# taz.de -- Erstmals Pottwalgeburt gefilmt: Die Hebammen tragen das Walbaby auf dem Rücken
> Forscher*innen ist es per Zufall gelungen, Aufnahmen einer
> Pottwalgeburt zu machen. Dabei unterstützten fremde Weibchen die Mutter
> als Hebammen.
(IMG) Bild: Pottwale in ihrer natürlichen Umgebung. Das Wunder ihrer Geburt wurde nun das erstmal wissenschaftlich Dokumentiert
Wie beim Menschen sind auch beim Pottwal die ersten Minuten im Leben
kritisch. Pottwale sind Säugetiere, Neugeborene müssen schnell an die
Wasseroberfläche schwimmen, um Luft holen zu können. Dauert das zu lange,
ertrinken die Pottwalbabys.
Einem israelisch-US-amerikanischen Forscherteam ist es nun erstmals
gelungen, in der Karibik die Geburt eines Pottwals zu filmen. Und siehe da:
Wie beim Menschen assistieren auch bei den Walen Hebammen bei der Geburt.
[1][Das Forscherteam beschreibt seine Beobachtung in der Fachzeitschrift
Science] so: Nachdem eine Wolke aus Blut im Wasser aufstieg, kümmerten sich
die Hebammenwale darum, dass das Neugeborene schnell an die
Wasseroberfläche transportiert wurde, sie beförderten es auf ihren Rücken.
Bei ihrer Geburt wiegen Jungtiere bis zu einer Tonne und sind zwischen 4
und 6 Meter lang. Allerdings besitzen sie noch relativ wenig Körperfett,
weshalb sie nicht von selbst nach oben treiben. Hilfe ist also
überlebenswichtig.
Pottwalfamilien leben matrilinear, sie bestehen also nur aus Weibchen und
den Jungtieren, die Männchen werden im jugendlichen Alter verstoßen.
Während die Familienverbände Gegenden scheuen, in denen das
Oberflächenwasser kälter als 15 Grad ist, ziehen die männlichen Tiere bis
in die Polarmeere. Es gibt keine andere Tierart, in der die
geschlechtsreifen Männchen und Weibchen in derart großer räumlichen
Trennung leben.
Um sich fortzupflanzen, ziehen die männlichen Tiere wieder den weiblichen
hinterher. Die Tragzeit der Kühe ist nicht genau bekannt, wird aber auf 10
bis 17 Monate geschätzt. Jungtiere werden ein bis zwei Jahre gesäugt.
## Hilfe wurde per Klicksprache gerufen
Im beschriebenen Fall unterstützten sieben ausgewachsene Wale Mutter und
Kind, und zwar solche, die nicht verwandt mit ihnen waren. Pottwale
verfügen über eine Sprache. Die Tiere stoßen Klicks aus, wenn sie unter
Wasser mit Echoortung jagen. Auch bei der Geburt kommunizierten die Familie
und die Hebammenwale intensiv mit Klickgeräuschen. Die Forschenden wissen
noch nicht, woher die fremden Pottwale wussten, dass ihr Dienst gerade hier
und jetzt benötigt wurde.
Allerdings ist bekannt, dass das Walklicken bis zu 230 Dezibel laut sein
kann, also lauter als ein Jumbojet beim Start. „Es ist wahrscheinlich, dass
die Wale weitere Artgenossen gerufen haben, um bei der Geburt zu helfen“,
sagt Maxime Lukas, einer der Autoren. „Diese Form von Zusammenarbeit von
Nichtfamilienmitgliedern konnten wir wahrscheinlich zum ersten Mal bei
einem nichtmenschlichen Tier beobachten.“
Das Forschungsteam kam durch Zufall zu der Aufnahme. Im „[2][Project CETI]“
versucht es die Kommunikation der Wale zu entschlüsseln, eigentlich wollten
die Wissenschaftler lediglich die neuen Unterwassermikrofone ausprobieren.
Mit Kameradrohnen, die über der Wasseroberfläche flogen, filmten sie den
Moment, in dem die Hebammen das Neugeborene an die Wasseroberfläche
brachten. Ein paar Stunden nach der Geburt verließen die anderen Wale
Mutter und Kind dann wieder.
16 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.science.org/doi/10.1126/science.ady9280?adobe_mc=MCMID%3D10557586060714482651032694686362655922%7CMCORGID%3D242B6472541199F70A4C98A6%2540AdobeOrg%7CTS%3D1774353602
(DIR) [2] https://www.projectceti.org/
## AUTOREN
(DIR) Nick Reimer
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