# taz.de -- Neuer A24-Film „The Drama“: Der gefährlichste Gedanke ist nie passiert
       
       > Der neue Kinofilm „The Drama“ mit Starbesetzung löst über die sozialen
       > Medien hinaus eine Debatte aus. Denn die vermeintliche Rom Com ist so gar
       > nicht romantisch.
       
 (IMG) Bild: Robert Pattinson und Zendaya in „Das Drama“
       
       Obacht: Jetzt geht es um „The Drama“, einen [1][Kinofilm], dessen Plot von
       der momentan wohl gefragtesten Produktionsfirma der westlichen Welt „A24“
       vor dem Start tunlichst geheimgehalten wurde, inklusive dementsprechender
       Presse-Instruktionen. Aber das Drama (sic) läuft schon seit einer Woche,
       die Katze ist somit aus dem Sack und maunzt in sozialen und sämtlichen
       anderen Medien, und wer plant, sich im Kino überraschen zu lassen, sollte
       jetzt aufhören zu lesen.
       
       Abgesehen davon ist der Twist von „The Drama“ ohnehin nicht das
       Beeindruckendste am Film. Insofern: Die glücklich Verlobten Charlie (Robert
       Pattinson) und Emma (Zendaya) trinken gemeinsam mit einem befreundeten Paar
       beim Prä-Hochzeits-Testessen mehrere über den Durst und gestehen einander –
       Schnapsidee – „schreckliche“ Dinge aus der Vergangenheit. Das
       „Schrecklichste“ hat Emma zu bieten: Die fast 30-Jährige war mit 15 Jahren
       in einer verstörenden depressiv-destruktiven Phase und plante einen
       [2][Amoklauf] an ihrer Schule.
       
       Den sie, und das müsste dick unterstrichen sein, nicht ausführte. Aufgrund
       von Zufällen und schicksalhaften Parallelitäten kann man, das insinuiert
       der Film in flott editierten Rückblenden, sogar sagen, dass diese monströse
       Fast-Katastrophe der Außenseiterin Emma einen Platz in einer
       funktionierenden Sozialkonstellation, irrerweise einer
       Anti-[3][Waffen]-Aktivist:innengruppe, und in letzter Konsequenz eine
       funktionierende Beziehung bescherte, die bis dato eine Zukunft zu haben
       schien.
       
       Der Rest des Films, die Reaktion ihres verunsicherten Partners Charlie, der
       entsetzten Brautjungfer Rachel (Alana Haim), deren Cousine bei einem
       tatsächlichen [4][school shooting] verwundet wurde und seitdem
       querschnittsgelähmt ist, und Emmas eigene Coping-Mechanismen versinken ein
       wenig im Schauspiel-Battle.
       
       ## Die relevantesten Fragen werden kaum gestellt
       
       Die relevanten psychologischen und moralischen Fragen – darf man das
       Verhalten eines/einer 15-Jährigen wie das einen Erwachsenen beurteilen?
       Kann sich jemand zu einem liebenswerten, zufriedenen Menschen entwickeln,
       der einst derartig kaputt/nihilistisch/vernichtend/verzweifelt war? Macht
       jemanden bereits eine verabscheuenswürdige Fantasie zu einem
       verabscheuenswürdigen Individuum? – werden zudem nur ansatzweise gestellt.
       Und das Kernthema des Films, der in Zeiten nie verebbender Hatespeeches
       notwendige Diskurs darüber, inwiefern das, was man ankündigt, weniger
       schlimm ist als das, was man im Endeffekt tut, steht ebenfalls eher am
       Rande der Geschichte.
       
       In den [5][USA] trifft das in der Presse als „feelbad movie“-titulierte
       Werk dennoch einen Schmerzpunkt: Die den Film angeblich als „süße Rom Com“
       vorstellenden Trailer bezeichnen viele Menschen als irreführend und
       verharmlosend, ihnen fehlen Triggerwarnungen, und dass ausgerechnet
       „Euphoria“-Superstar Zendaya eine gedankliche Amokläuferin spielt,
       „vermenschliche“ echte Täter.
       
       Die Diskussion dampft also. Was gut ist – reden ist immer besser als nicht
       reden. Und wischt man die heißen Topoi beiseite, bleibt immer noch eine
       Menge Interessantes übrig. So wie die anbiedernd-wurmige Lüge, mit der
       Charlie seine Bekanntschaft mit Emma begann – er behauptet, ein Buch
       gelesen und geliebt zu haben, das sie liest. Oder die Schattierungen der
       gekünstelten Hochzeitskonventionen zwischen Foto-Shooting (!!) und
       Tafelreden, von denen sich Emma und Charlie nicht befreien können.
       
       Oder die archetypische Gewaltreaktion eines Mannes, der hört, dass seine
       Freundin und Charlie sich geküsst haben. Oder der vom Briten Charlie
       gemurmelte Einwand, das mit dem Amoklauf sei „irgendwie in der US-Kultur
       verwurzelt“, der bei den anderen auf Empörung stößt. Oder überhaupt der
       Anspruch, jemanden, wie Charlie es zunächst in seiner Hochzeitsrede
       formuliert, „bedingungslos und ohne Einschränkung“ zu lieben – ja WTF!?
       Später redigiert er diese Rede. Ist vielleicht auch ganz gut so.
       
       Jenni Zylka schreibt hier regelmäßig über Film.
       
       10 Apr 2026
       
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