# taz.de -- Feministische Architekturliteratur: Das erfundene Genre
> Eine Veranstaltung im Berliner Bücherbogen stellte Bücher von Frauen aus
> Architektur und Baubranche vor. Ein inspirierender Abend.
(IMG) Bild: Bilder einer Ruine, das Haus von Marlene Poelzig vor dem Abriss
Während an dem einem Ende Berlins vergangene Woche über „Architecture
against Architecture“, das neue Buch von OMA-Architekt Reinier de Graaf,
gesprochen wurde und die Fragen, wie man die „feudale Verehrung von
Stararchitekten beenden“ kann und warum nicht mehr „Architekturfirmen
kollektiv geführt werden“, erörtert wurden, konnte man sich am folgenden
Tag am genau anderen Ende der Stadt davon überzeugen lassen, dass genau
diese Fragen in den vergangenen 30 Jahren bereits zur Genüge gestellt und
sogar beantwortet wurden.
Wenn man sich mit dem Genre, das die Herausgeberinnen des Buches „Haus
Marlene Poelzig“ als „Feministische Architekturliteratur“ deklarieren,
beschäftigt hätte, könnte man das wissen. [1][Anlässlich der zweiten
Auflage des Buches], das [2][dem 2021 in Zehlendorf unter großem Protest
abgerissenen Haus der Architektin] ein Denkmal setzt, hatten die
Herausgeberinnen letzten Mittwoch in den Bücherbogen am Savignyplatz
eingeladen, um dort 30 Bücher der letzten 30 Jahre feministischer
Architekturliteratur vorzustellen und damit auch ihre eigene Publikation
einzuordnen.
Das wollten gleich so viele Menschen sehen und hören, dass die Türen des
Bücherbogens bereits fünf Minuten nach Beginn geschlossen werden mussten,
weil wirklich auch der allerletzte Platz besetzt war. An der Scheibe
drückten sich einige Besucherinnen noch die Nasen platt, während der
Straßenmusiker „Knocking on Heaven’s Door“ plärrte und über ihnen die
S-Bahn ungewohnt verlässlich alle drei Minuten entlangdonnerte. Drinnen
wurden vier der 30 Publikationen näher vorgestellt.
## Die zweite Auflage wurde in den Kontext gesetzt
Neben Büchern, die man eher in das Genre einordnen würde, wie „Die
Neuordnung der Küchen. Materialistisch-feministische Entwürfe eines
besseren Zusammenlebens“ (2023) oder „Making Space Women and the Man-Made
Environment“ (1984) des Kollektivs Matrix, wurden auch solche vorgestellt,
die einem vielleicht nicht sofort in den Sinn gekommen wären. Darunter
Florentine Anders Roman „Die Allee“ (2025) über das Leben der
Architektenfamilie Henselmann, der ein besonderes Augenmerk auf die Mutter
der Familie, Isi, ebenfalls aufstrebende Architektin, legt. Außerdem der
Gedichtband „Plans for Sentences“ (2022) der Lyrikerin Renee Gladman, deren
poetisches Werk sich immer wieder an der Grenze zur Architektur verortet.
Deutlich wurde, dass Architektur [3][so viel mehr ist als ein gebautes
Haus. Sie ist vielmehr das Leben darin, das Denken darüber.] Diese Bücher
zeigen, dass auch Worte ein Zuhause sein können und dass, wenn man sich den
Geschichten der Frauen in der Architekturwelt zuwendet, all die Fragen, vor
denen manch großer Architekt heute anlässlich der Krisen dieser Welt, die
auch immer Baukrisen sind, steht, bereits in der Arbeit von Frauen
beantwortet wurden. Dafür müsste der sich fragend am Kopf kratzende
Architekt diese Werke dann nur eben auch lesen.
6 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Laura Helena Wurth
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