# taz.de -- Konfrontation am Horn von Afrika: Somaliland freut sich über Israels Anerkennung
> Somaliland feiert seine Anerkennung durch Israel als erstes Land seit der
> Staatsgründung 1991. Somalia ist erzürnt und mobilisiert die arabische
> Welt.
(IMG) Bild: Menschen feiern am 26. Dezember auf den Straßen von Hargeisa in Somaliland die Anerkennung durch Israel
Als erste Regierung weltweit hat Israel formell die Republik Somaliland als
unabhängigen Staat anerkannt. „Ich habe heute die offizielle Anerkennung
der Republik Somaliland als unabhängigen und souveränen Staat verkündet“,
[1][erklärte Israels Premierminister Benjamin Netanyahu] am Freitag auf X.
Mit Somalilands Präsident sei eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet
worden.
Mit einem Feuerwerk über den Dächern von Somalilands Hauptstadt Hargeisa
wurde am Freitagabend [2][gefeiert]. Abertausende Menschen kamen auf den
Straßen zusammen, schwenkten die blau-weiße israelische Flagge sowie die
eigen, grün-weiß-rote mit dem Stern in der Mitte: Die Flagge ihrer Republik
Somaliland.
Als „historischen“ Schritt und „Meilenstein“ in der langjährigen Suche nach
internationaler Anerkennung bezeichnete Somalilands Präsident Abdirahman
Mohamed Abdillahi, bekannt unter dem Namen Cirro, den Akt in einer
[3][Erklärung].
Doch der diplomatische Schritt sorgt auch für Empörung. Somalias Regierung
[4][warnt], dass die „Souveränität“ Somalias untergraben werde und die
Gefahr bestehe, „dass die Region am Horn von Afrika und am Roten Meer
destabilisiert wird“. Von einer „Aggression, der niemals toleriert wird“,
spricht Ali Omar, Somalias Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten,
[5][im TV-Sender Al Jazeera]. Somalia werde alle diplomatischen Mittel
ausschöpfen, um gegen diesen Akt der „staatlichen Aggression“ und die
israelische Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes
vorzugehen, so Omar. Auch Somalias islamistische Rebellengruppe Al-Shabaab,
die die somalische Regierung bekämpft und sich dem Islamischen Staat
zugehörig fühlt, [6][drohte], Somaliland anzugreifen.
## Seit 35 Jahren ein eigener Staat
Somaliland ist seit 1991 ein eigener Staat auf dem Gebiet der ehemalifen
Kolonie Britisch-Somaliland, die sich nach der Unabhängigkeit 1960 mit der
italienischen Kolonie Somalia weiter südlich zusammengeschlossen hatte.
Nach einem brutalen Bürgerkrieg trennte sich Somaliland wieder und hat eine
eigene Währung, Flagge und eine gewählte Regierung. Der neue Staat wurde
aber nie von einem anderen Staat oder gar von den Vereinten Nationen
anerkannt.
In diesem Jahr kam Bewegung in die Sache. Im August kündigte US-Präsident
Donald Trump an, er werde die Anerkennung „in Betracht ziehen“. Dem
Kongress wurde ein entsprechender [7][Gesetzesentwurf] vorgelegt. Israels
Medien berichten jetzt von einem Deal im Hintergrund: nämlich, dass Israel
im Gegenzug für die Anerkennung von Somaliland verlange, Palästinenser aus
dem Gaza-Streifen aufzunehmen.
„Die USA könnten die Umsiedlung von Palästinensern als Teil eines Abkommens
fordern,“ so Omar Mahmood, Somalia-Analyst von der International Crisis
Group: „Doch das dürfte kaum ausreichen und wäre in Somaliland selbst
politisch brisant.“
## Israel, die USA und die Emirate gegen die Türkei
Netanyahus Erklärung bezieht sich explizit auf die sogenannten
Abraham-Abkommen, die 2020 unter der Schirmherrschaft Trumps ausgehandelt
worden waren. Sie sehen eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel
und den arabischen Staaten vor und wurden zunächst von den Vereinten
Arabischen Emiraten (VAE) und Bahrein unterzeichnet.
Die USA haben geostrategische Interessen. Sie operieren in der Region vor
allem von ihrem Militärstützpunkt in Dschibuti aus. Doch das kleine Land
hat den US-Streitkräften sowie Israel jüngst untersagt, von dort aus
Angriffe auf die Huthi-Rebellen in Jemen zu fliegen, die von Iran
unterstützt werden. Daraufhin hatte Somaliland sich als Ersatz angeboten.
Die VAE gelten als weiterer Drahtzieher der Anerkennung Somalilands.
[8][Mit Geld aus Dubai] wurde jüngst der Containerhafen in Berbera
ausgebaut, der größte Hafen Somalilands und für die ganze erweiterte Region
als Import- und Exportknotenpunkt wichtig.
Der Einfluss Israels und der Emirate in Somaliland richtet sich indirekt
gegen den zunehmenden türkischen Fußabdruck in der Region. Das türkische
Militär unterhält in Somalia den größten Stützpunkt außerhalb des Landes.
In den vergangenen Wochen hat die Türkei mit Somalia wichtige Verträge
unterzeichnet: Ölförderung vor der Küste, Investitionen in Infrastruktur
wie den Hafen und Flughafen von Mogadishu sowie Fischereirechte.
## Ein Thema für den UN-Sicherheitsrat
In einer [9][gemeinsamen Erklärung] stellt sich die Türkei nun mit Ägypten,
Dschibuti und weiteren Ländern bis hin zu Pakistan und Nigeria hinter
Somalias Regierung in Mogadishu und verurteilt Israels Anerkennung
Somalilands als „schwere Verletzung der Grundsätze des Völkerrechts und der
UN-Charta“.
Auch die Afrikanische Union (AU), die Arabische Liga sowie weitere
Regionalorganisationen bezeichneten den Schritt als „provokativ und
inakzeptabel“. Die EU hat ebenfalls zur „Respektierung der Einheit,
Souveränität und territorialen Integrität Somalias“ aufgerufen.
Immerhin, ab Anfang Januar übernimmt Somalia für einen Monat den Vorsitz im
UN-Sicherheitsrat und kann in dieser Rolle auch die Agenda mit
beeinflussen. Bereits am Montag wird sich der Rat in einer
Dringlichkeitssitzung mit der israelischen Anerkennung Somalilands
befassen.
28 Dec 2025
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/netanyahu/status/2004554522283131310
(DIR) [2] https://www.instagram.com/reel/DSxY8tUCMkv/
(DIR) [3] https://www.instagram.com/reel/DSxY8tUCMkv/
(DIR) [4] https://x.com/SomaliPM/status/2004644878261911914
(DIR) [5] https://www.aljazeera.com/news/2025/12/27/state-aggression-somalia-demands-israel-withdraw-somaliland-recognition
(DIR) [6] https://x.com/EIshmael_/status/2004994055151771713)
(DIR) [7] https://www.congress.gov/bill/119th-congress/house-bill/3992/text/ih
(DIR) [8] /Internationaler-Handel-mit-Ostafrika/!5903993
(DIR) [9] https://x.com/ink_conscious/status/2005021086522691859
## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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