# taz.de -- Streit bei SPD in Berlin: Bürgermeister-Kandidatin von Berlin-Mitte erklärt Rückzug
       
       > Nach Druck aus der Partei zieht Uta Francisco dos Santos ihre Kandidatur
       > als Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Mitte zurück. Spitzenkandidat Krach
       > verliert die Geduld.
       
 (IMG) Bild: Die Diskussion über Francisco dos Santos kommt für die SPD im aufziehenden Wahlkampf zur Unzeit
       
       dpa | Nach Berichten über Wahlkampf trotz Krankmeldung verzichtet die
       [1][umstrittene SPD-Kandidatin für das Bürgermeisteramt im Berliner Bezirk
       Mitte,] Uta Francisco dos Santos, auf ihre Kandidatur. „Aufgrund der
       medialen Kampagne zu meiner Person, an der vor allem rechte Medien
       beteiligt sind, ziehe ich meine Kandidatur für das Bezirksamt Mitte
       zurück“, ließ sie über ihren Anwalt erklären. Damit schütze sie ihre
       Familie und sich als Person.
       
       Der Rückzug erfolgte nach Berichten über Wahlkampfaktivitäten von Francisco
       dos Santos, obwohl sie seit längerem krankgeschrieben ist. Der
       SPD-Kreisverband Berlin-Mitte war daraufhin in der Vorwoche auf Distanz zu
       ihr gegangen und hatte sie zum Rücktritt aufgefordert. Dem war sie zunächst
       nicht nachgekommen, was den Wirbel um ihre Person und die SPD vergrößert
       hatte.
       
       Ganz ausgestanden scheint der Vorgang für die Berliner SPD gut fünf Monate
       vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und den Bezirksparlamenten
       aber noch nicht. Denn der Rückzug der Kandidatur gilt nach Angaben ihres
       Anwalts nur für das Amt der Bezirksbürgermeisterin, nicht aber für eine
       Kandidatur für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im September.
       
       Das reicht sowohl dem SPD-Kreisverband Mitte wie auch der Landes-SPD nicht
       aus. „Der Rückzug von der Bezirksamt-Kandidatur ist folgerichtig und das
       muss auch für die BVV-Liste gelten“, sagte der SPD-Spitzenkandidat für die
       Wahl zum Abgeordnetenhaus und designierte Parteichef Steffen Krach. „Das
       ist notwendig, um das beschädigte Vertrauen wiederherzustellen.“
       
       ## Kreisvorsitzende kündigen neue SPD-Kandidatur an
       
       Die beiden SPD-Kreisvorsitzenden Annika Klose und Yannik Haan teilten mit,
       sie begrüßten den Rückzug von Francisco dos Santos von ihrer Kandidatur für
       das Bezirksamt. Aber auch sie betonten: „Der geschäftsführende
       Kreisvorstand der SPD Berlin-Mitte hält zudem einen Rückzug vom Listenplatz
       1 der BVV-Liste für notwendig.“ Dazu habe er am Sonntag einen Beschluss
       gefasst.
       
       „Die Vorlage zur Streichung von der Liste wird dem Kreisvorstand am
       Dienstag zum Beschluss vorgelegt“, kündigten die Kreischefs an.
       „Gleichzeitig werden wir den Prozess für die Aufstellung einer neuen
       SPD-Kandidatur für das Bezirksamt in die Wege leiten.“ Krach sagte, er
       begrüße die „Klarheit“ der Kreisvorsitzenden und erwarte vom gesamten
       Vorstand der SPD Berlin-Mitte, nun zügig eine geeignete Kandidatur für das
       Bezirksamt aufzustellen.
       
       ## Kandidatin schon länger krank
       
       Francisco dos Santos hatte Ende vergangener Woche zur Kritik an ihr über
       einen Anwalt erklären lassen, sie sei seit längerer Zeit krankgeschrieben.
       Allerdings bescheinige ein ärztliches Attest, dass ihr ehrenamtliches
       Engagement, auch ihre Kandidatur, den Genesungsprozess nicht behinderten.
       
       Die Spitze des SPD-Kreisverbands Berlin-Mitte hatte kritisiert, die
       Kandidatin sei nicht transparent mit dem Thema umgegangen und habe offene
       Fragen nicht klären können. Ein Rückzug sei daher nötig. Man müsse schnell
       klären, wer nun für die Partei für das Bezirksbürgermeisteramt kandidiere.
       
       Francisco dos Santos war bei einer Delegiertenversammlung am 20. November
       auf Platz eins der SPD-Liste für die Wahl zur BVV gesetzt worden. Damit war
       sie auch Kandidatin für das Amt der Bezirksbürgermeisterin. Am 20.
       September ist in Berlin Wahl zum Landesparlament, parallel dazu gibt es
       Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen.
       
       Der Wirbel um die Kandidatin kam für die SPD im aufziehenden Wahlkampf zur
       Unzeit. Denn die Partei um Spitzenkandidat Krach liegt [2][in den letzten
       Umfragen] in diesem Jahr mit 14 bis 17 Prozent deutlich hinter der CDU von
       Regierungschef Kai Wegner (rund 22 Prozent), mit der sie derzeit eine
       Koalition bildet. Grüne, Linke und AfD lagen in diesen Erhebungen etwa
       gleichauf oder vor der SPD.
       
       13 Apr 2026
       
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