# taz.de -- Gewalt gegen Frauen in Berlin: Ein alarmierendes Ausmaß
> Tausende Frauen in Berlin waren im letzten Jahr von häuslicher Gewalt
> betroffen. Die Maßnahmen des Senats reichen nicht, kritisieren Fachleute
> und Opposition.
(IMG) Bild: Das eigene Zuhause ist nicht immer ein sicherer Ort
Mehrere Tote, Hunderte Fälle von Vergewaltigung und Tausende Gewalttaten
allein im Jahr 2025: Die Zahlen zu häuslicher Gewalt in Berlin sind auf
einem konstant hohen Niveau, wie aus einer Antwort der
Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage der Grünenfraktion hervorgeht.
Demnach wurden zehn Frauen im vergangenen Jahr von ihrem Partner, Expartner
oder einem Familienmitglied getötet. Ob es sich dabei um Femizide handele,
könne man nicht sagen, schreibt der Senat in der Antwort – denn es gebe
noch keine verbindliche Definition des Begriffs. Die soll eigentlich eine
Bund-Länder-Arbeitsgruppe erarbeiten, nach mehr als einem Jahr steht sie
allerdings noch ohne Ergebnis da.
„Dass es bis heute keine einheitliche Definition von Femiziden gibt, ist
ein politisches Versäumnis“, kritisiert Bahar Haghanipour, Sprecherin der
Grünenfraktion für Frauenpolitik. „Wer Gewalt nicht klar benennt, kann sie
nicht wirksam bekämpfen.“
Die nun vorliegenden Zahlen untermauern die Dringlichkeit: Gewalt gegen
Frauen reicht von Bedrohungen über Nötigungen zu Körperverletzungen und im
schlimmsten Fall zu Femiziden. Insgesamt rund 10.000 Fälle hat die Polizei
im vergangenen Jahr registriert – ein Anstieg von etwa 3 Prozent im
Vergleich zum Vorjahr.
6.000 Frauen wurden demnach von ihrem Partner oder Expartner verletzt. Das
sind im Schnitt 16 Frauen pro Tag. Außerdem wurden 355 Fälle von
Vergewaltigung oder sexueller Nötigung, Übergriffen oder Belästigungen
durch Partner oder Expartner festgestellt, durchschnittlich ein Fall pro
Tag.
## Das Dunkelfeld ist groß
Den Zahlen zugrunde liegt [1][die polizeiliche Kriminalstatistik] und damit
das Hellfeld. Das Dunkelfeld dürfte noch viel größer sein. Doch bereits das
erfasste Ausmaß zeige, dass häusliche und partnerschaftliche Gewalt eines
der größten gesellschaftlichen Kriminalitätsprobleme sei, betont
Grünen-Innenexperte Vasili Franco: „Es braucht deutlich mehr als eine
Handvoll Fußfesseln, wenn man Frauen und Mädchen effektiv vor Gewalt
schützen möchte.“
Seit der [2][Reform des Berliner Polizeigesetzes] im Winter können
verurteilte Gewalttäter dazu verpflichtet werden, eine elektronische
Fußfessel zu tragen. Das ist seitdem sechs Mal geschehen, wie aus der
Senatsantwort hervorgeht.
Aber die Fußfessel allein löse die Probleme nicht, sagt auch Nua Ursprung
von der [3][Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG)]: „Dann trägt
der Täter drei Monate die Fußfessel und wenn sie dann abgenommen wird, hat
sich nichts verändert.“ Sinnvoll wäre sie zusammen mit einem Täterkurs, wie
das [4][in Spanien der Fall ist].
Eine wichtige Errungenschaften seien die Fallkonferenzen, die es seit knapp
einem Jahr gibt, sagt Nua Ursprung. Sie sind Teil des Berliner
Landesaktionsplans, der die Bestimmungen der Istanbul-Konvention gegen
Gewalt an Frauen in Berlin umsetzen soll. Sieben Mal haben seit vergangenem
Mai Institutionen und Behörden in dem Format getagt: darunter die Polizei,
das Jugendamt, Familiengerichte, die Staatsanwaltschaft, Frauenhäuser und
Initiativen, die Täterarbeit machen. Sie sollen auf diese Weise in
konkreten Fällen besser zusammenarbeiten und ihre Hilfsmöglichkeiten
ausschöpfen können.
## Eine Reaktion ersetzt nicht die Prävention
Was diese Fallkonferenzen allerdings mit der Fußfessel gemeinsam haben, ist
der Zeitpunkt. Sie finden erst statt, wenn die Gewalt schon geschehen ist.
Das ist ein grundsätzliches Problem beim Gewaltschutz. „Die Verantwortung,
sich in Sicherheit zu bringen, liegt immer bei den Betroffenen“, kritisiert
Ursprung.
Präventionsarbeit ist eine Möglichkeit, das zu ändern. Bei der BIG gab es
ein solches Projekt – an Grundschulen. Dort sollten Kinder lernen, wie sie
Wut und Frustration aushalten, ohne gewalttätig zu werden. Doch das Projekt
ist [5][den Kürzungen des schwarz-roten Senats zum Opfer gefallen], zum
Ende des Jahres muss die BIG es einstellen. Mit Präventionsarbeit, so
Ursprung, lasse sich schlecht Wahlkampf machen: „Sie kostet viel Geld und
den Gewinn spürt man erst in vielen Jahren.“
16 Apr 2026
## LINKS
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(DIR) [2] /Reform-des-Berliner-Polizeigesetzes/!6096087
(DIR) [3] https://www.big-berlin.info/
(DIR) [4] /Umgang-mit-Taetern/!6106314
(DIR) [5] /Kuerzungen-im-Gewaltschutz/!6132764
## AUTOREN
(DIR) Marisa Haug
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