# taz.de -- Anzeige gegen Hamburger AfD-Abgeordneten: Holocaust-Leugnung geleugnet
> Das Hamburger Bündnis gegen Rechts hat den AfD-Abgeordneten Mennerich
> angezeigt. Er soll eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben
> haben.
(IMG) Bild: Erinnert für manche AfDler an ein Hirngespinst: Holocaust-Mahnmal in Berlin
Die Vergangenheitspolitik holt Benjamin Mennerich ein. Der
AfD-Bürgerschaftsabgeordnete in Hamburg steht im Verdacht mittels einer
„falschen eidesstattlichen Versicherung“ vertuschen zu wollen, dass er den
Holocaust geleugnet hat. Bei der Hamburger Staatsanwaltschaft ist eine
Strafanzeige des Hamburger Bündnisses gegen Rechts (HBgR) gegen Mennerich
eingegangen.
In der AfD-Bürgerschaftsfraktion war am Mittwoch nichts über rechtliche
Schritte gegen ihren Abgeordneten bekannt. „Sollte eine Anzeige vorliegen,
nehmen wir sie zur Kenntnis und warten die Bewertung durch
Staatsanwaltschaften und Gerichte ab“, sagt Pressesprecher Daniel Menkens
der taz. „Sollten sich die Vorwürfe als unbegründet erweisen, ist auch zu
prüfen, ob es sich um den Versuch einer gezielten Rufmordkampagne handelt.“
Äußerungen eines Antifa-Bündnisses nehme die AfD mit „der gebotenen
Skepsis“ wahr.
Vor fünf Tagen hat Rechtsanwalt Björn Elberling die Anzeige für das
Hamburger Bündnis gegen Rechts (HbgR) eingereicht. Hintergrund: Mennerich
war am 26. Juli 2021 gegen eine Pressemitteilung des Bündnisses gerichtlich
vorgegangen. Das Bündnis hatte gut vier Wochen zuvor mit Bezug auf die taz
berichtet, dass sie und „verschiedene Medien“ ein Dossier „von Dissidenten“
aus der AfD erhalten hätten.
In der Pressemitteilung heißt es: „Die [1][taz schrieb daraufhin über
Mennerich]: ‚Der ehemalige Berufssoldat der Luftlandeaufklärungs-Kompanie
310 aus der Fallschirmjägerkaserne Seedorf soll mehrfach angezweifelt
haben, ob der Holocaust jemals stattgefunden habe.‘“
## Abmahnung wegen „falscher Tatsachenbehauptung“
In dem Artikel vom 6. Februar 2021, der bis heute online abrufbar ist,
heißt es weiter: „Außerdem soll er gesagt haben, dass er keine Probleme
damit hätte, wenn ‚die Geschichte‘ angezweifelt und ‚die Beweise für das
Geschehen einfach als nichtig erklärt‘ würden.“
Mit einer Abmahnung wegen „falscher Tatsachenbehauptung“ versuchte
Mennerich zunächst gegen das Bündnis vorzugehen. Die Pressemitteilung war
im laufenden Bundestagswahlkampf veröffentlicht worden. Mennerich, der nach
dem Abitur gerade eine Offizierskarriere bei der Bundeswehr anstrebte,
wollte damals via Platz fünf der AfD-Landesliste in den Bundestag.
„Wir und unsere Anwälte hielten die Aussagen der beiden AfD-Dissidenten
aber für glaubhaft“, sagt Felix Krebs vom HBgR. Das Bündnis kam der
Abmahnung daher auch nicht nach. Der AfD-Politiker, der zwischenzeitig
Mitarbeiter der Fraktion war und seit 2025 ein Mandat für die Bürgerschaft
hat, ging daraufhin mit einem gerichtlichen Eilverfahren gegen die
Pressemitteilung vor.
Schon damals wunderte sich das Bündnis aber, so Krebs, dass Mennerich „das
Original der eidesstattlichen Versicherung, in dem er nicht nur eine
Holocaustleugnung in Abrede stellte, sondern sogar für sich in Anspruch
nahm, vor entsprechenden Äußerungen gewarnt zu haben, erst auf
ausdrückliche Aufforderung und dann auch verspätet ans Gericht schickte“.
Mennerich selbst widerlegte damit die Eilbedürftigkeit. Seinem Antrag auf
Unterlassung wurde denn auch nicht stattgegeben.
In der AfD wird Mennerich dem völkischen Flügel zugeordnet. Sein
Liebesglück suchte der ehemalige Offizier auf einem [2][rechtsextremen
Dating-Portal].
Die Vorwürfe gegen ihn kommen aus der Partei. In der Anzeige weist
Elberling auf ein ehemaliges AfD-Mitglied hin und zitiert: „Benjamin
Mennerich hatte gerade ein Neumitglied, das er noch nicht einmal gut
kannte, wissen lassen, dass er am Holocaust zweifelt, oder zumindest kein
Problem damit hat, wenn man die Geschehnisse anzweifelt und hinterfragt und
Beweise für das Geschehene einfach als nichtig erklärt.“
Und auch ein früheres Mitglied der AfD-nahen
[3][Desiderius-Erasmus-Stiftung Hamburg] soll Rechtsanwalt Elberling
zufolge gesagt haben, dass, nachdem er gehört habe, dass ein
„Holocaust-Relativierer in der Fraktion“ gedeckt werde, für ihn „das Ende
der Fahnenstange erreicht“ gewesen sei.
Eine weitere ehemalige AfD-Politikerin aus der Hansestadt begründete in der
Welt ihren Austritt auch mit Verweis auf den nun Angezeigten, dass sie mit
„dessen ‚politischer Gesinnung‘“ – beispielsweise „einer [4][Relativierung
des Holocaust]“ nicht übereinstimme. Mennerich erwidert, dass hier
„Verleumdungen kolportiert“ würden, „gegen die ich bereits vor Jahren
erfolgreich Unterlassungen vor Gericht erwirkt habe“.
Doch genau diese Behauptung sei falsch, schreibt Elberling: „Nach hiesiger
Kenntnis“ sei dies „unzutreffend“, so der Rechtsanwalt in der Anzeige.
15 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Speit
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