# taz.de -- Die Wahrheit: Alles über postmortale Resurrektionen
       
       > Zum Start der österlichen Woche: Neue wissenschaftliche Hintergründe zum
       > Fall Jesus und Co.
       
 (IMG) Bild: Always look on the bright side of life: Jesus auf dem langen Weg zur Wiederauferstehung Foto: ap
       
       Jesus’ Auferstehung? War gar kein Wunder. Sondern nur logisch. Zu diesem so
       knappen wie sensationellen Ergebnis kommt die Studie eines internationalen
       Forscherteams. Aufgrund seiner physischen und psychischen Disposition habe
       Jesus „gar nicht anders gekonnt als zurückzukehren“, sagt zum Beginn der
       Karwoche Studienleiter Leopold Heider von der Medizinischen Universität
       Wien.
       
       Für die Untersuchung „Postmortale Resurrektionen im ländlichen Raum“
       wertete das Team mehr als 300 Fälle des sogenannten Heiland-Syndroms aus.
       In der Medizin wird mit dem Begriff das unerklärliche Wiedereinsetzen von
       Atmung und Herzschlag beschrieben – nachdem zuvor alle Reanimationsversuche
       erfolglos blieben. Ihre Erkenntnisse führen die Forschenden in einem
       „Postmortem-Resurrektions-Index“ (PMRI) zusammen. Dieser gibt die
       Wahrscheinlichkeit einer Auferstehung innerhalb von 72 Stunden nach dem
       Ableben an.
       
       „Zunächst zeigte sich eine statistische Auffälligkeit“, berichtet Heider.
       „Auferstehungen treten besonders häufig an Sonntagen sowie an Feiertagen
       auf, was sich mit einer gewissen Ausgeruhtheit erklären lassen könnte. So
       eine Wiederkehr kostet ja ganz schön Energie.“ Bei der Auswertung
       persönlicher Merkmale der Rückgekehrten hätten sich entscheidende Faktoren
       für einen möglichst hohen PMRI herausgebildet: „Bartträger. Handwerklich
       und/oder musisch begabt. Entrückter Gesichtsausdruck.“ Man müsse zwar „kein
       Heiliger sein“, um diese Kriterien zu erfüllen, aber, „da gibt es nichts
       drumherum zu reden: Man muss ein Mann sein“.
       
       Pathologin Sabine König, Co-Leiterin der Studie, winkt dahingehend ab: „Die
       Benachteiligung von Frauen setzt sich im Jenseits fort.“ Man spreche vom
       „Gender Death Gap“, der noch weitgehend unerforscht sei. „Wahrscheinlich
       liegt es mal wieder daran, dass sich Männer zu wichtig nehmen.“
       
       Ihr Teamkollege Jan Svoboda, Psychologe an der Karls-Universität Prag,
       widerspricht. Indexsteigernd wirkten andere Charakterzüge: „Eine Schwäche
       für üppige Abendessen in Gesellschaft, ein ausgeprägter missionarischer
       Eifer sowie ein ambivalentes Verhältnis zum Vater.“ Svoboda zuckt mit den
       Schultern. „Da ist Jesus natürlich nicht zu schlagen. Er hat getafelt,
       geschwafelt und mit seinem Erzeuger gehadert. Sein PMRI liegt bei 98,8
       Prozent, die Auferstehung ist statistisch also praktisch garantiert.“ Der
       Messias sei „der Prototyp des geborenen Rückkehrers“, obwohl er „nach
       allem, was man hört, ja richtig tot gewesen sein soll“.
       
       Jesus habe schon zu Lebzeiten das Talent besessen, sich immer wieder neu zu
       erfinden. „Einmal sagt er: Ich bin das Licht. Ein andermal ist er die Tür.
       Oder der Weg. Die Wahrheit. Das Leben. Dann wieder der Hirte oder das Brot.
       Und nicht zu vergessen der Weinstock.“ Svoboda macht eine kippende
       Handbewegung. „Er hat ja ganz gerne mal einen Schoppen genommen.“ Für den
       PMRI allerdings eine lässliche Sünde, zumal Jesus sich selbst davon
       freispreche: „,Mein Vater ist der Winzer', sagt er. Der Vater ist also
       schuld an den Verfehlungen des Sohnes.“ Svoboda grinst. „Klingt wie die
       Grundlage für eine Weltreligion.“
       
       Muss die Ostergeschichte jetzt also neu geschrieben werden? Auf diese
       Anfrage nach unserem Besuch der PMRI-Forschenden reagiert Gerhard Ludwig
       Kardinal Müller erstaunlich schnell. „Um Gottes willen!“, ruft der deutsche
       Hochwürdenträger ins Telefon, da könne er nur „die Hände überm
       Scheitelkäppchen zusammenschlagen“. Er appelliert an alle treuen Gläubigen,
       „sich nicht irremachen zu lassen: Das Wunder der Auferstehung ist das
       zentrale Element des Christentums. Ohne dies ‚ist unsere Predigt leer und
       euer Glaube sinnlos‘, das hat schon Paulus geschrieben“.
       
       Sogar Papst Leo XIV. äußert sich jetzt zu den Forschungsergebnissen. Er
       lässt mitteilen, es bleibe noch „das Mirakel“, wie es Jesus ohne
       Hilfsmittel gelungen sei, in den Himmel aufzufahren; sein, also des
       Papstes, US-Landsmann Musk könne einen ganzen Choral davon singen. In der
       Studie sieht der Heilige Vater ein „beinahe göttliches Zeichen“, dass
       Präsident Trump nicht der neue Messias sein könne, als den ihn fromme
       Evangelikale erachten: „Er hat ja gar keinen Bart, er schlägt keinen Nagel
       gerade in die Wand, und er vergöttert seinen Vater.“ Die Botschaft des
       Papstes, sie endet mit den Worten: „Heiliger Strohsack.“
       
       ## PMRI von Lennon und Elvis hoch
       
       Warum aber gibt es Fälle, die einen hohen PMRI, also einen kräftigen
       „Postmortem-Resurrektions-Index“, aufweisen, etwa John Lennon (85,5) oder
       Elvis (81,2), deren Auferstehung aber umstritten bleibt? Studienleiter
       Heider von der Medizinischen Universität Wien erläutert: „Lennon war
       einfach zu träge. Er ist ja auch am Schluss kaum noch aus dem Bett
       gekommen. Und bei Elvis spielt die Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen eine
       Rolle. Maria Magdalena ist die Kronzeugin der Geschichte. Sie sagte:,Ich
       habe den Herrn gesehen', und niemand hatte Grund, das anzuzweifeln“, betont
       der Forscher. „Diese Aussage korreliert aber nicht mit Lieschen Müller, die
       behauptet:,Elvis lebt!‘: mal als Kassierer im Drugstore, mal als
       Thekenkraft einer Burger-Kette.“
       
       Heider rollt mit den Augen. „Der King bei Burger King, na klar.“ Dann senkt
       er die Stimme. „Beim Führer ist das natürlich etwas anderes. Sein PMRI
       liegt bei 88 Prozent. Ich sage das mal so, völlig wertfrei: Der Aussage,Er
       ist wieder da' kann wissenschaftlich nicht einwandfrei widersprochen
       werden.“An dieser Stelle horcht auch das politische Berlin auf: Nach den
       verheerenden Ergebnissen bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und
       Rheinland-Pfalz zeigen sich die Freien Demokraten dankbar für jeden
       Hoffnungsschimmer Richtung Comeback. FDP-Vize Wolfgang Kubicki trotzig: „Ob
       der Chrissi (Ex-Ex-Parteichef Christian Lindner; die Red.) nun will oder
       nicht: Er muss jetzt aufhören, sich zu rasieren, und noch was Schönes
       malen, ein Stehaufmännchen oder so, und das Herz der FDP schlägt wieder!“.
       Bei diesen Worten kommt Lars Klingbeil von der SPD,
       Noch-Vorsitzender-Finanzminister, sichtbar ins Grübeln.
       
       Kanzler Friedrich Merz wiederum sieht sich bestärkt in seinem Vorhaben,
       gesetzliche Feiertage zu streichen, um die Wirtschaft anzukurbeln: „Ohne
       Wunder kein Ostern, ohne Ostern kein Grund zum Feiern.“ Der CDU-Chef
       frohlockt: „Das wären gleich zwei Feiertage auf einmal!“, was eine
       Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um mindestens 15 Milliarden Euro
       bedeuten würde. „,Mein Vater ist noch immer am Werk, und auch ich bin am
       Werk‘“, zitiert Merz aus der Bibel. „Das nenn’ ich mal Werk-Life-Balance.“
       
       Echt jetzt? – Ostern abschaffen? Diese Schlussfolgerung, kontert Leopold
       Heider von der Medizinischen Universität Wien, „ist eine teuflische
       Interpretation unserer Studie: Jesus würde sich im Grabe umdrehen. Wenn er
       denn noch drin läge.“
       
       30 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tanja Kokoska
       
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