# taz.de -- Polit-Talk beim taz lab 2026: „Eigentlich gar nicht so weit voneinander entfernt“
       
       > Beim taz lab diskutieren Politiker:innen, Journalist:innen und
       > Aktivist:innen kontrovers über Krieg, Frieden und politische
       > Konflikte – aber miteinander.
       
 (IMG) Bild: Wie woke darf Politik sein? Anna Lehmann (taz) beim taz lab mit Ricarda Lang (Grüne) und Karin Prien (CDU)
       
       Die CDU-Ministerin Karin Prien bezeichnete die Runde aus Publikum in der
       taz-Kantine, Menschen im Livestream und dem Besselpark hinter ihr als
       „geschützten Kreis“. Deswegen könne sie hier ja sagen, dass sie noch immer
       konsterniert sei, wie in Berlin Politik gemacht werde. Die Durchstecherei
       an die Medien, die ständige Skandalisierung, die Kämpfe um Kommas in
       Gesetzesentwürfen – „dabei sind wir eigentlich gar nicht so weit
       voneinander entfernt“, sagte Prien zu ihrer Gesprächspartnerin, der
       [1][Grünen-Politikerin Ricarda Lang].
       
       Liebevoll und rabiat sollte es beim taz lab in diesem Jahr zugehen, und das
       passte nicht nur zum Gespräch zwischen Prien und Lang, sondern zu allen der
       über 120 Panels des Tages. Immer wieder ein Thema waren Krieg und Frieden,
       im Großen wie im Kleinen, und zwischen Kleinen wie auch Großen. Und die
       Frage, wie man sich dazu nun verhält.
       
       Das vorab: „Es geht nicht darum, dass sich alle lieb haben“, sagte Lang,
       sondern darum, einander auszuhalten, auch wenn man ganz unterschiedlicher
       Meinung sei.
       
       Auf anderen Panels nicht minder. Beispielsweise: Clara müsse er da klar
       widersprechen, sagte der Rechtsanwalt Thorsten Franz, und meinte damit die
       Journalistin und Sportsoziologin Clara-Sophie Müller, die zuvor über die
       Haltung der Linken zur wachsenden politischen Rechten gesagt hatte: „Was
       die Antifa jetzt macht, ist eine nachholende Militarisierung.“ Franz
       dagegen habe diese Militanz bereits in den 90er Jahren beobachtet.
       
       ## Stärker werdende Rechte und eine etwas unsichere Linke
       
       Eine stärker werdende Rechte, und ihr gegenüber eine etwas unsichere Linke:
       das gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch auf der geopolitischen
       Bühne. Noch immer greift Russland die Ukraine an, noch immer diskutieren
       deutsche Medien, Politiker*innen und auch viele Panels beim taz lab
       darüber, ob und wie sich zunächst die Ukraine und irgendwann vielleicht
       auch Deutschland militärisch verteidigen sollen.
       
       Laut SPD-Politiker Ralf Stegner könne der Krieg in der Ukraine nicht
       militärisch beendet werden. Laut taz-Redakteurin Ulrike Herrmann wolle der
       Aggressor, namentlich Wladimir Putin, allerdings überhaupt nicht
       verhandeln. Bleibt also gar nichts anderes übrig als Krieg – inklusive
       (solidarische) Waffenlieferungen auch vom sich militärfern verstehenden
       Deutschland? Sie blieben einander uneins, aber das im respektvollen Ton,
       der SPD-Politiker und die Bestsellerautorin aus der taz.
       
       Im Krieg gehe es nicht um Sieg oder Niederlage, sondern ums Überleben,
       sagte der Buchautor und Journalist Artur Weigandt, der aus Prag per Zoom
       zugeschaltet war und mit dem Grünen-Politiker Anton Hofreiter über den
       Krieg in der Ukraine sprach. Entscheidend sei nicht, wer gewinne, sondern
       „dass es aufhört“. Hofreiter betonte zwar den Wert der Freiheit, um die in
       diesem Krieg gekämpft werde, sagte aber auch: „Man kann sich gar nicht
       vorstellen, wie schrecklich es ist.“ Dabei denke er vor allem an die
       ukrainischen Soldaten, die sich nichts sehnlicher wünschten als ein Ende
       des Kriegs.
       
       Ihnen widersprach nicht im Einzelnen Ingar Solty, Referent für Friedens-
       und Sicherheitspolitik bei der linksparteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung,
       aber in der Haltung: Der Westen trage erhebliche Mitverantwortung für den
       russischen Krieg gegen die Ukraine, erstens, zweitens komme es seit langem
       auf diplomatische Mühen zur Beendigung des Krieges. Moderator Andreas
       Rüttenauer (taz) kommentierte an einer Stelle trocken sinngemäß: Soviel
       Putinversteherei habe er lange nicht gehört.
       
       Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Katharina Dröge, nannte vor allem
       die Außenpolitik – und damit auch den Krieg in der Ukraine – als ein Thema,
       „wo wir uns natürlich hart streiten“. Mit „wir“ meinte sie sich und Jan van
       Aken, den scheidenden Parteivorsitzenden der Linken. Er sagte, entscheidend
       sei „die Hoffnungsfrage“: Die Menschen müssten sehen, dass etwas
       funktioniere.
       
       ## Falsche Schwerpunktsetzungen?
       
       Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) äußerte im Gespräch zum frühen
       Abend, sie finde es längst keine Selbstverständlichkeit mehr, dass es die
       liberale Demokratie gebe. Man müsse sie verteidigen, ja, auch gegen Rechte.
       Allein in der Herangehensweise sieht sie deutliche Unterschiede zwischen
       ihrer Partei und der von Ricarda Lang. Darin, dass ihrer beide Parteien
       eine Mitverantwortung am Aufstieg der Rechten trügen, waren sie sich
       dagegen einig.
       
       Auch in einer anderen Frage hielten Prien und Lang einander aus: „Wir
       führen zu viel die falschen Debatten“, sagte die Grünen-Politikerin. Welche
       diese seien, blieb in gewisser Weise offen: Was müssten, aus jeweils
       eigener Parteiperspektive, die richtigen Debatten sein?
       
       Falsche Schwerpunktsetzungen? [2][Beim taz lab kann so etwas natürlich
       nicht passieren.] Eine der vielen richtigen Debatten des Tages war zum
       Beispiel die um die Wehrpflicht, die durch das neue Wehrdienstgesetz wieder
       deutlich näher gerückt ist. Viele junge Menschen fragen sich dieser Tage,
       ob sie für ihr Land sterben würden, oder ob das nicht eigentlich die völlig
       falsche Frage ist.
       
       Eine derer, die für ihr Land sterben würden, ist Leocadie Reimers, die mit
       Annabell Günther und Simon David Dressler – alle unter 30 Jahre alt –
       darüber stritt, ob sie selbst auf militärische Weise für Deutschland
       kämpfen würden. Die Reservistinnen Reimers und Günther beantworteten das
       mit Ja, der Influencer Dressler mit Nein. Vor allem in einer Frage kamen
       die drei nicht zusammen, nämlich der, ob Deutschland, ob Demokratie und
       Freiheit es überhaupt wert sind, notfalls an der Waffe verteidigt zu
       werden.
       
       Zusammen kamen die drei trotzdem auf eine Bühne – ganz im Sinne von Prien
       und Lang, die sich auf ihrer gemeinsamen Bühne mehr Universalismus
       wünschten. Zwar schenkten sie sich etwa beim Thema Gendern nichts,
       erkannten die Haltung der jeweils anderen aber als Teil eines größeren
       Ganzen an. Damit zeigten sie, dass sich die richtigen Debatten durchaus
       führen lassen – auch in Berlin und erst recht beim taz lab.
       
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       Unterstützung bedanken wir uns bei [3][Berlinische Galerie – Landesmuseum
       für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur], [4][Voelkel GmbH],
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       [9][Teekampagne – Projektwerkstatt Gesellschaft für kreative Ökonomie
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       26 Apr 2026
       
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