# taz.de -- Reform des Gesundheitssystems: Schwarz-rot doktert an den Symptomen
> CDU-Gesundheitsministerin Nina Warken meint es ernst mit ihren
> Vorschlägen. Doch die reichen nicht aus, um die Kosten der Krankenkassen
> gerechter zu verteilen.
(IMG) Bild: Nina Warken (CDU), Bundesministerin für Gesundheit, stellt ihre Sparvorschläge für das deutsche Gesundheitssystem vor
Gesundheitsministerin Nina Warken steht mal wieder in der Kritik – diesmal
für [1][ihr Tun statt fürs Nichtstun.] Das ist immerhin erfreulich und kam
so überraschend, dass sich manche Medien zu Lobeshymnen hinreißen ließen.
Auf die CDU-Ministerin, die gerade ihre Sparvorschläge für das deutsche
Gesundheitssystem vorstellt, prasselt Unmut von allen Seiten ein: von
Krankenkassen, Apotheker:innen, Ärzt:innen, Krankenhauslobby,
Patientenvertreter:innen. Auch das ist kein schlechtes Zeichen, Warken legt
sich tatsächlich mit (fast) allen der zahlreichen Interessengruppen an. Und
dennoch doktert sie mit ihren Reformen nur an den Symptomen, aber nicht an
den Ursachen der Probleme herum.
Das deutsche Gesundheitssystem kostet, mehr als 350 Milliarden Euro gaben
die Krankenkassen im vergangenen Jahr aus. Im EU-Vergleich ist Deutschland
mit seinen Gesundheitsausgaben Spitze, nicht aber mit den Gesundheitsdaten.
[2][Unsere Lebenserwartung etwa ist leicht unterdurchschnittlich], in
Italien oder Schweden leben die Menschen im Durchschnitt fast drei Jahre
länger. Das deutsche Gesundheitssystem ist besonders teuer, aber nicht
besonders gut.
Dass Warken die wachsenden Ausgaben nun an die Einnahmen koppeln will, so
dass die Beiträge nicht weiter steigen, ist richtig. Folgerichtig ist auch,
dass sich Warken alle Sektoren vornimmt. Aber am Ende sind es doch wieder
die Versicherten, die überproportional zahlen sollen. Mit höheren
Zuzahlungen für Medikamente und einige auch bald mit höheren Beiträgen,
weil die [3][kostenlose Mitversicherung für Ehepartner wegfallen] soll. Wer
das okay findet, übersieht, dass auch die Zusatzbeiträge in den vergangenen
Monaten gestiegen sind, die Menschen bezahlen also bereits mehr, bekommen
dafür in Zukunft aber weniger. Das erzeugt eine soziale Schieflage zu
Lasten derer, die ohnehin jeden Euro umdrehen müssen, eine Schieflage, die
auch die geplante Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze um 300 Euro nicht
ausgleichen kann.
Auffällig ist, wer sich im Konzert der Kritiker:innen gerade
zurückhält: Die Pharmaindustrie nämlich. Dabei sind Medikamente in
Deutschland überdurchschnittlich teuer und die Ausgaben der zweitgrößte
Kostenblock. Es wäre nur recht und für die Versicherten billiger gewesen,
wenn Warken deren Aktienkurse und Gewinnmargen, die munter nach oben
streben, etwas gebremst hätte.
Aber so konfliktfreudig ist Warken dann doch nicht. Und ebenso wenig haben
sie und die schwarz-rote Koalition den Mut und den Willen, die ursächlichen
systemischen Probleme im Gesundheitswesen anzugehen: die teure
Doppelstruktur der ambulanten und stationären Facharztversorgung, das
unsolidarische Nebeneinander von privater und gesetzlicher
Krankenversicherung und die generelle Möglichkeit, aus den von der
Allgemeinheit finanzierten Strukturen private Profite zu schlagen. Das
wären echte Reformen für die Mehrheit der Menschen.
18 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gesundheitsoekonom-zu-Sparmassnahmen/!6171184
(DIR) [2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/954/umfrage/lebenserwartung-bei-geburt-in-ausgewaehlten-laendern-der-europaeischen-region/
(DIR) [3] /Geplante-Krankenkassen-Einsparungen-Schmaler-Grat-zwischen-gerecht-und-ungerecht/!6165686
## AUTOREN
(DIR) Anna Lehmann
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