# taz.de -- EU-Resolution beim Sexualstrafrecht: Ein Ja ist eben mehr als ein unausgesprochenes Nein
> Das EU-Parlament setzt sich für ein härteres Sexualstrafrecht ein. Eine
> einheitliche europäische Regelung stärkt den universellen Opferschutz.
(IMG) Bild: Gibt es kein ausdrückliches Ja, ist das ein klares Zeichen
Glücklicherweise fehlten diesmal, als sich das [1][EU-Parlament auf die
Resolution „Ja heißt Ja“] einigte, so unterkomplexe Kommentare wie jener,
dass nun stets die Sittenpolizei unterm Bett liegen werde. So und ähnlich
kam 2016 manche Kritik zur Reform des Sexualstrafrechts daher, als der
Bundestag das Prinzip „Nein heißt Nein“ im deutschen Strafrecht verankerte.
Seitdem sind sexuelle Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer anderen
Person strafbar, auch wenn diese nicht mit körperlicher Abwehr, sondern
lediglich mit Blicken oder Gesten ablehnend reagiert.
Soll man jetzt vor dem Sex immer einen Vertrag aufsetzen und beide Seiten
unterschreiben lassen? Auch so etwas wurde damals gefragt.
Ganz offensichtlich steckte dahinter kein Unwissen oder ein ehrlicher Wille
zur Aufklärung, wie man sich nun am besten vor und beim Sex verhalten
solle, sondern schlicht Provokation. Denn die Abwehr gegen ein klareres,
modernisiertes Sexualstrafrecht, insbesondere in konservativen Kreisen, war
immens. Dabei kann sich jede und jeder die Antwort selber geben: Wenn ich
merke, dass jemand mit mir keinen Sex haben will, höre ich auf. Punkt. Wer
kein grober Klotz ist, sollte das allein am ausbleibenden Mitspiel der
anderen Person merken – und spätestens dann stoppen. Oder wenigstens
nachfragen.
„Nein heißt Nein“ war damals absolut richtig – und das Einzige, was
politisch zu jener Zeit möglich war. Das Nein-Prinzip war ein
Paradigmenwechsel, für den Frauenverbände und Gewaltschutzeinrichtungen
jahrelang gekämpft hatten. Allerdings brauchte es für die rechtliche
Umsetzung erst die [2][Vorfälle auf der Kölner Domplatte in der
Silvesternacht 2015,] als viele hunderte Frauen sexuell bedrängt, belästigt
und vergewaltigt wurden. Gleichwohl hieß es schon vor zehn Jahren, dass
eine „Ja heißt Ja“-Formel besser wäre. Denn eine positive Zustimmung ist in
jedem Fall klarer und deutlicher als eine wie auch immer geartete
Ablehnung.
Das hat man in anderen Ländern Europas, darunter in Schweden, Belgien,
Italien, Dänemark und nach dem [3][Fall Pélicot auch in Frankreich],
bereits verstanden. Es geht um nicht weniger als um den universellen Schutz
von Opfern sexualisierter Gewalt. Gewalt ist Gewalt, ob sie in
Griechenland, Italien, Österreich oder Deutschland passiert. Wie diese
rechtlich geahndet wird, hängt allerdings stark davon ab, ob überhaupt und
wo solche Prozesse stattfinden.
Die EU-Resolution zielt auf einen Konsens innerhalb Europas, wenngleich der
Vorstoß eher Symbolcharakter und keine rechtliche Bindung hat. Das könnte
sich aber ändern, denn ganz augenscheinlich hat der unsägliche Fall Gisèle
Pélicot die EU-Initiative beschleunigt. Die bittere Erfahrung besagt, dass
er nicht der letzte gewesen sein dürfte.
Nicht zuletzt wechselt mit „Ja heißt Ja“ zwar nicht die Scham die Seite,
aber die Argumentationslinie: Gibt es kein ausdrückliches Ja, ist das ein
klares Zeichen – und kein Täter kann sich damit herausreden, er hätte
nichts gewusst, sie habe sich ja nicht gewehrt.
1 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Sexualstrafrecht-in-der-EU/!6174662
(DIR) [2] /10-Jahre-Koelner-Silvesternacht/!6138430
(DIR) [3] /Urteil-im-Pelicot-Prozess/!6054432
## AUTOREN
(DIR) Simone Schmollack
## TAGS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Nein heißt Nein
(DIR) Strafrecht
(DIR) Europäische Union
(DIR) Sexualisierte Gewalt
(DIR) Nein heißt Nein
(DIR) Nein heißt Nein
(DIR) Vergewaltigung
(DIR) Gender
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Justizministerkonferenz in Hamburg: Justizministerin Hubig für „Nur Ja heißt Ja“-Regelung
Die Justizministerkonferenz in Hamburg beginnt. Mit Forderungen wie „Nur Ja
heißt Ja“ steht die Stärkung sexueller Selbstbestimmung im Fokus.
(DIR) Sexualstrafrecht in der EU: Auch europäisches Parlament will „Nur Ja heißt Ja“
In EU-Ländern wird eine Vergewaltigung sehr unterschiedlich definiert.
EU-Abgeordnete wollen Betroffene mit einer einheitlichen Regelung besser
schützen.
(DIR) Urteil im Pelicot-Prozess: Höchste Zeit für einen Paradigmenwechsel
Dominique Pelicot erhielt die Höchststrafe und muss für 20 Jahre ins
Gefängnis. Der Prozess hat die Aufmerksamkeit gegenüber sexueller Gewalt
erhöht.
(DIR) Pro und Contra: „Ja heißt Ja“ als EU-Richtlinie?
Soll die EU das Prinzip „Ja heißt Ja“ zur Richtlinie für das
Sexualstrafrecht machen? Zwei taz-Autor*innen streiten über die Frage.