# taz.de -- Der Ballsaal am Weißen Haus: Tanzen auf dem Präsidentenbunker
> Donald Trump lässt seit Wochen den Iran bombardieren – und plant nebenbei
> weiter den pompösen Ballsaal am Weißen Haus. Wer würde dort eigentlich
> tanzen wollen?
(IMG) Bild: Kriegt das Weiße Haus auch bald ein riesiges blondes Toupet aufgesetzt?
Seit dem Irankrieg wirken Trumps Baupläne für einen Ballsaal neben dem
Weißen Haus noch pervertierter als schon zuvor. Und das nicht nur, weil er
bei Pressekonferenzen kaum über Krieg und Bombardierung sprechen wollte,
sondern stattdessen [1][vom pompösen Ballsaal schwärmte]. Monströse
Drohungen, den Iran in Schutt und Asche zu legen und eine ganze
Zivilisation auszulöschen plus ein kolossal hässliches Bauprojekt – das
ergibt eine verstörende Verbindung von Wort- und Bildgewalt.
Der Ballsaalbau wurde von einem US-Bundesrichter vorerst gestoppt,
fortgesetzt werden darf er nur, wenn das Parlament zustimmt. Sich
juristischen Entscheidungen zu beugen, passt natürlich nicht zum
Herrschaftsstil von Trump. Das Berufungsschreiben kam prompt: Es braucht
den Ballsaal für die nationale Sicherheit. Denn im Untergeschoss soll ein
militärischer Komplex entstehen, ein Bunker für Trump und seinen Stab. Vor
ein paar Monaten war da noch von einem Besucherzentrum im Keller die Rede
gewesen.
Trump will seinen Ballsaal unbedingt, und zwar nicht nur, weil er es
gewohnt ist, dass alle nach seiner Pfeife tanzen. Herrschaftsarchitektur
ist ein probates Mittel zur Machtinszenierung. Als Trump im Herbst für den
Ballsaalanbau den Ostflügel des Weißen Hauses abreißen ließ, war das
bereits eine Machtdemonstration.
## Von Einschüchterung bis Käuflichkeit
8.400 Quadratmeter soll er umfassen und höher werden als das Weiße Haus.
Heißt auch: Wer vor einem solchen Koloss steht, ist eingeschüchtert. Kitsch
gehört natürlich auch dazu, außen Säulen, innen Golddekor. Dass Kitsch und
Tyrannei gern Hand in Hand gehen, kennt man ja aus der Geschichte von
Palästen. Die Symbolwirkung der Machtarchitektur entfaltet sich
unmittelbar, deshalb ist sie bei Autokraten so beliebt.
Der Ballsaal illustriert Trumps Methoden von der Einschüchterung bis zur
Käuflichkeit. Trump betont dabei stets, das Projekt belaste keine
Steuerzahler, es sei spendenfinanziert. Nun berichtet die New York Times,
dass ein Stahlkonzern mit Sitz in Europa den Stahl für den Ballsaal
gestiftet habe. So können Deals in Zeiten von Strafzöllen aussehen. Nur
dürfte bei Stahl aus Europa selbst bei MAGA-Fans die Begeisterung für den
„schönsten Ballsaal der Welt“ arg abflauen.
Er brauche den Saal für feierliche Staatsbankette mit bis zu 1.000 Gästen,
sagt Trump. Ganz so viele Staatenlenker fallen einem dann doch nicht ein,
bei denen die Aussicht auf eine Audienz oder ein Tänzchen mit Trump für
Feierlaune sorgt. Und plötzlich tauchen vor dem inneren Auge groteske
Bilder auf, auf denen [2][Trump, Orbán], Milei und Netanjahu zu YMCA
performen.
11 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Martina Mescher
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