# taz.de -- Krisenmanagement der Berliner SPD: Der große Krach bleibt aus
       
       > Der Fall dos Santos hätte der SPD großen Schaden zufügen können. Deshalb
       > hat sich Spitzenkandidat Krach eingeschaltet. Nun steht er als Gewinner
       > da.
       
 (IMG) Bild: Auch das SPD-Leben ist oft noch eine Baustelle
       
       Wie sehr bezirkliche Befindlichkeiten eine ganze Partei belasten können,
       hat die SPD in Neukölln gezeigt. Weil dem amtierenden Bezirksbürgermeister
       Martin Hikel die Unterstützung der Delegierten bei der Nominierung als
       Bürgermeisterkandidat nicht gereicht hatte, hatte Hikel im November einfach
       hingeschmissen.
       
       Hikels [1][beleidigter Rückzug als Kandidat] für eine zweite Amtszeit im
       Rathaus Neukölln hat auch die Landespartei mit in den Abgrund gerissen.
       Denn Hikel war nicht nur Bezirksbürgermeister, sondern, mit Nicola
       Böcker-Giannini, auch Landeschef der Berliner SPD. Parteischädigendes
       Verhalten durch den eigenen Vorsitzenden: Die SPD ist manchmal zu allem
       fähig.
       
       Dass eine bezirkliche Personalie Sprengkraft haben kann, weiß man seitdem
       in der SPD. Insofern dürften bei Steffen Krach, dem Spitzenkandidaten für
       die Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September, alle Alarmglocken geläutet
       haben, als vergangene Woche [2][die Causa Uta Francisco dos Santos bekannt
       wurde].
       
       Francisco dos Santos hatte, wie Hikel, im November für den Listenplatz 1 in
       der BVV kandidiert – und zwar in Mitte. Als Spitzenkandidatin für das
       Bezirksparlament war sie gleichzeitig die Kandidatin für das Amt der
       Bezirksbürgermeisterin. Sollte eine andere Partei das Rennen machen, wäre
       ihr zumindest ein Stadtratsposten sicher gewesen.
       
       Blöd nur, dass die Bild dann berichtete, dass Francisco dos Santos zwei
       Jahre lang bei ihrer Arbeitgeberin, der Senatsverwaltung für Finanzen,
       nicht zur Arbeit erschienen war. Über die Gründe dafür ist seitdem
       ausführlich debattiert worden, nicht aber darüber, in welchen Abgrund die
       SPD hätte schauen können, wenn das Thema nicht professionell abgeräumt
       worden wäre.
       
       ## Das Problem ist abgeräumt
       
       Das nämlich ist es inzwischen. Am Dienstagabend hat der geschäftsführende
       Kreisvorstand der SPD in Mitte getagt – und die Kandidatin hat danach ihren
       Rückzug angekündigt. Nicht nur [3][von ihrer Kandidatur für das Amt der
       Bürgermeisterin], sondern auch von der BVV-Liste.
       
       Die SPD kann also aufatmen. Zumal gleichzeitig [4][eine neue Umfrage]
       veröffentlicht wurde, derzufolge die Sozialdemokraten mit 17 Prozent
       jeweils zwei Punkte vor Grünen und Linkspartei liegen. Sollte es zu einem
       Linksbündnis kommen, würde, Stand jetzt, Steffen Krach nach dem 20.
       September ins Rote Rathaus einziehen.
       
       Alles noch mal gutgegangen? Absehbar war es nicht. Indem sich Steffen Krach
       in die Personaldebatte in Mitte eingeschaltet und für den Fall der Fälle
       sogar eine neue Kandidatenaufstellung gefordert hatte, ist er ein hohes
       Risiko eingegangen. Hätte Francisco dos Santos nicht den Weg für eine
       Lösung frei gemacht, hätte ein kompliziertes Verfahren gedroht. Kein
       schöner Ausblick für eine Partei im Wahlkampf.
       
       So aber steht Krach nun da als einer, der Krisenmanagement kann. Der große
       Krach in Mitte ist ausgeblieben, und Steffen Krach kann sich freuen.
       
       15 Apr 2026
       
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