# taz.de -- Päpstliche Afrika-Reise: Alles für die Kirche
       
       > In Kamerun ist das Papst-Fieber ausgebrochen. Für den Besuch von Leo XIV.
       > wurde Infrastruktur saniert, er soll in der Krisenregion im Westen
       > vermitteln.
       
 (IMG) Bild: Seine Eminenz der Pontifex, Papa Leo XIV. besucht seine Anhänger*innen in Kamerun
       
       Es brauchte erst päpstlichen Besuch, um zumindest für ein paar Tage einen
       Waffenstillstand in Kameruns anglophoner Region zu vereinbaren: Auf seiner
       zehntägigen Afrika-Reise machte Papst Leo XIV. auch in Bamenda, der
       Hauptstadt der Krisenprovinz „Nordwest“, halt. Zum ersten Mal seit Ausbruch
       der Krise 2016 einigten sich die Konfliktparteien auf eine kurze Pause, um
       Gläubigen die Möglichkeit zu geben, an der geplanten Freiluftmesse des
       Heiligen Vaters am Flughafen von Bamenda teilzunehmen.
       
       Doch nicht nur das. Straßen, die jahrelang nicht saniert wurden, wurden
       repariert, Banner und Dekorationen aufgehängt. Selbst der Flughafen, der
       sechs Jahre lang geschlossen war, hat die Türen wieder geöffnet, um die
       Anreise des Papstes per Flugzeug möglich zu machen. Sämtliche Städte, in
       die der Pontifex reist, hatten im Vorfeld eine Art Facelifting bekommen.
       
       In einem Interview des Regierungssenders PRC zeigte sich Bamendas
       Erzbischof Andrew Nkea beeindruckt von dem „wundersamen“ Wandel seiner
       Stadt. Seit der Errichtung der Erzdiözese 1970 habe es für die
       Bischofsresidenz nie eine stabile Wasserversorgung gegeben.„Plötzlich
       fließt Wasser auf meinen Hügel“, sagte Nkea im Interview.
       
       ## Papst auf Friedensmission in Bamenda
       
       Es ist ein Besuch, den der Papst unter das Zeichen von Frieden, Versöhnung
       und Gerechtigkeit gestellt hat. Geplant ist unter anderem die Teilnahme an
       einem interreligiösen Friedensgipfel. Dass er ausgerechnet Bamenda als
       Zwischenstopp gewählt hat, ist von großer symbolischer Bedeutung. Seit fast
       zehn Jahren herrscht im Westen des Landes Ausnahmezustand. Die Region hat
       die Rolle des Vermittlers, die der Papst einnehmen will, dringend nötig.
       
       Kamerun, einst deutsche Kolonie, war nach dem Ersten Weltkrieg in ein
       britisches und französisches Protektorat aufgeteilt worden, woraus sich bis
       heute eine sprachliche Zweiteilung des Landes ergibt. Mit der
       Unabhängigkeit 1960 vereinigten sich die Protektorate, jedoch unter der
       Voraussetzung, den englischsprachigen Regionen Autonomie in einer föderalen
       Struktur zu garantieren. Ein Versprechen, das nie eingelöst wurde.
       
       Gegen die jahrelange Diskriminierung der französischsprachigen
       Zentralregierung gegenüber den englischsprachigen Kameruner*innen
       protestierten 2016 friedlich etliche Menschen. Das kamerunische Militär
       reagierte jedoch mit brutaler Härte. Teile der Bewegung radikalisierten
       sich, heute kämpfen anglophone Separatisten darum, sich von Kamerun zu
       lösen und die unabhängige [1][„Republik Ambazonien“] zu gründen.
       
       ## Zivilbevölkerung leidet und wird drangsaliert
       
       Es ist ein Konflikt mit verhärteten Fronten, unter dem vor allem die
       Zivilbevölkerung leidet. Entführungen, Kriminalität, willkürliche
       Straßensperren und Erpressung durch die Separatisten sind seit Jahren an
       der Tagesordnung. Auch der von Kameruns Präsident Paul Biya befehligten
       Sonderarmee BIR (Rapid Intervention Brigade) werden schwere Gewalttaten
       vorgeworfen. Schlichtungsversuche sind in den vergangenen Jahren immer
       fehlgeschlagen – auch aus mangelndem politischen Willen, eine wirkliche
       Lösung zu finden.
       
       Für Paul Biya ist es bereits der vierte Papstbesuch in seiner Amtszeit. Der
       93-Jährige, der seit 1982 regiert, hält damit nicht nur den Rekord als
       ältester amtierender Staatschef der Welt, sondern auch was die päpstlichen
       Begegnungen angeht.
       
       Die Reise des Papstes findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen
       statt. Wer sich derzeit in Yaoundé, Bamenda oder [2][Douala] bewegt, kommt
       an Polizeikontrollen nicht vorbei. Taschen werden durchsucht, Autos
       gefilzt, selbst wer mit dem Papst wenig anfangen kann, spürt seine Präsenz,
       denn in Kamerun ist das Papst-Fieber ausgebrochen.
       
       Hunderte von jubelnden Anhänger*innen erwarteten diesen bereits bei
       seiner Ankunft am Mittwoch in Kameruns Hauptstadt Yaoundé. Ganz anders
       [3][als bei dessen Ankunft in Algerien], wo der Besuch kaum für Aufsehen
       gesorgt hatte. Spannend dürfte auch der nächste Halt in Douala werden. Die
       Hafenstadt gilt als Oppositionshochburg – und deren Erzbischof als einer
       der schärfsten Kritiker des Biya-Regimes.
       
       16 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Helena Kreiensiek
       
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