# taz.de -- Fahren ohne Ticket entkriminalisieren: Das ist nur ihre Meinung
       
       > Justizministerin Hubig findet, dass Menschen ohne Fahrschein nicht ins
       > Gefängnis gehören. Sie wird am Widerstand aus der Union scheitern.
       
 (IMG) Bild: Nicht jeder Fahrgast hat eine gültiges Ticket
       
       Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat sich für eine Entkriminalisierung
       des Schwarzfahrens ausgesprochen. Sie bezweifelt, dass Menschen ins
       Gefängnis gehören, wenn sie sich keinen Fahrschein leisten können und dann
       auch die fällige Geldstrafe nicht bezahlen können. Hubig greift damit eine
       Diskussion auf, die schon über zehn Jahre läuft und nicht vorankommt. Und
       auch jetzt nicht vorankommen wird.
       
       Hubigs Äußerung in der [1][Neuen Osnabrücker Zeitung] ist nämlich keine
       diskrete Ankündigung einer eigenen Initiative zur [2][Entkriminalisierung
       des Schwarzfahrens], sondern nur eine politische Meinungsäußerung. Für den
       Regierungspartner CDU/CSU ist die Entkriminalisierung des Schwarzfahrens
       ein Tabu, ein falsches Symbol für Recht- und Regellosigkeit. Hubig hat nun
       zwar Farbe bekannt, kann damit aber nur den öffentlichen Diskurs anregen.
       
       Interessanter ist, dass einige große Kommunen wie Bremen oder Frankfurt das
       Problem an der Basis lösen wollen. Sie haben ihren Verkehrsbetrieben
       aufgegeben, Schwarzfahrer:innen nicht mehr anzuzeigen. Dann gibt es
       auch keine Strafverfahren mehr. Hubig könnte ja eine wissenschaftliche
       Untersuchung in Auftrag geben, wie sich diese kommunale Praxis auswirkt –
       ob zum Beispiel die Zahlungsbereitschaft der Verkehrskund:innen
       generell zurückgeht.
       
       Wenn der öffentliche Nahverkehr generell kostenlos wäre, gäbe es auch keine
       Schwarzfahrer:innen mehr. Luxemburg und [3][die estnische Hauptstadt
       Tallinn] haben damit gute Erfahrungen gemacht. Doch das ist eine große
       Diskussion, die weit über kriminalpolitische Fragen hinausgeht.
       
       Auch sozialpolitisch ist die Entkriminalisierung von
       Schwarzfahrer:innen nur ein kleiner Baustein einer
       Antiverelendungspolitik. Menschen, die weder Tickets noch Geldstrafe zahlen
       können und auch mit Knastvermeidungsangeboten wie gemeinnütziger Arbeit
       („Schwitzen statt Sitzen“) nicht zurechtkommen, haben meist fundamentale
       Probleme wie Arbeits- und/oder [4][Obdachlosigkeit] und/oder Drogensucht
       und/oder psychische Krankheiten. Das Schwarzfahren und die
       Ersatzfreiheitsstrafen sind da oft nur ein Symptom.
       
       7 Apr 2026
       
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 (DIR) [3] /Busse-und-Bahnen-gratis/!5514486
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