# taz.de -- Der große taz-Kongress: Das war das taz lab 2026
> Bei über 100 Veranstaltungen haben wir Tacheles geredet. Der
> taz-Festtagsticker zum Nachlesen.
## ABBA läutet den Abend ein
19.40 Uhr: Unter dem Klang von ABBAs Dancing Queen laufen Scharen von
taz-Mitarbeitenden in die Kantine ein. Bei der glamourösen Abschlussgala
soll nicht nur das Ende des diesjährigen taz labs eingeläutet, sondern auch
sein Erfinder geehrt werden. Nach 17 taz labs gibt Kurator Jan Feddersen
den Staffelstab weiter. Mit Torte, Festreden auf Feddersen, Musik und guter
Laune wird nun bis in den Sonntag gefeiert. Sicher ist: Spätestens nächstes
Jahr sehen wir uns bestimmt alle wieder – zum 18. taz lab.
Damit beenden wir den Ticker für heute. Vielen Dank fürs Mitverfolgen!
## Eralp: „Mit mir und mit uns ziehen alle Berlinerinnen und Berliner ins
Rote Rathaus“
18.33 Uhr: Auch wenn die Sonne nicht mehr auf den orangenen Küchentisch
scheint und der Wind kräftiger wird, ist der Andrang riesig. Grund dafür
ist die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, die bei der
Abgeordnetenhauswahl im Herbst antreten wird. Heute erst Parteitag der
Linken, nun sitzt sie im Besselpark bei der taz. Eralp will Berlins
Bürgermeisterin werden. Im Panel [1][„Sind Sie die Mamdani Berlins, Frau
Eralp?“] will Parlamentsredakteur Stefan Reinecke wissen, ob sie sich mit
New Yorks linkem Bürgermeister vergleicht. Beide sind, für politische
Verhältnisse, relativ jung und links. Den Vergleich lehnt sie trotzdem
kategorisch ab, weil sie sich nicht gerne mit Männern vergleiche. „Es geht
ja nicht um meine Person, sondern darum, dass wir eine grundsätzlich andere
Politik brauchen“, sagt sie. Die Stärke ihrer Partei im Wahlkampf um das
Rote Rathaus sieht sie darin, dass sie keine Klientelpolitik mache. „Mit
mir und mit uns ziehen alle Berlinerinnen und Berliner ins Rote Rathaus“,
sagt sie. (tik)
Lang: Diskussion um Begriff „woke“ nervt
18:14 Uhr: Kurz vor Beginn der Diskussion [2][„Wie woke darf Politik
sein?“] mit Ricarda Lang und Karin Prien hört man draußen an der
Bildschirmwand: „Das wird doch bestimmt so eine Scheindebatte, oder?
Vielleicht holen wir uns noch drei Bier?“ Dann viel liebevoller Applaus zu
Beginn der Diskussion.
Für die Bundesministerin Karin Prien ist woke „Achtsamkeit und Kulturkampf
in der Realität“. Die Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang ist „genervt von
den Debatten um den Begriff“ und erinnert an den Umgang mit Frauke
Brosius-Gersdorf. Man könne hier nicht mehr nur von Scheindebatten
sprechen.
Die Bundesministerin entgegnet, sie habe sich vorgenommen die Gräben der
letzten Jahre nicht zu akzeptieren, sondern die ganzen Trigger-Themen
liegen zu lassen. Sie habe keinen Kulturkampf umgesetzt, als sie bei
Amtsantritt die Gender-Sprache im Ministerium abgeschafft habe, sondern nur
den deutschen Sprachgebrauch angewandt. Ricarda Lang räumt ein, angesichts
der Radikalisierung der Gesellschaft könne man sich nicht hinstellen und
sagen, nur die Regierung unter Merz habe zur Verdoppelung der Umfragewerte
einer offensichtlich rechtsextremen Partei beigetragen, sondern auch die
politische Linke. Dennoch bespiele bisher nur die politische Rechte diesen
Diskurs des anti-woken Populismus. (bsz)
„Klima-ist-teuer“-Narrativ habe sich durchgesetzt
17.45 Uhr: „Man ist schon frustriert, dass Klimathemen keine größere Rolle
spielen und immer wieder von anderen Themen verdrängt werden“, sagt der
grüne Bundestagsabgeordnete Johannes Wagner. Bei der Podiumsdiskussion
[3][„Immer mehr Klimakatastrophen. Na und?“] am orangenen Tisch diskutiert
er mit Christoph Hesse, dem ehemaligen Leiter der Initiative LocalZero, und
Violetta Bock, Bundestagsabgeordneter der Linken, über die Zukunft der
Klimabewegung.
Bock kritisiert vor allem das Greenwashing und die fehlende Betrachtung
sozialer Fragen in der deutschen Politik. Für sie sei Klimapolitik immer
auch Klimagerechtigkeitspolitik. In anderen Ländern, beispielsweise
Brasilien, sei man in dieser Hinsicht schon weiter. Wagner glaubt, dass
auch in Deutschland soziale Fragen eng mit Klimathemen verknüpft seien:
„Natürlich machen wir Klimapolitik für Menschen und nicht für die
Eisbären“, sagt er. Diese Verbindung gerate jedoch zunehmend aus dem Fokus.
Mit Debatten um Migration und Wirtschaftsfragen würden Menschen von
sozialen und klimarelevanten Fragen abgelenkt. Konservative und
„Klima-ist-teuer“-Narrative hätten sich durchgesetzt.
Christoph Hesse glaubt, man müsse dort ansetzen, wo nach Klimakatastrophen
die Aufmerksamkeitsökonomie abflache, wie zum Beispiel im Ahrtal. „Wir
müssen in diese Räume gehen und kollektives Gestalten wieder groß machen“,
erklärt er. (feh)
## Wie weiter in Syrien?
17.43 Uhr: „Wie kann irgendetwas aufgebaut werden, wenn gleichzeitig diese
Verbrechen passieren?“ fragt die Autorin und Journalistin Ronya Othmann.
Gemeint sind die Massaker an den alawitischen Minderheiten unter dem
Interimspräsidenten Ahmed al-Scharaa. Nach einem Online-Panel mit syrischen
Journalist*innen am frühen Nachmittag [4][geht es auf der Blauen Bühne]
wieder um Syrien, diesmal um die Zukunft und die Hoffnung auf einen
demokratischen Übergang.
Ronya Othmann widerspricht mehrmals der Politikwissenschaftlerin und
Journalistin Kristin Helberg, die es ebenso schwierig findet, Vertrauen in
al-Scharaa zu setzen, die aktuellen Entwicklungen jedoch als einen ersten
Schritt in die richtige Richtung sieht. Othmann bezeichnet dies als
„Unsinn“, der weder das Vorgehen gegen Minderheiten noch die islamistische
Ideologie des Interimspräsidenten berücksichtige.
Der Jurist und Nahost-Experte Naseef Naeem ordnet hingegen die rechtlichen
Entwicklungen ein und warnt davor, auf der verabschiedeten
Übergangsverfassung demokratische Hoffnungen zu bauen: Worte wie Demokratie
oder Volkssouveränität kämen darin nicht vor. Es sei schwierig, sich
Versöhnung und Demokratie vorzustellen, wenn man sich die Gewalt der
letzten Jahre vor Augen führe, so Helberg weiter. „Syrien ist ein Land
voller Opfer, aber niemand hat sich dafür entschuldigt.“ (jg)
Jan van Aken: „Es ist genug Geld da, es ist nur falsch verteilt“
17.49 Uhr: Jan van Aken, noch Parteivorsitzender der Linken, hat
angekündigt, nicht mehr für den Parteivorsitz zu kandidieren. Beim Panel
[5][„Rot-Rot-Grün und alles würde gut?“], stellt er sich gemeinsam mit
Katharina Dröge (B90/Grüne) in der taz-Kantine noch einmal den Fragen der
taz. Gestellt werden diese von den beiden Parlamentsredakteur:innen
Anja Krüger und Tobias Schulze.
Die beiden Politiker:innen sind sich in vielem einig. Zum Beispiel,
wenn es darum geht, Bürger:innen vor Energiepreisschocks zu schützen und
Mineralölkonzerne ins Visier zu nehmen. Einer Meinung sind sie aber nicht
immer. „Es gibt Themen, wo wir uns natürlich hart streiten. Das ist zum
Beispiel die Außenpolitik“, sagt Dröge. Sowohl im Nahostkonflikt als auch
in Bezug auf die Ukraine gibt es tiefe Gräben zwischen den Parteien.
Was beide Parteien gleich beträfe, sei die politische Hoffnungslosigkeit
vieler progressiver Menschen, so Dröge. „Wir müssen ganz konkrete
Vorschläge machen, wo die Menschen sehen, okay, das kann funktionieren“,
sagt van Aken darüber, wie progressive Kräfte wieder positive
Zukunftsnarrative stricken sollten, um wieder mehrheitsfähig zu werden.
Wichtig dafür seien Steuern, so der Konsens der beiden Politiker:innen.
„Die Lösung für fast alles ist die Vermögensteuer. Es ist genug Geld da, es
ist nur falsch verteilt“, sagt van Aken und räumt damit den lautesten
Beifall des Panels ab. (tik)
## Was man von Victor Orbán lernen kann
17.43 Uhr: Obwohl der Tag sich dem Ende zuneigt und der Besselpark langsam
leerer wird, platzt der grüne Küchentisch aus allen Nähten, als die
taz.eins-Ressortleiterin Anna Klöpper mit der Politikwissenschaftlerin
Eszter Kováts darüber spricht, [6][was die gesellschaftliche und politische
Linke von Orbáns Abwahl lernen kann]. (lv)
## Geraubter Stolz
17.30 Uhr: Später am Nachmittag wird es wieder transatlantisch. Die
US-Star-Soziologin Arlie Russell Hochschild spricht mit Mareike Barmeyer
und Gina Bucher über die „emotionale Gefangennahme“ der weißen
Arbeiterklasse durch Donald Trump. Hochschild, die jahrelang in den
abgehängten Regionen der USA geforscht hat, warnt davor, die
Wähler:innen der Rechten einfach abzustempeln. „Beschuldigt nicht die
Opfer, sondern geht auf sie zu.“
Die Demokratische Partei, die historisch die Stimme der Arbeiterklasse war,
hat sich zunehmend marginalisiert und von ihrer einstigen Basis entfernt.
Während die politische Linke schrumpft, füllt die Rechte das emotionale
Vakuum mit einer Erzählung von Wiedergutmachung und neuem Nationalstolz.
Wer verstehen will, [7][wie die USA in dieses „Mess“ geraten sind], muss
laut Hochschild den Schmerz und die Scham derer ernst nehmen, die sich vom
politischen Diskurs ignoriert fühlen. (pc)
## Schnaps und Konfetti für Ostdeutschland
17.10 Uhr: „Wir haben keine Becher mehr“, stellt Chefredakteurin Katrin
Gottschalk fest. Auch am Nachmittag könne man also bestens ein
Schnapsformat beginnen. Und das geht so: Drei Moderierende, sechs
Gäst*innen und flaschenweise Schnaps.
Bei [8][„Wetten dass … die Demokratie gewinnt?“] auf der gelben Bühne im
Park kommen nach und nach mehr Gäst*innen auf die Bühne. Unter den Bäumen
lauscht das Publikum dem Panel anlässlich der Landtagswahlen in
Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im Herbst.
Zuerst begrüßt Katrin Gottschalk Cathleen Hoffmann und Silvio Witt. Der
ehemalige Oberbürgermeister von Neubrandenburg Witt spricht offen über
seinen Rücktritt zum 1. Mai 2025. „Eine Kapitulation war es nicht“, sagt er
und erzählt, wie er über Jahre hinweg versucht hat, rechte und konservative
Kräfte in der Region zurückzudrängen. Doch irgendwann sei ihm die Kraft
ausgegangen.
Trotz schwerer Themen ist die Stimmung vor der gelben Bühne keinesfalls
hoffnungslos. Im Gegenteil: Es regnet Konfetti. Denn Rachel Hanf, die
Mitorganisatorin des ersten CSDs in Grevesmühlen, hat heute Geburtstag. Die
20-Jährige ist schon seit fünf Jahren politisch aktiv. „Uns wurden einige
Steine in den Weg gelegt“, berichtet sie. Aber: „Keiner macht was. Da habe
ich gesagt: Dann muss ich halt ran.“ Das Publikum ist tief beeindruckt von
der jungen Aktivistin, die dieses Jahr den CSD in Wismar organisiert. Auch
Alicja Orlow, Robert Fietzke und Marcel Böge berichten moderiert von Anne
Fromm und Konrad Litschko von ihrer Arbeit in Sachsen-Anhalt und
Mecklenburg-Vorpommern. Am Ende des Panels kann das Publikum eine
Außenwette einbringen. (kr)
## Geschmückte taz
17.03 Uhr: Fragen Sie, die Sie heute vor Ort sind, sich auch, was es mit
diesen merkwürdigen Linien am Gebäude auf sich hat? Die Antwort: Zur Feier
des Tages wurde die Fassade des taz-Gebäudes mit unlesbaren, aber nicht
unleserlichen Zeichen geschmückt. Was genau es damit auf sich hat, können
unsere Gäste [9][bei der Face-to-Trace-Performance im direkten Gespräch]
mit dem Berliner Künstler Axel Malik erfahren (lv)
## Journalismus, jetzt auch auf Social Media
16.50 Uhr: Auf der pinken Bühne geht es um die Frage [10][„Was ist
Newsfluencing?“]. Der Großteil der unter 20-Jährigen bezieht seine
Nachrichten heute online – viele davon auch über soziale Plattformen. Auf
die Frage, wer überhaupt keine Nachrichten über Social Media konsumiert,
gehen nur zwei Hände hoch.
Die eingeladenen Newsfluencer:innen Tessniem Kadiri, Sophia Sailer und
Chris Müller moderieren alle Nachrichtenformate auf Social Media. Doch mit
dem ihnen aufgedrückten Label können sie sich größtenteils nicht
identifizieren. „In erster Linie bin ich ein ausgebildeter Journalist“,
erklärt Müller, der unter anderem seine Recherchen auf Youtube präsentiert.
Mit dem Begriff „Newsfluencing“ geht häufig ein Vorwurf aus dem klassischen
Journalismus einher: Newsfluencer würden Menschen beeinflussen und seien
nicht neutral. Tessniem Kadiri, die einen Tiktok-Kanal des WDR moderiert,
hält diese Kritik für irreführend: „Wenn du eine klare Meinung äußerst,
performst du wahrscheinlich besser. Das kann manchmal eine Gefahr sein“,
sagt Kadiri. Dennoch könne man nicht pauschal behaupten, Content Creator
würden ihre Meinungen schlechter kennzeichnen oder seien grundsätzlich
weniger neutral. Die Journalistin Sophia Sailer stimmt ihr zu: „Außerdem
muss man sagen: Es gibt keine komplett neutrale Berichterstattung.“ Jede
Journalistin und jeder Journalist betrachte die Welt aus einer bestimmten
Haltung heraus. Newsfluencer:innen würden diese Haltung oft sogar
transparenter machen als klassische Redaktionen. (aho)
## Dröge und van Aken in der rot-grün-roten Maske
16.53 Uhr: Katharina Dröge und Jan van Aken halten in der Maske noch einen
kleinen Schnack. Es wird gelacht. Wird hier Rot-Grün-Rot vorbereitet? (jvb)
## Ulf Poschardt auf instabilen Brücken
16.45 Uhr: [11][Es ist eng vor der Podcastbühne.] Ob Ulf Poschardt,
Herausgeber der Welt-Gruppe, beim taz lab spricht, hat intern für
„mannigfaltige Diskussionen“ gesorgt, wie Kurator Jan Feddersen einräumt.
Dort moderiert er die Veranstaltung mit den Podcast-Hosts Dominik Steffens
und Benjamin Scherp.
Auf dem rein männlich besetzten Podium fliegen direkt die Giftpfeile
Richtung „Blasenlogik“. Die taz sei zwar großartig, wenn sie Unerwartetes
tue, aber mittlerweile oft „schwer auszuhalten“, wenn sie nur noch das
eigene Milieu spiegele, sagt Poschardt. Er diagnostiziert eine
„Totalverblödung“ und warnt, dass das Land noch dieses Jahr gegen die Wand
fahre, wenn sich nichts strukturell ändere.
Warum ist er überhaupt hier? „Wegen Jan“, sagt Poschardt knapp. Er sehe
jeden Versuch als sinnvoll an, aus der eigenen Blase herauszutreten, auch
wenn er moralisches Argumentieren als „verlogen“ ablehnt. Die Brücken, die
hier heute gebaut werden sollen, hält er für instabil: Wer
Wirtschaftsnachrichten lese und nicht nur das Feuilleton, merke schnell,
dass die Realität eine andere Sprache spreche. Vier Fünftel dessen, was
heute auf dem taz lab verhandelt wird, würde er am liebsten abschaffen.
(pc)
## Kann Stillen feministisch sein?
16.35 Uhr: [12][Ist Breast tatsächlich best?], fragt am Küchentisch
Moderatorin Nora Belghaus die Stillberaterin Christiane Stange am grünen
Küchentisch. Der Journalistin Lisa Kreuzmann wird diese Frage
gesellschaftlich nicht umfangreich genug beantwortet.
90 Prozent der Frauen geben vor der Geburt ihres Kindes an stillen zu
wollen. Lisa Kreuzmann argumentiert, dass sich viele unter Druck gesetzt
fühlen, und findet, zu einer freien Entscheidung gehört auch, sich über
alle Möglichkeiten ausreichend informieren zu können.
Eberhard Schäfer bringt ein, das Stillen dazu beitragen könnte,
traditionelle Geschlechterrollen zu verfestigen, weil der Vater zum Stillen
in der Regel nicht gebraucht wird. (taz)
## Die Wahrheit ist ja …
16.27 Uhr: Die pralle Sonne strahlt auf die lila Bühne, wo taz-Redakteure
beim Panel [13][„Alles Satire – oder: was jetzt?“] laut darüber nachdenken,
was Satire überhaupt ist, wo ihre Grenzen liegen und wie es eigentlich mit
dem Humor in der taz aussieht. Passend zum Ressort ist die Stimmung
aufgeheitert, wie auch beim Publikum.
„Satire ist, wenn ich einem Arschloch zu verstehen gebe, dass es ein
Arschloch ist, ohne zu sagen, dass es ein Arschloch ist“, erklärt
taz-Wahrheits-Redakteur Michael Ringel. „Der Witz in Satire liegt darin,
dass sie weh tut“, sagt indes Doris Akrap, die Leitung der Medienseite der
taz. Mitsuo Iwamato, wochentaz-Redakteur, würde sich wünschen, dass die
Wahrheit in alle Richtungen gleichermaßen schießt, ohne doppelte Standards
zu pflegen. (tik)
## Die Versäumnisse der US-Demokraten
16.21 Uhr: „Hillary Clinton war 2016 keine geeignete Konkurrentin für
Trump. Ihr fehlte es an Wärme und Nahbarkeit“ sagte Holger Stark,
stellvertretender Chefredakteur der Zeit, glich zu Beginn des Panels
[14][„Trump oder: Waschen wir unsere Hände in Unschuld?“].
Wie es passieren konnte, dass Trump erneut zum US-Präsidenten gewählt
wurde, erklärt der Journalist mit der Ansprache der Arbeiterklasse: Trump
konnte sich – trotz seines Reichtums – erfolgreich als deren Vertreter
inszenieren. Statt auf Identitätspolitik setzt er auf Themen wie Migration
und steigende Lebenshaltungskosten. Darüber hinaus gelingt es ihm, Menschen
zu entertainen – in Starks Worten: „Der Typ hat den Laden im Griff.“
Die politische Linke hingegen konnte keine vergleichbare Mobilisierung
erreichen. Es mangele an klaren, alltagsnahen Botschaften und einer
überzeugenden Ansprache breiter Wählerschichten, wie die der
Arbeiterklasse. Vor diesem Hintergrund stellt sich die entscheidende Frage:
Gelingt es den Demokraten, für die nächste Wahl eine Kandidatin oder einen
Kandidaten zu finden, der diese Lücke schließen kann? (kb)
## Der Staat und seine Fürsorgepflicht
16.05 Uhr: Auf der pinken Bühne stellen sich Psychotherapeut Lukas Maher,
Psychologin Emelie Dürrwächter und Moderatorin sowie taz-lab-Redakteurin
Lenja Vogt die Frage: [15][„Wie geht’s dir?“]
Das Gespräch startet mit einer großen Frage: Wie gehe ich mit der aktuellen
politischen Lage und dem Weltschmerz um? Die beiden Speaker*innen sind
sich einig: Social Media verstärkt diese Gefühle, und gegen Ohnmacht helfen
Gespräche mit dem Umfeld und Therapie. Einigkeit herrscht auch in einer
anderen Frage: Psychotherapie ist politisch. Maher sieht Kürzungen von
Psychotherapie als eine autoritäre Sparpolitik. „Ein Staat hat eine
Fürsorgepflicht seinen Bürger*innen gegenüber“.
Zum Schluss diskutiert das Publikum fleißig mit. Suchen junge Menschen zu
sehr Zuflucht in Diagnosen, über die sie sich identifizieren? Fehlt es der
Psychotherapie an kultureller Kompetenz und hat sie einen utopischen
Neutralitätsanspruch? (wh)
Aktuell im Livestream: Lieben Sie Ulf Poschardt?
16.00 Uhr: Seine Einladung zum tazlab kommentierte der Welt-Herausgeber Ulf
Poschardt auf Instagram mit dem Hinweis: „Sie lieben mich.“ Im Podcast
„based“ der Journalisten Dominik Steffens und Bejamin Scherp, die live im
Frizzforum aufnehmen, geht es um Meinungen, vielleicht ja auch Liebe,
[16][aber hören und schauen Sie doch einfach selbst]. (ab)
## Kaufen Sie dieses Panel!
15.50 Uhr: Außenwerbung ist übergriffig – diese Meinung vertritt der
Initiator von Berlin Werbefrei Fadi El-Ghazi. „In unserem Leben ist Werbung
allgegenwärtig, und unsere Freiheit zu entscheiden, was wir sehen wollen,
wird dadurch eingeschränkt.“
Nachdem ein paar Orangen vom „Küchentisch“ an die Zuhörenden verteilt
werden, erklärt El-Ghazi im Gespräch mit Moderator Dieter Schwengler, dass
die Initiative nicht jegliche Werbung verbieten will. Es geht vielmehr um
ein ausgewogenes Verhältnis zwischen gestalterischen Aspekten, dem
Informationsinteresse der Bevölkerung und den Interessen der Wirtschaft.
Momentan ist das anders: Unternehmen, die es sich leisten können,
bestimmen, was wir den ganzen Tag sehen. Und das, was wir sehen, prägt
unsere Gedanken und unseren Alltag, so El-Ghazi. (la)
## Wie läuft es eigentlich mit der Seitenwende?
15.37 Uhr: Seit dem 17. Oktober 2025 erscheint die taz unter der Woche nur
noch digital. Und wie finden die Leser*innen das? Das fragen
taz-Geschäftsführer Andreas Marggraf und Chefredakteurin Katrin Gottschalk
die taz-lab-Besucher*innen [17][auf der Juwelen-Agora]. Vor allem viele
ältere Leser*innen sind gekommen und teilen ihre Meinung: „Also ich lese
seitdem die taz deutlich weniger“, erzählt ein älterer Leser. Ein anderer
berichtet, seitdem sogar mehr zu lesen und die Vorlesefunktion für sich
entdeckt zu haben. „Und wie finden Sie die wochentaz?“, fragt
Chefredakteurin Katrin Gottschalk das Publikum und hört sich die
Rückmeldungen gespannt an. (kr)
## Dating-Dystopien: Wenn die Matrix glicht
15.35 Uhr: Es ist [18][das „wohl wichtigste Panel des Tages“], wie
Moderatorin Anastasia Zejneli (taz) die Runde mit den Influencerinnen Elli
Edich, Ena Soukou und Vici einläutet, die auf Social Media jeweils aus
ihrem Dating-Leben berichten. Die schnellen Urteile fallen schon beim
Aufwärmen: Wer auf Dating-Apps ein Gruppenfoto als Erstes zeigt oder sich
oben ohne präsentiert, wird meistens direkt mit nach links geswiped.
Ena Soukou stellt trocken fest, dass viele Männer schlicht „Angst vor mir
haben“ und dass ein Großteil der Dates ohnehin nicht „content-würdig“ sei.
Respekt steht bei ihr trotzdem obenan: Während sie jemanden datet, spricht
sie online nicht darüber. Die Besonderheiten des Lebens als
Dating-Influencerin zeigen sich auch bei Vici: Während eines Dates machte
sich ihr Gegenüber über ihre Arbeit lustig, um kurz darauf von einem Fan
unterbrochen zu werden, der sie um ein gemeinsames Foto bat. Elli Edich
berichtet von einem Mann in der U-Bahn, der angeblich genau in dem Moment
ein Video von ihr in seiner Timeline hatte, als sie sich ihm gegenüber auf
einen Platz setzte. Solche „Glitch-in-the-Matrix“-Momente sind ein Grund
für das ungebrochene Interesse an Dating-Stories. Ellis Fazit: Die Leute
sind „hooked“, weil sie sich in den Situationships und Red Flags der
anderen selbst wiedererkennen. (pc)
## „In der Ideologie des Regimes haben sie gewonnen“
15.28 Uhr: „Die Stimmen, die besonders laut nach einem militärischen
Eingriff gerufen haben, kamen vor allem aus dem Ausland“, sagt die Autorin
Daniela Sepehri. Sie hat Familie im Iran und spricht mit dem Journalisten
und Autor Ali Sadrzadeh über die aktuelle Lage im Nahen Osten,
taz-Redakteur Andreas Fanizadeh moderiert.
Sadrzadeh war schon bei der iranischen Revolution 1979 als Berichterstatter
vor Ort. Heute sitzt er auf der blauen Bühne beim Panel [19][„Der Iran und
die Linke“], und sagt: „Die Herrschenden im Iran wollen die Lage so schnell
wie möglich beenden.“ Sepehri widerspricht: „Das Regime sieht sich
gestärkt. In der Ideologie des Regimes haben sie gewonnen, weil sie gegen
die größte Armee der Welt kämpfen“, sagt sie. Sie sieht die größten
Verlierer dieses Konfliktes in der iranischen Zivilgesellschaft. (tik)
## Keine Lust auf Atombomben
15.18 Uhr: Eigentlich will Barbara Junge diese Debatte gar nicht führen.
Das Motto des tazlabs erklärt, warum sie es trotzdem tut: um Tacheles zu
reden. Aber ist das nun mit Blick auf Frankreichs Bereitschaft, seine
Atombomben einem europäischen Schutzschirm zur Verfügung zu stellen, und
Litauens Forderung, eine europäische Atombombe herzustellen, [20][eine
reale oder eine Gespenster-Diskussion]?
Die Politikwissenschaftlerin Jana Puglierin sieht uns in einem zweiten
globalen nuklearen Zeitalter. Es sei zu Modernisierung von Nuklearwaffen in
Russland und USA gekommen, alle Rüstungskontrollverträge sind ausgelaufen
und auch China als neuer Akteur hat in den letzten Jahren nuklear stark
aufgerüstet. Gleichzeitig wird zunehmend auch mit dem realen Einsatz von
Atomwaffen wie durch Russland im Angriffskrieg gegen die Ukraine gedroht.
Wir sähen ein globales nukleares Säbelrasseln. Politikwissenschaftler
Tobias Bunde pflichtet dem bei und sieht uns alle heute in einer Welt
leben, in der wir tatsächlich nuklear bedroht werden. Dem könnten wir nur
mit einer eigenen nuklearen Abschreckung entgegnen, welche die
Mitgliedschaft in der Nato nicht mehr garantiere. (bsz)
## Ein Berliner Junge bei Gilda con Arne
15.09 Uhr: „Wer von uns ist liebevoll und wer von uns ist rabiat?“ fragt
Gilda Sahebi ihren Co-Host Arne Semsrott zu Beginn der
Live-Podcast-Aufnahme von [21][„Gilda con Arne“]. Der antwortet: „Ich
denke, ich bin liebevoll und du bist (kurze Spannungspause) beides.“
Zu Gast ist Engin Çatık, seit Januar 2025 Schulleiter der
Friedrich-Bergius-Schule, die häufig als „Problemschule“ bezeichnet wird.
Viral ist die Schule aufgrund eines Brandbriefs gegangen, den das Kollegium
im November 2024 geschrieben hat. „Ich bin Berliner Junge“, stellt er sich
vor.
„Migration ist nicht die Ursache, da spielen ganz viele Faktoren eine
Rolle“, betont er immer wieder im Gespräch. Eine Familie kann die schlimmen
Erfahrungen, die viele Schüler*innen heute machen, nicht alleine
auffangen, sagt er. Schule spiele dabei eine wichtige Rolle. Viele der
Schüler*innen kommen aus armutsbelasteten Familien. Dadurch haben sie
viele Steine im Rucksack und es sei wichtig, die Jugendlichen darin zu
unterstützen, diese Steine nach und nach auszupacken. „Ich bin nicht der
Meinung, dass mehr Repression zu Erfolg führt. Ich leite ja keine Kaserne,
sondern eine pädagogische Einrichtung.“, so Çatık. (kr)
## Luna Möbius: „Mit Tiktok hätte ich besser Mathe gelernt als in der
Schule“
15.05 Uhr: Verbote müssen nicht immer schlecht sein. Aber gilt das auch für
Tiktok? Das diskutieren Luna Möbius, Gian Brunschwiler, Silke Müller und
Martha Helene Radtke unter dem Titel [22][„Tiktok verbieten?“].
Tiktok ist nachweislich für die Entwicklung von jungen Menschen schädlich.
Ein klares Argument dafür, Tiktok zu verbieten, oder? Luna ist anderer
Meinung: „Ob ich mit 12 oder mit 25 Hasskommentare von meinem Account
löschen muss, da hilft mir auch ein Social-Media-Verbot nicht.“ Zumal:
Spiegelt sich in sozialen Netzwerken nicht vor allem unsere Gesellschaft
selbst und würde ein Verbot die Probleme nicht nur verlagern? (la)
## Nicht alles gefaked: Reality-TV im Realitätscheck
15.03 Uhr: Sich in einer queeren Dating-Show wirklich verlieben? Dass das
möglich ist, zeigen Lucia Schöber und Seleya Ludwig. Die beiden lernten
sich 2024 bei „Princess Charming“ kennen und sind seitdem ein Paar.
Die beiden diskutieren zusammen mit Lina Westphal, die ebenfalls die
deutsche Reality-TV-Welt durch ihre Teilnahme an „Are you the One“ im Jahr
2023 kennt, unter dem Titel [23][„Alles nur Trash?“] über Authentizität im
Fernsehen.
Lina vertritt eine klare Position: „Die meisten kommen zu diesen Formaten
mit dem Ziel, danach einen Durchbruch als Influencer zu erreichen.“ Sie
führt fort: „Diejenigen, die schon öfter an den Formaten teilgenommen
haben, vergessen häufig, dass sie eigentlich Z-Promis sind. Ihr Bezug zur
Realität geht verloren.“Lucia und Seleya stimmen dem grundsätzlich zu.
Gleichzeitig betonen sie Unterschiede zwischen den Formaten: Während bei
„Are You The One?“ Gespräche über gesellschaftliche oder politische Themen
keinen Raum hätten, sei dies bei „Princess Charming“ zumindest teilweise
möglich gewesen. Dennoch, so ihr Fazit, bleibe es „ein kapitalistisch
ausgerichtetes RTL-Format“. (kb)
Wie viel will die Klimabewegung?
14.53 Uhr: Sollten sich Klimabewegungen mehr auf ihr Kernthema fokussieren?
[24][Darum geht es am grünen Küchentisch], moderiert von taz-Klimaredakteur
Jonas Waack. Der Journalist Bernward Janzing setzt dazu den Impuls: Er
sieht in der aktuellen Klimabewegung, dass sich die Repräsentant*innen
zu allen Reizthemen positionieren müssten, „überall wo eine Kamera drauf
gerichtet wird.“ Das sei nicht zielführend. Die Sprecherin von Fridays for
Future Carla Reemtsma widerspricht: Klimafragen seien auch Machtfragen, da
sie von großen Ungleichheiten geprägt seien. „Das ist global eine
Ungerechtigkeitskrise, und das ist auch in Deutschland eine
Ungerechtigkeitskrise.“ Klimaforscher Stefan Rahmstorf betont, dass ein
ideologisches Verständnis da nicht zielführend sei. „Das Thema Klima gehört
nicht in eine bestimmte politische Ecke – das ist ein Überlebensthema für
die Menschheit.“ Luke Hoß, Bundestagsabgeordneter für Die Linke, sieht hier
wiederum eine Frage der Zielgruppen: Wen wolle man erreichen? Und wie viele
Menschen wären nicht dabei, wenn auch die Themen nicht so breit gesetzt
würden? (jg)
## Berichte aus Gummibärland
14.52 Uhr: Mit neun Jahren kommt Ira Peter ins „Gummibärland“ – so nennt
sie Deutschland, das Land, aus dem ihr Onkel früher Päckchen voller
Gummibären in ihre damalige Heimat Kasachstan schickte. Nur: Als sie selbst
ankommt, ist ihr Leben längst nicht so süß wie erträumt.
„Meine Herkunft wurde ab der fünften Klasse zum Ballast“, liest Peter auf
der Lila Bühne aus ihrem Buch [25][„Deutsch genug? Warum wir endlich über
Russlanddeutsche sprechen müssen“]. In ihrem Sachbuch verwebt sie ihre ganz
persönliche Geschichte in eine Analyse über die rund 2,5 Millionen in
Deutschland lebenden Russlanddeutschen. In der Schule begann Peter sich mit
den anderen „deutschen“ Kindern zu vergleichen. Und mit dem Vergleich kam
auch die Scham über ihr Anderssein, ihre Familie, und deren Geschichte:
1936 wurden ihre Großeltern von Wolhynien nach Nordkasachstan deportiert,
1992 kam ihre Familie nach Deutschland. Der Schulabschluss ihrer Mutter
wurde wie von vielen anderen Russlanddeutschen damals nicht anerkannt, und
so wuchs Peter mit einer Mutter auf, die sich schwertat in Deutschland
anzukommen und deren „Seele“ noch lange Zeit in Kasachstan festhing. (aho)
## Journalist*innen erzählen, wie man ins Gefängnis kommt
14.46 Uhr: Die Zuschauer*innen fluten den Workshopraum im Frizzforum, in
dem taz-Redakteure*innen von ihren investigativen Recherchen erzählten.
Zunächst führte Konrad Litschko aus, wie er es geschafft hat, Maja T. im
ungarischen Gefängnis zu besuchen. „Es ist immer Gold wert, rauszufahren
und die Leute zu besuchen“, sagt er. Das Publikum hat viele Fragen an die
Journalist*innen, sei es, wie eine Instrumentalisierung durch Quellen
versucht wird oder der Umgang mit anonymen Tipps aussieht. Im Raum lassen
sich Videos auf dem Beamer nicht abspieln, da springt eine Person aus dem
Publikum kurzerhand auf und will helfen. Das WLAN spielt aber nicht mit,
Applaus gibt’s trotzdem. (fh)
## Eva Illouz: Der Anspruch der Linken bleibt
14.40 Uhr: Für Eva Illouz ist der grundlegende Anspruch einer politischen
Linken immer noch das Herstellen von Gleichheit nach objektiven Kriterien,
also die gerechte Verteilung der Güter und Ressourcen einer Gesellschaft.
Der Journalist Paul Mason stimmt zu und ergänzt, es sei in letzter Zeit zur
Auflösung des Proletariats als integralem Bestandteil der politischen
Linken gekommen. Illouz führt fort, dass sie nach dem Hamas-Massaker am 7.
Oktober 2023 in Frankreich und weltweit einen kompletten Zusammenbruch der
Linken infolge ihrer katastrophalen Reaktion auf die Ereignisse in Israel
und Gaza gesehen habe. Das Publikum applaudiert heftig. Mason ist der
Meinung, die englische Linke habe schon immer eine Unfähigkeit gezeigt,
bestimmte Verbrechen wie die des Stalinismus benennen zu können. Heute
seien die Antisemiten, die der Parteivorsitzende der Labour Party Corbyn
aus der Partei geschmissen hat, sogar noch radikaler antisemitisch bei der
Grünen Partei Großbritanniens aktiv. (bsz)
## Nicht nur die AfD ist konservativ
14.32 Uhr: Im Podcastraum des Frizzforums begrüßt taz-Redakteur Dennis
Chiponda seine Gäst*innen Katjab Dietrich und Frank Kliem zur
Live-Aufnahme von „Mauerecho“, einem Podcast der taz panterstiftung.
Dietrich, die Oberbürgermeisterin von Weißwasser in Sachsen, berichtet von
ihrer Arbeit in der Kommunalpolitik. In ihrem Landkreis ist die AfD die
stärkste Kraft und hat ein Gender-Verbot für die Stadtverwaltung
durchgesetzt. Wichtig sei aber auch, so Dietrich, dabei nicht nur auf die
AfD, sondern auch auf andere konservative Kräfte zu schauen, denn: „Da
haben mehr abgestimmt als nur die AfD, sonst hätten sie es ja nicht
durchbekommen.“
„Gibt es überhaupt eine Brandmauer?“, fragt darauf hin Moderator Dennis
Chiponda. Kliem, Vizepräsident der brandenburgischen Feuerwehr, steigt in
die Diskussion ein und sagt: „Vielleicht machen wir es uns auch zu einfach,
wenn wir von einer Brandmauer reden.“ Er findet, wir sollten uns eher
fragen: „Wie distanziert sich jede*r in seinem konkreten Leben und
Arbeitsbereich von den Themen und Inhalten der AfD?“ (kr)
## Liebevolles Gedrängel
14.25 Uhr: „Wie in der S-Bahn: Erst aussteigen lassen und dann einsteigen“,
sagt ein Besucher im ersten Stock des Frizz Forums. Die Schlange geht die
Treppe hinunter, es ist richtig voll, kurz wird ein kleines bisschen
gedrängelt, aber natürlich ganz liebevoll. (kr)
## Caren Lay über Wohnraumdebatte: „Aber dann passiert nichts“
14.22 Uhr: Ähnlich wie bei Wohnungsbesichtigungen gibt es am Panel
[26][„Wohntst du noch oder suchst du schon?“] auf der gelben Bühne
reichlich Interessent:innen. Anders als bei der Wohnungssuche ist das hier
ein gutes Zeichen. „Wohnen ist die soziale Frage unserer Zeit sagen im
Wahlkampf alle. Aber dann passiert nichts“, sagt die Bundestagsabgeordnete
Caren Lay (Die Linke). Gemeinsam mit dem Filmemacher Florian Opitz und
Andreas Krüger von der Belius Stiftung diskutieren sie, wie man die
Mietenkrise der Hauptstadt überwinden könnte. „Umverteilung ist die
Quintessenz von fast jedem Film, den ich gemacht habe“, sagt Opitz, der
sich in seinen Filmen immer wieder mit gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Missständen, besonders in Berlin, auseinandersetzt.
Neben den Speakern steht ein Whiteboard, auf dem parallel zur Debatte eine
live-Illustration des Graphic Recording Artists Christoph Kunst entsteht.
(tik)
## Gewalt ist keine Lösung, aber was ist es dann?
14.10 Uhr: Die Antifa steht unter Druck, wie gut deswegen, dass es beim
tazlab [27][ein gleichnamiges Panel] gibt. Sven Richwin, Anwalt der
inhaftierten Maja T., ist Teil der Diskussion. Es habe keinen Zeitpunkt des
Verfahrens gegeben, in dem Maja konkreter Gewalttaten beschuldigt wurde.
Trotzdem wird sie immer wieder in Verbindung mit dem gewaltsamen Vorgehen
einer unbestimmten Gruppe gebracht. Auch Nele steht in Düsseldorf im
Zusammenhang mit dem Budapest-Komplex vor Gericht. Ihre Schwester Lili
Aschoff ist heute hier auf der Bühne. Sie berichtet, wie sie den Prozess
ihrer Schwester wahrnimmt und welche Erfahrungen sie mit deutschen
Gefängnissen gemacht hat.
Hitzig wird die Debatte zwischen Clara-Sophia Müller und Torsten Franz, den
weiteren Panelistas. Die Kampfsportlerin Müller hat den Eindruck, dass eine
Entwicklung hin zu mehr Militanz und Gewalt in Teilen der linken Szene
festzustellen ist, die sie mit Verfolgungsdruck und schwindendem Vertrauen
in den Staat erklärt. Linke Gewalttaten entstünden, weil man sich in einem
historischen Moment wähnt und dadurch Taten legitimiert. Torsten Franz
sieht das anders. (la)
## Steffen Mau: „Konflikt hat Nachrichtenwert“
14.05 Uhr: Bevor es losgeht, bittet taz-Redakteur Jan Feddersen erstmal um
Applaus für den Jingle vor jedem Panel, der folgt prompt. Und dann geht es
los: Im Panel [28][„Polarisierung – na und?“] spricht er mit den Soziologen
Steffen Mau und Nils C. Kumkar über die vermeintliche Polarisierung unserer
Gesellschaft. „Konflikt hat Nachrichtenwert. Er wird in den Massenmedien
überbetont“, sagt Soziologe Nils C. Kumkar. Steffen Mau betont: Streit und
Auseinandersetzung gehören in der Politik dazu. „Der politische und
diskursive Raum sind deutlich polarisierter als die Gesellschaftsmeinung.
Radwege in Peru, da kann Deutschland sechs Wochen darüber diskutieren.
Dabei ist es eigentlich ein Marginalthema.“ All das, worüber man sich
bereits einig sei, würde von diesen Diskussionen überschattet. Auch Jan
Feddersen spricht bei den Fahrradwegen von einem „medialen Schauermärchen“.
Von Peru geht es dann in die USA und schließlich zur AfD. Steffen Mau nennt
die AfD „politische Wegelagerer“, die ihre Wählerstimmen vor allem über
Aufregerthemen gewinnen würden. Auch Nils Kumkar ist der Meinung, dass die
Partei ihr Elektorat vor allem über Aufregung zu mobilisieren versucht.
(feh)
Aktuell im Livestream: Was ist übrig von der Linken?
14.00 Uhr: In den vergangenen Jahren sind einige linke Überzeugungen ins
Wanken geraten, während rechte Kräfte an Macht gewannen. Und doch gibt es
auch für Linke Potenziale – über die taz-Redakteuer Nicholas Potter jetzt
[29][auf der roten Bühne und im Stream] mit der Soziologin Eva Illouz und
dem Journalisten Paul Mason spricht. Servicehinweis: das Gespräch findet
auf Englisch statt. (ab)
## Schreiben gegen die innere Furcht
13.55 Uhr: Knapp eineinhalb Jahre nach dem Sturz des Assad-Regimes ist die
Freiheit in Syrien noch immer ein zerbrechliches Gut. [30][Im Gespräch mit
Julia Völcker erzählen drei syrische Journalistinnen von einem Leben im
permanenten Ausnahmezustand].
Raneem Khallouf, die aus Damaskus berichtet, findet drastische Worte für
ihre Arbeit: „Wenn ich diese innere Angst nicht hätte, müsste ich meine
Artikel nicht unter einem Pseudonym veröffentlichen.“ Trotz des politischen
Umbruchs ist die Unsicherheit so groß, dass sie ihren Klarnamen bis heute
schützt. In den neuen Machtstrukturen ist die weibliche Repräsentation
zudem weiterhin minimal. Die Gefahr, dass erneut ein Regime über die Köpfe
der Menschen hinweg spricht, ist allgegenwärtig. „Auch wenn ich unter einem
Pseudonym schreibe, mache ich so deutlich, dass es auch andere Stimmen in
Syrien gibt.“
Alaa Al-Robai sagt, man müsse zusammenarbeiten, um Männern und Frauen sowie
marginalisierten Gruppen ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen. Sie
geht auch auf mentale Gesundheit als „Luxusgut“ in Syrien ein und darauf,
wie sehr die Angst vor politischer Verfolgung die journalistische Arbeit
einschränken kann.
Auch Elaaf Al-Ali aus Idlib kennt das Doppelleben unter Decknamen gut. Zwar
wird ihr aktuelles Medium „Syria TV“ als unabhängig wahrgenommen, doch bei
„harten Themen“ stößt auch sie auf Einschränkungen. Ihr Ziel und das ihrer
Kolleginnen ist die Stärkung einer echten Journalistinnenvereinigung, um
eine wirklich unabhängige Medienlandschaft aufzubauen. (pc)
## Judith Simon: KI macht nicht alles besser
13.53 Uhr: „Wie nutze ich die Zeit, die ich mit der Effizienz von KI
gewinne? Im Moment wird immer alles schneller.“ [31][Judith Simon erklärt
im Gespräch mit Barbara Junge,] dass KI nicht immer alles gleich besser
macht und manchmal sogar gefährlich ist. Sie argumentiert, dass KI
zugunsten eines kapitalistischen Systems genutzt wird, dass wir Opfer von
Prognosen werden können.
Wo ist es ein Segen, dass es KI gibt? Überall da, wo wir tatsächlich
Mustererkennung brauchen. Generative KI lehnt Judith Simon aber
grundsätzlich ab. (taz)
## Einfach feige: der DFB
13.48 Uhr: In der von Andreas Rüttenauer moderierten Podiumsdiskussion
[32][„Ist doch nur Fußball – Wie umgehen mit WM-Gastgeber USA?“] stellt
Fußballpublizist Dietrich Schulze-Marmeling fest, dass andere Länder
Deutschland für die kritischen Fanszenen beneiden würden. Die
Haltungslosigkeit des DFB würde er dagegen hassen. „Das ist einfach feige“,
dass die Verbände aus dieser Kette der Haltungslosigkeit auch nicht
rausfinden wollen. Fan-Aktivist Martin Endemann stellte fest, das „System
Fifa funktioniert perfekt.“ Die WM in den USA finde ohne wirklichen
Widerspruch statt. (fh)
## „Deutschland steht schon ziemlich scheiße da, was die soziale
Gerechtigkeit angeht“
13:45 Uhr: Die Bildungsforscherin und Content Creatorin Lisa Niendorf,
Journalistin und Bildungsreporterin Lea Schönborn und Schulleiter Florian
Schmidt diskutieren gemeinsam mit Moderatorin Viktoria Isfort über gerechte
Bildung, [33][auf dem Panel „Klassenraum 2.0“].
60 Prozent der Kinder aus Akademiker*innenhaushalten gehen auf ein
Gymnasium, während es bei Nicht-Akademiker*innenkindern 30 Prozent sind.
Oft bei gleicher Leistung, erklärt Lea Schönborn. Das sehe sie nicht nur in
ihren eigenen Beobachtungen, sondern auch in Studien. „Kinder, die den
Habitus haben, das kulturelle Kapital haben, kommen viel eher aufs
Gymnasium.“ Es sei außergewöhnlich, wie früh und stark in Deutschland
selektiert wird.
Noch deutlicher zeigen sich diese Unterschiede, wenn es um Studienplätze
geht, ergänzt Lisa Niendorf. „Deutschland steht schon ziemlich scheiße da,
was die soziale Gerechtigkeit angeht“, sagt Lea Schönborn. (wh)
## Über Generationen und politische Lager hinweg
13.34 Uhr: Was tun, um die Mehrheit wieder von progressiver Politik zu
überzeugen? – Das ist die große Frage, die sich die demokratischen Parteien
gerade stellen müssen. Wenn sie darauf die perfekte Antwort hätte, wäre sie
wahrscheinlich noch Parteivorsitzende, schmunzelt Ricarda Lang im Gespräch
FUTURZWEI-Chefredakteur Peter Unfried.
Um die „Boomerhaftigkeit“ ihres Vaters abzufangen, sitzt außerdem auch die
Politikwissenschaftlerin und Autorin Paulina Unfried als Co-Moderation auf
der Bühne. Denn um unsere Demokratie zu schützen, müssen wir nicht nur über
politische Lager, sondern auch über Generationen hinweg ins Gespräch
kommen. (lv)
## Wie funktioniert digitale Unabhängigkeit?
13.28 Uhr: Die blaue Bühne sieht aus wie ein Vorlesungssaal am Ende des
Semesters, wenn es wirklich darauf ankommt. Die Sitzplätze sind voll,
Menschen sitzen auf dem Boden, immer wieder geht die Tür auf und mehr Leute
kommen hinein, einige müssen stehen. Hier geht es aber nicht darum, was
bald in der Prüfung abgefragt wird, sondern darum, [34][wie sich
Deutschland unabhängig von Tech-Milliardären aus dem Sillicon Valley
macht]. „Das schaffen wir nur durch Offenheit und durch
Open-Source-Lösungen“, sagt Schleswig-Holsteins Minister für
Digitalisierung Dirk Schrödter (CDU). Gemeinsam mit Markus Beckedahl, dem
Gründer des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie, und Julia Pohle vom
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung philosophiert er darüber,
wie Souveränität im 21. Jahrhundert aussieht. Beckedahl hat dabei Lob für
die taz übrig. „Die taz hat schon seit den Neunzigern Open-Source-Lösungen
entwickelt“, sagt er. (tik)
Ricarda Lang: Schluss mit Progressiv-Gequatsche?
13.00 Uhr: Grünen-Politikerin Ricarda Lang will mit ihrer Partei das
Zentrum einer „progressiven Mehrheit“ bilden. [35][Auf der roten Bühne]
fragen taz-Chefreporter Peter Unfried und die Politikwissenschaftlerin und
Autorin Paulina Unfried sie, wie das geht. (ab)
## Trump-Time am Nachmittag
12.59 Uhr: „Die größten Gesten der Macht von Donald Trump stammen von
denen, die ihn umgeben. Die, die sich nicht empören, sondern über seine
schlechten Witze lachen“, sagt taz-Redakteur Bernd Pickert. [36][Auf der
Dachterrasse des Frizz Forums] spricht er gemeinsam mit den
taz-Redakteur*innen Ulrich Gutmair, Tanja Tricarico und Martina Mescher
über die neue wochentaz-Kolumne „Gesten der Macht“, die die vier zusammen
schreiben.
Sie diskutieren und lesen über die Funktion von Herrschaftsarchitektur,
warum es linken Populismus braucht, und den Rheinmetall-Chef, der
ukrainische Drohnen mit Legosteinen vergleicht. In den Kolumnen, die sie
vorlesen, und auch im Gespräch wird immer wieder Trump zum Thema. Tanja
Tricarico erzählt, dass es in der taz-Auslandsredaktion ein „neues Wording
gibt: Trump-Time“. Um 15 Uhr wissen alle Bescheid, dass jetzt gleich wieder
etwas passieren könnte. (kr)
## Ignorant oder innovativ?
12.58 Uhr: „Die AfD interessiert mich nicht. Mich interessiert das Land“.
Der Sozialpsychologe Harald Welzer plädiert [37][in dem gleichnamigen
Panel] für einen alternativen Umgang mit antidemokratischen Kräften in
Deutschland. Welzer weigert sich, den Namen der AfD-Partei explizit zu
erwähnen.Ist Ignorieren die Lösung? „Ja warum nicht. Wir sollten keine
sinnlosen Auseinandersetzungen führen, da viel wichtigere Themen zu kurz
kommen.“
Sein Lösungsvorschlag: Positive Assoziationen durch Engagement und soziale
Bündnisse fördern. Egal wie klein oder groß. (kb)
## Warum schreiben politisch ist
12:52 Uhr: Wer kann Autor*in werden? Braucht es dafür Follower*innen, und
welche Rolle spielt Klassismus in der Buchbranche? Darüber sprechen
Debütautorin Louise K. Böhm, Content Creatorin und Buchclub-Host Julia
Bischoff und Journalistin Marlene Thaler beim Panel [38][„Read, Rant,
Repeat“]. „Eine große Follower*innenschaft setzt keinen starken Text“,
meint Louise, die in Hildesheim literarisches Schreiben und
Kulturjournalismus studiert hat und als Arbeiterkind auf Instagram über
Klassismus in der Buchbranche aufklärt. Schreiben ist für Louise politisch.
Sie erinnert an die Debatte um Caroline Wahls Roman „22 Bahnen“ und stellt
die Frage, warum diese nicht Menschen die Bühne überlasse, die selbst
Armutserfahrungen gemacht hätten. Damit meine sie nicht, dass man nur über
das schreiben dürfe, was man selbst erlebt habe. Aber es gehe immer darum,
den eigenen Bias zu hinterfragen, und mit Betroffenen in Kontakt zu treten,
anstatt sich etwas zusammenzufantasieren.
Auch Julia ist davon überzeugt, dass Menschen mit einem Bias schreiben.
Deshalb hat sie sich dafür entschieden, keine oder kaum noch Romane von
Cis-Männern zu konsumieren. Stattdessen liest sie gerne Bücher von Women of
Colour. Als Einstieg empfiehlt sie den Panelbesucher*innen „Mädchen,
Frau, etc.“ von Bernardine Evaristo. (feh)
## „Die Hoffnungslosigkeit nimmt ab“
12.49 Uhr: Am grünen Küchentisch essen Zuhörnde Pommes oder Linsensuppe,
als Beilage gibt es ein bisschen Empirie von der Soziologin Antje Daniel.
Sie forscht regelmäßig zur Klimabewegung – und der allgemeine Eindruck, es
breite sich vor allem Fatalismus aus, halte der Realität nicht stand:
„Aktivist*innen paaren Frustration und Angst mit Agency und
Handlungsmacht“, sagt Antje Daniel beim Panel [39][„Hurra, die Welt geht
unter“]. In den vergangenen Jahren hätten zwar die negativen Emotionen der
Aktivist*innen zugenommen, „die Hoffnungslosigkeit hingegen nimmt ab“.
Ergänzend merkt die Philosophin Ana Honnacker an, dass ein
hoffnungsbesetztes Moment im apokalyptischen Diskurs liege: Das Reden von
der Apokalypse sei eines, das das „Ende der Welt ausmalt. Aber genau
deswegen, um es zu verhindern.“ Dieser Katastrophismus nutze sich im
Klimadiskurs aber schnell ab. Honnacker plädiert deshalb für die Kopplung
der „apokalyptischen Imagination an positive Visionen der Zukunft“. Das
knüpfe an die jüdisch-christliche Apokalyptik an. „Was heißt das, wenn wir
das in den säkularen Raum übertragen?“, fragt Honnacker. Darüber
diskutieren sie und Antje Daniel mit taz-Redakteur Christian Jakob – und
mit dem Publikum, das sich rege mit an den grünen Küchentisch setzt. (lla)
## Kulturkampf auf dem Teller
12.39 Uhr: [40][Das Podcaster-Duo Ayşegül und Valentin] („don’t read
theory“) habe heute eigentlich einfach über Essen reden wollen, aber von
der taz sei der Wunsch nach mehr Kontroverse gekommen. Dabei sei Essen an
sich ein kontroverses Thema!
Ayşegül bricht dabei die oft romantisierte Sicht auf „interkulturelles
Essen“. Statt poetisch über den Duft von Lahmacun zu schwärmen, erinnert
sie sich an den salzigen Pökel-Geruch deutscher Metzgereien ihrer Kindheit,
der ihr aus den Ablüftungsanlagen entgegenschlug. Diesen Geruch habe sie
„auf Lunge geraucht wie eine Shisha“ mit dem vollen Bewusstsein, dass dies
nach Schweinefleisch roch: etwas, das sie niemals essen würde.
Wie tief der Graben politisch verläuft, zeigen zwei Videos, die das Panel
präsentiert: Im ersten pfeffert eine Frau mit sächsischem Dialekt im Netto
angewidert einen Tiefkühl-Lahmacun mit dem Kommentar „Dreckscheiße“ zurück
ins Fach, nachdem sie das „Halal“-Label auf der Verpackung gelesen hat. Im
zweiten Video entfacht Kim Kardashian eine digitale Debatte, weil sie
Lahmacun (falsch ausgesprochen) als „Armenian Pizza“ bezeichnet – was
prompt einen stolzen Türken auf den Plan ruft, der vor Nationalflagge und
zu lauter Musik die kulinarische Lufthoheit zurückfordert. Der Teller ist
ein Schlachtfeld der Identität. Ihr Fazit: Niemand isst einfach nur, ohne
gleichzeitig eine Gesinnung mitzuverdauen. (pc)
## Ist die Polizei noch ein Freund?
12.32: In der [41][Podiumsdiskussion „Freund, Helfer, Problem“] geht es um
den von der Polizei getöteten Lorenz. In dem gefüllten Raum stellt Hubertus
Koch klar, es sei „im Interesse der Polizei, den Diskurs zu bestimmen, da
sie eine Konfliktpartei“ sei. Nachdem Lorenz von hinten erschossen wurde,
sei im Sinne der Polizei alles genau richtig gelaufen, da von der Polizei
Falschmeldungen verbreitet worden sind. Er widerspricht damit dem
Polizisten und Grünen-Politiker Jan-Denis Wulff, der das als Fehler
betitelt hatte. Der Aktivist Suraj Mailitafi stellte glaskar fest,
„Journalismus hat definitiv versagt“, da Falschmeldungen viel zu häufig
unkritisch reproduziert worden sind. (fh)
## Einfach mal kein Arschloch sein
12.10 Uhr: [42][Auf der gelben Bühne sprechen der Soziologe Aladin
El-Mafaalani und der Comedian Aurel Mertz über „verlorene Jungs“.]
„Es ist ja auch mal interessant, ein Podium mit zwei Männern zu
moderieren“, eröffnet Moderatorin Kathrin Gottschalk süffisant und setzt
damit den Ton: In den nächsten 40 Minuten geht es nicht nur um männliche
Krisen, sondern vor allem auch um männliche Macht. Das Publikum lacht und
klatscht zustimmend.
Einigkeit herrscht schnell: Männer stecken in einer Verunsicherungskrise.
Während Frauen wie Männer eigentlich zunehmend Freiheiten gewinnen,
bröckeln für viele Männer gewohnte Sicherheiten aufgrund schwindender
Dominanz. Mehr Optionen im Leben bedeuten für viele Männer auch
Überforderung und nicht Fortschritt.
Mertz sieht genau darin den Reiz rückwärtsgewandter Männlichkeitsbilder für
viele Männer. Für sein Buch „Verlorene Jungs“ hat er selbst ein
Männlichkeitscamp besucht. Sein Eindruck: Dort wird Dominanz als Ersatz für
fehlende Selbstliebe trainiert. Sein Lösungsvorschlag: eine Gesellschaft,
in der Männer nicht für Härte, sondern für soziale Kompetenz Anerkennung
bekommen. Doch bei aller Empathie für Männer, die orientierungslos von
mangelnden Beziehungen in ihrem Leben berichten: „Helfen würde auch,
einfach mal kein Arschloch zu sein“, stellt Mertz provokativ fest. (aho)
## Bundestalk mal live
12.00 Uhr: Wöchentlich gibt es auf taz.de den [43][Podcast Bundestalk].
Heute haben Sabine am Orde, Martina Mescher, Bernd Pickert und Stefan
Reinecke ihn mal vor Publikum aufgezeichnet.
Aktuell im Livestream: Ronen Steinke und Deniz Yücel über Meinungsfreiheit
12.00 Uhr: Aktuell gibt es i[44][m Livestream] ein Gespräch über falsche
oder richtige Grenzen der Meinungsfreiheit mit Deniz Yücel, Elisa Hoven und
Ronen Steinke.
Die einen sagen, die Meinungsfreiheit in Deutschland sei in Gefahr, andere
finden, ihre Grenzen müssen enger gezogen werden. Und das alles natürlich
vor allem dann, wenn der eigenen Meinung widersprochen wird. Wie steht es
also um die Meinungsfreiheit? Was passiert mit sogenannten
Hate-Crime-Fällen, die angezeigt oder den einschlägigen Meldestellen
gemeldet werden? Und warum haben diese Fälle in den vergangenen Jahren so
zugenommen? Wer bedroht hier wen und was? Sind engere Grenzen des Sagbaren
wichtig und notwendig oder bergen sie auch neue Gefahren?
Fragen über Fragen, erörtert mit dem PEN Berlin-Sprecher Deniz Yücel, der
Strafrechtlerin Elisa Hoven und dem SZ-Journalisten Ronen Steinke.
## Warum trifft Islamismus Minderheiten?
11,55 Uhr: [45][Famta Keser und Maria Kireenko gehören zur Fraueninitiative
Pek Koach, führt Moderator Ulrich Gutmair ein]. Der Verein setzt sich für
von Islamismus betroffene Minderheiten ein und kämpft gegen Ideologien der
Ungleichheit, „aber auch für viele schöne Sachen“, ergänzt Fatma Keser
scherzhaft. Sie empowern Menschen, ihre besonderen Biografien sichtbar zu
machen.
Maria Kireenko erinnert an den gestrigen Gedenktag des Genozids an den
Armenier*innen: „Dieser Tag wird in der deutschen Gesellschaft nicht
wahrgenommen, obwohl die Deutschen diesen Genozid tatkräftig unterstützt
haben.“
„Wenn die Bundesregierung das Ziel hat, Menschen abzuschieben, müssen sie
Beziehungen zu Islamisten führen“, erklärt Fatma Keser. „Wenn al-Jolani
seinen Bart ein bisschen stutzt und einen Anzug anzieht, haben wir
plötzlich das Gefühl, er sei ein gewaltfreier Typ.“ Das sei ein
strategisches Ziel des Islamismus. Minderheiten wie Kurden und Drusen
werden in ihren Heimatländern verfolgt. Deshalb sei es wichtig,
Sichtbarkeit zu schaffen. (wh)
„Nicht jede Frau ist eine gute Nachricht“
11.55 Uhr: Im Weiterdenken-Gespräch unter der Frage „Welche Regierung
bilden sie?“ betont Luisa Neubauer, dass die Grünen sich ehrlich machen
müssen über den eigenen Machtanspruch. „Von den Liberalen müssen wir ja
nicht mehr sprechen, das entspannt die Sache“, Gelächter im Saal. Moderator
Peter Unfried sorgt dagegen mit seiner Aussage, dass er die
Sozialdemokratie nicht mehr im progressiven Spektrum sieht, für ein Raunen
in der Menge.
Auf die Abschlussfrage, „Brauchen wir eine Bundestagspräsidentin, und wenn
ja, bist du bereit?“, entgegnete Luisa Neubauer, „nicht jede Frau ist eine
gute Nachricht“, mit Blick auf Katharina Reiche. Obwohl sie nicht ihren Hut
in den Ring warf, lehnte sie es auch nicht kategorisch ab. (fh)
## „Um Rechte zu verstehen, müssen wir ihnen zuhören“
11.50 Uhr: Darf Caren Miosga zur Primetime im Fernsehen mit Alice Weidel
diskutieren, ob Hitler ein Kommunist war, oder wird den Rechten damit
einfach eine Plattform für ihre Propaganda geboten? Letztere Position
vertritt [46][beim Podium „Rasu aus der Bubble“] Jakob Springfeld, „man
kann bei solchen Diskussinen eigentlich nur verlieren“.
Wie wir der AfD begegnen sollten, darüber spricht der Journalist Daniel
Sagradov mit Autor und Aktivist Jakob Springfeld sowei Content Creator
Hannes Kreschel.
Das Publikum hält allerdings dagegen: „Um Rechte zu verstehen, müssen wir
ihnen zuhören und mit ihnen reden“, findet eine Zuschauerin. Nur so könne
unsere Demokratie langfristig funktionieren. (lv)
## „Um die scheiß AfD endlich wieder vom Platz zu verdrängen“
11.38 Uhr: Die Sitzplätze vor dem grünen Küchentisch reichen nicht einmal
für die Hälfte der Menschen, die ihm zuhören wollen. „Ich bin dieses kleine
gallische Dorf, dieser kleine rote Punkt im Brandenburger Süden“, sagt Lars
Katzmarek (SPD). Seit 2024 sitzt er im Landtag, weil er ein Direktmandat in
der Lausitz gewann. Gegen die AfD und jegliche Wahrscheinlichkeit. [47][Am
Küchentisch erklärt er taz-Redakteur Jan Feddersen], wie er das angestellt
hat. Besonders wichtig war für ihn der Haustürwahlkampf, auch wenn ihm dort
nicht nur einmal die Tür vor der Nase zugeschlagen wurde, hat es gereicht.
„Um die scheiß AfD endlich wieder vom Platz zu verdrängen“, sagt er.
Einige Besucher:innen des taz-labs sitzen neben ihm am Küchentisch und
fragen sich, warum Katzmarek nicht gendern will. Bei seiner
Wähler:innenschaft sei das gut angekommen, erinnert er sich. (tik)
## „Den Frauen war es ein Anliegen, gehört zu werden“
11.30 Uhr: Eine hochschwangere Frau kommt in das Behandlungszimmer der
Ärztin Dr. Hamida. Sie hat starke Schmerzen. Aufgrund der Komplikationen in
der Schwangerschaft kann es sein, dass ein Kaiserschnitt notwendig sein
wird. Doch wie die Geburt des ersten Kindes der Frau stattfindet wird,
obliegt in Afghanistan der Entscheidung ihres Ehemannes. Die Szene stammt
aus dem Dokumentarfilm „Land ohne Frauen“ von Vanessa Schlesier. Sie
spricht [48][bei der Podiumsdiskussion in Kooperation mit dem Filmfestival
„Doxumentale“ auf der Blauen Bühne] mit der Sozialunternehmerin und Autorin
Sadaf Zahedi sowie der Journalistin Lina Eikelmann, die das Gespräch
moderiert.
„Den Frauen war es ein Anliegen, ihre Geschichte zu erzählen, jemand zu
sein, gehört zu werden“, sagt Regisseurin Schlesier, kurz bevor der
Filmausschnitt gezeigt wird. Die Situation der Frauen in Afghanistan ist
verheerend. Sie haben keinen Zugang zu Bildung, dürfen in der
Öffentlichkeit nicht mehr sprechen, zuletzt wurde häusliche Gewalt
legalisiert. „Aktuell stirbt schätzungsweise stündlich eine Frau bei der
Geburt“, sagt Sadaf Zahedi, die sich für den weltweiten Zugang zu Bildung
einsetzt. Alle paar Monate würden die Dekrete der Scharia weiter
verschärft, vierjährige Mädchen würden verkauft, sagt Zahedi. Eine
Neunjährige, ein Kind, sei vor Kurzem infolge einer Schwangerschaft
gestorben. „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“, sagt Zahedi. „Der Islam
würde diese Brutalität nicht so ausleben.“ (lla)
## „Ich kann es niemandem recht machen“, sagt Luisa Neubauer
11.26 Uhr: Luisa Neubauer zieht die Massen an, neben jedem besetzten Stuhl
stehen die Leute auch am Rand in der roten Bühne. Thema ist zuerst der
Instagram-Post von Barack Obama, der ehemalige US-Präsident hatte kürzlich
der Klimaaktivistin vor Millionenpublikum eine Plattform gegeben. Über die
Kritik an der Zusammenarbeit sagte Neubauer: „Ich kann es niemandem recht
machen, also probiere ich es gar nicht erst.“ Obama war einer der eher
progressiveren US-Präsidenten, unter ihm fand jedoch auch gezielte Tötung
durch Drohnen statt. (fh)
## Ansage statt Augenbrauenzupfen
11.20 Uhr: Es gibt „kompromisslos auf die Fresse“, wie Moderatorin
[49][Lilly Schröder] (taz Berlin) die Musik ihrer Gästinnen beschreibt.
[50][Auf dem Panel sprechen die Wiener Rapperin Donna Savage, die
zugeschaltete Musikerin und Schauspielerin Nenda sowie Musikmanagerin Katja
Kulidzhanova miteinander.] Das Thema: eine neue Generation von Female
Rappern, die sich den Platz nimmt, der jahrelang männlich besetzt war – mit
Straßenrap, harten Beats und eben ohne Kompromisse.
Dabei geht es nicht nur um Kunst, sondern um knallharte Doppelstandards.
Donna Savage erinnert sich an ein Rap-Battle vor zehn Jahren: Nachdem sie
einen männlichen Gegner besiegt hatte, wurde dieser vom Moderator allen
Ernstes gefragt, wie es sich anfühle, gegen eine Frau verloren zu haben.
Ein Kommentar, bei dem das Publikum heute hoffentlich „Tomaten werfen
würde“, so Donna. Während Männer oft ungefragt gefeiert werden, wird bei
Frauen, die auf hohem Niveau abliefern, noch immer „irgendwas zum
Kritisieren gefunden“ – und sei es nur das eine abstehende Augenbrauenhaar.
Kulidzhanova bestätigt diesen Druck: Von Frauen werde in der Musikbranche
schlicht erwartet, dass sie ihre Positionen schneller räumen. Nenda
berichtet von einem männlichen Schauspielkollegen in seinen 40ern, der ihr
prophezeite, ihre Karriere sei wegen ihres Alters bald vorbei, während
seine guten Rollen erst jetzt kämen. Die Antwort der Runde ist
unmissverständlich: „Wir lassen uns absolut gar nichts mehr gefallen.“ Die
Randale hat gerade erst angefangen. (pc)
Großer Andrang bei Klaus Lederer und Nicholas Potter
11.20 Uhr: Die Schlange vor der roten Bühne reicht bis in die taz-Kantine.
Sie alle wollen dem Gespräch „Die neue autoritäre Linke“, geführt von Klaus
Lederer, lauschen. Nicholas Potter, eigentlich taz-Redakteur, ist heute der
Talkgast. Er versucht zu erklären, wie demokratiefeindlich diejenigen sind,
die sich eigentlich als besonders progressiv bezeichnen. Auch die teilweise
Unterstützung der Hamas wird thematisiert. Das rote Dreieck der Hamas werde
teils sogar von Teilen der westeuropäischen Linken übernommen. Erklären
lässt sich das vielleicht damit, dass diese Kräfte den westlichen Mächten
den Kampf ansagen und damit eine revolutionäre Hoffnung bei einigen Linken
wecken.(la)
## Die Rakete auf dem Dach
11.13 Uhr: Kurz werden noch ein paar Fotos vom Ausblick geknipst, dann geht
es los. Der Intro-Song des diesjährigen taz labs schallt in voller
Lautstärke über die Dachterrasse des Frizz Forums. Taz lab Redakteurin
Mareike Barmeyer, die die Veranstaltung „Rakete 2000 rabiat – Die
liebevolle Leseshow“ moderiert, tanzt und singt fröhlich mit.
Während Mareike Barmeyer aus ihrem Text „Schlampen über 50“ liest, kriegt
Jacinta Nandi hinter ihr auf der Bühne einen herzlichen Lachkrampf. Bevor
als nächste Lea Streisand anfängt zu lesen, fragt sie: „Sind denn hier
Menschen aus Rheinland-Pfalz anwesend?“ Ein paar Hände heben sich. „Ja?“,
fragt sie erstaunt. Und sagt dann „Ojemine!“. Übel zu nehmen scheint ihr
den Text aber niemand. Das Publikum lacht, als sie berlinernd von ihrem
Stipendium in Rheinland-Pfalz berichtet, von dem sie sich gar nicht so
sicher war, ob sie es denn wirklich haben will. Weiter geht es mit Texten
von Eva Mirasol und Insa Sanders. (kr)
Deutliche Mehrheit beim taz lab gegen die Wehrpflicht
11.06 Uhr: „Wer von euch spricht sich für eine Wehrpflicht aus?“ Stille im
Publikum. „Und für den freiwilligen Wehrdienst?“ Deutlich mehr Hände gehen
nach oben.
[51][In der Podiumsdiskussion „Würdest du dienen?“] trifft der
Politik-Influencer Simon David Dressler auf die Reservistinnen Annabell
Günther und Leocadie Reimers. Dressler stellt zu Beginn klar: Er würde
niemals freiwillig dienen – Deutschland sei für ihn nicht ausreichend
schützenswert.
Doch was ist für Dressler schützenswert, möchte Günther wissen. Grundwerte
wie Freiheit und Demokratie? Dressler entgegnet, genau diese Werte würden
durch Maßnahmen wie Kriegstüchtigkeit und Wehrpflicht schrittweise
untergraben werden. Selbst ein demokratischer und freier Staat neige im
Kriegsfall dazu, Freiheiten einzuschränken – oft mit dem Versprechen, diese
später wiederherzustellen.
Ein gemeinsamer Nenner wird nicht gefunden. Stattdessen setzt sich die
Debatte nach der offiziellen Diskussion angeregt im Publikum fort. (kb)
Aktuell im Livestream: Luisa Neubauer
11.00 Uhr: Sie ist schon Stammgast beim taz lab: die
Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer. Mit Peter Unfried
[52][spricht sie über die Frage: Welche Regierung bilden Sie?] Hier gibt es
das [53][im Livestream]. (ga)
## Als Kriegsgegner an der Front
10.50 Uhr: „Russland führt keinen Krieg für mehr Land. Russland hat genug
Land. Es führt einen Krieg der Werte, der Weltanschauungen.“ Im „Online
Only“-Format spricht der ukrainische Friedensaktivist Maksym Butkevych mit
der Journalistin Yelizaveta Landenberger, wieso er für die ukrainische
Armee an der Front war. Das sei für ihn ein logischer Schluss gewesen, er
hätte sich gesagt „If I’m called human rights defender I have to defend
them.“ Russland führe einen imperialistischen Krieg. Menschen, die sich mit
linker Politik identifizieren, müssten das in der Debatte um militärische
Verteidigung verstehen.
Mit Blick auf junge Menschen, die sich der Verantwortung entziehen wollen,
betont Butkevych die Unterschiede zu einem Leben unter Besatzung: Diese
würde aus Menschen Objekte machen, die nur ausführten, was ihnen das
Militär auftrage. Die Freiheiten kämen nicht einfach so zurück. „When you
loose a democracy, it is really hard to get it back.“ (jg)
## Iran, wie geht’s weiter?
10.52 Uhr: „Ich bin aus Sicht des iranischen Regimes eine Terroristin“,
erklärt die iranische [54][Journalistin Mahtab Gholizadeh] zu Beginn
[55][des Gesprächs über die Lage im Iran auf der blauen Bühne]. Inzwischen
lebt sie im Exil in Berlin und berichtet unter anderem für die taz und den
Tagesspiegel über die Lage im Iran. Durch ihre persönlichen Kontakte in ihr
Heimatland ist sie über die katastrophale wirtschaftliche und humanitäre
Situation vor Ort gut informiert.
Doch wie kann sich daran etwas ändern, fragt die Moderatorin Gemma Terés
Arilla. Allein mit Diplomatie komme man nicht weiter, meint Gholizadeh:
„Wir fordern die europäischen Länder auf, nicht mit dem iranischen Regime
zu kollabieren. Es ist ein Regime, mit dem man nicht diskutieren kann“. Wer
genau mit diesem „Wir“ gemeint ist, lässt sie jedoch offen. Gleichzeitig
betont sie, dass sie weder für die gesamte iranische Opposition sprechen
kann noch will. (aho)
„Wenn man die Mieten nicht bezahlen kann, um bei der taz ein Praktikum zu
machen, ist das ein Problem“
10.51 Uhr: Die Schwere der Themen nahm im Laufe des [56][Gesprächs über die
Linkspartei] zwischen [57][Jan Feddersen] und [58][Daniel Bax] zu.
Letzterer stellte fest, „wenn man die Mieten nicht bezahlen kann, um bei
der taz ein Praktikum zu machen, ist das ein Problem“. Als ehemaliger
Prakti kann ich das nachempfinden. Daniel Bax kritisiert gegen Ende auch
die Doppelmoral beim Thema Völkerrecht. Es werden Waffen in die Ukraine
geliefert, um das Völkerrecht zu verteidigen, um gleichzeitig Waffen nach
Israel, die helfen, das Völkerrecht zu brechen. Klar ist, das Publikum
hätte noch gerne länger zugehört und am liebsten mitdiskutiert. (fh)
## „Radikalität ist der Mut, der aus der Verzweiflung trotzt“
10.35 Uhr: Ein Mensch spricht und alle anderen hören zu, schon das sei eine
radikale Anordnung, sagt Moderatorin [59][Elke Schmitter]. Der Start ins
[60][Gespräch am grünen Küchentisch] ist demnach also radikal. Mirjam
Schaub ist Philosophin und Journalistin. Sie liest aus ihrem Buch über
Radikalität.
Mirjam Schaub möchte Radikalität nicht nur für heroische Männer denken,
sondern auch für Frauen anbieten. „Radikalität ist der Mut, der aus der
Verzweiflung trotzt.“
Die RAF und die Fahndungsplakate, die in den 70ern im Stadtbild zu sehen
waren, haben die beiden noch gut in Erinnerung. Aber war die RAF radikal?
Mirjam Schaub hat eine klare Antwort und verneint: „Radikal ist jemand, der
bereit ist, für eine Idee zu sterben, wer extrem ist, ist bereit, für eine
Idee zu töten.“ Elke Schmitter ergänzt: „Radikalität ergibt sich aus dem
Kontext.“ (wh)
Faschismus im Silicon Valley
10.32 Uhr: Es wird kuschelig auf der Dachterrasse des Frizzforums. Die
Tontechnik streikt. Das Publikum rückt zusammen, was den positiven
Nebeneffekt hat, dem kalten Wind nicht ausgesetzt zu sein. [61][Das
Gespräch „Hinterm Mond gleich rechts?“] zwischen taz-lab-Programmchef Joel
Schmidt und Anna-Verena Nosthoff, Junior Professorin für Ethik der
Digitalisierung, findet also zunächst analog statt, dreht sich aber um das
Silicon Valley und den Techfaschismus.
Mit dem Begriff meint Nosthoff einerseits, dass „wir von konkreten Figuren,
die im Silicon Valley prägend sind – Peter Thiel, Alex Karp, Elon Musk –,
ganz klar sagen müssen: Die sind faschistisch.“ Andererseits stelle sich
auch die Frage, ob es sich bei den entwickelten Techniken wie sogenannter
künstlicher Intelligenz um „faschistische Technisierungsformen“ handele:
„Diese Formen der Technisierung sind exklusiv, reproduzieren also nicht nur
Rassismus, sondern verstärken auch Rassismus“, sagt Nosthoff.
Dass sich angesichts dessen häufig ein Gefühl von Ohnmacht einstellt, kennt
sie auch selbst. Widerstandspotenziale fänden sich aber in der Geschichte,
beispielsweise in der sozialistisch kybernetisch organisierten Gesellschaft
im Chile unter Salvador Allende. „Wir müssen die Frage der politischen
Mobilisierung wieder ins Zentrum stellen“, sagt Nosthoff. Und dann
funktioniert auch die Tontechnik plötzlich wieder. (lla)
## „Mode kann einem gar nicht nicht wichtig sein“
10:33 Uhr: „[62][Was kann dein Outfit?“: Diese Frage diskutieren
Modejournalistin und Content Creatorin Antonia Valentina und Content
Creator*in Jo Meyer] an diesem Samstagmorgen. Moderiert wird das Panel
von taz-Volontärin [63][Raweel Nasir].
„Mode kann einem gar nicht nicht wichtig sein“, sagt Modejournalistin
Antonia Valentina, die heute einen Blazer mit Hahnentrittmuster und eine
dicke Brille trägt. Schließlich kommuniziere Mode zu jeder Zeit und mit
jedem. Jo, im weißen Langarmshirt und mit Lederstiefeln, stimmt ihr zu:
„Mode ist ein soziales System. In Jos Content beschäftigt sich Jo vor allem
mit queeren Codes in der Mode. „Kommerzialisierung von Queerness erweckt
den Anschein, sie wäre akzeptiert. Aber an vielen Orten fragt man sich noch
immer, ob man eigentlich sicher ist“, erklärt Jo. Das eigene Outfit könnte
so zur Gefahr werden – aber eben gleichzeitig auch anderen Sicherheit und
Zusammenhalt vermitteln. (fh)
## „Wir könnten uns keinen einzigen Tag militärisch verteidigen“
10.32 Uhr: „Wir könnten uns keinen einzigen Tag militärisch verteidigen“,
stellt die moldauische Journalistin Mila Corlăteanu fest. Der russische
Angriffskrieg gegen die Ukraine ist für die Republik Moldau ein Weckruf
gewesen. [64][Im Podcast der taz Panterstiftung „Freie Rede“] sprechen die
drei befreundeten Journalistinnen Anastasia Rodi, Tamuna Iluridze und Mila
Corlăteanu über eine postkoloniale Perspektive auf die Zukunft Osteuropas.
(lv)
## Ralf Stegner ist da und streitet mit Ulrike Herrmann über den
Ukrainekrieg
10.19 Uhr: Ralf Stegner ist mittlerweile angekommen und sagt, der Krieg in
der Ukraine wird nicht militärisch beendet werden können. Diplomatie sei
der einzige Weg. [65][Ulrike Herrmann hält dagegen,] dass Europa die
Ukraine am Anfang nicht genügend militärisch unterstützt hat, und Putin
wolle auch nicht verhandeln. (bsz)
Linke reden über die Linke
10.11 Uhr: Einen sonnigen Platz haben sich alle Zuhörer*innen der
Veranstaltung „Die Linkspartei ist super, oder nicht?“ gesichert.
Taz-lab-Kurator und -Redakteur Jan Feddersen diskutiert mit taz-Redakteur
[66][Daniel Bax] über den Aufschwung der Linkspartei. „Wir müssen nicht in
gemeinsamer Gemütlichkeit voneinander scheiden“, sagte Jan Feddersen zum
Publikum mit Hinblick auf spätere Fragen von den zuhörenden Menschen. (fh)
Der Traum vom digitalen Kommunismus
10.10 Uhr: Den Traum vom digitalen Kommunismus äußert Shintaro Miyazaki
gleich zu Anfang einer der ersten Podiumsdiskussionen des heutigen Tages.
Trotz der noch kalten Temperaturen haben sich Zuhörer*innen vor der
gelben Bühne eingefunden, um [67][dem Gespräch unter dem Titel „Das größte
Idiotensystem im Kapitalismus“] zu folgen – angelehnt an Herbert
Grönemeyer, der mit diesem Satz die Vergütungspraxis von Spotify und Co
kritisierte.
Eine 400-seitige Studie zu diesem Thema, vorgestellt von Jana Costas, zeigt
die starke Polarisierung in der Vergütung von Musikschaffenden. Sie spricht
vom Superstar-Effekt: Wenige profitieren stark, andere können nicht mehr
von ihrer Arbeit leben. Wie es zu diesen Effekten kommt, erklärt Miyazaki
mit dem Wandel des Musikmarkts ins Digitale: Unsere Aufmerksamkeit ist zur
Ware geworden. Algorithmen und soziale Netzwerke prägen den Erfolg von
Künstler*innen.
Musikerin Nina Graf kritisiert zudem die geringe Marktmacht, fehlende
Transparenz und das Vergütungssystem Prorata-Modell, bei dem vor allem die
meistgestreamten Acts profitieren, etwa im deutschen Hip-Hop und Rap.
Genres wie Jazz oder Klassik fallen zunehmend weiter zurück. (la)
## Ralf Stegner kommt mit der Bahn – zu spät
10.10 Uhr: Der Wind weht noch ein bisschen „rabiat“, aber auch die Sonne
scheint schon „liebevoll“ durch. Zur gelben Bühne kommen die Menschen.
[68][Ulrike Herrmann] steht gleich zu Beginn wieder irritiert auf, um den
Jingle bei der Nebenbühne abzuschalten. Ralf Stegner ist wegen der
Deutschen Bahn verspätet. Erster Lacher an der gelben Bühne. Hier beginnt
gleich [69][das Streitgespräch zwischen den beiden über Krieg und Frieden,
Iran, Russland und China] , moderiert von Stefan Reinecke. (bsk)
## Bestrickend: Der Strickworkshop auf der Wiese vor der taz
Als Nächstes im Livestream: Die neue autoritäre Linke
10.00 Uhr: Als Nächstes stellt [70][taz-Redakteur Nicholas Potter] auf der
Roten Bühne sein Buch über die neue autoritäre Linke vor. Sie sieht sich
selbst als progressiv und emanzipatorisch, agiert aber zutiefst
demokratiefeindlich. In seinem Buch zeigt Nicholas Potter, wer sie ist, wie
sie agiert und fragt: Wie sind wir als demokratische Gesellschaft darauf
vorbereitet? [71][Die Diskussion] wird moderiert von Klaus Lederer, Berlins
ehemaligen Kultursenator, der im Streit um Antisemitismus in seiner Partei
aus der Linken ausgetreten ist.
Das Thema stößt offenbar auf Interesse. Die taz-kantine ist rappelvoll.
(ga)
Den Workshop-Raum im und in Zusammenarbeit mit dem fritz forum eröffnet
einen Workshop zu einer zukunftsweisenden Haltung. Eine bunt gemischte
Gruppe löste bald den voll besetzten Stuhlkreis auf und erarbeitete sich
gemeinsam mit der Referentin Jana und Jessica kleine Dinge, die den großen
Ansatz der feministischen Führung in den gelebten Alltag gebracht haben.
## Popkultur und Content
09.50 Uhr: Die Pinke Bühne 2 wurde mit der Frage eröffnet: „Wie
popkulturell muss politischer Content heute sein?“ Journalistin Maria Popov
und Bundesvorsitzende des Bündnis 90/Die Grünen Franziska Brantner sprechen
darüber, ob Inhalte auf Social Media komplett unpolitisch sein dürfen, wie
viel Popkultur miteinbezogen werden soll und welche Strategien es gegen
politische Zensur auf den Plattformen gibt.
Völkerrecht am Scheideweg
9.45 Uhr: „So wahnsinnig gut hat das Völkerrecht ja nie funktioniert“ – mit
diesem Realitätscheck bricht Völkerrechtler Matthias Goldmann, Professor
für Internationales Recht an der EBS Universität, direkt zu Beginn mit der
westlichen Nostalgie. [72][Im Gespräch mit Nahostredakteurin Lisa
Schneider] wird schnell klar: Was wir gerade als Zusammenbruch der
Weltordnung erleben, ist für viele Regionen des Globalen Südens längst
Dauerrealität. Die alte Architektur, die nach 1945 unter US-Führung
entstand, erodiert unter der aktuellen US-Regierung, während neue Allianzen
und Alternativen jenseits der UN noch im Nebel liegen.
Die Kernfrage der Debatte: Ist das Völkerrecht am Ende oder bereit, neu
aufgerollt zu werden? Goldmann sieht Europa zwar auf einem ordentlichen
Weg, betont aber, dass Reformen dringend nötig seien, um hybriden
Drohkulissen und modernen Milizen überhaupt noch etwas entgegensetzen zu
können. Die Zeit der bequemen Gewissheiten ist vorbei. Das Recht muss sich
an die neue Unübersichtlichkeit anpassen, um nicht vollends in der
Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.
Ein tieferer Blick auf umsetzungsfreudige Lokalpolitiker wie Zohran Mamdami
und vermeintliche Hoffnungsschimmer wie Péter Magyar bleibt zwar ein
Cliffhanger für ein mögliches Panel im nächsten Jahr, doch das Fazit steht
fest: Ohne radikale Anpassung bleibt das internationale Recht eine bloße
Archiverinnerung. (pc)
Was ist los bei den Öffentlich-Rechtlichen?
9.55 Uhr: Es ist zwar noch früh am Morgen – [73][die Frage „Was ist los bei
den Öffentlich-Rechtlichen“] scheint jedoch viele Menschen, jung und alt,
zu beschäftigen. Die Blaue Bühne im Frizz Forum ist bis auf den letzten
Platz gefüllt.
Die bei dem Medienkritik-Magazin arbeitende Redakteurin Annika Schneider
und der Chefredakteur des Hessischen Rundfunks Eberhard Nembach sind sich
einig: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist für die Demokratie
essenziell.
Doch es gibt deutlich Luft nach oben, findet Schneider.
„Perspektivenvielfalt und Meinungsaustausch müssen das Ziel des
Öffentlich-Rechtlichen sein – nicht die simple Kategorisierung in links und
rechts unter dem Vorwand, Vielfalt sei nun gesichert worden.“
Nembach sieht die Aufgabe des Öffentlich-Rechtlichen darin, den Menschen
deutlich zu machen, wen sie wählen und welche Konsequenzen daraus
entstehen. Eine Wahlempfehlung habe an dieser Stelle nichts zu suchen. „Wir
sind weder links noch rechts. Wir wollen ein Forum sein, wo Menschen wieder
zueinanderfinden und sich austauschen.“ (kb)
Der Streitquiz
9.45 Uhr: Wie wir wieder besser streiten können, kann unser Publikum
[74][beim Quiz des Vereins Mosaka e. V.] herausfinden – Der perfekte
Einstieg für den Rest des Tages. (lv)
Leichte Sprache beim PoliTisch
9.30 Uhr: Beim [75][Stammtisch „PoliTisch“] gilt eine einfache Regel, sagt
Gründerin Stana Schenck: keine Fachbegriffe, die eh niemand versteht.
Stattdessen: leichte Sprache, damit alle mitreden können – nicht nur die
mit Politikwissenschaft im Nebenfach.
Für den Fall, dass dann doch mal jemand in einen ausschweifenden
Fachvortrag abdriftet, hält der PoliTisch-Moderator Arthur Hackenthal eine
Karte mit der Aufschrift „Danke, es reicht“ hoch – Eine Idee, die ich auch
für den Deutschen Bundestag vorschlagen möchte.
Wie barrierefrei deutsche Medien wirklich sind, untersucht Friederike
Herrmann von der Katholischen Universität Eichstätt. Ihr Fazit: „Da geht
noch was“ – auch bei der taz. (lv)
Peertube, die Livestream-Alternative zu youtube
9.30 Uhr: Für alle, die den großen Plattformen im Internet kritisch
gegenüberstehen, senden wir [76][den Livestream vom lab auch auf PeerTube].
Das ist eine alternative Videoplattform im Fediverse. Da läuft der Stream
aktuell genauso gut. (ga)
## Auftaktpanel „U25 – Wir gehen rein“
9.18 Uhr: Noch ist nicht allzu viel los vor der pinken Bühne eins.
Popkultur nebenan schlägt [77][das Auftaktpanel „U25 – Wir gehen rein“ zum
Generationenprojekt der taz]. Für Raphael Klein ist das aber kein Problem.
Als Content Creator Honey Balecta dürfte er es gewohnt sein, ohne Publikum
in Kameras zu sprechen. Und seine linken „politische Agitation“, wie er
sagt, erreicht auch so mehr als 100.000 Follower*innen auf Instagram
und Tiktok.
Im Gespräch mit dem Geschäftsleiter der taz Genossenschaft Ferenc Földesi
geht es seit 9 Uhr morgens um die Generation U25 – der heilige
Zielgruppen-Gral deutscher Medien, auch der taz. Also Tacheles: „Die taz
unterscheidet nicht grundsätzlich viel von der Frankfurter Rundschau“, sagt
Klein. Es fehle ein Bezug zur Lebensrealität vieler Menschen. „Soziale
Medien haben da eine wesentlich größere Spannweite.“ (lla)
## Live: Toni Hofreiter auf der Roten Bühne
09.00 Uhr: Das taz lab ist gestartet mit 12 parallel laufenden
Veranstaltungen. Im Livestream sieht man jetzt Ton Hofreiter (Grüne). Auf
der Roten Bühne diskutiert er Artur Weigandt und Ingar Solty über die
Frage: [78][„Solidarisch mit der Ukraine – was heißt das?“](ga)
## Volles Haus und volles Programm gleich zur frühen Stunde
8.48 Uhr: Obwohl die Jugend bekanntlich nicht so gerne früh aufsteht, haben
sich bereits zahlreiche Gäste zur Eröffnung an der pinken Bühne
eingefunden. Von Onlinedating über Wehrpflicht und Tiktok-Trends bis hin zu
Klimaaktivismus: Hier wird den ganzen Tag über das geredet, was die junge
Generation derzeit beschäftigt. Natürlich sind auch die Boomer ausdrücklich
eingeladen, sich an den Diskussionen zu beteiligen und Neues zu lernen. Die
pinken Bühnen sind Teil des Generationenprojekts, mit dem die
taz-Genossenschaft mehr junge Menschen für die taz begeistern möchte (lv)
## Jetzt gehts los – mit einer wichtigen Korrektur und ohne Regen
8.30 Uhr: Pünktlich um 8.30 startet der Livestream mit einer Begrüßung von
Jan Feddersen, dem taz-Redakteur für besondere Aufgaben. Seine vielleicht
wichtigste: die Organisation des jährlichen taz labs. Und er muss gleich
mal eine Korrektur anbringen. Anders als auch hier weiter unten behauptet,
ist es „erst“ das 17. taz lab, nicht schon das 18. Nun gut. Macht ja
nichts. Das 18. kommt dann eben nächstes Jahr. Für heute gibt es ein
randvolles Programm. Es sei zwar kalt, sagt Feddersen. „Aber das
entscheidende ist: Es regnet nicht!“ (ga)
## Gleich geht es los
8:10 Uhr: Gleich geht es los, das taz lab 2026. Wir freuen uns auf alle
Zuschauenden, die vor Ort und im Stream dabei sind und über unsere
spannenden Gäste, die heute den ganzen Tag über Tacheles reden werden –
natürlich liebevoll und rabiat (lv)
## Das taz lab 2026 startet
Das 18. taz lab startet am Samstag in und rund um das taz-Haus an der
Friedrichstraße in Berlin. Bei über 100 Veranstaltungen wird
Ausführliche Infos zum Programm und zu allen auf den Podien Vertretenen
finden Sie [79][hier].
Das taz-Team wird die Veranstaltungen den ganzen Tag über hier im
Liveticker begleiten.
Die Hauptbühne im Livestream
Eine Auswahl der wichtigsten Podien beim taz lab werden auf taz.de im
Livestream gezeigt. Sie können den Stream auch bei youtube oder alternativ
[80][bei Peertube] sehen.
## Was ist das taz lab?
Gegründet 2009, ist das taz lab Deutschlands Kongress für Debatte, Streit
und Verständigung zu den Fragen der Zeit, ausgerichtet und kuratiert von
der taz. Jedes Jahr im April findet das taz lab statt.
Ein Tag, an dem Sie – Gäst:innen, Leser:innen, Genoss:innen und die taz
– zusammenwachsen zu einer festlichen Denkfabrik, einem Debattenraum und
pulsierenden Netzwerk im und rund ums linke Medienhaus an der
Friedrichstraße.
Gibt es noch Tickets?
Ja, wer spontan kommen will, kann [81][ein Ticket] am Einlass kaufen.
Alle, die gerade nicht in Berlin sind, können auch [82][ein Digital-Ticket
kaufen]. Damit bekommt man Zugang zu allen Livestream und kann sich diese
später auch im Archiv anschauen.
Die taz verdient mit dem taz lab kein Geld. Das ist auch nicht das Ziel. Es
ist ein Angebot an unsere Community, mit uns in Kontakt zu treten. Jeder
Euro hilft, das taz lab zu ermöglichen.
Dieser Liveticker wird betreut und gefüllt von: Anna Hollandt (aho), Björn
Szesni (bsk), Felicitas Hohmann (feh), Fridolin Haagen (fh), Gereon Asmuth
(ga), Jette Minks (jm), Joel Schmidt (js), Julian von Bülow (jvb), Justin
Geiger (jg), Kajo Roscher (kr), Katharina Bigot (kbi), Klara Burchart (kb),
Lenja Vogt (lv), Lina Adler (la), Luca Lang (lla), Pauline Cruse (pc), Tim
Kemmerling (tik), Wiebke Howestädt (wh), Wilma Johannssen (wj).
🐾 Vielen Dank an die Sponsor:innen des taz lab 2026! Für die
Unterstützung bedanken wir uns bei [83][Berlinische Galerie – Landesmuseum
für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur], [84][Voelkel GmbH],
[85][Sodasan Wasch- und Reiningungsmittel GmbH], [86][Sonett GmbH],
[87][Tony’s Chocolonely GmbH], [88][GEPA – The Fair Trade Company],
[89][Teekampagne – Projektwerkstatt Gesellschaft für kreative Ökonomie
GmbH], [90][gebana AG], [91][PocketBook Readers GmbH]
25 Apr 2026
## LINKS
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über Krieg, Rechtsruck und Demokratie gestritten – laut, aber respektvoll.
(DIR) Polit-Talk beim taz lab 2026: „Eigentlich gar nicht so weit voneinander entfernt“
Beim taz lab diskutieren Politiker:innen, Journalist:innen und
Aktivist:innen kontrovers über Krieg, Frieden und politische Konflikte
– aber miteinander.
(DIR) taz Talk über Völkerrecht: „Gewalt schließt Dialog aus“
Die Militärschläge auf den Iran durch Israel und die USA werfen die Frage
auf: Was zählt das Völkerrecht in Konflikten? Darum ging es beim taz Talk
in Berlin am Dienstag.
(DIR) Rückschau auf das tazlab 2025: Ein Safe Space gegen die Verdrießlichkeit
Das taz lab verzeichnet 2025 einen Publikumsrekord. Einig war man sich
darin: Machen statt Meckern ist auch für die Linke Trumpf.
(DIR) Rückblick auf das taz lab 2025: Links vom Parlament
Das taz lab ist ein Raum für politische Diskussionen und Ideen. Mit Robert
Habeck, Saskia Esken und anderer Politprominenz klappte das schon ganz gut.