# taz.de -- Geplante Kürzungen: Kinderarmut durch staatliches Handeln
       
       > Bund, Länder und Gemeinden haben eine Kahlschlagliste vorgelegt. Dieses
       > herkömmliche Streichkonzert ist ungerecht, fatal und auch noch
       > kurzsichtig.
       
 (IMG) Bild: Weniger ist leer: Die Regierung plant Kürzungen bei Leistungen für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen
       
       Wenn das Geld fehlt, dann muss gekürzt werden. Oder gleich ganz gestrichen.
       Etwas Besseres läge natürlich auf der Hand. Man könnte auch die Einnahmen
       erhöhen, zum Beispiel über die mehr als überfällige Milliardärssteuer. Aber
       das wäre ja Umverteilung von oben nach unten. Da müsste man sich ja was
       trauen. Oder besser noch: sich trauen wollen.
       
       Da sich in Deutschland aber keine Regierung trauen wollen wird, solange
       entweder CDU/CSU oder die FDP an ebendieser beteiligt sind, bleibt es also
       beim herkömmliche Konzept: zusammenstreichen, wo immer es geht, bei denen,
       die wirklich drauf angewiesen sind.
       
       Anders kann man [1][die Kann-weg-Liste nicht bezeichnen, die eine
       Arbeitsgruppe von Bund, Ländern und Gemeinden zusammengeklaubt hat]. Bei
       Leistungen für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen sollen
       locker mal eben 8 Milliarden Euro weg.
       
       Dabei ist das nicht nur sozial unausgewogen – oder sagen wir besser:
       himmelschreiend ungerecht. Es ist auch noch kurzsichtig. Denn jeder Cent,
       der zum Beispiel auch nur irgendwie bei Kindern und Jugendlichen gekürzt
       wird, wird langfristig zusätzliche Kosten für die Gesellschaft verursachen.
       Einfach, weil Familien ohne Geld an der Bildung ihrer Kinder sparen müssen.
       Und das gilt erst recht, wenn den vielen Alleinerziehenden, die eh schon
       unter der Armutsgrenzen leben, auch noch die Unterstützung gestrichen wird.
       
       Denn die angedachte Streichung des Unterhaltsvorschusses für
       Alleinerziehende bedeutet nichts anderes, als dass Kinderarmut durch
       staatliches Handeln produziert oder sogar noch verschärft wird.
       
       Natürlich sind die eigentlichen Verursacher vor allem die vielen Väter, die
       es nicht gebacken kriegen wollen, für ihre Kinder aufzukommen. Aber wenn
       Bund, Länder und Gemeinden nun dafür die Mütter und ihren Nachwuchs büßen
       lassen, trifft das die Falschen.
       
       Zudem ist es gesellschaftlich gesehen auch noch äußerst kurzsichtig. In den
       vergangenen 5 Jahren ist die Zahl der Geburten [2][um dramatische 20
       Prozent zurückgegangen]. Dass ein solcher Geburtenknick Probleme über
       Jahrzehnte produziert, [3][sollte angesichts der aktuellen Rentendebatte
       jedem bewusst sein]. Die notwendige Konsequenz wären rote Teppiche für
       alle, die noch Kinder in die Welt setzen wollen. Aber langfristiges Denken
       über Jahrzehnte voraus ist offenbar leider noch unmöglicher als eine
       Umverteilung von oben nach unten.
       
       17 Apr 2026
       
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