# taz.de -- Jemens Huthis und der Irankrieg: Wie eine einzige Rakete den Welthandel beeinflusst
       
       > Jemens proiranische Huthi-Machthaber haben mit ihrer Rakete auf Israel
       > eine neue Front im Irankrieg angedeutet. Wird das Rote Meer zur
       > Kriegszone?
       
 (IMG) Bild: Darstellung einer Rakete bei einer Demonstration in Jemen im Oktober 2025
       
       Als die Huthi-Machthaber in Jemen am 27. März [1][eine ballistische Rakete
       Richtung Israel abfeuerten], traf das sogar Teile der eigenen Führung
       unvorbereitet. Erst Stunden zuvor hatte der Huthi-Militärsprecher gesagt,
       man habe „die Finger am Abzug“ und werde unter Umständen in den Krieg
       eintreten, falls nämlich die Anti-Iran-Koalition großer oder Irans
       Infrastruktur direkt getroffen werde. Dann schritten sie zur Tat, ohne dass
       einer dieser Umstände eingetreten wäre. Huthi-Führungsmitglied Mohammed
       al-Bukhaiti sagte in einem [2][TV-Interview], er sei überrascht und der
       Raketenabschuss sei ein Ausdruck von „militärischem Übermut“.
       
       Denn nachdem die USA und Israel am 28. Februar ihre Angriffe auf Iran
       gestartet hatten, erklärte Huthi-Anführer Abdul-Malik al-Huthi zwar schon
       nach wenigen Tagen, man stehe bereit, Teheran zu verteidigen. Dann aber
       verging ein ganzer Monat ohne entsprechende Tätigkeiten. Die
       Huthi-Machthaber, die den Norden Jemens einschließlich der Hauptstadt Sanaa
       kontrollieren, verlegten lediglich Soldaten und Militärgerät zur Abwehr
       eines möglichen Angriffs der international anerkannten jemenitischen
       Regierung im Süden.
       
       Als Libanons Hisbollah-Miliz auf der Seite Irans in den Krieg eintrat,
       wuchs der Druck auf Jemens Huthis, ihre Bündnistreue mit Iran unter Beweis
       zu stellen. Aber nach Informationen der taz gab es intern heftigen Streit.
       Eine wichtige Fraktion stellte sich gegen einen Huthi-Kriegseintritt, da
       dieser eine Einladung für direkte US-Angriffe darstellen würde. Die USA und
       Israel haben Jemen bereits [3][während des Gazakriegs beschossen].
       
       Dann aber landeten Berater der iranischen Revolutionsgarden in Jemen. Sie
       waren auf dem Seeweg gekommen. Und wenig später flog die Huthi-Rakete gen
       Jemen.
       
       ## Nachdruck für Irans Drohungen
       
       Einige Analysten sprechen von einem symbolischen Schlag: eine einzige
       Rakete, die abgefangen wurde und keinen Schaden anrichtete. Sie wird als
       Geste gesehen, mit der Iran seinen Drohungen einer Ausweitung seiner
       Angriffe Nachdruck verleiht.
       
       Huthi-Experte Adnan al-Jabarni sieht aber mehr als nur Symbolik am Werk.
       „Israel sucht seit der letzten Konfrontationen nach einem Vorwand, um die
       Huthis anzugreifen, und dieser Angriff hat den Vorwand geliefert“, sagt er.
       „Die Iran-Achse kämpft um ihre Existenz, mit allen verfügbaren Kräften, von
       Irak über Libanon bis Jemen. Eine Niederlage Irans würde auch die Huthis
       direkt betreffen.“ Al-Jabarni hält einen israelischen Militärschlag gegen
       die Huthis in Jemen nach einem Kriegsende zwischen den USA und Iran für
       möglich.
       
       ## Das zweite Nadelöhr
       
       Die Bedeutung der Huthi-Rakete ist geografisch bedingt. Seit Iran am 2.
       März die [4][Straße von Hormus geschlossen] hat und damit rund ein Fünftel
       des globalen Öl- und Flüssiggashandels abschnürte, ist die Bedeutung der
       Meerenge Bab al-Mandab zwischen Jemen und Dschibuti am südlichen Ende des
       Roten Meeres deutlich gewachsen.
       
       Saudi-Arabien hat seine Ölexporte vom Persischen Golf an den Hafen Yanbu am
       Roten Meer umgeleitet. Sie müssen dann nicht mehr die Straße von Hormus
       passieren, um Asien zu erreichen, sondern die Meerenge Bab al-Mandab. Im
       März wuchs das Ölvolumen auf dieser Strecke um 21 Prozent.
       
       Eine Schließung von Bab al-Mandab wäre nun Teherans letzte Trumpfkarte.
       Bereits während des Gazakriegs haben die Huthis bewiesen, dass sie den
       Schiffsverkehr im Roten Meer stören können, trotz der internationalen
       Marinemissionen dort. Eine iranische Militärquelle erklärte am 21. März,
       die Destabilisierung von Bab al-Mandab und des Roten Meers „bleibt eine
       Option“. Huthi-Vizeinformationsminister Mohammed Mansour äußerte sich
       ähnlich.
       
       Eine Blockade des Roten Meeres, des Golfs von Aden und der Meerenge Bab
       al-Mandab würde zusätzlich zur Blockade der Straße von Hormus rund 30
       Prozent des globalen Ölhandels abschneiden. Analysten rechnen für diesen
       Fall mit einem weiteren [5][Anstieg der globalen Ölpreise] von aktuell über
       110 auf über 150 US-Dollar pro Barrel.
       
       Ob es dazu kommt, hängt vom weiteren Verlauf des Irankriegs ab. Solange die
       indirekten Gespräche zwischen Washington und Teheran weitergehen, dürften
       Jemens Huthis sich zurückhalten. Aber sollten die Gespräche zusammenbrechen
       oder US-Truppen in Iran landen, könnte Jemens Huthi-Regierung meinen, auch
       sie müsse jetzt um ihre Existenz kämpfen. Seit dem Gazakrieg haben sie ihre
       militärischen Fähigkeiten wieder aufgebaut und ihre Waffenproduktion
       gesteigert. Die Werkzeuge liegen bereit.
       
       31 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/2026_Houthi_strikes_on_Israel
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=tzUytRX2bno
 (DIR) [3] /Israelischer-Luftangriff-in-Jemen-/!6113331
 (DIR) [4] /Strasse-von-Hormus/!6158834
 (DIR) [5] /Krieg-und-Treibstoffpreise/!6162911
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Najm Aldain Qasem
       
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