# taz.de -- Klimaklage in den Niederlanden: Jedes neue Ölfeld zählt
> Nächste Runde im Rechtsstreit zwischen Milieudefensie und Shell. Die
> Klimaorganisation will Shell davon abhalten, 700 Öl- und Gasfelder zu
> erschließen.
(IMG) Bild: Shell hat vor Gericht schon mal Recht bekommen – trotz klimaschädlicher Emissionen
Die Vorladung zu einem weiteren Klimaprozess ist am Dienstag bei dem
inzwischen in London ansässigen Energiekonzern Shell eingegangen.
Milieudefensie, der niederländische Zweig des Klimaschutznetzwerks Friends
of the Earth International, fordert, dass Shell keine neuen Öl- und
Gasfelder anbohrt. Direktor Donald Pols erklärte bei einem Pressetermin
vergangene Woche: „Die Wissenschaft sagt seit Jahren ganz klar: Wenn wir
gefährlichen Klimawandel verhindern wollen, ist jedes neue Öl- und Gasfeld
eines zu viel.“
An 700 solcher bislang nicht entwickelten Felder hat Shell Anteile. Eines
davon liegt unter Bergen, einem pittoresken Dorf im Küstenhinterland bei
Alkmaar, das auch bei deutschen Urlauber*innen beliebt ist. Dort
präsentierte Milieudefensie am Dienstag eine überdimensionierte Weltkarte
in drohenden Rot- und Orangetönen, um auf Gefahren der Erderwärmung
hinzuweisen. Laut einer gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation Global
Witness erstellten Studie aus dem Jahr 2025 würde es 5,2 Milliarden Tonnen
CO₂-Emissionen einsparen, sollte Shell auf den neuen Feldern kein Öl oder
Gas fördern – „36-mal der jährliche Ausstoß der Niederlande“.
Die [1][NGO Milieudefensie] stützt ihre Anklage auf Zahlen des
Weltklimarats IPCC, demzufolge schon die Nutzung der bestehenden fossilen
Quellen für eine Erderwärmung von anderthalb Grad ausreichen. Laut der
Internationalen Energieagentur (IEA) stecke in den bereits erschlossenen
Feldern genug Öl und Gas, um die Nachfrage der kommenden Jahrzehnte decken
zu können. Dass Shell weitere Felder entwickeln wolle, sei ein
verzweifelter Versuch „großer Verschmutzer“, die Gesellschaft „im
Würgegriff ihrer fossilen Abhängigkeit“ zu halten.
Bevor sich beide Parteien im Den Haager Gericht gegenüberstehen, dürften
noch einige Monate vergehen. Ein Teil der zweifellos großen Aufmerksamkeit
geht auf [2][die Vorgeschichte dieser Konstellation] zurück: Im Mai 2021
entschied das Gericht, Shell müsse seine CO₂-Emissionen bis 2030 um 45
Prozent gegenüber 2019 reduzieren, was weltweit für Schlagzeilen sorgte.
Ende 2024 hingegen erkannte das Gericht im Revisions-Verfahren den
Einspruch Shells an. Zwar bestätigte es die Verantwortung des Konzerns zur
Bekämpfung von Folgen der Erderwärmung, wies aber das konkrete Ziel von 45
Prozent zurück. Seit 2025 läuft ein Kassationsverfahren vor dem Obersten
Gerichtshof.
## Energiekrise sorgt für neue Brisanz
In den Fokus gerät die erneute Klage aber auch durch die inzwischen
veränderte wirtschaftliche Situation [3][durch die globale Energiekrise].
Der konservative Telegraaf, meistverkaufte Zeitung der Niederlande, schrieb
derweil am Dienstag, Shell habe „die weltfremde Haltung von Clubs wie
Milieudefensie“ bereits früher zurückgewiesen. Zur erneuten Vorladung
zitiert Telegraaf den Konzern: „Unrealistisch, unangemessen und fundamental
deplatziert“. Die Nachfrage nach Öl und Gas werde in der heutigen Situation
„in langsamerem Tempo abnehmen“.
Damit wird der Prozess auch die Frage berühren, welche gesellschaftlichen
Konsequenzen im Hinblick auf klimafreundliche Alternativen zu fossilen
Energien aus der derzeitigen Krise gezogen werden.
21 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://en.milieudefensie.nl/
(DIR) [2] /Neue-Klimaklage-in-den-Niederlanden/!6087879
(DIR) [3] /Energiekrise/!6172392
## AUTOREN
(DIR) Tobias Müller
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