# taz.de -- Ukraine-Hilfen nach Orbán-Abwahl: Kein Anlass zu überschwänglicher Euphorie
       
       > Mit dem Abgang von Putins Lakai in Ungarn, Viktor Orbán, verbinden viele
       > die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Ukraine-Kriegs. Das könnte ein
       > Trugschluss sein.
       
 (IMG) Bild: Abgewählter Putin-Pudel: Ungarns Ex-Premier Viktor Orbán
       
       Traurig, aber wahr: Zumindest im Kampf um Aufmerksamkeit hat Kyjiw derzeit
       schlechte Karten – US-Präsident Donald Trump lässt grüßen. Dabei dauert
       Russlands Angriffskrieg in der Ukraine an diesem Wochenende [1][schon über
       1.500 Tage.] War da was? Ist da was?
       
       Und ob. Völlig enthemmt und wie von Sinnen überzieht der russische
       Aggressor das Nachbarland Tag für Tag mit Drohnen- und Raketenangriffen.
       Dabei sterben immer wieder Menschen oder werden verletzt. Kein Ort ist mehr
       sicher, auch in den westlichen Regionen des Landes lauert der Tod.
       
       Wer in dieser Woche aufmerksam die Berichterstattung auch deutscher Medien
       verfolgte, konnte in Bezug auf die Ukraine durchaus zu einem anderen,
       weitaus weniger pessimistischen, Schluss kommen. Von einem neuen
       Selbstbewusstsein des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj war da
       die Rede.
       
       Einige Expert*innen wollen gar Anzeichen dafür ausgemacht haben, dass
       Russland im Begriff sei, bei seinen Kriegszielen in der Ukraine
       abzuschichten. Vollends in Verzückung gerieten viele westliche
       Politiker*innen ob des deutlichen Wahlsiegs von Péter Magyar bei der
       Parlamentswahl in Ungarn, der der [2][Herrschaft von Viktor Orbán] –
       Wladimir Putins willfährigster Lakai in der EU – ein Ende setzte.
       
       Doch auch wenn die Nachrichten aus Budapest positiv sind, besteht zu
       überschwänglicher Euphorie kein Anlass. Zweifellos: Russlands
       Gebietsgewinne in der Ukraine sind überschaubar, trotz immensen Einsatzes
       von „Fachpersonal“. Demgegenüber gelingt es den ukrainischen Streitkräften
       immer wieder, dem Kriegsgegner mit Angriffen auf dessen Ölinfrastruktur und
       Ostseehäfen schwere Schäden zuzufügen. Last but not least: Die Expertise
       ukrainischer Militärs bei der Herstellung von und der Kriegsführung mit
       Drohnen ist dabei, zu einem Exportschlager zu werden, beispielsweise in
       arabische Staaten.
       
       Mit Orbáns Abgang besteht die berechtigte Hoffnung, dass die Dauerblockade
       von Brüsseler Ukrainehilfen bald Geschichte sein könnte. Doch wer weiß
       schon, ob sich nicht [3][der slowakische Ministerpräsident Robert Fico] zu
       einer Nachfolge Orbáns berufen fühlt? Auch Péter Magyar wird die Interessen
       seines Landes zu wahren wissen. Für eine Auszahlung des
       90-Milliarden-Kredits an Kyjiw wird er den Weg frei machen, eine
       finanzielle Beteiligung an selbigem steht hingegen nicht zur Debatte.
       
       Weiteres Ungemach könnte dräuen, sollte Bulgariens früherer Präsident Rumen
       Radew mit seiner Parteienallianz die Parlamentswahlen an diesem Sonntag
       gewinnen und ins Amt des Regierungschefs befördert werden. Radew ist ein
       erklärter Gegner jedweder Unterstützung der Ukraine.
       
       Der Unwägbarkeiten gibt es einige. Hinzu kommt ein entscheidender Umstand:
       Nach wie vor fehlt es den europäischen Staaten an einer gemeinsamen, klaren
       Strategie für die Ukraine. Das ist so fatal wie gefährlich. Denn dieser
       Krieg mitten in Europa ist noch lange nicht zu Ende.
       
       17 Apr 2026
       
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