompetenz und hat sie einen utopischen
       Neutralitätsanspruch? (wh)
       
       Aktuell im Livestream: Lieben Sie Ulf Poschardt?
       
       16.00 Uhr: Seine Einladung zum tazlab kommentierte der Welt-Herausgeber Ulf
       Poschardt auf Instagram mit dem Hinweis: „Sie lieben mich.“ Im Podcast
       „based“ der Journalisten Dominik Steffens und Bejamin Scherp, die live im
       Frizzforum aufnehmen, geht es um Meinungen, vielleicht ja auch Liebe,
       [16][aber hören und schauen Sie doch einfach selbst]. (ab)
       
       ## Kaufen Sie dieses Panel!
       
       15.50 Uhr: Außenwerbung ist übergriffig – diese Meinung vertritt der
       Initiator von Berlin Werbefrei Fadi El-Ghazi. „In unserem Leben ist Werbung
       allgegenwärtig, und unsere Freiheit zu entscheiden, was wir sehen wollen,
       wird dadurch eingeschränkt.“
       
       Nachdem ein paar Orangen vom „Küchentisch“ an die Zuhörenden verteilt
       werden, erklärt El-Ghazi im Gespräch mit Moderator Dieter Schwengler, dass
       die Initiative nicht jegliche Werbung verbieten will. Es geht vielmehr um
       ein ausgewogenes Verhältnis zwischen gestalterischen Aspekten, dem
       Informationsinteresse der Bevölkerung und den Interessen der Wirtschaft.
       Momentan ist das anders: Unternehmen, die es sich leisten können,
       bestimmen, was wir den ganzen Tag sehen. Und das, was wir sehen, prägt
       unsere Gedanken und unseren Alltag, so El-Ghazi. (la)
       
       ## Wie läuft es eigentlich mit der Seitenwende?
       
       15.37 Uhr: Seit dem 17. Oktober 2025 erscheint die taz unter der Woche nur
       noch digital. Und wie finden die Leser*innen das? Das fragen
       taz-Geschäftsführer Andreas Marggraf und Chefredakteurin Katrin Gottschalk
       die taz-lab-Besucher*innen [17][auf der Juwelen-Agora]. Vor allem viele
       ältere Leser*innen sind gekommen und teilen ihre Meinung: „Also ich lese
       seitdem die taz deutlich weniger“, erzählt ein älterer Leser. Ein anderer
       berichtet, seitdem sogar mehr zu lesen und die Vorlesefunktion für sich
       entdeckt zu haben. „Und wie finden Sie die wochentaz?“, fragt
       Chefredakteurin Katrin Gottschalk das Publikum und hört sich die
       Rückmeldungen gespannt an. (kr)
       
       ## Dating-Dystopien: Wenn die Matrix glicht
       
       15.35 Uhr: Es ist [18][das „wohl wichtigste Panel des Tages“], wie
       Moderatorin Anastasia Zejneli (taz) die Runde mit den Influencerinnen Elli
       Edich, Ena Soukou und Vici einläutet, die auf Social Media jeweils aus
       ihrem Dating-Leben berichten. Die schnellen Urteile fallen schon beim
       Aufwärmen: Wer auf Dating-Apps ein Gruppenfoto als Erstes zeigt oder sich
       oben ohne präsentiert, wird meistens direkt mit nach links geswiped.
       
       Ena Soukou stellt trocken fest, dass viele Männer schlicht „Angst vor mir
       haben“ und dass ein Großteil der Dates ohnehin nicht „content-würdig“ sei.
       Respekt steht bei ihr trotzdem obenan: Während sie jemanden datet, spricht
       sie online nicht darüber. Die Besonderheiten des Lebens als
       Dating-Influencerin zeigen sich auch bei Vici: Während eines Dates machte
       sich ihr Gegenüber über ihre Arbeit lustig, um kurz darauf von einem Fan
       unterbrochen zu werden, der sie um ein gemeinsames Foto bat. Elli Edich
       berichtet von einem Mann in der U-Bahn, der angeblich genau in dem Moment
       ein Video von ihr in seiner Timeline hatte, als sie sich ihm gegenüber auf
       einen Platz setzte. Solche „Glitch-in-the-Matrix“-Momente sind ein Grund
       für das ungebrochene Interesse an Dating-Stories. Ellis Fazit: Die Leute
       sind „hooked“, weil sie sich in den Situationships und Red Flags der
       anderen selbst wiedererkennen. (pc)
       
       ## „In der Ideologie des Regimes haben sie gewonnen“
       
       15.28 Uhr: „Die Stimmen, die besonders laut nach einem militärischen
       Eingriff gerufen haben, kamen vor allem aus dem Ausland“, sagt die Autorin
       Daniela Sepehri. Sie hat Familie im Iran und spricht mit dem Journalisten
       und Autor Ali Sadrzadeh über die aktuelle Lage im Nahen Osten,
       taz-Redakteur Andreas Fanizadeh moderiert.
       
       Sadrzadeh war schon bei der iranischen Revolution 1979 als Berichterstatter
       vor Ort. Heute sitzt er auf der blauen Bühne beim Panel [19][„Der Iran und
       die Linke“], und sagt: „Die Herrschenden im Iran wollen die Lage so schnell
       wie möglich beenden.“ Sepehri widerspricht: „Das Regime sieht sich
       gestärkt. In der Ideologie des Regimes haben sie gewonnen, weil sie gegen
       die größte Armee der Welt kämpfen“, sagt sie. Sie sieht die größten
       Verlierer dieses Konfliktes in der iranischen Zivilgesellschaft. (tik)
       
       ## Keine Lust auf Atombomben
       
       15.18 Uhr: Eigentlich will Barbara Junge diese Debatte gar nicht führen.
       Das Motto des tazlabs erklärt, warum sie es trotzdem tut: um Tacheles zu
       reden. Aber ist das nun mit Blick auf Frankreichs Bereitschaft, seine
       Atombomben einem europäischen Schutzschirm zur Verfügung zu stellen, und
       Litauens Forderung, eine europäische Atombombe herzustellen, [20][eine
       reale oder eine Gespenster-Diskussion]?
       
       Die Politikwissenschaftlerin Jana Puglierin sieht uns in einem zweiten
       globalen nuklearen Zeitalter. Es sei zu Modernisierung von Nuklearwaffen in
       Russland und USA gekommen, alle Rüstungskontrollverträge sind ausgelaufen
       und auch China als neuer Akteur hat in den letzten Jahren nuklear stark
       aufgerüstet. Gleichzeitig wird zunehmend auch mit dem realen Einsatz von
       Atomwaffen wie durch Russland im Angriffskrieg gegen die Ukraine gedroht.
       Wir sähen ein globales nukleares Säbelrasseln. Politikwissenschaftler
       Tobias Bunde pflichtet dem bei und sieht uns alle heute in einer Welt
       leben, in der wir tatsächlich nuklear bedroht werden. Dem könnten wir nur
       mit einer eigenen nuklearen Abschreckung entgegnen, welche die
       Mitgliedschaft in der Nato nicht mehr garantiere. (bsz)
       
       ## Ein Berliner Junge bei Gilda con Arne
       
       15.09 Uhr: „Wer von uns ist liebevoll und wer von uns ist rabiat?“ fragt
       Gilda Sahebi ihren Co-Host Arne Semsrott zu Beginn der
       Live-Podcast-Aufnahme von [21][„Gilda con Arne“]. Der antwortet: „Ich
       denke, ich bin liebevoll und du bist (kurze Spannungspause) beides.“
       
       Zu Gast ist Engin Çatık, seit Januar 2025 Schulleiter der
       Friedrich-Bergius-Schule, die häufig als „Problemschule“ bezeichnet wird.
       Viral ist die Schule aufgrund eines Brandbriefs gegangen, den das Kollegium
       im November 2024 geschrieben hat. „Ich bin Berliner Junge“, stellt er sich
       vor.
       
       „Migration ist nicht die Ursache, da spielen ganz viele Faktoren eine
       Rolle“, betont er immer wieder im Gespräch. Eine Familie kann die schlimmen
       Erfahrungen, die viele Schüler*innen heute machen, nicht alleine
       auffangen, sagt er. Schule spiele dabei eine wichtige Rolle. Viele der
       Schüler*innen kommen aus armutsbelasteten Familien. Dadurch haben sie
       viele Steine im Rucksack und es sei wichtig, die Jugendlichen darin zu
       unterstützen, diese Steine nach und nach auszupacken. „Ich bin nicht der
       Meinung, dass mehr Repression zu Erfolg führt. Ich leite ja keine Kaserne,
       sondern eine pädagogische Einrichtung.“, so Çatık. (kr)
       
       ## Luna Möbius: „Mit Tiktok hätte ich besser Mathe gelernt als in der
       Schule“
       
       15.05 Uhr: Verbote müssen nicht immer schlecht sein. Aber gilt das auch für
       Tiktok? Das diskutieren Luna Möbius, Gian Brunschwiler, Silke Müller und
       Martha Helene Radtke unter dem Titel [22][„Tiktok verbieten?“].
       
       Tiktok ist nachweislich für die Entwicklung von jungen Menschen schädlich.
       Ein klares Argument dafür, Tiktok zu verbieten, oder? Luna ist anderer
       Meinung: „Ob ich mit 12 oder mit 25 Hasskommentare von meinem Account
       löschen muss, da hilft mir auch ein Social-Media-Verbot nicht.“ Zumal:
       Spiegelt sich in sozialen Netzwerken nicht vor allem unsere Gesellschaft
       selbst und würde ein Verbot die Probleme nicht nur verlagern? (la)
       
       ## Nicht alles gefaked: Reality-TV im Realitätscheck
       
       15.03 Uhr: Sich in einer queeren Dating-Show wirklich verlieben? Dass das
       möglich ist, zeigen Lucia Schöber und Seleya Ludwig. Die beiden lernten
       sich 2024 bei „Princess Charming“ kennen und sind seitdem ein Paar.
       
       Die beiden diskutieren zusammen mit Lina Westphal, die ebenfalls die
       deutsche Reality-TV-Welt durch ihre Teilnahme an „Are you the One“ im Jahr
       2023 kennt, unter dem Titel [23][„Alles nur Trash?“] über Authentizität im
       Fernsehen.
       
       Lina vertritt eine klare Position: „Die meisten kommen zu diesen Formaten
       mit dem Ziel, danach einen Durchbruch als Influencer zu erreichen.“ Sie
       führt fort: „Diejenigen, die schon öfter an den Formaten teilgenommen
       haben, vergessen häufig, dass sie eigentlich Z-Promis sind. Ihr Bezug zur
       Realität geht verloren.“Lucia und Seleya stimmen dem grundsätzlich zu.
       Gleichzeitig betonen sie Unterschiede zwischen den Formaten: Während bei
       „Are You The One?“ Gespräche über gesellschaftliche oder politische Themen
       keinen Raum hätten, sei dies bei „Princess Charming“ zumindest teilweise
       möglich gewesen. Dennoch, so ihr Fazit, bleibe es „ein kapitalistisch
       ausgerichtetes RTL-Format“. (kb)
       
       Wie viel will die Klimabewegung?
       
       14.53 Uhr: Sollten sich Klimabewegungen mehr auf ihr Kernthema fokussieren?
       [24][Darum geht es am grünen Küchentisch], moderiert von taz-Klimaredakteur
       Jonas Waack. Der Journalist Bernward Janzing setzt dazu den Impuls: Er
       sieht in der aktuellen Klimabewegung, dass sich die Repräsentant*innen
       zu allen Reizthemen positionieren müssten, „überall wo eine Kamera drauf
       gerichtet wird.“ Das sei nicht zielführend. Die Sprecherin von Fridays for
       Future Carla Reemtsma widerspricht: Klimafragen seien auch Machtfragen, da
       sie von großen Ungleichheiten geprägt seien. „Das ist global eine
       Ungerechtigkeitskrise, und das ist auch in Deutschland eine
       Ungerechtigkeitskrise.“ Klimaforscher Stefan Rahmstorf betont, dass ein
       ideologisches Verständnis da nicht zielführend sei. „Das Thema Klima gehört
       nicht in eine bestimmte politische Ecke – das ist ein Überlebensthema für
       die Menschheit.“ Luke Hoß, Bundestagsabgeordneter für Die Linke, sieht hier
       wiederum eine Frage der Zielgruppen: Wen wolle man erreichen? Und wie viele
       Menschen wären nicht dabei, wenn auch die Themen nicht so breit gesetzt
       würden? (jg)
       
       ## Berichte aus Gummibärland
       
       14.52 Uhr: Mit neun Jahren kommt Ira Peter ins „Gummibärland“ – so nennt
       sie Deutschland, das Land, aus dem ihr Onkel früher Päckchen voller
       Gummibären in ihre damalige Heimat Kasachstan schickte. Nur: Als sie selbst
       ankommt, ist ihr Leben längst nicht so süß wie erträumt.
       
       „Meine Herkunft wurde ab der fünften Klasse zum Ballast“, liest Peter auf
       der Lila Bühne aus ihrem Buch [25][„Deutsch genug? Warum wir endlich über
       Russlanddeutsche sprechen müssen“]. In ihrem Sachbuch verwebt sie ihre ganz
       persönliche Geschichte in eine Analyse über die rund 2,5 Millionen in
       Deutschland lebenden Russlanddeutschen. In der Schule begann Peter sich mit
       den anderen „deutschen“ Kindern zu vergleichen. Und mit dem Vergleich kam
       auch die Scham über ihr Anderssein, ihre Familie, und deren Geschichte:
       1936 wurden ihre Großeltern von Wolhynien nach Nordkasachstan deportiert,
       1992 kam ihre Familie nach Deutschland. Der Schulabschluss ihrer Mutter
       wurde wie von vielen anderen Russlanddeutschen damals nicht anerkannt, und
       so wuchs Peter mit einer Mutter auf, die sich schwertat in Deutschland
       anzukommen und deren „Seele“ noch lange Zeit in Kasachstan festhing. (aho)
       
       ## Journalist*innen erzählen, wie man ins Gefängnis kommt
       
       14.46 Uhr: Die Zuschauer*innen fluten den Workshopraum im Frizzforum, in
       dem taz-Redakteure*innen von ihren investigativen Recherchen erzählten.
       Zunächst führte Konrad Litschko aus, wie er es geschafft hat, Maja T. im
       ungarischen Gefängnis zu besuchen. „Es ist immer Gold wert, rauszufahren
       und die Leute zu besuchen“, sagt er. Das Publikum hat viele Fragen an die
       Journalist*innen, sei es, wie eine Instrumentalisierung durch Quellen
       versucht wird oder der Umgang mit anonymen Tipps aussieht. Im Raum lassen
       sich Videos auf dem Beamer nicht abspieln, da springt eine Person aus dem
       Publikum kurzerhand auf und will helfen. Das WLAN spielt aber nicht mit,
       Applaus gibt’s trotzdem. (fh)
       
       ## Eva Illouz: Der Anspruch der Linken bleibt
       
       14.40 Uhr: Für Eva Illouz ist der grundlegende Anspruch einer politischen
       Linken immer noch das Herstellen von Gleichheit nach objektiven Kriterien,
       also die gerechte Verteilung der Güter und Ressourcen einer Gesellschaft.
       Der Journalist Paul Mason stimmt zu und ergänzt, es sei in letzter Zeit zur
       Auflösung des Proletariats als integralem Bestandteil der politischen
       Linken gekommen. Illouz führt fort, dass sie nach dem Hamas-Massaker am 7.
       Oktober 2023 in Frankreich und weltweit einen kompletten Zusammenbruch der
       Linken infolge ihrer katastrophalen Reaktion auf die Ereignisse in Israel
       und Gaza gesehen habe. Das Publikum applaudiert heftig. Mason ist der
       Meinung, die englische Linke habe schon immer eine Unfähigkeit gezeigt,
       bestimmte Verbrechen wie die des Stalinismus benennen zu können. Heute
       seien die Antisemiten, die der Parteivorsitzende der Labour Party Corbyn
       aus der Partei geschmissen hat, sogar noch radikaler antisemitisch bei der
       Grünen Partei Großbritanniens aktiv. (bsz)
       
       ## Nicht nur die AfD ist konservativ
       
       14.32 Uhr: Im Podcastraum des Frizzforums begrüßt taz-Redakteur Dennis
       Chiponda seine Gäst*innen Katjab Dietrich und Frank Kliem zur
       Live-Aufnahme von „Mauerecho“, einem Podcast der taz panterstiftung.
       
       Dietrich, die Oberbürgermeisterin von Weißwasser in Sachsen, berichtet von
       ihrer Arbeit in der Kommunalpolitik. In ihrem Landkreis ist die AfD die
       stärkste Kraft und hat ein Gender-Verbot für die Stadtverwaltung
       durchgesetzt. Wichtig sei aber auch, so Dietrich, dabei nicht nur auf die
       AfD, sondern auch auf andere konservative Kräfte zu schauen, denn: „Da
       haben mehr abgestimmt als nur die AfD, sonst hätten sie es ja nicht
       durchbekommen.“
       
       „Gibt es überhaupt eine Brandmauer?“, fragt darauf hin Moderator Dennis
       Chiponda. Kliem, Vizepräsident der brandenburgischen Feuerwehr, steigt in
       die Diskussion ein und sagt: „Vielleicht machen wir es uns auch zu einfach,
       wenn wir von einer Brandmauer reden.“ Er findet, wir sollten uns eher
       fragen: „Wie distanziert sich jede*r in seinem konkreten Leben und
       Arbeitsbereich von den Themen und Inhalten der AfD?“ (kr)
       
       ## Liebevolles Gedrängel
       
       14.25 Uhr: „Wie in der S-Bahn: Erst aussteigen lassen und dann einsteigen“,
       sagt ein Besucher im ersten Stock des Frizz Forums. Die Schlange geht die
       Treppe hinunter, es ist richtig voll, kurz wird ein kleines bisschen
       gedrängelt, aber natürlich ganz liebevoll. (kr)
       
       ## Caren Lay über Wohnraumdebatte: „Aber dann passiert nichts“
       
       14.22 Uhr: Ähnlich wie bei Wohnungsbesichtigungen gibt es am Panel
       [26][„Wohntst du noch oder suchst du schon?“] auf der gelben Bühne
       reichlich Interessent:innen. Anders als bei der Wohnungssuche ist das hier
       ein gutes Zeichen. „Wohnen ist die soziale Frage unserer Zeit sagen im
       Wahlkampf alle. Aber dann passiert nichts“, sagt die Bundestagsabgeordnete
       Caren Lay (Die Linke). Gemeinsam mit dem Filmemacher Florian Opitz und
       Andreas Krüger von der Belius Stiftung diskutieren sie, wie man die
       Mietenkrise der Hauptstadt überwinden könnte. „Umverteilung ist die
       Quintessenz von fast jedem Film, den ich gemacht habe“, sagt Opitz, der
       sich in seinen Filmen immer wieder mit gesellschaftlichen und
       wirtschaftlichen Missständen, besonders in Berlin, auseinandersetzt.
       
       Neben den Speakern steht ein Whiteboard, auf dem parallel zur Debatte eine
       live-Illustration des Graphic Recording Artists Christoph Kunst entsteht.
       (tik)
       
       ## Gewalt ist keine Lösung, aber was ist es dann?
       
       14.10 Uhr: Die Antifa steht unter Druck, wie gut deswegen, dass es beim
       tazlab [27][ein gleichnamiges Panel] gibt. Sven Richwin, Anwalt der
       inhaftierten Maja T., ist Teil der Diskussion. Es habe keinen Zeitpunkt des
       Verfahrens gegeben, in dem Maja konkreter Gewalttaten beschuldigt wurde.
       Trotzdem wird sie immer wieder in Verbindung mit dem gewaltsamen Vorgehen
       einer unbestimmten Gruppe gebracht. Auch Nele steht in Düsseldorf im
       Zusammenhang mit dem Budapest-Komplex vor Gericht. Ihre Schwester Lili
       Aschoff ist heute hier auf der Bühne. Sie berichtet, wie sie den Prozess
       ihrer Schwester wahrnimmt und welche Erfahrungen sie mit deutschen
       Gefängnissen gemacht hat.
       
       Hitzig wird die Debatte zwischen Clara-Sophia Müller und Torsten Franz, den
       weiteren Panelistas. Die Kampfsportlerin Müller hat den Eindruck, dass eine
       Entwicklung hin zu mehr Militanz und Gewalt in Teilen der linken Szene
       festzustellen ist, die sie mit Verfolgungsdruck und schwindendem Vertrauen
       in den Staat erklärt. Linke Gewalttaten entstünden, weil man sich in einem
       historischen Moment wähnt und dadurch Taten legitimiert. Torsten Franz
       sieht das anders. (la)
       
       ## Steffen Mau: „Konflikt hat Nachrichtenwert“
       
       14.05 Uhr: Bevor es losgeht, bittet taz-Redakteur Jan Feddersen erstmal um
       Applaus für den Jingle vor jedem Panel, der folgt prompt. Und dann geht es
       los: Im Panel [28][„Polarisierung – na und?“] spricht er mit den Soziologen
       Steffen Mau und Nils C. Kumkar über die vermeintliche Polarisierung unserer
       Gesellschaft. „Konflikt hat Nachrichtenwert. Er wird in den Massenmedien
       überbetont“, sagt Soziologe Nils C. Kumkar. Steffen Mau betont: Streit und
       Auseinandersetzung gehören in der Politik dazu. „Der politische und
       diskursive Raum sind deutlich polarisierter als die Gesellschaftsmeinung.
       Radwege in Peru, da kann Deutschland sechs Wochen darüber diskutieren.
       Dabei ist es eigentlich ein Marginalthema.“ All das, worüber man sich
       bereits einig sei, würde von diesen Diskussionen überschattet. Auch Jan
       Feddersen spricht bei den Fahrradwegen von einem „medialen Schauermärchen“.
       
       Von Peru geht es dann in die USA und schließlich zur AfD. Steffen Mau nennt
       die AfD „politische Wegelagerer“, die ihre Wählerstimmen vor allem über
       Aufregerthemen gewinnen würden. Auch Nils Kumkar ist der Meinung, dass die
       Partei ihr Elektorat vor allem über Aufregung zu mobilisieren versucht.
       (feh)
       
       Aktuell im Livestream: Was ist übrig von der Linken?
       
       14.00 Uhr: In den vergangenen Jahren sind einige linke Überzeugungen ins
       Wanken geraten, während rechte Kräfte an Macht gewannen. Und doch gibt es
       auch für Linke Potenziale – über die taz-Redakteuer Nicholas Potter jetzt
       [29][auf der roten Bühne und im Stream] mit der Soziologin Eva Illouz und
       dem Journalisten Paul Mason spricht. Servicehinweis: das Gespräch findet
       auf Englisch statt. (ab)
       
       ## Schreiben gegen die innere Furcht
       
       13.55 Uhr: Knapp eineinhalb Jahre nach dem Sturz des Assad-Regimes ist die
       Freiheit in Syrien noch immer ein zerbrechliches Gut. [30][Im Gespräch mit
       Julia Völcker erzählen drei syrische Journalistinnen von einem Leben im
       permanenten Ausnahmezustand].
       
       Raneem Khallouf, die aus Damaskus berichtet, findet drastische Worte für
       ihre Arbeit: „Wenn ich diese innere Angst nicht hätte, müsste ich meine
       Artikel nicht unter einem Pseudonym veröffentlichen.“ Trotz des politischen
       Umbruchs ist die Unsicherheit so groß, dass sie ihren Klarnamen bis heute
       schützt. In den neuen Machtstrukturen ist die weibliche Repräsentation
       zudem weiterhin minimal. Die Gefahr, dass erneut ein Regime über die Köpfe
       der Menschen hinweg spricht, ist allgegenwärtig. „Auch wenn ich unter einem
       Pseudonym schreibe, mache ich so deutlich, dass es auch andere Stimmen in
       Syrien gibt.“
       
       Alaa Al-Robai sagt, man müsse zusammenarbeiten, um Männern und Frauen sowie
       marginalisierten Gruppen ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen. Sie
       geht auch auf mentale Gesundheit als „Luxusgut“ in Syrien ein und darauf,
       wie sehr die Angst vor politischer Verfolgung die journalistische Arbeit
       einschränken kann.
       
       Auch Elaaf Al-Ali aus Idlib kennt das Doppelleben unter Decknamen gut. Zwar
       wird ihr aktuelles Medium „Syria TV“ als unabhängig wahrgenommen, doch bei
       „harten Themen“ stößt auch sie auf Einschränkungen. Ihr Ziel und das ihrer
       Kolleginnen ist die Stärkung einer echten Journalistinnenvereinigung, um
       eine wirklich unabhängige Medienlandschaft aufzubauen. (pc)
       
       ## Judith Simon: KI macht nicht alles besser
       
       13.53 Uhr: „Wie nutze ich die Zeit, die ich mit der Effizienz von KI
       gewinne? Im Moment wird immer alles schneller.“ [31][Judith Simon erklärt
       im Gespräch mit Barbara Junge,] dass KI nicht immer alles gleich besser
       macht und manchmal sogar gefährlich ist. Sie argumentiert, dass KI
       zugunsten eines kapitalistischen Systems genutzt wird, dass wir Opfer von
       Prognosen werden können.
       
       Wo ist es ein Segen, dass es KI gibt? Überall da, wo wir tatsächlich
       Mustererkennung brauchen. Generative KI lehnt Judith Simon aber
       grundsätzlich ab. (taz)
       
       ## Einfach feige: der DFB
       
       13.48 Uhr: In der von Andreas Rüttenauer moderierten Podiumsdiskussion
       [32][„Ist doch nur Fußball – Wie umgehen mit WM-Gastgeber USA?“] stellt
       Fußballpublizist Dietrich Schulze-Marmeling fest, dass andere Länder
       Deutschland für die kritischen Fanszenen beneiden würden. Die
       Haltungslosigkeit des DFB würde er dagegen hassen. „Das ist einfach feige“,
       dass die Verbände aus dieser Kette der Haltungslosigkeit auch nicht
       rausfinden wollen. Fan-Aktivist Martin Endemann stellte fest, das „System
       Fifa funktioniert perfekt.“ Die WM in den USA finde ohne wirklichen
       Widerspruch statt. (fh)
       
       ## „Deutschland steht schon ziemlich scheiße da, was die soziale
       Gerechtigkeit angeht“
       
       13:45 Uhr: Die Bildungsforscherin und Content Creatorin Lisa Niendorf,
       Journalistin und Bildungsreporterin Lea Schönborn und Schulleiter Florian
       Schmidt diskutieren gemeinsam mit Moderatorin Viktoria Isfort über gerechte
       Bildung, [33][auf dem Panel „Klassenraum 2.0“].
       
       60 Prozent der Kinder aus Akademiker*innenhaushalten gehen auf ein
       Gymnasium, während es bei Nicht-Akademiker*innenkindern 30 Prozent sind.
       Oft bei gleicher Leistung, erklärt Lea Schönborn. Das sehe sie nicht nur in
       ihren eigenen Beobachtungen, sondern auch in Studien. „Kinder, die den
       Habitus haben, das kulturelle Kapital haben, kommen viel eher aufs
       Gymnasium.“ Es sei außergewöhnlich, wie früh und stark in Deutschland
       selektiert wird.
       
       Noch deutlicher zeigen sich diese Unterschiede, wenn es um Studienplätze
       geht, ergänzt Lisa Niendorf. „Deutschland steht schon ziemlich scheiße da,
       was die soziale Gerechtigkeit angeht“, sagt Lea Schönborn. (wh)
       
       ## Über Generationen und politische Lager hinweg
       
       13.34 Uhr: Was tun, um die Mehrheit wieder von progressiver Politik zu
       überzeugen? – Das ist die große Frage, die sich die demokratischen Parteien
       gerade stellen müssen. Wenn sie darauf die perfekte Antwort hätte, wäre sie
       wahrscheinlich noch Parteivorsitzende, schmunzelt Ricarda Lang im Gespräch
       FUTURZWEI-Chefredakteur Peter Unfried.
       
       Um die „Boomerhaftigkeit“ ihres Vaters abzufangen, sitzt außerdem auch die
       Politikwissenschaftlerin und Autorin Paulina Unfried als Co-Moderation auf
       der Bühne. Denn um unsere Demokratie zu schützen, müssen wir nicht nur über
       politische Lager, sondern auch über Generationen hinweg ins Gespräch
       kommen. (lv)
       
       ## Wie funktioniert digitale Unabhängigkeit?
       
       13.28 Uhr: Die blaue Bühne sieht aus wie ein Vorlesungssaal am Ende des
       Semesters, wenn es wirklich darauf ankommt. Die Sitzplätze sind voll,
       Menschen sitzen auf dem Boden, immer wieder geht die Tür auf und mehr Leute
       kommen hinein, einige müssen stehen. Hier geht es aber nicht darum, was
       bald in der Prüfung abgefragt wird, sondern darum, [34][wie sich
       Deutschland unabhängig von Tech-Milliardären aus dem Sillicon Valley
       macht]. „Das schaffen wir nur durch Offenheit und durch
       Open-Source-Lösungen“, sagt Schleswig-Holsteins Minister für
       Digitalisierung Dirk Schrödter (CDU). Gemeinsam mit Markus Beckedahl, dem
       Gründer des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie, und Julia Pohle vom
       Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung philosophiert er darüber,
       wie Souveränität im 21. Jahrhundert aussieht. Beckedahl hat dabei Lob für
       die taz übrig. „Die taz hat schon seit den Neunzigern Open-Source-Lösungen
       entwickelt“, sagt er. (tik)
       
       Ricarda Lang: Schluss mit Progressiv-Gequatsche?
       
       13.00 Uhr: Grünen-Politikerin Ricarda Lang will mit ihrer Partei das
       Zentrum einer „progressiven Mehrheit“ bilden. [35][Auf der roten Bühne]
       fragen taz-Chefreporter Peter Unfried und die Politikwissenschaftlerin und
       Autorin Paulina Unfried sie, wie das geht. (ab)
       
       ## Trump-Time am Nachmittag
       
       12.59 Uhr: „Die größten Gesten der Macht von Donald Trump stammen von
       denen, die ihn umgeben. Die, die sich nicht empören, sondern über seine
       schlechten Witze lachen“, sagt taz-Redakteur Bernd Pickert. [36][Auf der
       Dachterrasse des Frizz Forums] spricht er gemeinsam mit den
       taz-Redakteur*innen Ulrich Gutmair, Tanja Tricarico und Martina Mescher
       über die neue wochentaz-Kolumne „Gesten der Macht“, die die vier zusammen
       schreiben.
       
       Sie diskutieren und lesen über die Funktion von Herrschaftsarchitektur,
       warum es linken Populismus braucht, und den Rheinmetall-Chef, der
       ukrainische Drohnen mit Legosteinen vergleicht. In den Kolumnen, die sie
       vorlesen, und auch im Gespräch wird immer wieder Trump zum Thema. Tanja
       Tricarico erzählt, dass es in der taz-Auslandsredaktion ein „neues Wording
       gibt: Trump-Time“. Um 15 Uhr wissen alle Bescheid, dass jetzt gleich wieder
       etwas passieren könnte. (kr)
       
       ## Ignorant oder innovativ?
       
       12.58 Uhr: „Die AfD interessiert mich nicht. Mich interessiert das Land“.
       Der Sozialpsychologe Harald Welzer plädiert [37][in dem gleichnamigen
       Panel] für einen alternativen Umgang mit antidemokratischen Kräften in
       Deutschland. Welzer weigert sich, den Namen der AfD-Partei explizit zu
       erwähnen.Ist Ignorieren die Lösung? „Ja warum nicht. Wir sollten keine
       sinnlosen Auseinandersetzungen führen, da viel wichtigere Themen zu kurz
       kommen.“
       
       Sein Lösungsvorschlag: Positive Assoziationen durch Engagement und soziale
       Bündnisse fördern. Egal wie klein oder groß. (kb)
       
       ## Warum schreiben politisch ist
       
       12:52 Uhr: Wer kann Autor*in werden? Braucht es dafür Follower*innen, und
       welche Rolle spielt Klassismus in der Buchbranche? Darüber sprechen
       Debütautorin Louise K. Böhm, Content Creatorin und Buchclub-Host Julia
       Bischoff und Journalistin Marlene Thaler beim Panel [38][„Read, Rant,
       Repeat“]. „Eine große Follower*innenschaft setzt keinen starken Text“,
       meint Louise, die in Hildesheim literarisches Schreiben und
       Kulturjournalismus studiert hat und als Arbeiterkind auf Instagram über
       Klassismus in der Buchbranche aufklärt. Schreiben ist für Louise politisch.
       Sie erinnert an die Debatte um Caroline Wahls Roman „22 Bahnen“ und stellt
       die Frage, warum diese nicht Menschen die Bühne überlasse, die selbst
       Armutserfahrungen gemacht hätten. Damit meine sie nicht, dass man nur über
       das schreiben dürfe, was man selbst erlebt habe. Aber es gehe immer darum,
       den eigenen Bias zu hinterfragen, und mit Betroffenen in Kontakt zu treten,
       anstatt sich etwas zusammenzufantasieren.
       
       Auch Julia ist davon überzeugt, dass Menschen mit einem Bias schreiben.
       Deshalb hat sie sich dafür entschieden, keine oder kaum noch Romane von
       Cis-Männern zu konsumieren. Stattdessen liest sie gerne Bücher von Women of
       Colour. Als Einstieg empfiehlt sie den Panelbesucher*innen „Mädchen,
       Frau, etc.“ von Bernardine Evaristo. (feh)
       
       ## „Die Hoffnungslosigkeit nimmt ab“
       
       12.49 Uhr: Am grünen Küchentisch essen Zuhörnde Pommes oder Linsensuppe,
       als Beilage gibt es ein bisschen Empirie von der Soziologin Antje Daniel.
       Sie forscht regelmäßig zur Klimabewegung – und der allgemeine Eindruck, es
       breite sich vor allem Fatalismus aus, halte der Realität nicht stand:
       „Aktivist*innen paaren Frustration und Angst mit Agency und
       Handlungsmacht“, sagt Antje Daniel beim Panel [39][„Hurra, die Welt geht
       unter“]. In den vergangenen Jahren hätten zwar die negativen Emotionen der
       Aktivist*innen zugenommen, „die Hoffnungslosigkeit hingegen nimmt ab“.
       
       Ergänzend merkt die Philosophin Ana Honnacker an, dass ein
       hoffnungsbesetztes Moment im apokalyptischen Diskurs liege: Das Reden von
       der Apokalypse sei eines, das das „Ende der Welt ausmalt. Aber genau
       deswegen, um es zu verhindern.“ Dieser Katastrophismus nutze sich im
       Klimadiskurs aber schnell ab. Honnacker plädiert deshalb für die Kopplung
       der „apokalyptischen Imagination an positive Visionen der Zukunft“. Das
       knüpfe an die jüdisch-christliche Apokalyptik an. „Was heißt das, wenn wir
       das in den säkularen Raum übertragen?“, fragt Honnacker. Darüber
       diskutieren sie und Antje Daniel mit taz-Redakteur Christian Jakob – und
       mit dem Publikum, das sich rege mit an den grünen Küchentisch setzt. (lla)
       
       ## Kulturkampf auf dem Teller
       
       12.39 Uhr: [40][Das Podcaster-Duo Ayşegül und Valentin] („don’t read
       theory“) habe heute eigentlich einfach über Essen reden wollen, aber von
       der taz sei der Wunsch nach mehr Kontroverse gekommen. Dabei sei Essen an
       sich ein kontroverses Thema!
       
       Ayşegül bricht dabei die oft romantisierte Sicht auf „interkulturelles
       Essen“. Statt poetisch über den Duft von Lahmacun zu schwärmen, erinnert
       sie sich an den salzigen Pökel-Geruch deutscher Metzgereien ihrer Kindheit,
       der ihr aus den Ablüftungsanlagen entgegenschlug. Diesen Geruch habe sie
       „auf Lunge geraucht wie eine Shisha“ mit dem vollen Bewusstsein, dass dies
       nach Schweinefleisch roch: etwas, das sie niemals essen würde.
       
       Wie tief der Graben politisch verläuft, zeigen zwei Videos, die das Panel
       präsentiert: Im ersten pfeffert eine Frau mit sächsischem Dialekt im Netto
       angewidert einen Tiefkühl-Lahmacun mit dem Kommentar „Dreckscheiße“ zurück
       ins Fach, nachdem sie das „Halal“-Label auf der Verpackung gelesen hat. Im
       zweiten Video entfacht Kim Kardashian eine digitale Debatte, weil sie
       Lahmacun (falsch ausgesprochen) als „Armenian Pizza“ bezeichnet – was
       prompt einen stolzen Türken auf den Plan ruft, der vor Nationalflagge und
       zu lauter Musik die kulinarische Lufthoheit zurückfordert. Der Teller ist
       ein Schlachtfeld der Identität. Ihr Fazit: Niemand isst einfach nur, ohne
       gleichzeitig eine Gesinnung mitzuverdauen. (pc)
       
       ## Ist die Polizei noch ein Freund?
       
       12.32: In der [41][Podiumsdiskussion „Freund, Helfer, Problem“] geht es um
       den von der Polizei getöteten Lorenz. In dem gefüllten Raum stellt Hubertus
       Koch klar, es sei „im Interesse der Polizei, den Diskurs zu bestimmen, da
       sie eine Konfliktpartei“ sei. Nachdem Lorenz von hinten erschossen wurde,
       sei im Sinne der Polizei alles genau richtig gelaufen, da von der Polizei
       Falschmeldungen verbreitet worden sind. Er widerspricht damit dem
       Polizisten und Grünen-Politiker Jan-Denis Wulff, der das als Fehler
       betitelt hatte. Der Aktivist Suraj Mailitafi stellte glaskar fest,
       „Journalismus hat definitiv versagt“, da Falschmeldungen viel zu häufig
       unkritisch reproduziert worden sind. (fh)
       
       ## Einfach mal kein Arschloch sein
       
       12.10 Uhr: [42][Auf der gelben Bühne sprechen der Soziologe Aladin
       El-Mafaalani und der Comedian Aurel Mertz über „verlorene Jungs“.]
       
       „Es ist ja auch mal interessant, ein Podium mit zwei Männern zu
       moderieren“, eröffnet Moderatorin Kathrin Gottschalk süffisant und setzt
       damit den Ton: In den nächsten 40 Minuten geht es nicht nur um männliche
       Krisen, sondern vor allem auch um männliche Macht. Das Publikum lacht und
       klatscht zustimmend.
       
       Einigkeit herrscht schnell: Männer stecken in einer Verunsicherungskrise.
       Während Frauen wie Männer eigentlich zunehmend Freiheiten gewinnen,
       bröckeln für viele Männer gewohnte Sicherheiten aufgrund schwindender
       Dominanz. Mehr Optionen im Leben bedeuten für viele Männer auch
       Überforderung und nicht Fortschritt.
       
       Mertz sieht genau darin den Reiz rückwärtsgewandter Männlichkeitsbilder für
       viele Männer. Für sein Buch „Verlorene Jungs“ hat er selbst ein
       Männlichkeitscamp besucht. Sein Eindruck: Dort wird Dominanz als Ersatz für
       fehlende Selbstliebe trainiert. Sein Lösungsvorschlag: eine Gesellschaft,
       in der Männer nicht für Härte, sondern für soziale Kompetenz Anerkennung
       bekommen. Doch bei aller Empathie für Männer, die orientierungslos von
       mangelnden Beziehungen in ihrem Leben berichten: „Helfen würde auch,
       einfach mal kein Arschloch zu sein“, stellt Mertz provokativ fest. (aho)
       
       ## Bundestalk mal live
       
       12.00 Uhr: Wöchentlich gibt es auf taz.de den [43][Podcast Bundestalk].
       Heute haben Sabine am Orde, Martina Mescher, Bernd Pickert und Stefan
       Reinecke ihn mal vor Publikum aufgezeichnet.
       
       Aktuell im Livestream: Ronen Steinke und Deniz Yücel über Meinungsfreiheit
       
       12.00 Uhr: Aktuell gibt es i[44][m Livestream] ein Gespräch über falsche
       oder richtige Grenzen der Meinungsfreiheit mit Deniz Yücel, Elisa Hoven und
       Ronen Steinke.
       
       Die einen sagen, die Meinungsfreiheit in Deutschland sei in Gefahr, andere
       finden, ihre Grenzen müssen enger gezogen werden. Und das alles natürlich
       vor allem dann, wenn der eigenen Meinung widersprochen wird. Wie steht es
       also um die Meinungsfreiheit? Was passiert mit sogenannten
       Hate-Crime-Fällen, die angezeigt oder den einschlägigen Meldestellen
       gemeldet werden? Und warum haben diese Fälle in den vergangenen Jahren so
       zugenommen? Wer bedroht hier wen und was? Sind engere Grenzen des Sagbaren
       wichtig und notwendig oder bergen sie auch neue Gefahren?
       
       Fragen über Fragen, erörtert mit dem PEN Berlin-Sprecher Deniz Yücel, der
       Strafrechtlerin Elisa Hoven und dem SZ-Journalisten Ronen Steinke.
       
       ## Warum trifft Islamismus Minderheiten?
       
       11,55 Uhr: [45][Famta Keser und Maria Kireenko gehören zur Fraueninitiative
       Pek Koach, führt Moderator Ulrich Gutmair ein]. Der Verein setzt sich für
       von Islamismus betroffene Minderheiten ein und kämpft gegen Ideologien der
       Ungleichheit, „aber auch für viele schöne Sachen“, ergänzt Fatma Keser
       scherzhaft. Sie empowern Menschen, ihre besonderen Biografien sichtbar zu
       machen.
       
       Maria Kireenko erinnert an den gestrigen Gedenktag des Genozids an den
       Armenier*innen: „Dieser Tag wird in der deutschen Gesellschaft nicht
       wahrgenommen, obwohl die Deutschen diesen Genozid tatkräftig unterstützt
       haben.“
       
       „Wenn die Bundesregierung das Ziel hat, Menschen abzuschieben, müssen sie
       Beziehungen zu Islamisten führen“, erklärt Fatma Keser. „Wenn al-Jolani
       seinen Bart ein bisschen stutzt und einen Anzug anzieht, haben wir
       plötzlich das Gefühl, er sei ein gewaltfreier Typ.“ Das sei ein
       strategisches Ziel des Islamismus. Minderheiten wie Kurden und Drusen
       werden in ihren Heimatländern verfolgt. Deshalb sei es wichtig,
       Sichtbarkeit zu schaffen. (wh)
       
       „Nicht jede Frau ist eine gute Nachricht“
       
       11.55 Uhr: Im Weiterdenken-Gespräch unter der Frage „Welche Regierung
       bilden sie?“ betont Luisa Neubauer, dass die Grünen sich ehrlich machen
       müssen über den eigenen Machtanspruch. „Von den Liberalen müssen wir ja
       nicht mehr sprechen, das entspannt die Sache“, Gelächter im Saal. Moderator
       Peter Unfried sorgt dagegen mit seiner Aussage, dass er die
       Sozialdemokratie nicht mehr im progressiven Spektrum sieht, für ein Raunen
       in der Menge.
       
       Auf die Abschlussfrage, „Brauchen wir eine Bundestagspräsidentin, und wenn
       ja, bist du bereit?“, entgegnete Luisa Neubauer, „nicht jede Frau ist eine
       gute Nachricht“, mit Blick auf Katharina Reiche. Obwohl sie nicht ihren Hut
       in den Ring warf, lehnte sie es auch nicht kategorisch ab. (fh)
       
       ## „Um Rechte zu verstehen, müssen wir ihnen zuhören“
       
       11.50 Uhr: Darf Caren Miosga zur Primetime im Fernsehen mit Alice Weidel
       diskutieren, ob Hitler ein Kommunist war, oder wird den Rechten damit
       einfach eine Plattform für ihre Propaganda geboten? Letztere Position
       vertritt [46][beim Podium „Rasu aus der Bubble“] Jakob Springfeld, „man
       kann bei solchen Diskussinen eigentlich nur verlieren“.
       
       Wie wir der AfD begegnen sollten, darüber spricht der Journalist Daniel
       Sagradov mit Autor und Aktivist Jakob Springfeld sowei Content Creator
       Hannes Kreschel.
       
       Das Publikum hält allerdings dagegen: „Um Rechte zu verstehen, müssen wir
       ihnen zuhören und mit ihnen reden“, findet eine Zuschauerin. Nur so könne
       unsere Demokratie langfristig funktionieren. (lv)
       
       ## „Um die scheiß AfD endlich wieder vom Platz zu verdrängen“
       
       11.38 Uhr: Die Sitzplätze vor dem grünen Küchentisch reichen nicht einmal
       für die Hälfte der Menschen, die ihm zuhören wollen. „Ich bin dieses kleine
       gallische Dorf, dieser kleine rote Punkt im Brandenburger Süden“, sagt Lars
       Katzmarek (SPD). Seit 2024 sitzt er im Landtag, weil er ein Direktmandat in
       der Lausitz gewann. Gegen die AfD und jegliche Wahrscheinlichkeit. [47][Am
       Küchentisch erklärt er taz-Redakteur Jan Feddersen], wie er das angestellt
       hat. Besonders wichtig war für ihn der Haustürwahlkampf, auch wenn ihm dort
       nicht nur einmal die Tür vor der Nase zugeschlagen wurde, hat es gereicht.
       „Um die scheiß AfD endlich wieder vom Platz zu verdrängen“, sagt er.
       
       Einige Besucher:innen des taz-labs sitzen neben ihm am Küchentisch und
       fragen sich, warum Katzmarek nicht gendern will. Bei seiner
       Wähler:innenschaft sei das gut angekommen, erinnert er sich. (tik)
       
       ## „Den Frauen war es ein Anliegen, gehört zu werden“
       
       11.30 Uhr: Eine hochschwangere Frau kommt in das Behandlungszimmer der
       Ärztin Dr. Hamida. Sie hat starke Schmerzen. Aufgrund der Komplikationen in
       der Schwangerschaft kann es sein, dass ein Kaiserschnitt notwendig sein
       wird. Doch wie die Geburt des ersten Kindes der Frau stattfindet wird,
       obliegt in Afghanistan der Entscheidung ihres Ehemannes. Die Szene stammt
       aus dem Dokumentarfilm „Land ohne Frauen“ von Vanessa Schlesier. Sie
       spricht [48][bei der Podiumsdiskussion in Kooperation mit dem Filmfestival
       „Doxumentale“ auf der Blauen Bühne] mit der Sozialunternehmerin und Autorin
       Sadaf Zahedi sowie der Journalistin Lina Eikelmann, die das Gespräch
       moderiert.
       
       „Den Frauen war es ein Anliegen, ihre Geschichte zu erzählen, jemand zu
       sein, gehört zu werden“, sagt Regisseurin Schlesier, kurz bevor der
       Filmausschnitt gezeigt wird. Die Situation der Frauen in Afghanistan ist
       verheerend. Sie haben keinen Zugang zu Bildung, dürfen in der
       Öffentlichkeit nicht mehr sprechen, zuletzt wurde häusliche Gewalt
       legalisiert. „Aktuell stirbt schätzungsweise stündlich eine Frau bei der
       Geburt“, sagt Sadaf Zahedi, die sich für den weltweiten Zugang zu Bildung
       einsetzt. Alle paar Monate würden die Dekrete der Scharia weiter
       verschärft, vierjährige Mädchen würden verkauft, sagt Zahedi. Eine
       Neunjährige, ein Kind, sei vor Kurzem infolge einer Schwangerschaft
       gestorben. „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“, sagt Zahedi. „Der Islam
       würde diese Brutalität nicht so ausleben.“ (lla)
       
       ## „Ich kann es niemandem recht machen“, sagt Luisa Neubauer
       
       11.26 Uhr: Luisa Neubauer zieht die Massen an, neben jedem besetzten Stuhl
       stehen die Leute auch am Rand in der roten Bühne. Thema ist zuerst der
       Instagram-Post von Barack Obama, der ehemalige US-Präsident hatte kürzlich
       der Klimaaktivistin vor Millionenpublikum eine Plattform gegeben. Über die
       Kritik an der Zusammenarbeit sagte Neubauer: „Ich kann es niemandem recht
       machen, also probiere ich es gar nicht erst.“ Obama war einer der eher
       progressiveren US-Präsidenten, unter ihm fand jedoch auch gezielte Tötung
       durch Drohnen statt. (fh)
       
       ## Ansage statt Augenbrauenzupfen
       
       11.20 Uhr: Es gibt „kompromisslos auf die Fresse“, wie Moderatorin
       [49][Lilly Schröder] (taz Berlin) die Musik ihrer Gästinnen beschreibt.
       [50][Auf dem Panel sprechen die Wiener Rapperin Donna Savage, die
       zugeschaltete Musikerin und Schauspielerin Nenda sowie Musikmanagerin Katja
       Kulidzhanova miteinander.] Das Thema: eine neue Generation von Female
       Rappern, die sich den Platz nimmt, der jahrelang männlich besetzt war – mit
       Straßenrap, harten Beats und eben ohne Kompromisse.
       
       Dabei geht es nicht nur um Kunst, sondern um knallharte Doppelstandards.
       Donna Savage erinnert sich an ein Rap-Battle vor zehn Jahren: Nachdem sie
       einen männlichen Gegner besiegt hatte, wurde dieser vom Moderator allen
       Ernstes gefragt, wie es sich anfühle, gegen eine Frau verloren zu haben.
       Ein Kommentar, bei dem das Publikum heute hoffentlich „Tomaten werfen
       würde“, so Donna. Während Männer oft ungefragt gefeiert werden, wird bei
       Frauen, die auf hohem Niveau abliefern, noch immer „irgendwas zum
       Kritisieren gefunden“ – und sei es nur das eine abstehende Augenbrauenhaar.
       
       Kulidzhanova bestätigt diesen Druck: Von Frauen werde in der Musikbranche
       schlicht erwartet, dass sie ihre Positionen schneller räumen. Nenda
       berichtet von einem männlichen Schauspielkollegen in seinen 40ern, der ihr
       prophezeite, ihre Karriere sei wegen ihres Alters bald vorbei, während
       seine guten Rollen erst jetzt kämen. Die Antwort der Runde ist
       unmissverständlich: „Wir lassen uns absolut gar nichts mehr gefallen.“ Die
       Randale hat gerade erst angefangen. (pc)
       
       Großer Andrang bei Klaus Lederer und Nicholas Potter 
       
       11.20 Uhr: Die Schlange vor der roten Bühne reicht bis in die taz-Kantine.
       Sie alle wollen dem Gespräch „Die neue autoritäre Linke“, geführt von Klaus
       Lederer, lauschen. Nicholas Potter, eigentlich taz-Redakteur, ist heute der
       Talkgast. Er versucht zu erklären, wie demokratiefeindlich diejenigen sind,
       die sich eigentlich als besonders progressiv bezeichnen. Auch die teilweise
       Unterstützung der Hamas wird thematisiert. Das rote Dreieck der Hamas werde
       teils sogar von Teilen der westeuropäischen Linken übernommen. Erklären
       lässt sich das vielleicht damit, dass diese Kräfte den westlichen Mächten
       den Kampf ansagen und damit eine revolutionäre Hoffnung bei einigen Linken
       wecken.(la)
       
       ## Die Rakete auf dem Dach
       
       11.13 Uhr: Kurz werden noch ein paar Fotos vom Ausblick geknipst, dann geht
       es los. Der Intro-Song des diesjährigen taz labs schallt in voller
       Lautstärke über die Dachterrasse des Frizz Forums. Taz lab Redakteurin
       Mareike Barmeyer, die die Veranstaltung „Rakete 2000 rabiat – Die
       liebevolle Leseshow“ moderiert, tanzt und singt fröhlich mit.
       
       Während Mareike Barmeyer aus ihrem Text „Schlampen über 50“ liest, kriegt
       Jacinta Nandi hinter ihr auf der Bühne einen herzlichen Lachkrampf. Bevor
       als nächste Lea Streisand anfängt zu lesen, fragt sie: „Sind denn hier
       Menschen aus Rheinland-Pfalz anwesend?“ Ein paar Hände heben sich. „Ja?“,
       fragt sie erstaunt. Und sagt dann „Ojemine!“. Übel zu nehmen scheint ihr
       den Text aber niemand. Das Publikum lacht, als sie berlinernd von ihrem
       Stipendium in Rheinland-Pfalz berichtet, von dem sie sich gar nicht so
       sicher war, ob sie es denn wirklich haben will. Weiter geht es mit Texten
       von Eva Mirasol und Insa Sanders. (kr)
       
       Deutliche Mehrheit beim taz lab gegen die Wehrpflicht 
       
       11.06 Uhr: „Wer von euch spricht sich für eine Wehrpflicht aus?“ Stille im
       Publikum. „Und für den freiwilligen Wehrdienst?“ Deutlich mehr Hände gehen
       nach oben.
       
       [51][In der Podiumsdiskussion „Würdest du dienen?“] trifft der
       Politik-Influencer Simon David Dressler auf die Reservistinnen Annabell
       Günther und Leocadie Reimers. Dressler stellt zu Beginn klar: Er würde
       niemals freiwillig dienen – Deutschland sei für ihn nicht ausreichend
       schützenswert.
       
       Doch was ist für Dressler schützenswert, möchte Günther wissen. Grundwerte
       wie Freiheit und Demokratie? Dressler entgegnet, genau diese Werte würden
       durch Maßnahmen wie Kriegstüchtigkeit und Wehrpflicht schrittweise
       untergraben werden. Selbst ein demokratischer und freier Staat neige im
       Kriegsfall dazu, Freiheiten einzuschränken – oft mit dem Versprechen, diese
       später wiederherzustellen.
       
       Ein gemeinsamer Nenner wird nicht gefunden. Stattdessen setzt sich die
       Debatte nach der offiziellen Diskussion angeregt im Publikum fort. (kb)
       
       Aktuell im Livestream: Luisa Neubauer
       
       11.00 Uhr: Sie ist schon Stammgast beim taz lab: die
       Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer. Mit Peter Unfried
       [52][spricht sie über die Frage: Welche Regierung bilden Sie?] Hier gibt es
       das [53][im Livestream]. (ga)
       
       ## Als Kriegsgegner an der Front
       
       10.50 Uhr: „Russland führt keinen Krieg für mehr Land. Russland hat genug
       Land. Es führt einen Krieg der Werte, der Weltanschauungen.“ Im „Online
       Only“-Format spricht der ukrainische Friedensaktivist Maksym Butkevych mit
       der Journalistin Yelizaveta Landenberger, wieso er für die ukrainische
       Armee an der Front war. Das sei für ihn ein logischer Schluss gewesen, er
       hätte sich gesagt „If I’m called human rights defender I have to defend
       them.“ Russland führe einen imperialistischen Krieg. Menschen, die sich mit
       linker Politik identifizieren, müssten das in der Debatte um militärische
       Verteidigung verstehen.
       
       Mit Blick auf junge Menschen, die sich der Verantwortung entziehen wollen,
       betont Butkevych die Unterschiede zu einem Leben unter Besatzung: Diese
       würde aus Menschen Objekte machen, die nur ausführten, was ihnen das
       Militär auftrage. Die Freiheiten kämen nicht einfach so zurück. „When you
       loose a democracy, it is really hard to get it back.“ (jg)
       
       ## Iran, wie geht’s weiter?
       
       10.52 Uhr: „Ich bin aus Sicht des iranischen Regimes eine Terroristin“,
       erklärt die iranische [54][Journalistin Mahtab Gholizadeh] zu Beginn
       [55][des Gesprächs über die Lage im Iran auf der blauen Bühne]. Inzwischen
       lebt sie im Exil in Berlin und berichtet unter anderem für die taz und den
       Tagesspiegel über die Lage im Iran. Durch ihre persönlichen Kontakte in ihr
       Heimatland ist sie über die katastrophale wirtschaftliche und humanitäre
       Situation vor Ort gut informiert.
       
       Doch wie kann sich daran etwas ändern, fragt die Moderatorin Gemma Terés
       Arilla. Allein mit Diplomatie komme man nicht weiter, meint Gholizadeh:
       „Wir fordern die europäischen Länder auf, nicht mit dem iranischen Regime
       zu kollabieren. Es ist ein Regime, mit dem man nicht diskutieren kann“. Wer
       genau mit diesem „Wir“ gemeint ist, lässt sie jedoch offen. Gleichzeitig
       betont sie, dass sie weder für die gesamte iranische Opposition sprechen
       kann noch will. (aho)
       
       „Wenn man die Mieten nicht bezahlen kann, um bei der taz ein Praktikum zu
       machen, ist das ein Problem“
       
       10.51 Uhr: Die Schwere der Themen nahm im Laufe des [56][Gesprächs über die
       Linkspartei] zwischen [57][Jan Feddersen] und [58][Daniel Bax] zu.
       Letzterer stellte fest, „wenn man die Mieten nicht bezahlen kann, um bei
       der taz ein Praktikum zu machen, ist das ein Problem“. Als ehemaliger
       Prakti kann ich das nachempfinden. Daniel Bax kritisiert gegen Ende auch
       die Doppelmoral beim Thema Völkerrecht. Es werden Waffen in die Ukraine
       geliefert, um das Völkerrecht zu verteidigen, um gleichzeitig Waffen nach
       Israel, die helfen, das Völkerrecht zu brechen. Klar ist, das Publikum
       hätte noch gerne länger zugehört und am liebsten mitdiskutiert. (fh)
       
       ## „Radikalität ist der Mut, der aus der Verzweiflung trotzt“
       
       10.35 Uhr: Ein Mensch spricht und alle anderen hören zu, schon das sei eine
       radikale Anordnung, sagt Moderatorin [59][Elke Schmitter]. Der Start ins
       [60][Gespräch am grünen Küchentisch] ist demnach also radikal. Mirjam
       Schaub ist Philosophin und Journalistin. Sie liest aus ihrem Buch über
       Radikalität.
       
       Mirjam Schaub möchte Radikalität nicht nur für heroische Männer denken,
       sondern auch für Frauen anbieten. „Radikalität ist der Mut, der aus der
       Verzweiflung trotzt.“
       
       Die RAF und die Fahndungsplakate, die in den 70ern im Stadtbild zu sehen
       waren, haben die beiden noch gut in Erinnerung. Aber war die RAF radikal?
       Mirjam Schaub hat eine klare Antwort und verneint: „Radikal ist jemand, der
       bereit ist, für eine Idee zu sterben, wer extrem ist, ist bereit, für eine
       Idee zu töten.“ Elke Schmitter ergänzt: „Radikalität ergibt sich aus dem
       Kontext.“ (wh)
       
       Faschismus im Silicon Valley
       
       10.32 Uhr: Es wird kuschelig auf der Dachterrasse des Frizzforums. Die
       Tontechnik streikt. Das Publikum rückt zusammen, was den positiven
       Nebeneffekt hat, dem kalten Wind nicht ausgesetzt zu sein. [61][Das
       Gespräch „Hinterm Mond gleich rechts?“] zwischen taz-lab-Programmchef Joel
       Schmidt und Anna-Verena Nosthoff, Junior Professorin für Ethik der
       Digitalisierung, findet also zunächst analog statt, dreht sich aber um das
       Silicon Valley und den Techfaschismus.
       
       Mit dem Begriff meint Nosthoff einerseits, dass „wir von konkreten Figuren,
       die im Silicon Valley prägend sind – Peter Thiel, Alex Karp, Elon Musk –,
       ganz klar sagen müssen: Die sind faschistisch.“ Andererseits stelle sich
       auch die Frage, ob es sich bei den entwickelten Techniken wie sogenannter
       künstlicher Intelligenz um „faschistische Technisierungsformen“ handele:
       „Diese Formen der Technisierung sind exklusiv, reproduzieren also nicht nur
       Rassismus, sondern verstärken auch Rassismus“, sagt Nosthoff.
       
       Dass sich angesichts dessen häufig ein Gefühl von Ohnmacht einstellt, kennt
       sie auch selbst. Widerstandspotenziale fänden sich aber in der Geschichte,
       beispielsweise in der sozialistisch kybernetisch organisierten Gesellschaft
       im Chile unter Salvador Allende. „Wir müssen die Frage der politischen
       Mobilisierung wieder ins Zentrum stellen“, sagt Nosthoff. Und dann
       funktioniert auch die Tontechnik plötzlich wieder. (lla)
       
       ## „Mode kann einem gar nicht nicht wichtig sein“
       
       10:33 Uhr: „[62][Was kann dein Outfit?“: Diese Frage diskutieren
       Modejournalistin und Content Creatorin Antonia Valentina und Content
       Creator*in Jo Meyer] an diesem Samstagmorgen. Moderiert wird das Panel
       von taz-Volontärin [63][Raweel Nasir].
       
       „Mode kann einem gar nicht nicht wichtig sein“, sagt Modejournalistin
       Antonia Valentina, die heute einen Blazer mit Hahnentrittmuster und eine
       dicke Brille trägt. Schließlich kommuniziere Mode zu jeder Zeit und mit
       jedem. Jo, im weißen Langarmshirt und mit Lederstiefeln, stimmt ihr zu:
       „Mode ist ein soziales System. In Jos Content beschäftigt sich Jo vor allem
       mit queeren Codes in der Mode. „Kommerzialisierung von Queerness erweckt
       den Anschein, sie wäre akzeptiert. Aber an vielen Orten fragt man sich noch
       immer, ob man eigentlich sicher ist“, erklärt Jo. Das eigene Outfit könnte
       so zur Gefahr werden – aber eben gleichzeitig auch anderen Sicherheit und
       Zusammenhalt vermitteln. (fh)
       
       ## „Wir könnten uns keinen einzigen Tag militärisch verteidigen“
       
       10.32 Uhr: „Wir könnten uns keinen einzigen Tag militärisch verteidigen“,
       stellt die moldauische Journalistin Mila Corlăteanu fest. Der russische
       Angriffskrieg gegen die Ukraine ist für die Republik Moldau ein Weckruf
       gewesen. [64][Im Podcast der taz Panterstiftung „Freie Rede“] sprechen die
       drei befreundeten Journalistinnen Anastasia Rodi, Tamuna Iluridze und Mila
       Corlăteanu über eine postkoloniale Perspektive auf die Zukunft Osteuropas.
       (lv)
       
       ## Ralf Stegner ist da und streitet mit Ulrike Herrmann über den
       Ukrainekrieg
       
       10.19 Uhr: Ralf Stegner ist mittlerweile angekommen und sagt, der Krieg in
       der Ukraine wird nicht militärisch beendet werden können. Diplomatie sei
       der einzige Weg. [65][Ulrike Herrmann hält dagegen,] dass Europa die
       Ukraine am Anfang nicht genügend militärisch unterstützt hat, und Putin
       wolle auch nicht verhandeln. (bsz)
       
       Linke reden über die Linke 
       
       10.11 Uhr: Einen sonnigen Platz haben sich alle Zuhörer*innen der
       Veranstaltung „Die Linkspartei ist super, oder nicht?“ gesichert.
       Taz-lab-Kurator und -Redakteur Jan Feddersen diskutiert mit taz-Redakteur
       [66][Daniel Bax] über den Aufschwung der Linkspartei. „Wir müssen nicht in
       gemeinsamer Gemütlichkeit voneinander scheiden“, sagte Jan Feddersen zum
       Publikum mit Hinblick auf spätere Fragen von den zuhörenden Menschen. (fh)
       
       Der Traum vom digitalen Kommunismus 
       
       10.10 Uhr: Den Traum vom digitalen Kommunismus äußert Shintaro Miyazaki
       gleich zu Anfang einer der ersten Podiumsdiskussionen des heutigen Tages.
       Trotz der noch kalten Temperaturen haben sich Zuhörer*innen vor der
       gelben Bühne eingefunden, um [67][dem Gespräch unter dem Titel „Das größte
       Idiotensystem im Kapitalismus“] zu folgen – angelehnt an Herbert
       Grönemeyer, der mit diesem Satz die Vergütungspraxis von Spotify und Co
       kritisierte.
       
       Eine 400-seitige Studie zu diesem Thema, vorgestellt von Jana Costas, zeigt
       die starke Polarisierung in der Vergütung von Musikschaffenden. Sie spricht
       vom Superstar-Effekt: Wenige profitieren stark, andere können nicht mehr
       von ihrer Arbeit leben. Wie es zu diesen Effekten kommt, erklärt Miyazaki
       mit dem Wandel des Musikmarkts ins Digitale: Unsere Aufmerksamkeit ist zur
       Ware geworden. Algorithmen und soziale Netzwerke prägen den Erfolg von
       Künstler*innen.
       
       Musikerin Nina Graf kritisiert zudem die geringe Marktmacht, fehlende
       Transparenz und das Vergütungssystem Prorata-Modell, bei dem vor allem die
       meistgestreamten Acts profitieren, etwa im deutschen Hip-Hop und Rap.
       Genres wie Jazz oder Klassik fallen zunehmend weiter zurück. (la)
       
       ## Ralf Stegner kommt mit der Bahn – zu spät
       
       10.10 Uhr: Der Wind weht noch ein bisschen „rabiat“, aber auch die Sonne
       scheint schon „liebevoll“ durch. Zur gelben Bühne kommen die Menschen.
       [68][Ulrike Herrmann] steht gleich zu Beginn wieder irritiert auf, um den
       Jingle bei der Nebenbühne abzuschalten. Ralf Stegner ist wegen der
       Deutschen Bahn verspätet. Erster Lacher an der gelben Bühne. Hier beginnt
       gleich [69][das Streitgespräch zwischen den beiden über Krieg und Frieden,
       Iran, Russland und China] , moderiert von Stefan Reinecke. (bsk)
       
       ## Bestrickend: Der Strickworkshop auf der Wiese vor der taz
       
       Als Nächstes im Livestream: Die neue autoritäre Linke
       
       10.00 Uhr: Als Nächstes stellt [70][taz-Redakteur Nicholas Potter] auf der
       Roten Bühne sein Buch über die neue autoritäre Linke vor. Sie sieht sich
       selbst als progressiv und emanzipatorisch, agiert aber zutiefst
       demokratiefeindlich. In seinem Buch zeigt Nicholas Potter, wer sie ist, wie
       sie agiert und fragt: Wie sind wir als demokratische Gesellschaft darauf
       vorbereitet? [71][Die Diskussion] wird moderiert von Klaus Lederer, Berlins
       ehemaligen Kultursenator, der im Streit um Antisemitismus in seiner Partei
       aus der Linken ausgetreten ist.
       
       Das Thema stößt offenbar auf Interesse. Die taz-kantine ist rappelvoll.
       (ga)
       
       Den Workshop-Raum im und in Zusammenarbeit mit dem fritz forum eröffnet
       einen Workshop zu einer zukunftsweisenden Haltung. Eine bunt gemischte
       Gruppe löste bald den voll besetzten Stuhlkreis auf und erarbeitete sich
       gemeinsam mit der Referentin Jana und Jessica kleine Dinge, die den großen
       Ansatz der feministischen Führung in den gelebten Alltag gebracht haben. 
       
       ## Popkultur und Content
       
       09.50 Uhr: Die Pinke Bühne 2 wurde mit der Frage eröffnet: „Wie
       popkulturell muss politischer Content heute sein?“ Journalistin Maria Popov
       und Bundesvorsitzende des Bündnis 90/Die Grünen Franziska Brantner sprechen
       darüber, ob Inhalte auf Social Media komplett unpolitisch sein dürfen, wie
       viel Popkultur miteinbezogen werden soll und welche Strategien es gegen
       politische Zensur auf den Plattformen gibt.
       
       Völkerrecht am Scheideweg
       
       9.45 Uhr: „So wahnsinnig gut hat das Völkerrecht ja nie funktioniert“ – mit
       diesem Realitätscheck bricht Völkerrechtler Matthias Goldmann, Professor
       für Internationales Recht an der EBS Universität, direkt zu Beginn mit der
       westlichen Nostalgie. [72][Im Gespräch mit Nahostredakteurin Lisa
       Schneider] wird schnell klar: Was wir gerade als Zusammenbruch der
       Weltordnung erleben, ist für viele Regionen des Globalen Südens längst
       Dauerrealität. Die alte Architektur, die nach 1945 unter US-Führung
       entstand, erodiert unter der aktuellen US-Regierung, während neue Allianzen
       und Alternativen jenseits der UN noch im Nebel liegen.
       
       Die Kernfrage der Debatte: Ist das Völkerrecht am Ende oder bereit, neu
       aufgerollt zu werden? Goldmann sieht Europa zwar auf einem ordentlichen
       Weg, betont aber, dass Reformen dringend nötig seien, um hybriden
       Drohkulissen und modernen Milizen überhaupt noch etwas entgegensetzen zu
       können. Die Zeit der bequemen Gewissheiten ist vorbei. Das Recht muss sich
       an die neue Unübersichtlichkeit anpassen, um nicht vollends in der
       Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.
       
       Ein tieferer Blick auf umsetzungsfreudige Lokalpolitiker wie Zohran Mamdami
       und vermeintliche Hoffnungsschimmer wie Péter Magyar bleibt zwar ein
       Cliffhanger für ein mögliches Panel im nächsten Jahr, doch das Fazit steht
       fest: Ohne radikale Anpassung bleibt das internationale Recht eine bloße
       Archiverinnerung. (pc)
       
       Was ist los bei den Öffentlich-Rechtlichen? 
       
       9.55 Uhr: Es ist zwar noch früh am Morgen – [73][die Frage „Was ist los bei
       den Öffentlich-Rechtlichen“] scheint jedoch viele Menschen, jung und alt,
       zu beschäftigen. Die Blaue Bühne im Frizz Forum ist bis auf den letzten
       Platz gefüllt.
       
       Die bei dem Medienkritik-Magazin arbeitende Redakteurin Annika Schneider
       und der Chefredakteur des Hessischen Rundfunks Eberhard Nembach sind sich
       einig: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist für die Demokratie
       essenziell.
       
       Doch es gibt deutlich Luft nach oben, findet Schneider.
       „Perspektivenvielfalt und Meinungsaustausch müssen das Ziel des
       Öffentlich-Rechtlichen sein – nicht die simple Kategorisierung in links und
       rechts unter dem Vorwand, Vielfalt sei nun gesichert worden.“
       
       Nembach sieht die Aufgabe des Öffentlich-Rechtlichen darin, den Menschen
       deutlich zu machen, wen sie wählen und welche Konsequenzen daraus
       entstehen. Eine Wahlempfehlung habe an dieser Stelle nichts zu suchen. „Wir
       sind weder links noch rechts. Wir wollen ein Forum sein, wo Menschen wieder
       zueinanderfinden und sich austauschen.“ (kb)
       
       Der Streitquiz 
       
       9.45 Uhr: Wie wir wieder besser streiten können, kann unser Publikum
       [74][beim Quiz des Vereins Mosaka e. V.] herausfinden – Der perfekte
       Einstieg für den Rest des Tages. (lv)
       
       Leichte Sprache beim PoliTisch 
       
       9.30 Uhr: Beim [75][Stammtisch „PoliTisch“] gilt eine einfache Regel, sagt
       Gründerin Stana Schenck: keine Fachbegriffe, die eh niemand versteht.
       Stattdessen: leichte Sprache, damit alle mitreden können – nicht nur die
       mit Politikwissenschaft im Nebenfach.
       
       Für den Fall, dass dann doch mal jemand in einen ausschweifenden
       Fachvortrag abdriftet, hält der PoliTisch-Moderator Arthur Hackenthal eine
       Karte mit der Aufschrift „Danke, es reicht“ hoch – Eine Idee, die ich auch
       für den Deutschen Bundestag vorschlagen möchte.
       
       Wie barrierefrei deutsche Medien wirklich sind, untersucht Friederike
       Herrmann von der Katholischen Universität Eichstätt. Ihr Fazit: „Da geht
       noch was“ – auch bei der taz. (lv)
       
       Peertube, die Livestream-Alternative zu youtube
       
       9.30 Uhr: Für alle, die den großen Plattformen im Internet kritisch
       gegenüberstehen, senden wir [76][den Livestream vom lab auch auf PeerTube].
       Das ist eine alternative Videoplattform im Fediverse. Da läuft der Stream
       aktuell genauso gut. (ga)
       
       ## Auftaktpanel „U25 – Wir gehen rein“
       
       9.18 Uhr: Noch ist nicht allzu viel los vor der pinken Bühne eins.
       Popkultur nebenan schlägt [77][das Auftaktpanel „U25 – Wir gehen rein“ zum
       Generationenprojekt der taz]. Für Raphael Klein ist das aber kein Problem.
       Als Content Creator Honey Balecta dürfte er es gewohnt sein, ohne Publikum
       in Kameras zu sprechen. Und seine linken „politische Agitation“, wie er
       sagt, erreicht auch so mehr als 100.000 Follower*innen auf Instagram
       und Tiktok.
       
       Im Gespräch mit dem Geschäftsleiter der taz Genossenschaft Ferenc Földesi
       geht es seit 9 Uhr morgens um die Generation U25 – der heilige
       Zielgruppen-Gral deutscher Medien, auch der taz. Also Tacheles: „Die taz
       unterscheidet nicht grundsätzlich viel von der Frankfurter Rundschau“, sagt
       Klein. Es fehle ein Bezug zur Lebensrealität vieler Menschen. „Soziale
       Medien haben da eine wesentlich größere Spannweite.“ (lla)
       
       ## Live: Toni Hofreiter auf der Roten Bühne
       
       09.00 Uhr: Das taz lab ist gestartet mit 12 parallel laufenden
       Veranstaltungen. Im Livestream sieht man jetzt Ton Hofreiter (Grüne). Auf
       der Roten Bühne diskutiert er Artur Weigandt und Ingar Solty über die
       Frage: [78][„Solidarisch mit der Ukraine – was heißt das?“](ga)
       
       ## Volles Haus und volles Programm gleich zur frühen Stunde
       
       8.48 Uhr: Obwohl die Jugend bekanntlich nicht so gerne früh aufsteht, haben
       sich bereits zahlreiche Gäste zur Eröffnung an der pinken Bühne
       eingefunden. Von Onlinedating über Wehrpflicht und Tiktok-Trends bis hin zu
       Klimaaktivismus: Hier wird den ganzen Tag über das geredet, was die junge
       Generation derzeit beschäftigt. Natürlich sind auch die Boomer ausdrücklich
       eingeladen, sich an den Diskussionen zu beteiligen und Neues zu lernen. Die
       pinken Bühnen sind Teil des Generationenprojekts, mit dem die
       taz-Genossenschaft mehr junge Menschen für die taz begeistern möchte (lv)
       
       ## Jetzt gehts los – mit einer wichtigen Korrektur und ohne Regen
       
       8.30 Uhr: Pünktlich um 8.30 startet der Livestream mit einer Begrüßung von
       Jan Feddersen, dem taz-Redakteur für besondere Aufgaben. Seine vielleicht
       wichtigste: die Organisation des jährlichen taz labs. Und er muss gleich
       mal eine Korrektur anbringen. Anders als auch hier weiter unten behauptet,
       ist es „erst“ das 17. taz lab, nicht schon das 18. Nun gut. Macht ja
       nichts. Das 18. kommt dann eben nächstes Jahr. Für heute gibt es ein
       randvolles Programm. Es sei zwar kalt, sagt Feddersen. „Aber das
       entscheidende ist: Es regnet nicht!“ (ga)
       
       ## Gleich geht es los
       
       8:10 Uhr: Gleich geht es los, das taz lab 2026. Wir freuen uns auf alle
       Zuschauenden, die vor Ort und im Stream dabei sind und über unsere
       spannenden Gäste, die heute den ganzen Tag über Tacheles reden werden –
       natürlich liebevoll und rabiat (lv)
       
       ## Das taz lab 2026 startet
       
       Das 18. taz lab startet am Samstag in und rund um das taz-Haus an der
       Friedrichstraße in Berlin. Bei über 100 Veranstaltungen wird
       
       Ausführliche Infos zum Programm und zu allen auf den Podien Vertretenen
       finden Sie [79][hier].
       
       Das taz-Team wird die Veranstaltungen den ganzen Tag über hier im
       Liveticker begleiten.
       
       Die Hauptbühne im Livestream
       
       Eine Auswahl der wichtigsten Podien beim taz lab werden auf taz.de im
       Livestream gezeigt. Sie können den Stream auch bei youtube oder alternativ
       [80][bei Peertube] sehen.
       
       ## Was ist das taz lab?
       
       Gegründet 2009, ist das taz lab Deutschlands Kongress für Debatte, Streit
       und Verständigung zu den Fragen der Zeit, ausgerichtet und kuratiert von
       der taz. Jedes Jahr im April findet das taz lab statt.
       
       Ein Tag, an dem Sie – Gäst:innen, Leser:innen, Genoss:innen und die taz
       – zusammenwachsen zu einer festlichen Denkfabrik, einem Debattenraum und
       pulsierenden Netzwerk im und rund ums linke Medienhaus an der
       Friedrichstraße.
       
       Gibt es noch Tickets?
       
       Ja, wer spontan kommen will, kann [81][ein Ticket] am Einlass kaufen.
       
       Alle, die gerade nicht in Berlin sind, können auch [82][ein Digital-Ticket
       kaufen]. Damit bekommt man Zugang zu allen Livestream und kann sich diese
       später auch im Archiv anschauen.
       
       Die taz verdient mit dem taz lab kein Geld. Das ist auch nicht das Ziel. Es
       ist ein Angebot an unsere Community, mit uns in Kontakt zu treten. Jeder
       Euro hilft, das taz lab zu ermöglichen.
       
       Dieser Liveticker wird betreut und gefüllt von: Anna Hollandt (aho), Björn
       Szesni (bsk), Felicitas Hohmann (feh), Fridolin Haagen (fh), Gereon Asmuth
       (ga), Jette Minks (jm), Joel Schmidt (js), Julian von Bülow (jvb), Justin
       Geiger (jg), Kajo Roscher (kr), Katharina Bigot (kbi), Klara Burchart (kb),
       Lenja Vogt (lv), Lina Adler (la), Luca Lang (lla), Pauline Cruse (pc), Tim
       Kemmerling (tik), Wiebke Howestädt (wh), Wilma Johannssen (wj). 
       
       🐾 Vielen Dank an die Sponsor:innen des taz lab 2026! Für die
       Unterstützung bedanken wir uns bei [83][Berlinische Galerie – Landesmuseum
       für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur], [84][Voelkel GmbH],
       [85][Sodasan Wasch- und Reiningungsmittel GmbH], [86][Sonett GmbH],
       [87][Tony’s Chocolonely GmbH], [88][GEPA – The Fair Trade Company],
       [89][Teekampagne – Projektwerkstatt Gesellschaft für kreative Ökonomie
       GmbH], [90][gebana AG], [91][PocketBook Readers GmbH]
       
       25 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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