# taz.de -- Tagebuch aus Georgien: Dieses alles beherrschende Interesse an Kohle
       
       > Offiziell steht die Regierung in Tblissi an der Seite der Ukraine. Doch
       > wenn es um Rohstoffe aus dem Donbass geht, wird die Nähe zu Moskau
       > gesucht.
       
 (IMG) Bild: Warten auf den Weltmarkt: Kohle aus dem Donbass wird trotz Sanktionen verkauft
       
       Nach der Invasion Russlands in die Ukraine hat Georgien zunächst
       Solidarität mit Kyjiw bekundet, offiziell bis heute. Doch hier ist von
       [1][Lieferungen] von Kohle und Metall aus den von Russland besetzten
       Gebieten des Donbass zu berichten, von der Umgehung der Sanktionen.
       
       Mitte März 2026 unterzeichnete der georgische Geschäftsmann und Eigentümer
       des Unternehmens „George Oil“, Valerian Kochiaschwili, ein Abkommen mit der
       „Donezker Volksrepublik“. Offiziell geht es da um den „Ausbau von
       Handelsbeziehungen“. Tatsächlich jedoch wirkt das Abkommen wie der Versuch,
       unter Kriegsbedingungen gewonnene Rohstoffe zu legalisieren, und zwar über
       die georgische Zollinfrastruktur. Georgien würde so zu einem Schlupfloch
       für die Umgehung internationaler [2][Sanktionen].
       
       Nach 2022 hat Europa seinen Markt für russische Kohle und damit auch für
       Rohstoffe aus den besetzten Gebieten des Donbass geschlossen. Doch diese
       Ressourcen sind nicht vom Weltmarkt verschwunden. Sie gelangen weiterhin
       über Reexport-Mechanismen an ihre Kunden: [3][Per Bahn werden sie nach
       Russland transportiert], in den Dokumenten sind sie als russische Rohstoffe
       ausgewiesen, und über russische Häfen werden sie in Länder Asiens und des
       Nahen Ostens verschifft.
       
       In genau diese Kette scheint sich das [4][georgische Unternehmen] nun
       einfügen zu wollen. In russischen Medien wird Kochiaschwilis Firma bereits
       als „großer Akteur“ auf dem Markt für öffentliche Aufträge in Georgien
       bezeichnet.
       
       Das formell unterzeichnete [5][Abkommen] mit der Donezker Volksrepublik ist
       eine private Initiative, für die bislang keine Verträge vorliegen. In der
       Praxis sind solche Konstrukte jedoch kaum ohne die stillschweigende
       Zustimmung des Staates möglich. Damit die Kohle nach Georgien gelangt, muss
       sie den Zoll, das Finanzsystem und die Logistik durchlaufen. Das bedeutet,
       dass die Angelegenheit bereits über den rein geschäftlichen Rahmen
       hinausgeht.
       
       ## Drohungen gegen den deutschen Botschafter
       
       Der Chef des Unternehmens, Valerian Kochiaschwili, ist ein Befürworter
       einer georgischen Annäherung an Moskau. Er macht weder aus seinen Absichten
       noch aus seiner Logik einen Hehl: Er sagt ganz offen, dass die Russen den
       Ukrainern die Kohle weggenommen hätten, und vor diesem Hintergrund wolle er
       Beziehungen zu Russland aufbauen.
       
       Ein Jahr zuvor war Kochiaschwili ganz zentral in einen [6][Skandal]
       verwickelt, nachdem er den deutschen Botschafter in Georgien, Peter
       Fischer, einen konsequenten Kritiker des Vorgehens der georgischen
       Behörden, verbal angegriffen hatte. Er drohte dem Botschafter sogar mit
       körperlicher Gewalt. Fischer selbst ist in den vergangenen Jahren zu einem
       der Hauptziele der Partei „Georgischer Traum“ geworden: Man wirft ihm
       Einmischung in innere Angelegenheiten, die Ausübung von Druck und Versuche
       der Destabilisierung vor.
       
       Die Regierung in Tblissi bekräftigt zwar weiterhin ihre Unterstützung für
       die Ukraine und ihr Bekenntnis zu Europa. Dennoch hat sich das Land bislang
       nicht den bilateralen Wirtschaftssanktionen gegen Russland angeschlossen.
       Georgischer Traum hat dies lange Zeit mit Pragmatismus begründet, doch
       zunehmend scheint es sich um eine bewusste Entscheidung zu handeln.
       
       Wichtig sind nicht Worte, sondern Taten. Und dieses Geschäft ist längst
       eine klare Positionierung. Diese Stellungnahme zeigt sich nicht in
       offiziellen Erklärungen, sondern ganz konkret darin, welche Fracht Georgien
       über seine Grenzen lässt.
       
       [7][Khatia Khasaia] ist Journalistin beim georgischen Dienst von Radio
       Liberty in Tbilissi. Zuvor arbeitete sie für die unabhängige
       Medienplattform [8][Sova]. Sie nahm am [9][Workshop für Journalistinnen aus
       Osteuropa] der taz Panter Stiftung teil. 
       
       Aus dem Russischen [10][Tigran Petrosyan]. 
       
       Finanziert wird das Projekt von der [11][taz Panter Stiftung].
       
       17 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] https://jam-news.net/donetsk-tbilisi-links/
 (DIR) [5] https://www.lemonde.fr/en/international/article/2026/04/07/how-russia-uses-georgia-as-a-tool-to-evade-sanctions_6752167_4.html
 (DIR) [6] https://civil.ge/archives/683026
 (DIR) [7] https://about.rferl.org/people/khatia-khasaia-georgia/
 (DIR) [8] https://sovanews.tv/english/
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