# taz.de -- Buckelwal Timmy: „Er hat sich von der Stelle bewegt“
> Der vor Poel gestrandete Buckelwal atmet weiter und gibt Laute von sich.
> Am Donnerstagmorgen soll er sich einige Meter bewegt haben.
(IMG) Bild: Timmy gibt Atemluft ab, während er noch immer in der Wismarer Bucht liegt
dpa/taz | Der vor der Ostseeinsel Poel gestrandete Buckelwal atmet weiter
und gibt ab und an Laute von sich. Am Donnerstagmorgen soll Timmy sich
einige Meter bewegt und gedreht haben haben, sagte ein Ministeriumssprecher
der Bild.
Dennoch steht derzeit [1][keine Rettungsaktion] an. Die Idee, ihn mit einem
Katamaran zu bergen, wurde mit der Begründung verworfen, dass sich dabei
die geschädigte Haut des Wals ablösen könnte. Die Haut des Wals leidet,
weil der Salzgehalt dort, wo er gestrandet ist, geringer ist, als in seinem
natürlichen Habitat. Die vor Ort Verantwortlichen sagen, sie hätten alles
getan, um dem Wal eine Chance zu geben.
Demonstranten und Nutzer im Netz sehen das anders – und [2][kritisierten
das Vorgehen der Verantworlichen.] Nicht nur gingen in den letzten Tagen
[3][Anzeigen, unter anderem gegen Greenpeace und Umweltminister Backhaus]
bei der Polizei ein. Wie der Radiosender NDR1 berichtet, stellten
mindestens fünf Privatpersonen Eilanträge auf Rettung des Wals beim
Verwaltungsgericht, die jedoch alle abgelehnt wurden.
Die Internationale Walfangkommission (IWC) wies darauf hin, dass der Fall
Timmy einzigartig ist: „Noch nie ist beobachtet worden, dass ein Wal
innerhalb weniger Tage mehrfach an einer Küste strandet und weiterlebt“,
teilt Umweltminister Till Backhaus mit, der sich dabei auf ein Schreiben
des IWC beruft.
## Streit zwischen Bürgermeister und Meeresbiologe
Kürzlich äußerte sich auch Sven Patheil-Böhnke, Bürgermeister der Gemeinde
Timmendorfer Strand, zu den Rettungsversuchen der letzten Wochen und
kritisierte den Influencer und Meeresbiologen Robert Marc Lehmann scharf in
der Bild. Die Zusammenarbeit mit Lehmann hätte sich laut Patheil-Böhnke
„schwierig“ gestaltet. „Ich war etwas überrascht, dass seine Prognosen und
seine Annahmen zu 100 Prozent falsch waren“, erklärte der Bürgermeister
weiter.
Er behauptet, dass es Lehmann nur um gute Aufnahmen gegangen wäre, nicht um
das Tier. Der Meeresbiologe hatte zuletzt auf seinem Instagramkanal, dem
mehr als 700.000 Menschen folgen, die Maßnahmen rund um den gestrandeten
Buckelwal stark kritisiert. Vor wenigen Tagen hatte er seinen
Instagramkanal deaktiviert – laut seines Vereins „Mission Erde“, um sich
auf ein Projekt zu konzentrieren, das seinen „vollen Fokus benötigt“.
## Zukunft von Walrettungen in Deutschland
Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt zeigt sich
aufgeschlossen für Ideen zum Schutz von Walen. „Jede Strandung von
Großwalen in Küstengewässern ist individuell, und warum Buckelwal Timmy
gestrandet ist, ist noch nicht abschließend erklärt“, sagte der
Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.
Ob gestrandete Wale durch menschliche Hilfe wieder tiefere Gewässer
erreichen können, müsse von Fall zu Fall entschieden werden. Der
Umweltminister erklärte: „Die Erfolgschancen sind vom Zustand des
betroffenen Wales, der betroffenen Art und den örtlichen Gegebenheiten
abhängig.“
Er betonte, dass er gute Vorschläge zum Wohle der Wale begrüße, und freue
sich auf den Austausch mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till
Backhaus (SPD). „Spätestens auf der anstehenden Umweltministerkonferenz, wo
wir beide den Meeresschutz zum Thema machen werden, wird dafür Gelegenheit
sein“, sagte Goldschmidt. Backhaus hatte laut Medienberichten am Dienstag
eine Abstimmung der Bundesländer bei künftigen Walstrandungen
vorgeschlagen.
## „Zeichen für den Sterbeprozess“
Fachleuten zufolge liegt Timmy im Sterben. Dass der Wal nicht auf Boote
reagiere, sei ein Zeichen für den Sterbeprozess, sagte Bianca König von der
Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland der
Deutschen Presse-Agentur. Wie lange dies dauere, sei unklar.
Am Dienstag hatten Expertinnen und Experten gemeinsam mit
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) aktuelle
Erkenntnisse zum Zustand des Wals präsentiert. Das Tier soll demnach weder
lebendig geborgen werden, noch könne es sich selbst freischwimmen. Dazu
seien der Wasserstand zu niedrig und die Kräfte des Wals zu gering,
erklärte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek.
9 Apr 2026
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