# taz.de -- AfD-Fraktionsklausur in Cottbus: Streitpunkte bleiben außen vor
> Die AfD-Bundestagsfraktion trifft sich zur Klausurtagung. Streitthemen
> werden weitgehend ausgeklammert. Dafür gibt es Blasrohr- und
> Bogenschießen.
(IMG) Bild: Sind bei der AfD-Klausur in Cottbus mit dabei: Alice Weidel (M) und Tino Chrupalla, die Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion
dpa | Die AfD-Bundestagsfraktion berät am Wochenende in Cottbus bei einer
Klausurtagung über ihre Strategie für die kommenden Monate. Bei dem Treffen
mit den Partei- und Fraktionschefs Alice Weidel und Tino Chrupalla sollen
Positionspapiere zu den Themen Rente und Soziales sowie Wirtschaft und
Energie verabschiedet werden.
Dabei dürfte die AfD ihre Forderungen nach niedrigeren Steuern, einem Ende
von Klimamaßnahmen wie der CO2-Bepreisung, einem Wiedereinstieg in die
Atomenergie und einer Wiederaufnahme von Öl- und Gaslieferungen aus
Russland bekräftigen.
Auf der Tagesordnung steht außerdem der Programmpunkt „Verhaltens- und
Kommunikationsgrundsätze“. Dabei dürften die wochenlang diskutierten
[1][Vorwürfe über die Beschäftigung von Verwandten] in Abgeordnetenbüros
von Parteikollegen zur Sprache kommen. Große Beschlüsse sind dabei aber
nicht zu erwarten, wie vorab aus Fraktionskreisen verlautete.
Zum Abschluss des Treffens am Sonntag wollen Weidel und Chrupalla die
Ergebnisse bei einer Pressekonferenz vorstellen. Proteste von AfD-Gegnern
waren in Cottbus nach Angaben der Polizei vom Donnerstag zunächst nicht
angemeldet.
## „Disco mit DJ Würfelzucker“ und Blasrohrschießen
Gut ein Jahr nach dem Zusammentritt des neu gewählten Bundestags mit einer
fast doppelt so großen AfD-Fraktion im Vergleich zum Bundestag davor geht
es bei dem Treffen mit vielen noch relativ neuen Gesichtern auch um
persönliche Kontaktpflege – Kulturprogramm und Team-Event inklusive.
Anwesend sind einem Fraktionssprecher zufolge rund 130 der 150
Abgeordneten. Einige fehlten krankheitsbedingt.
Interessant klingen die Tagesordnungspunkte abseits des offiziellen
Programms: „Begrüßungsabend mit geselligem Beisammensein“ mit Live-Band und
einem Karikaturisten, am Samstag dann „Liederabend mit
Instrumentenbegleitung (Piano-Musik)“, „Disco mit DJ Würfelzucker“ und
„Karaoke“ und zum Abschluss am Sonntag noch ein „Abenteuer-Workshop
Indoor/Outdoor“ mit fünf Stationen, unter anderem Blasrohr- und
Bogenschießen, wie aus einer internen Mail hervorgeht.
Intern besonders kontrovers diskutierte und strittige Themen, die der AfD
in der Vergangenheit immer wieder Schlagzeilen eingebracht haben, wurden
nicht ins offizielle Programm aufgenommen. Theoretisch könnten zwar auch
spontan noch Punkte ergänzt werden, absehbar sei das aber nicht, hieß es
vorab.
## Wehrpflicht-Entscheidung vertagt
Da ist etwa [2][das umkämpfte Thema Wehrpflicht], über das nach früheren
Angaben eigentlich bei der Klausur gesprochen werden sollte. Die Partei ist
laut ihres Grundsatzprogrammes dafür, diese wieder in Kraft zu setzen. Der
verteidigungspolitische Sprecher der Fraktion und frühere
Bundeswehroffizier Rüdiger Lucassen weist darauf immer wieder hin.
Ostdeutsche Landesverbände um den Thüringer Parteirechtsaußen Björn Höcke,
mit dem sich Lucassen zuletzt auch einen öffentlichen Streit lieferte,
haben sich aber unter Verweis auf den Krieg in der Ukraine dagegengestellt,
dass die Bundestagsfraktion dies aktuell offensiv vertritt.
Das Thema wurde schließlich immer wieder verschoben und vor einer Weile von
Parteichefin Weidel mit der Aussage abgeräumt, über die Wehrpflicht solle
erst entschieden werden, wenn die AfD mitregiere, denn nur dann habe sie
darüber auch die Kontrolle.
## Außenpolitik und Trump-Dilemma
Auch die immer wieder heiß diskutierte außenpolitische Ausrichtung der AfD
ist offiziell kein Thema auf der Klausur, obwohl die Außenpolitik mit der
wackeligen Waffenruhe in Iran und Russlands Krieg gegen die Ukraine
weiterhin alles dominiert.
Der [3][außenpolitische Kurs von US-Präsident Donald Trump] hat die AfD,
die seine Wahl gefeiert hatte und an engen Kontakten nach Washington
arbeitet, in ein Dilemma gestürzt. Nach der US-Militäraktion in Venezuela,
dem Konflikt um Grönland und besonders den Angriffen gegen Iran äußerte
sich die Parteispitze zunehmend kritisch gegenüber Trump, dessen
MAGA-Bewegung („Make America Great Again“) sie inhaltlich sonst sehr
nahesteht.
Das Schwanken zwischen Jubel und Kritik für Trump wurde kürzlich auch
sichtbar bei Äußerungen Weidels und Chrupallas auf der Plattform X.
Chrupalla kommentierte harsche Drohungen des US-Präsidenten Richtung Iran
mit einem Kopfschütteln und schrieb „Irre.“, während seine Co-Parteichefin
Weidel am selben Tag Trumps Vize J.D. Vance für dessen
Wahlkampfunterstützung des ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán mit
„Großartig!“ feierte.
Zu [4][Orbán nach Ungarn] werden sich die Blicke der AfD-Abgeordneten bei
ihrer Klausur in Cottbus am Sonntag richten, auch wenn Außenpolitik nicht
auf ihrer Tagesordnung steht. Verliert er und muss einer dann wohl
EU-freundlicheren und deutlich weniger Russland-freundlichen Regierung
Platz machen, wäre das für die Rechtsaußenparteien in Europa einschließlich
der AfD ein Rückschlag. Bei einem Sieg dürften Weidel und Chrupalla jubeln.
10 Apr 2026
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