# taz.de -- Waffenstillstand im Irankrieg: Fragile Feuerpause
> Iran soll die Straße von Hormus wieder öffnen, die USA sollen Iran nicht
> mehr angreifen. Was hinter dem Deal steckt und wie es jetzt weitergeht.
(IMG) Bild: Sieg auf ganzer Linie? US-Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz am 6. April
Der Krieg in Iran scheint vorläufig gestoppt. US-Präsident Donald Trump und
das iranische Regime einigten sich am frühen Mittwochmorgen, kurz vor
Ablauf eines von Trump gesetzten Ultimatums, in letzter Minute auf eine
zunächst zweiwöchige Waffenpause. [1][Zuvor hatte Trump mit einer massiven
Zerstörung gedroht.]
Doch viele Fragen zu einer Feuerpause sind noch offen: Welche Seite kann
den Waffenstillstand als Erfolg werten? Was bedeutet das für das Verhältnis
zwischen den USA und Israel? Und – eine Frage, die sicherlich nicht jetzt
gleich beantwortet werden kann: Wird jemals jemand für die
Völkerrechtsbrüche und möglichen Kriegsverbrechen zur Verantwortung
gezogen?
Trump nannte die Einigung zwischen den USA und dem Iran auf eine
zweiwöchige Feuerpause einen „totalen und vollständigen Sieg“ für die USA.
Doch stimmt das? Dafür muss das Erreichte bewertet werden: Vereinbart wurde
offenbar ein zweiwöchiger Waffenstillstand. In dieser Zeit soll die
[2][Meerenge von Hormus] wieder geöffnet werden. Durch diese wurden vor dem
Krieg knapp 20 Prozent der weltweiten Ölexporte transportiert.
Nach über einem Monat Krieg bedeutet das für die Straße von Hormus im
Wesentlichen die Wiederherstellung des Vorkriegszustands. Nur dass Iran
künftig die Meerenge direkt kontrollieren und für dessen Durchfahrt sogar
eine Art Mautgebühren erheben will. Damit sollen die im Krieg im Iran
entstandenen Schäden kompensiert werden.
## Von den Trump’schen-Kriegszielen ist wenig übrig
Und darüber hinaus? Von allen Trump’schen Kriegszielen der vergangenen
Wochen ist wenig übrig. Es gibt keinen Regimewechsel in Teheran.
Sicherlich: Iran ist militärisch und wirtschaftlich geschwächt. Aber die
Regierung hat bis zuletzt bewiesen, dass sie in diesem von Anfang an
asymmetrischen Krieg mit seinem begrenzten militärischen Potenzial
maximalen Effekt erzielen konnte.
Vor allem mit den Angriffen auf die Infrastruktur der arabischen
Golfnachbarn und der Schließung der Straße von Hormus hat Iran seine
geografische Lage effektiv als Waffe eingesetzt. Dem hatten die USA und
Israel, trotz fraglos militärischer Hardware-Überlegenheit, bis zum Ende
wenig entgegenzusetzen. Es dürfte für US-Präsident Donald Trump schwer
werden, unter all diesen Umständen diesen Waffenstillstand als Sieg zu
verkaufen.
Zumal die Golfstaaten Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate,
Saudi-Arabien und Bahrain auch am Mittwoch noch Beschuss aus Iran meldeten.
Man sei seit dem Morgen mit einer Welle iranischer Angriffe konfrontiert,
teilte die kuwaitische Armee mit und habe 28 iranische Drohnen abgefangen.
Und obwohl Israels Armee erklärte, seine Angriffe auf Ziele im Iran
ausgesetzt zu haben, meldete auch Iran neue Explosionen am Persischen Golf.
Sie sollen sich an einer Raffinerie auf der Insel Lawan ereignet haben, wie
die Nachrichtenagentur Mehr berichtete.
## Netanjahu soll Trump zum Krieg überredet haben
Von Anfang an gab es Anzeichen, dass der israelische Premier Benjamin
Netanjahu den US-Präsidenten zu diesem Krieg überredet hatte. Am 7. April
[3][veröffentlichte schließlich die New York Times ] eine größere
Recherche, nach der sich Trump entgegen dem Rat der US-Geheimdienste und
seines Vizepräsidenten J. D. Vance von Netanjahu überzeugen ließ.
Einen Monat nach Kriegsbeginn suchte der US-Präsident dann dringend nach
einer Exitstrategie. Und verkündete sie schließlich in seiner ganz eigenen
Art, indem er wenige Stunden vor Ablauf seines Ultimatums am Montagabend
auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus sagte: „Das ganze Land kann in
einer Nacht ausgeschaltet werden, und diese Nacht könnte morgen Nacht
sein.“ Dann drohte er am Dienstag mit dem Ende einer „ganzen Zivilisation“.
Noch nie zuvor hat ein US-Präsident deutlicher zu einem offenen
Kriegsverbrechen aufgerufen. Die Welt hielt den Atem an, in der deutschen
Politik herrschte gespanntes, unüberhörbares Schweigen. Aber die verbale
Trump-Show endete kurz vor dem endgültigen Ablauf seines Ultimatums dann
damit, dass er einen Waffenstillstand und einen iranischen Zehn-Punkte-Plan
unter Vermittlung Pakistans als Grundlage für weitere Verhandlungen
akzeptierte.
Man könnte nun argumentieren, dass Trumps Drohgebärde sich ausgezahlt hat,
aber ein Blick auf den iranischen Plan lässt ernsthafte Zweifel darüber
aufkommen, wer hier zuerst gezuckt hat. Es ist nicht nur die Rede von einer
Verpflichtung der USA, von weiteren Aggressionen gegen Iran abzulassen und
US-Kampftruppen aus der Region abzuziehen. Zugleich liest man von der
Forderung nach einem Ende der Sanktionen gegen Iran sowie dem Recht Irans
auf weitere Uran-Anreicherung für friedliche Zwecke.
Nun ist das zunächst einmal ein iranischer Forderungskatalog. Trump hat
diesen aber als Verhandlungsgrundlage anerkannt, ohne eigene Forderungen zu
stellen, abgesehen von der Öffnung der Meeresenge von Hormus.
## Verhandlungen ab Samstag in Islamabad
Die Details sollen nun nach Eintreffen der Delegationen am Freitag in
Islamabad ab Samstag verhandelt werden. Dabei sieht die iranische
Verhandlungsposition recht solide aus. Trump hat sein militärisches
Bedrohungspotenzial gegen Iran in diesem Krieg verspielt. Er kann den in
seinem eigenen Land so unpopulären Waffengang kaum erneut beginnen.
Abgesehen davon steht er unter Druck, die Weltwirtschaft nicht mit weiteren
Aktionen am Golf zu gefährden. Damit ist Trumps Verhandlungsposition trotz
militärischer Übermacht dahingeschmolzen. Wahrscheinlich ist, dass am Ende
der Verhandlungen ein Kompromiss herauskommen wird. Vorbei ist die Zeit, in
der die USA Iran etwas aufzwingen können.
Bleibt noch die Frage, wie es mit dem [4][Krieg im Libanon] weitergeht.
Laut dem Statement des pakistanischen Premiers und Vermittlers Shabaz
Sharif gilt die vereinbarte Waffenruhe, zu der sich Trump und der Iran
verpflichtet haben, auch für den Libanon. Doch Israels Premier Netanjahu
machte kurz nach der Verkündung des Waffenstillstands klar, dass er das
nicht akzeptiert. Ein erster großer Dorn in diesem Waffenstillstand.
Israel ließ dem auch gleich Taten folgen. Am Mittwoch bombardierte die
israelische Armee in nur zehn Minuten über hundert Ziele im Libanon.
Vielleicht ebenfalls eine Last-Minute-Aktion und ein Zeichen, dass die
Regierung in Washington Netanjahu aufgefordert hat, auch diesen Krieg zu
einem Ende zu bringen, um die Verhandlungen in Pakistan nicht zu belasten.
Wie sich das Verhältnis Trump–Netanjahu nach den nicht erreichten
Kriegszielen weiterentwickeln wird, wird eines der spannendsten Themen der
nächsten Wochen und Monate. Wie nachtragend ist Trump, von Netanjahu zu
diesem militärischen Abenteuer überredet worden zu sein?
Und wenn die Verhandlungen in Pakistan tatsächlich zu einem langfristigen
Ende des Irankrieges führen und der Staub sich gelegt hat, wird sich noch
eine viel grundsätzlichere Frage stellen. Nämlich die, ob das
internationale Rechtssystem noch irgendeinen Wert besitzt und ob am Ende
jemand für diesen völkerrechtswidrigen Krieg und die massive Zerstörung
ziviler Infrastruktur zur Rechenschaft gezogen werden wird. Es wird ein
Test, ob nur das Recht des vermeintlich Stärkeren gilt oder das Völkerrecht
noch eine Rolle spielt.
8 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /US-Drohungen-gegen-Iran/!6164638
(DIR) [2] /Strasse-von-Hormus/!6167117
(DIR) [3] https://www.nytimes.com/2026/04/07/us/politics/trump-iran-war.html
(DIR) [4] /Waffenstillstand-zwischen-Iran-und-USA/!6169227
## AUTOREN
(DIR) Karim El-Gawhary
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Israel
(DIR) Völkerrecht
(DIR) Friedensverhandlungen
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Krieg Israel-Libanon: Erstmals direkte Gespräche in Aussicht
Für Anfang nächster Woche soll es in Washington erste direkte Verhandlungen
zwischen Israel und dem Libanon geben. Derweil gehen die Angriffe auf
Südlibanon weiter.
(DIR) Reaktionen auf Waffenstillstand: Irans Regimeanhänger feiern, die Opposition ist ratlos
Dass sich Teherans 10-Punkte-Plan für die Verhandlungen wie eine
Kapitulationserklärung der USA liest, sorgt in Iran für Siegestaumel – und
Verzweiflung.
(DIR) Iranischer Rapper Konari im Exil: „Die Stimmung könnte kippen, wenn es mehr zivile Opfer gibt“
Der Rapper Behrad Ali Konari konnte Iran 2026 verlassen. Er war dort
mehrfach im Gefängnis – auch, weil Rap oft Slogans für die Protestbewegung
liefert.
(DIR) Energiekrise: Wie europäische Länder gegen hohe Spritpreise vorgehen
Trotz des angekündigten Waffenstillstands bleiben die Kraftstoffpreise in
Europa hoch. Einige Länder führen Preisdeckel ein, andere senken Steuern.