# taz.de -- Landratswahl in Brandenburg: Die AfD kann nicht gewinnen
> Bei der Landratswahl in der Uckermark im Norden von Berlin verliert
> AfD-Kandidat Felix Teichner gegen CDU-Landrätin Karina Dörk.
(IMG) Bild: Auf seinen Werbeplakaten verglich die AfD CDU-Konkurrentin Dörk mit Angela Merkel
Es endet immer gleich: Die AfD ist in Brandenburg extrem stark, aber sie
kann nicht gewinnen. Denn die Mobilisierung gegen die AfD ist wuchtiger als
die kampagnenfähige rechtsextreme Partei. So kann man das Ergebnis der
Landratswahlen in Brandenburg zusammenfassen.
In der Uckermark verlor Felix Teichner, ein umtriebiger, in Prenzlau
geborener AfD-Landtagsabgeordneter, deutlich mit 40 zu 60 Prozent das
Rennen um den Landratsposten gegen die CDU-Amtsinhaberin. Die
Wahlbeteiligung war mit 55 Prozent fast doppelt so hoch wie vor acht
Jahren. Dies war, so der CDU-Kreis-Dezernent Henryk Wichmann zur taz, „der
am stärksten polarisierte Wahlkampf, den ich je erlebt habe“.
Am Sonntagabend war Landrätin Karina Dörk (61) bei der CDU-Wahlparty in
einem Prenzlauer Lokal kurz zu Tränen gerührt. Im Wahlkampf hatte die AfD
sie persönlich als Merkel-Imitat angegriffen. Laut einer Mitarbeiterin der
CDU-Geschäftsstelle Uckermark gab es per Telefon und Mail während des
Wahlkampfs extrem viele Beleidigungen. Landrätin Dörk gab indes schnell das
Motto vor, das nur gelten soll: „Morgen geht die Arbeit weiter“.
Nico Beetz, Vorsitzender der Jungen Union in der Uckermark, sagte der taz,
er sei „erfreut, dass die AfD nicht den Landrat stellt. Das ist besser für
die Uckermark.“ Der AfD-Wahlkampf mit den verbalen Attacken sei „schwierig
gewesen“. Henryk Wichmann lobte das klare Ergebnis. Denn damit seien auch
alle möglichen Verdächtigungen über Manipulationen, die in der AfD stets
auf fruchtbaren Boden fallen, hinfällig. AfD-Mann Teichner gratulierte Dörk
zu ihrem Sieg, noch bevor das amtliche Ergebnis feststand.
## Peinliche Affäre um Schlagersänger Heino
Die AfD ist in der Uckermark die am besten organisierte Partei. Teichner
war ein attraktiver Kandidat, der im Wahlkampf alle Register der
Aufmerksamkeitserregung zog. Ein Social-Media-Post, der den Schlagersänger
Heino als AfD-Fan zeigte, war indes zu viel der Geschmacklosigkeit. „Am
Sonntag würde Heino Felix wählen!“, behauptete Teichner dort, was
Schlagersänger Heino als „Unverschämtheit“ bezeichnete. Dessen Anwälte
fordern von dem AfD-Mann ein Schmerzensgeld von 250.000 Euro. Diese für
Teichner peinliche Affäre schlug erst am Wahltag öffentliche Wellen und
hatte somit kaum Auswirkungen auf den Ausgang. Teichner erklärte, dass 40
Prozent für die AfD ein „gutes Ergebnis“ sei.
Ausschlaggebend für Dörks Sieg waren drei Faktoren. Erstens unterstützten
sie von FDP bis zur Linkspartei alle Parteien sowie mehrere demokratische
Organisationen im Landkreis. Zudem ließ die CDU-Frau die persönlichen
Attacken ihres Kontrahenten, die unter die Gürtellinie zielten, nüchtern
ins Leere laufen. Und sie setzte auf einen Kompetenzwahlkampf, der eher
nebenher Zweifel bestärkte, ob der AfD-Mann den komplexen Anforderungen des
Landratsamtes genügen würde.
Allerdings zeigt dieses Ergebnis auch: Die AfD ist im Norden von Berlin
keine Protestpartei mehr. Sie ist ein Machtfaktor und kann in der Uckermark
mit 40 Prozent rechnen. Genauso viel bekam sie auch bei der Bundestags- und
der Landtagswahl 2025.
Im Landkreis Barnim muss SPD-Amtsinhaber Daniel Kurth am 10. Mai in eine
Stichwahl gegen den AfD-Herausforderer. Die Chancen stehen gut: Kurth bekam
im ersten Wahlgang 40,9 Prozent – zehn Prozent mehr als der AfD-Kandidat.
So zeigen beide Landratswahlen das gleiche Muster wie schon etliche andere
Wahlen um Landrats – und Bürgermeisterposten in Brandenburg. Die AfD ist
stark – scheitert aber, wenn es gelingt, die gesellschaftliche Mitte gegen
ihre extremistischen Parolen und Positionen zu mobilisieren.
20 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Stefan Reinecke
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