# taz.de -- Wahlen in Dschibuti: Politischer Stillstand an der militärischen Drehscheibe
> Dschibuti kontrolliert die südliche Zufahrt zum Roten Meer und beherbergt
> internationales Militär. Daher will Präsident Guelleh an der Macht
> bleiben.
(IMG) Bild: Präsident Guelleh wacht auch über diese Ḱleinbuspassagiere in Dschibuti, 8. April
Kaum ein Land der Welt liegt geostrategisch so zentral wie Dschibuti. Der
ostafrikanische Kleinstaat befindet sich am Südende des Roten Meeres direkt
gegenüber von Jemen, an der [1][Meerenge Bab al-Mandab], die an ihrer
schmalsten Stelle weniger als 30 Kilometer breit ist.
Neben der Straße von Hormus und dem Suezkanal ist Bab al-Mandab, das „Tor
der Tränen“, die dritte Meerespassage rund um die Arabische Halbinsel, ohne
deren Öffnung der globale Handel zusammenbrechen würde: Ein Achtel des
Welthandels fährt jeden Tag hier durch, 90 Prozent der Internetkabel
zwischen Europa und Asien liegen auf dem Meeresboden vor Dschibuti.
Wer Dschibuti regiert, ist damit von weltpolitischer Bedeutung. Aber das
internationale Interesse an der Präsidentschaftswahl in Dschibuti am
kommenden Freitag ist gleich null.
Das liegt vor allem daran, dass das Ergebnis feststeht.
[2][Langzeitpräsident Ismael Omar Guelleh], seit 1999 an der Macht, wird zu
einer sechsten Amtszeit wiedergewählt – der einzige Gegenkandidat ist der
Oppositionspolitiker Mohamed Farah Samatar von der einflusslosen
Kleinpartei CDU (Vereinigtes Demokratisches Zentrum).
## Frankreich, USA und China alle nebeneinander
Guelleh gehört zum engsten Führungszirkel in Dschibuti, seit das einstige
Französisch-Somaliland 1977 unabhängig wurde. Der 30-jährige Guelleh wurde
Kabinettschef und später auch Geheimdienstchef des ersten dschibutischen
Präsidenten Hassan Gouled Aptidon. Als dieser sich 1999 zurückzog, war
Guelleh der natürliche Nachfolger. Er hat sich seitdem immer wieder neu
wählen lassen und jedes Mal versprochen, das sei nun das letzte Mal, nur um
es sich hinterher anders zu überlegen. Er ist mittlerweile 79 Jahre alt.
Die letzten Wahlen gewann er mit 97,44 Prozent, es könnten jetzt noch mehr
werden.
Der Langzeitpräsident ist Garant der Rolle Dschibutis als Drehscheibe der
internationalen Militärpräsenz am Horn von Afrika und am Roten Meer. Zu
Kolonialzeiten befand sich dort eine wichtige französische Marinebasis, das
ganze Territorium war bei der Unabhängigkeit voller französischer
Militäreinrichtungen. 1.450 französische Soldaten sind immer noch dauerhaft
in Dschibuti stationiert, mehr als in jedem anderen Land der Welt.
Die größte französische Basis [3][Camp Lemonnier] außerhalb des
internationalen Flughafens wurde nach den Terroranschlägen des 11.
September 2001 an die USA übergeben und beherbergt eine US-Militärbasis mit
bis zu 4.000 US-Soldaten, die eine entscheidende Rolle bei den Kriegen in
Afghanistan und Irak spielte. 2011 erwarb Japan eine Basis mit aktuell 400
Soldaten, 2017 auch China mit einer Basis, die derzeit 1.000 Soldaten
umfasst, aber 7.000 aufnehmen könnte. Washington und Peking als friedliche
militärische Nachbarn in Dschibuti sind wohl einzigartig auf der Welt.
Europäische Länder – Spanien, Italien und Deutschland – stationierten in
Dschibuti zeitweise ebenfalls Truppen zur Bekämpfung der Piraterie vor
Somalia. Zuletzt dienten die westlichen Einrichtungen auch zur Sicherung
der Schifffahrt im Roten Meer vor Angriffen der in Jemen herrschenden
proiranischen Huthi-Rebellen
Das alles lässt sich Dschibutis Regierung einiges kosten. [4][2017 gab das
Finanzministerium bekannt], es erhalte von allen militärischen Partnern
zusammen 125 Millionen US-Dollar pro Jahr. Die USA zahlten 65 Millionen,
China 20 Millionen, Japan 3,5 Millionen. Aus Frankreich erhalte man jedes
Jahr 30 Millionen Euro, aus Italien 3 Millionen. Der französische Beitrag
wurde vor zwei Jahren auf 85 Millionen Euro erhöht. Gemessen an Dschibutis
BIP von weniger als 5 Milliarden US-Dollar sind all dies erhebliche Summen,
über deren Verbleib aber wenig Klarheit besteht – über 40 Prozent der nur
1,2 Millionen Einwohner leben in absoluter Armut.
## Konfliktpotenzial in der Region
Für die afrikanischen Nachbarn ist Dschibuti vor allem wegen seines großen
Hafens wichtig, aus dem die einzige Eisenbahnlinie ins Landesinnere am Horn
von Afrika verläuft – die wichtigste Außenhandelsroute für den großen
Nachbarn Äthiopien mit über 120 Millionen Einwohnern. Dschibutis Häfen
erwirtschaften 70 Prozent des BIP, und dass Guelleh im Jahr 2018 ein
Großprojekt zum Hafenausbau in Dschibuti durch DP World aus Dubai abrupt
stoppte – ein Rechtsstreit darüber läuft bis heute – und sich stattdessen
China und Saudi-Arabien zuwandte, gehört zu seinen umstritteneren
Entscheidungen.
Dubai baut nun stattdessen den Hafen [5][Berbera im benachbarten
Somaliland] aus und Dschibuti lobbyiert gegen eine Anerkennung von
Somalilands Unabhängigkeit.
Das ist alles hausgemachtes Konfliktpotenzial. Aber es ist die Ansammlung
von Kriegen im Nahen Osten, die Guelleh nach dessen eigenen Worten zur
erneuten Kandidatur bewogen hat. Er tritt nun im Namen der „Stabilität“ an.
Mit Guelleh an der Macht bleibt Dschibuti eine sichere Basis für die
westliche Marinepräsenz in der Region. Ob das ohne ihn auch so wäre? Man
wird es erst mal nicht erfahren.
8 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Bab-el-Mandeb
(DIR) [2] /Dschibutis-Praesident-Omar-Guelleh/!5760751
(DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Camp_Lemonnier
(DIR) [4] https://x.com/Ilyasdawaleh/status/847012959675133953
(DIR) [5] /Internationaler-Handel-mit-Ostafrika/!5903993
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
## TAGS
(DIR) Somalia
(DIR) Ostafrika
(DIR) Dschibuti
(DIR) Huthi-Rebellen
(DIR) Piraterie
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Dschibuti
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Somaliland
(DIR) Afrika
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Wahlen in Dschibuti: Fast 98 Prozent für den Präsidenten
In Dschibuti wird Präsident Ismail Omar Guelleh wiedergewählt. Die
Wahlkommission gibt ihm sogar mehr Stimmen als die 97,3 Prozent vom letzten
Mal.
(DIR) Jemens Huthis und der Irankrieg: Wie eine einzige Rakete den Welthandel beeinflusst
Jemens proiranische Huthi-Machthaber haben mit ihrer Rakete auf Israel eine
neue Front im Irankrieg angedeutet. Wird das Rote Meer zur Kriegszone?
(DIR) Konfrontation am Horn von Afrika: Somaliland freut sich über Israels Anerkennung
Somaliland feiert seine Anerkennung durch Israel als erstes Land seit der
Staatsgründung 1991. Somalia ist erzürnt und mobilisiert die arabische
Welt.
(DIR) Dschibutis Präsident Omar Guelleh: Schon wieder wiedergewählt
Der 73-Jährige holte 97 Prozent. Guellehs Sieg war so wenig überraschend,
dass die Oppositionsparteien auf eigene Kandidaten verzichtet hatten.