# taz.de -- Gespräch mit Wal Timmy: „Ich wurde von allen Seiten angebaggert“
       
       > Was will er, der Wal in der Ostsee? Will er Ruhe auf der Sandbank oder
       > Freiheit? Exklusive Antworten eines Tieres, das unter die Menschen
       > geriet.
       
 (IMG) Bild: Muss tief durchatmen: Buckelwal "Timmy"
       
       taz: Herr Wal, vor drei Wochen hatte ich [1][ein Interview] mit Ihnen
       angefragt, das wurde aber abgeblockt. Sie lägen im Sterben, hieß es von
       offizieller Seite und stünden für kein Gespräch mehr zur Verfügung. Was hat
       sich seitdem geändert? 
       
       Wal: Wissen Sie, ich stand damals vor einer schweren Entscheidung: Sandbank
       oder Freiheit. Ich wollte mich in meiner Entscheidungsfindung nicht
       beeinflussen lassen, was schwer genug fiel. Sie haben ja mitbekommen, was
       um mich rum los war.
       
       taz: Sie hatten sich dann zunächst gegen die Sandbank entschieden.
       
       Wal: Jein. Ich wurde ja damals von allen Seiten angebaggert, da wollte ich
       einfach mal ein bisschen Abstand gewinnen.
       
       taz: Wie kam es denn nun aber zu der Einschätzung, dass Ihnen die Puste
       ausgehe? 
       
       Wal: Ich verstehe die Sorge der Bürger. Und mir kam das grade recht, mal
       meine Ruhe zu haben.
       
       taz: Sie hatten nun über zwei Wochen Zeit nachzudenken. Wie kam es zu der
       Entscheidung, sich nochmal helfen zu lassen? 
       
       Wal: Entscheidung?
       
       taz: Fühlen Sie sich etwa in Ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt? 
       
       Wal: Das kann man so sagen.
       
       taz: Sie zeigen aber auch wenig Dialogbereitschaft.
       
       Wal: Wer mich kennt, weiß, dass ich für europäischen Zusammenhalt stehe.
       
       taz: Sie [2][sind zur Projektionsfläche für Rechte geworden.] Ihr Siechtum
       wird mit dem Siechtum der deutschen Wirtschaft, ja der ganzen Nation
       verglichen. Was tun Sie dagegen? 
       
       Wal: Ach, ich sehe das nicht so eng. Sollen die doch einen vom Pferd
       erzählen. Aber wissen Sie, was mich wirklich fertig macht?
       
       taz: Dass [3][der Walflüsterer abgetaucht ist?] 
       
       Wal: Nein, der ging mir zwar auch mächtig auf die Nüsse. Aber den konnte
       ich handeln. Nein, es ist etwas anderes, vor dem ich wirklich kapituliere.
       
       taz: Sie machen es aber spannend. Was denn? 
       
       Wal: Können Sie sich das nicht denken?
       
       taz: Nein, deswegen führen wir ja dieses Interview. 
       
       Wal: Na, TikTok. Diese Schlager, diese KI-generierten Musikvideos mit
       Texten zum Wegschwimmen.
       
       taz: Ah, Sie meinen Valkyra-Solara alias rockabella.kitty? 
       
       Wal: Grrrrrruuuuselig. Weg, weg damit.
       
       taz: Aber Sie müssen zugeben, der [4][Song „Ein leiser Ruf“] hat
       Ohrwurmqualitäten. 
       
       Wal: Ja, quälender als quengelnde Wattwürmer.
       
       taz: Fühlen Sie sich von den Zeilen „Doch keiner will handeln, nur kurz
       etwas sehen. Während wir diskutieren, analysieren, weiter funktionieren,
       liegt dort ein Lebewesen, das einfach nur zurück ins Leben will“ nicht
       abgeholt?
       
       Wal: Das ist eine interessante Frage. Aber wichtiger wäre, dass sie mal mit
       den Leuten Interviews führen, die diese Scheiße generieren. Ich meine,
       diese „Person“ hat über 97k Follower auf TikTok und sie framed ihre Musik
       dort als „Songs mit Tiefe & Bedeutung“.
       
       taz: Sie finden, die Lieder haben so wenig Tiefgang wie Sie? 
       
       Wal: Haha. Guter Punkt.
       
       taz: Was halten Sie von dem Vorschlag, die Straße von Hormus für den
       Walverkehr zu öffnen? 
       
       Wal: Ich bin nicht der zuständige Minister für Spritpreise. Aber wir müssen
       da ins Handeln kommen.
       
       taz: Wie geht es denn jetzt weiter? 
       
       Wal: Das ist eine hypothetische Frage, zu der ich mich jetzt nicht äußern
       werde. Es ist ein komplexes Thema, das man nicht mit Ja oder Nein
       beantworten kann. Nur so viel: Wir sind auf einem guten Weg.
       
       17 Apr 2026
       
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