# taz.de -- Schießereien in Hamburg und Bremen: Politgebell ersetzt Ermittlungsarbeit
> Die Polizeigewerkschaften versuchen, Großstadtschießereien politisch zu
> instrumentalisieren. Besser wäre es, sie erst einmal aufzuklären.
(IMG) Bild: Polizeieinsatz in der Bremer Neustadt am 28. März: Hier wurde durch Schüsse ein Mann verletzt
Politische Konsequenzen zu fordern, wenn etwas vorgefallen ist, gehört
sicher zur gelebten Demokratie dazu. Es ist also nicht grundböse. Aber
manchmal eben doch voreilig. Solange nicht feststeht, was passiert ist,
oder, um konkret zu werden, solange nicht klar ist, wie und warum es zu den
gehäuften Schießereien in den Bremer Stadtteilen Walle und Huchting sowie
in Hamburg-Barmbek kam, befeuern Forderungen an die jeweiligen
Stadtstaatenregierungen nur Aktionismus.
Ein krasses Beispiel dafür liefert die Hamburger Gewerkschaft der Polizei.
Deren Vorsitzender Lars Osburg hat sich gleich nach der in der Nacht zu
Mittwoch in der Dieselstraße mit Knarren ausgetragenen Auseinandersetzung
an die Öffentlichkeit gewandt. „Solche Lagen“ seien, so seine Behauptung,
„längst keine Ausnahme mehr“. Das ist schon grob irreführend [1][angesichts
des im polizeilichen Lagebild verzeichneten starken Rückgangs der ohnehin
sehr seltenen Delikte] mit Schusswaffengebrauch.
Osburg verdreht also die Tatsachen, um Stimmung zu machen, weil er glaubt,
dass sich „derzeit politische Signale abzeichnen, die auf mögliche
Einsparungen bei der Polizei hindeuten“. Wer mit derart nebulösen
Verdächtigungen operiert, sollte besser nicht für die Polizei arbeiten.
Vielleicht findet sich für Osburg ja eine Anschlussverwertung als
Drehbuchautor schlechter Vorabendkrimis. Dafür scheint es einen
unstillbaren Bedarf zu geben.
Nachvollziehbarer war die Sorge [2][seiner Kolleg*innen in Bremen], das
mit gut 15.000 registrierten Straftaten pro 100.000 Einwohner*innen
derzeit als deutsche Verbrechenshochburg gilt. Immerhin war es dort
innerhalb nur eines Monats zu fünf Schießereien in recht weit voneinander
entfernten Stadtteilen gekommen. Dabei ist ein Mensch getötet worden.
## Anderswo stirbt man häufiger durch Waffen
Aus dieser Häufung auf „eine besorgniserregende Dynamik“ zu schließen, wie
es die Landes-GdP tut, ist zwar methodisch nicht korrekt, aber immerhin
kein Alarmismus. Nicht schaden kann auch, dass ihr Vorsitzender Nils Winter
vor diesem Hintergrund eine enge Zusammenarbeit aller zuständigen Stellen
fordert und darauf hinweist, „dass [3][die Verfügbarkeit von Schusswaffen
ein ernstzunehmendes Sicherheitsproblem darstellt]“.
Wobei selbst im verrufenen Bremen die Zahl der mit Schusswaffen begangenen
Taten klein ist – und ehrlicherweise über den rechtlichen Status ihrer
Ballermänner eigentlich nur die Täter*innen selbst Bescheid wissen
können.
Die zu ermitteln übernimmt in Bremen eine Sonderkommission. Sie sollte
feststellen können, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen den Taten und
vielleicht auch, wie sie strukturell verankert sind. Daraus lassen sich
dann vielleicht auch zielgerichtete sicherheitspolitische Maßnahmen
ableiten. So viel Zeit muss sein.
Denn auch wenn diverse Rankings proklamieren, Bremen sei die gefährlichste
Stadt Deutschlands: Das Risiko, umgebracht zu werden, ist anderswo viel
höher. Laut Bundeskriminalamt [4][lagen da 2023 Augsburg und Coburg] an der
Spitze. Und 2024 war mit 18 Mord- und Totschlagsfällen auf 100.000
Einwohner Heilbronn [5][die wahre Hauptstadt des Schreckens].
8 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Hausdurchsuchung-zur-Morgenstunde/!6147567
(DIR) [2] /Racial-Profiling-vor-Verwaltungsgericht/!6136949
(DIR) [3] /Gesichert-Rechtsextreme-mit-Waffenschein/!6090802
(DIR) [4] https://www.arcgis.com/apps/mapviewer/index.html?layers=e5f658ac0dc54a5386504f7f44b29e50
(DIR) [5] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1099426/umfrage/staedte-mit-den-meisten-faellen-von-mord-und-totschlag-je-einwohner/
## AUTOREN
(DIR) Benno Schirrmeister
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