# taz.de -- Boom von künstlicher Intelligenz: Erster US-Bundesstaat lehnt Bau neuer Datenzentren ab
       
       > Bis Ende 2027 sollen keine Rechenzentren im Bundesstaat Maine gebaut
       > werden. Ein Expertenrat soll ihre Folgen für Gesundheit und Umwelt
       > untersuchen.
       
 (IMG) Bild: Maine stoppt den Bau von Datenzentren bis auf weiteres
       
       Der kleine US-Bundesstaat Maine hat als erster den Bau von neuen
       Datenzentren vorübergehend verboten. Ein entsprechendes Gesetz wurde am
       Dienstag im Landtag verabschiedet. Das Gesetz verbietet den Bau von neuen
       Rechenzentren mit einer Größe von mehr als 20 Megawatt bis einschließlich
       November 2027. Außerdem soll ein Expertenrat erstellt werden, der in den
       kommenden Monaten Rahmenbedingungen für den Bau von Datenzentren in Maine
       ausarbeiten soll.
       
       „Es geht mir hier nicht darum, Rechenzentren für immer zu verbieten. Der
       Punkt ist vielmehr, dass uns die geeigneten gesetzlichen Regelungen fehlen,
       um sicherzustellen, dass eine solche Entscheidung – zumindest – neutral
       oder sogar positiv für alle ausfällt“, sagte die demokratische
       Landessenatorin Nicole Grohoski in der vergangenen Woche.
       
       Obwohl das Gesetz am Ende die Zustimmung von Republikanern und Demokraten
       erhielt, gab es unter Republikanern auch mehrere Gegenstimmen. Zudem
       kritisierten Technologiekonzerne und Wirtschaftsvertreter das Gesetz. Sie
       befürchten, dass das Verbot dem Staat wirtschaftlich schaden könnte. „Diese
       Projekte werden so oder so verwirklicht werden – ganz gleich, ob wir dieses
       Moratorium verabschieden oder nicht“, sagte der Republikaner Matt
       Harrington.
       
       Er fügte hinzu, dass andere Bundesstaaten, die weitaus geringere
       Umweltschutzauflagen als Maine hätten, sich dem Bau von Datenzentren nicht
       verschließen würden und die Menschen in Maine auch diese Kosten trügen.
       „Sie werden in Bundesstaaten gebaut, die ihren Strom zu 70 Prozent mit
       Kohle erzeugen“, sagte er. Für Gemeinden mit klammer Kasse und genügend
       Baugrund waren Datenzentren in den vergangenen Jahren oft eine einfache
       Lösung, um die Steuereinnahmen zu erhöhen.
       
       ## Gouverneurin fordert Ausnahmeregelung
       
       Das Gesetz in Maine erwartet nun die Unterschrift der demokratischen
       Gouverneurin Janet Mills. Diese hatte im Vorfeld eine Ausnahmeregelung für
       ein geplantes 550 Millionen-Dollar-Projekt in der Kleinstadt Jay gefordert.
       Der Landtag lehnte dies ab. Ob Mills, die nach zwei Amtszeiten als
       Gouverneurin im November für den US-Senat kandidiert, das Gesetz durch ein
       Veto blockieren wird, ist ungewiss.
       
       „Ich habe es schon einmal gesagt, und ich sage es erneut: Es muss eine
       Ausnahmeregelung für Jay geben. Jay braucht diese Arbeitsplätze – unter
       entsprechenden Schutzvorkehrungen zur Schonung der Wasser- und
       Stromressourcen“, sagte Mills während einer Veranstaltung in der
       vergangenen Woche.
       
       [1][Datenzentren sind für die Entwicklung von künstlicher Intelligenz und
       die immer größer werdenden Datenmengen im Internetzeitalter unerlässlich.]
       Doch Sorgen über höhere Stromkosten und mögliche Umweltfolgen, besonders im
       Bereich der Wasser- und Luftverschmutzung, haben in den vergangenen Jahren
       zu immer mehr Widerstand geführt.
       
       Eine Untersuchung der Universität VCU aus Virginia hatte gezeigt, dass in
       dem US-Bundesstaat, der weltweit über die größte Dichte an Rechenzentren
       verfügt, die Luftverschmutzung in der Nähe von Datenzentren sogar höher ist
       als bei Stromkraftwerken. Der Grund dafür sind die mit Diesel betriebenen
       Notfallaggregate, die bei geplanten und ungeplanten Stromausfällen die
       Energieversorgung dieser Zentren garantieren.
       
       ## Datenzentren lassen Strompreise extrem stark steigen
       
       „Was uns im Zuge dieses Prozesses überrascht hat, ist die Erkenntnis, dass
       man – gemessen an der jährlichen Gesamtmenge der ausgestoßenen
       Luftschadstoffe – lieber neben einem Erdgaskraftwerk wohnen würde als neben
       einer ganzen Reihe von Rechenzentren“, sagte VCU-Professor Damian Pitt, der
       die Untersuchung geleitet hatte.
       
       Strompreise sind laut einer Untersuchung von „Bloomberg News“ in Gebieten,
       die einen Boom von Rechenzentren gesehen haben, zwischen 2020 und 2025 um
       bis zu 267 Prozent angestiegen.
       
       Neben Maine planen auch mindestens zwölf weitere Bundesstaaten ein
       vorübergehendes Verbot von Rechenzentren. [2][Auf lokaler Ebene gibt es
       bereits mehrere Gemeinden und Städte, die neue Bestimmungen verabschiedet
       haben, um ihrem Bau Einhalt zu gebieten.]
       
       Laut dem parteiunabhängigen Forschungsunternehmen „Data Center Watch“ ist
       es lokalen Gruppen im ganzen Land gelungen, Investitionen in
       Rechenzentrumsprojekte im Wert von über 60 Milliarden US-Dollar innerhalb
       von etwas mehr als einem Jahr zu blockieren oder zu verzögern.
       
       ## Trump ermutigt zum Neubau von Rechenzentren
       
       Die Regierung von US-Präsident Donald Trump ermutigt derweil zum Bau von
       Datenzentren. Sie seien von nationaler Bedeutung, um im globalen Wettbewerb
       mit China und anderen nicht den Anschluss zu verlieren. Erst im vergangenen
       Monat hatten sich große amerikanische Technologieunternehmen wie Google,
       Microsoft, Meta und Amazon dazu bereit erklärt, die Kosten für den enormen
       zusätzlichen Strombedarf zur Versorgung ihrer Rechenzentren zu tragen.
       
       „Das bedeutet, dass die Technologieunternehmen und die Rechenzentren den
       Strom erhalten können, den sie benötigen – und das alles, ohne die
       Stromkosten für die Verbraucher in die Höhe zu treiben“, sagte dazu Trump.
       
       16 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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