# taz.de -- Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Mit dem christlichen Menschenbild nicht vereinbar
       
       > Die AfD in Sachsen-Anhalt fordert eine Abkehr vom Grundrecht auf Asyl.
       > Die Kirchen sehen darin einen Angriff auf den sozialen Frieden.
       
 (IMG) Bild: Klare Botschaft: Am Rande des AfD-Parteitags in Magdeburg kommt es zu Protest
       
       epd | Die evangelische und die katholische Kirche sehen im AfD-Wahlprogramm
       für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen Angriff auf die offene
       Gesellschaft und den sozialen Frieden. „Menschenwürde, Freiheit und
       Solidarität finden in diesem Gesellschaftsentwurf keine Heimat“, heißt es
       in einer Erklärung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, des
       katholischen Bistums Magdeburg und der Evangelischen Landeskirche Anhalts
       zu dem [1][am Samstag beschlossenen Programm], die im Anschluss in
       Magdeburg und Dessau verbreitet wurde. Die Positionen der AfD im Bundesland
       seien mit dem christlichen Menschenbild nicht vereinbar.
       
       Die AfD ist in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert
       rechtsextrem eingestuft. Die Partei strebt dort nach der Wahl am 6.
       September eine Alleinregierung an, was nach Umfragen derzeit möglich sein
       könnte.
       
       Das Programm entwirft eine politische Ordnung, in der nationale
       Homogenität, traditionelle Geschlechter- und Familienrollen und eine
       kulturelle Leitidentität zentral sind. Es fordert staatliche Härte
       gegenüber als fremd oder abweichend markierten Gruppen. Im Zentrum steht
       eine harte Abwehr von Migration. So will die Partei etwa das Grundrecht auf
       Asyl abschaffen, [2][obwohl dies auf Landesebene nicht möglich ist].
       
       Das Programm formuliert zudem eine Frontstellung gegen eine pluralistische
       Kultur-, Medien- und Bildungspolitik sowie eine Delegitimierung bestehender
       demokratischer Institutionen, auch der Kirchen, die als
       „Kirchensteuerkirchen“ betitelt werden.
       
       ## Abwertung und Ausgrenzung
       
       Die AfD wirft evangelischer und katholischer Kirche einseitige „linke“
       Positionierungen vor und will die Kirchen disziplinieren, indem sie die
       Staatsleistungen künftig an Bedingungen knüpfen will. Staatsleistungen, die
       die Bundesländer verfassungsgemäß vor allem als Ausgleich für Enteignungen
       im 19. Jahrhundert zahlen, gehören zu den wichtigsten Einnahmequellen der
       Kirchen in Sachsen-Anhalt.
       
       Das Programm der AfD setze auf Abwertung und Ausgrenzung, betonen der
       katholische Bischof Gerhard Feige, der evangelische Landesbischof Friedrich
       Kramer und der anhaltische Kirchenpräsident Karsten Wolkenhauer: „Statt
       Wandel mit Zuversicht zu gestalten, wird Angst vor Veränderung geschürt.“
       Der Rechtsstaat werde verächtlich gemacht, anstatt Vertrauen in
       Institutionen zu stärken.
       
       Das Wahlprogramm stehe für eine Abkehr von bisher selbstverständlichen
       Freiheitsrechten in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen, erklären die
       Kirchenvertreter. Ohne Zweifel seien die Probleme der Zeit zwar
       „umfangreich und vielschichtig“. Die unantastbare Würde jedes einzelnen
       Menschen und die modernen Freiheitsrechte dürften jedoch nicht negiert
       werden.
       
       Auch auf Bundesebene warnen die Kirchen immer wieder vor den Gefahren des
       völkischen Nationalismus für die freiheitliche Grundordnung. Die
       katholische Deutsche Bischofskonferenz hatte 2024 eine Erklärung
       „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“ veröffentlicht.
       Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten
       Fehrs, hatte zuletzt im November in Dresden zum Widerstand gegen die AfD
       aufgerufen.
       
       Am Rande des zweitägigen Parteitags in Magdeburg kam es zu Protesten gegen
       die AfD-Pläne. Am Samstag versammelten sich vor dem Tagungsgebäude nach
       Beobachtungen eines AFP-Reporters etliche Menschen mit Regenbohnenfahnen
       und Transparenten, auf denen etwa „Nein zu Rassismus“ und „Magdeburg für
       das AfD-Verbot“ stand. Nach Angaben der Polizei fanden insgesamt fünf
       Versammlungen und Demonstrationszüge gegen die AfD mit rund 650
       Teilnehmenden statt.
       
       12 Apr 2026
       
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