# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Schicksal und Sinfonie
> Misslungen oder super? Auf jeden Fall spielt Tschaikowsky am Freitag eine
> Rolle. Und am Mittwoch dann gitarrengetriebener Wüstenrock.
(IMG) Bild: Moor Mother
Dialog auf frischen Wegen verspricht ein Abend mit bedeutungsschwerem
Titel: Bei den „Schicksalsklängen“ tritt am Freitag die US-amerikanische
Dichterin und Musikerin Moor Mother in einen Austausch mit Pjotr
Tschaikowskys sogenannter „Schicksalssinfonie“: der Sinfonie Nr. 5 in
e-Moll op. 64. Die hielt der Komponist erst für misslungen und fand sie
dann doch super.
Ihr 2019er-Album „Analog fluids of sonic black holes“, ein Amalgam aus
Hip-Hop, Punk und Noise-Dissonanz, wurde vom Streichquintett-Gruppe Wooden
Elephant bereits 2022 orchestral arrangiert. Nun darf sich das Ensemble im
Zusammenspiel mit der Künstlerin an Tschaikowsky reiben. Zornige Energie
trifft monumentale Wucht. Oder so. Man darf gespannt sein (10. 4., 19 Uhr,
[1][Komische Oper @Schillertheater).]
Auf Reibung setzen auch die tollen Crack Cloud, ein multimedial
aufgestelltes Kollektiv aus Vancouver, welche live stets eine Offenbarung
ist. Ihre Musik verbindet einen Garage-Rock-Vibe mit klanglichem
Maximalismus: Synthieklängen, Streicher und Saxofon. Die
Entstehungsgeschichte des demnächst erscheinenden Albums „Peace and
Purpose“, das von Trauer und Trauerarbeit handelt, lässt vermuten, dass die
Post-Punk-Band um den Schlagzeuger und Leadsänger Zach Choy wieder zu ihren
DIY-Wurzeln zurückgekehrt ist.
Choy hatte Crack Cloud vor einem guten Jahrzehnt ins Leben als Soloprojekt
ins Leben gerufen und das Gros seiner Mitstreiter im Rahmen von
Suchthilfeprogrammen kennengelernt – einige von ihnen wechselten bald auf
Betreuer-Seite. Der Support kommt von Daniel Saunders Experiment, das
Shoegaze auf Emo und Punk treffen lässt (14. 4., 20 Uhr, [2][Betonhalle im
Silent Green]).
## Zwischen Tradition und Moderne
Neue Wege beschreitet auch die Tuareg-Band Imarhan, die am Mittwoch
auftritt – ihr Name bedeutet übrigens „Die, die mir am Herzen liegen“.
Bisher kannte man das algerische Quintett vor allem für gitarrengetriebenen
Wüstenrock; auf ihrem vierten Album „Essam“ finden sich nun auch Samples
und Synthie-Sounds.
Die Band öffnet sich damit einem experimentelleren Sound – angestupst von
ihrem Tontechniker Maxime Kosinetz, der diesmal die Rolle des Produzenten
übernahm, und Emile Papandreou vom französischen Dreampop Duo UTO, der bei
den Aufnahmesessions in ihrer Homebase Tamanrasset Sounds von gesampelten
Instrumenten in Echtzeit bearbeitete. (15. 4., 20 Uhr, [3][Gretchen]).
Ebenfalls eine Verbindung zwischen Tradition und Moderne sucht Saba
Alizadeh. Der Sohn des iranischen Tar- und Setar-Virtuosen Hossein Alizadeh
– heute lebt er in den Niederlanden – etablierte sich als Virtuose auf der
iranischen Stachelgeige Kamancheh. Darüber hinaus beweist er immer ein
Händchen dafür, persische Klassik mit experimenteller Avantgarde
zusammenzuführen. Mit den meditativen Sounds seines vierten Albums „Rituals
of The Last Dawn“ kommen auch Ambient- und Drone-Freunde auf ihre Kosten
(16. 4., 20 Uhr, [4][Galiläakirche]).
9 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.komische-oper-berlin.de/shop/platzwahl/?performance=emgto186o6m5
(DIR) [2] https://www.eventbrite.de/e/crack-cloud-the-daniel-saunders-experiment-tickets-1976193549103?aff=SGWeb1
(DIR) [3] https://www.greyzone-tickets.de/produkte/1180
(DIR) [4] https://eventfrog.de/de/p/konzerte/world-ethno/saba-alizadeh-rituals-of-the-last-dawn-7437578361352766279.html
## AUTOREN
(DIR) Stephanie Grimm
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