# taz.de -- 1.504 Tage Krieg in der Ukraine: Mit der Bahn durch die Ukraine – Beschuss inklusive
       
       > Seit vier Jahren gibt es keinen Flugverkehr mehr in der Ukraine. Die Bahn
       > ist die bequemste Alternative. Doch richtig sicher sind auch Zugreisen
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Noch immer verkehren Nachtzüge in der Ukraine und verbinden Großstädte mit kleineren Ortschaften
       
       Sollten Sie in nächster Zeit in die Ukraine reisen wollen, werden Sie
       wahrscheinlich auf die Dienstleistungen der ukrainischen
       Eisenbahngesellschaft Ukrsalisnyzja zurückgreifen. Denn seit Kriegsbeginn
       vor vier Jahren gibt es keine Flugverbindungen mehr in die Ukraine und
       innerhalb des Landes. Reisen kann man deshalb nur noch mit Bussen, Autos
       und Zügen. Meiner Meinung nach ist die letzte Variante die bequemste.
       
       Ich persönlich liebe Bahnreisen. Nicht zuletzt, weil es mich immer auch ein
       bisschen in meine Kindheit zurückbringt. Bis heute wird dort wie seit
       Jahrzehnten Tee in Gläsern mit Metallhaltern serviert. Zwar hat die
       Ukrsalisnyzja versucht, Pappbecher einzuführen, aber die Fahrgäste waren
       empört und haben die klassische Variante zurückgefordert. Denn das sind
       nicht einfach nur Gläser, sie sind auch nostalgischer Teil des
       Reiseerlebnisses.
       
       ## Welche Züge gibt es in der Ukraine
       
       In der Ukraine gibt es heute zwei Zugreisemöglichkeiten: Schnellzüge vom
       Typ Intercity und Nachtzüge. Intercity-Züge funktionieren in der Regel wie
       in Deutschland.
       
       Nachtzüge sind eine ganz andere Geschichte: Dort gibt es überwiegend
       Schlafplätze und so kann man relativ bequem die Nacht verbringen. Neulich
       bin ich zum Beispiel von Kyjiw nach Lwiw in der Westukraine gefahren: eine
       Fahrt von acht Stunden, die nur etwa 700 Hrywnja (umgerechnet 14 Euro)
       gekostet hat.
       
       Tickets bekommt man am Bahnhof oder über die Ukrsalisnyzja-App. Sehr
       benutzerfreundlich übrigens, es gibt sie auch auf Englisch.
       
       ## Wie ist das mit der Sicherheit
       
       Bei all dem Lob für die Bahn sollte man aber nicht vergessen, dass sich die
       Ukraine im Kriegszustand befindet. Immer häufiger [1][müssen Züge aufgrund
       von Raketenangriffen anhalten] und Fahrgäste werden aufgefordert, die
       Waggons zu verlassen und in Schutzräume zu gehen (wenn es welche gibt).
       
       Das kann sehr unbequem sein – niemand möchte gerade im Winter mitten auf
       einem Feld auf das Ende des Luftalarms warten. [2][Aber Menschen, die
       bereits in wirklich gefährlichen Situationen waren], in denen Raketen oder
       Drohnen ganz nahe vorbeiflogen, sehen solche Maßnahmen mit anderen Augen.
       
       ## Wie kommt man an die Fahrkarten
       
       Tickets für besonders beliebte Verbindungen, vor allem in Richtung Grenzen,
       sind schnell ausverkauft. Deswegen sagt man in der Ukraine jetzt
       umgangssprachlich „Tickets ergattern“. Um die Chancen darauf zu erhöhen,
       muss man die Regeln kennen: Der Vorverkauf beginnt 20 bis 21 Tage vor der
       geplanten Reise, gewöhnlich morgens um acht. Das ist der verlässlichste
       Zeitpunkt für den Ticketkauf. Manchmal werden Fahrkarten auch noch kurz vor
       der Abreise frei – aber das ist dann echt Glücksache.
       
       Mit dem Zug kann man nicht nur innerhalb der Ukraine reisen. Die
       Ukrsalisnyzja bietet Verbindungen nach Polen, in die Slowakei, nach Ungarn,
       Österreich, Moldau und Rumänien an.
       
       [3][Ich selbst war per Bahn bislang nur in Polen.] Meine
       Lieblingsverbindung ist der Nachtzug Kyjiw-Chelm und dann weiter mit einem
       Regionalzug bis Warschau. Das ist bequem, relativ schnell und, besonders
       wichtig, ziemlich zuverlässig. Die längste Verzögerung, die ich bisher
       erlebt habe, betrug etwa zwei Stunden. Das lag aber nicht an der Bahn,
       sondern an russischem Beschuss.
       
       Als ich das erste Mal von der direkten Zugverbindung nach Westeuropa
       erfuhr, hatte ich das Gefühl, dass eine bestimmte historische Kontinuität
       zurückkehrt. Denn noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Zugreisen aus
       ukrainischen Städten nach Wien, Krakau oder Budapest ganz alltäglich und
       die Ukraine damit Teil des europäischen Raums.
       
       ## Ein Tipp zum Schluss
       
       Wenn Sie eine Zugreise durch die Ukraine planen – nehmen Sie ein Buch mit,
       bestellen Sie beim Schaffner einen Thymiantee und gönnen Sie es sich, mal
       einen Gang runterzuschalten … Manchmal ist das Wertvollste auf Reisen die
       Möglichkeit, das Leben einfach mal nur zu beobachten.
       
       Aus dem Ukrainischen Gaby Coldewey
       
       7 Apr 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Yuliia Shchetyna
       
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