# taz.de -- Nach Reparatur der Druschba-Pipeline: Orbán gibt Blockade von Ukraine-Hilfe und Sanktionen auf
> Der Weg für neue Ukrainehilfen und Russlandsanktionen ist frei. Doch auch
> Ungarns scheidender Regierungschef kann sich noch einmal als Sieger
> fühlen.
(IMG) Bild: Kann sich auf EU-Hilfe für sein Land freuen: der ukrainische Präsident Selenskyj
dpa | Ungarn hat seine monatelange Blockade des geplanten
milliardenschweren EU-Unterstützungspakets für die Ukraine aufgegeben. Die
Regierung des scheidenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán trug in Brüssel
eine Entscheidung mit, die ein Darlehen in Höhe von bis zu 90 Milliarden
Euro ermöglichen soll, wie mehrere Diplomaten der Deutschen Presse-Agentur
sagten. Das frische Geld wird von der Ukraine für die Fortsetzung seines
Abwehrkampfes gegen Russland sowie für andere Staatsaufgaben gebraucht.
Zudem konnten die ständigen Vertreter der EU-Staaten in Brüssel ein neues
Paket mit Russlandsanktionen auf den Weg bringen. Es zielt darauf ab,
[1][Russlands Einnahmen aus dem Verkauf von Gas] und Öl weiter zu
reduzieren. Auch sollen weitere Finanzinstitute vom internationalen
Zahlungsverkehr abgeschnitten und zusätzliche Handelsbeschränkungen
erlassen werden. Das Paket war ebenfalls von Ungarn sowie von der Slowakei
blockiert worden.
## Druschba-Pipeline spielt Schlüsselrolle
Die formellen Beschlüsse müssen nun noch in einem schriftlichen Verfahren
gefasst werden, das an diesem Donnerstagmittag abgeschlossen sein soll.
Scheitern könnte das nur noch, wenn geplante russische Öllieferungen nach
Ungarn und in die Slowakei bis dahin nicht ankommen.
Um Orbán und den slowakischen Regierungschef Robert Fico zur Aufgabe ihrer
Vetos zu bewegen, hatte die Ukraine [2][am Dienstag die Wiederaufnahme des
Betriebs der Druschba-Pipeline ermöglicht]. Über diese wird russisches Öl
über das ukrainische Staatsgebiet nach Ungarn und in die Slowakei
geliefert.
Orbán hatte der Ukraine vorgeworfen, russische Öllieferungen durch die
Pipeline aus politischen Gründen zu verhindern, und seine Zustimmung zu
neuen EU-Hilfen für das Land an die Wiederinbetriebnahme der Leitung
geknüpft. Die Regierung in Kyjiw wies die Vorwürfe zurück und betonte, die
Pipeline müsse nach russischen Luftangriffen im Januar repariert werden.
Die ungarische Blockade hatte zuletzt wochenlang für Empörung und Kritik
gesorgt – vor allem, weil Orbán dem Darlehenskonzept bei einem EU-Gipfel im
Dezember schon zugestimmt hatte. Letztlich setzte sich der Rechtspopulist
allerdings mit seiner Erpressung durch und zwang die Ukraine, den
Pipeline-Betrieb wiederherzustellen. Für viele Menschen dort ist das
bitter, weil Russland durch die Ölexporte auch seinen Angriffskrieg gegen
die Ukraine finanziert.
Hoffnung macht mancherorts nun aber Orbáns Niederlage bei der
Parlamentswahl vor eineinhalb Wochen. In der Ukraine und in vielen anderen
EU-Staaten setzen die Regierungen darauf, dass [3][der künftige
Ministerpräsident Péter Magyar eine andere Politik verfolgt] und in Brüssel
weniger blockiert. Von Orbán wurde beispielsweise auch der
EU-Beitrittsprozess der Ukraine blockiert.
## EU-Kredit soll Ukraine Fortsetzung von Abwehrkampf ermöglichen
Von den neuen EU-Finanzhilfen in Höhe von 90 Milliarden Euro sind 60
Milliarden für verteidigungsrelevante Ausgaben vorgesehen. Die Hälfte des
Geldes soll bereits in diesem Jahr fließen – weitere 45 Milliarden könnten
dann im kommenden Jahr folgen.
Das Finanzierungskonzept sieht vor, das Geld für das Darlehen zu günstigen
Konditionen am Kapitalmarkt aufzunehmen. Die Ukraine soll das Geld dann nur
zurückzahlen müssen, wenn Russland nach einem Ende seines Angriffskriegs
Entschädigungszahlungen für die entstandenen Schäden leistet. Eine
Verständigung der Staats- und Regierungschefs sieht weiter vor, in der EU
eingefrorene russische Vermögenswerte für die Rückzahlung heranzuziehen,
falls Moskau für Kriegsschäden keine Entschädigung leistet.
Das jetzt auf den Weg gebrachte Sanktionspaket hätte eigentlich bereits im
Februar zum vierten Jahrestag der russischen Vollinvasion in Kraft treten
sollen. Es sieht im Energiebereich vor, EU-Unternehmen die Beteiligung an
der Reparatur von russischen Raffinerien zu verbieten, die durch
ukrainische Angriffe beschädigt wurden. Außerdem werden Transaktionen mit
Hafenterminals in Russland und Drittstaaten sowie LNG-Terminaldienste und
Wartungsleistungen für russische LNG-Tanker und Eisbrecher untersagt.
Zugleich fällt eine bisherige Ausnahme für Erdgaskondensate beim
Importverbot für russisches Rohöl weg.
Darüber hinaus sollen russische und ausländische Unternehmen sanktioniert
werden, die den russischen militärisch-industriellen Komplex unterstützen,
darunter auch Firmen aus Drittstaaten. Um Russlands Einnahmen zu
verringern, sind zudem Importverbote für weitere Metalle, Chemikalien und
kritische Rohstoffe vorgesehen. Nach EU-Angaben könnten die Einnahmen des
Landes dadurch um 570 Millionen Euro pro Jahr sinken.
Keine endgültige Einigung gab es darauf, ein umfassendes Verbot aller
maritimen Dienstleistungen zu erlassen, die mit dem Transport von
russischem Rohöl zusammenhängen. Grund waren vor allem Bedenken von Ländern
wie Griechenland, die um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Reedereien
fürchten.
Bislang ist die Erbringung maritimer Dienstleistungen nur für Schiffe und
Unternehmen untersagt, die sich nicht an einen westlichen Preisdeckel für
Öl halten. Zu Dienstleistungen gehören etwa Versicherungen, Charterschiffe
und technische Dienste wie Wartung und Reparatur.
22 Apr 2026
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