# taz.de -- Zeitlimits bei Halbmarathons: Wenn Autos wichtiger sind als Frauen
> Frauen laufen langsamer als Männer. Männlich dominierte Laufevents nehmen
> darauf nur bedingt Rücksicht – schließlich soll der Verkehr schnell
> wieder fließen.
(IMG) Bild: Halbmarathon in Berlin: Nicht alle Läufer:innen schaffen die Strecke in der vorgegebenen Cut-off-Zeit von 3 h 15
In Berlin war das Bild des ultimativen Versagens ein Reisebus. Seine
Funktion: als sogenannter Besenwagen alle Halbmarathon-Teilnehmer:innen
wegzukehren, die zu langsam sind, um es noch innerhalb der vorgegebenen
Zeit ins Ziel zu schaffen. Haben Läufer:innen diesen Bus im Nacken,
werden sie disqualifiziert und müssen die Rennstrecke verlassen. Die Straße
wird regelrecht freigefegt; die Stadt wird wieder zur Autostadt.
[1][Besenwagen] sind die große Angst vor allem der eher langsamen
Läuferinnen. [2][Berlin] hatte mit einer Cut-off-Zeit von 3 h 15 ein
vergleichsweise humanes Zeitlimit, allerdings musste man bis zu einer
bestimmten Uhrzeit mindestens 18 Kilometer geschafft haben. Da langsame
Läufer:innen in der Regel mit der letzten Welle starten und damit erst
spät auf der Rennstrecke sind, war das faktische Zeitlimit entsprechend
noch mal kürzer.
Beim [3][Frankfurter] Halbmarathon betrug die Cut-off-Zeit sogar nur 2 h
45. Um 21,0975 Kilometer in dieser Zeit zu laufen, darf man nicht länger
als 7:49 Minuten pro Kilometer benötigen. Strenge Cut-off-Zeiten, um die
Straßen schnell wieder für den Verkehr freizugeben, schließen also
besonders Anfänger:innen, Ältere und Frauen aus. Also jene, die bei
Laufevents ohnehin unterrepräsentiert sind.
Dass Frauen über alle Leistungsniveaus hinweg rund 10 Prozent langsamer als
Männer unterwegs sind, hat bekanntermaßen zahlreiche Gründe. Zunächst
einmal die pure Physiologie: Sie sind kleiner und haben weniger Muskeln,
der Sauerstofftransport im Blut ist geringer, der Puls höher.
## Und dann noch die Häme im Netz
Zudem brauchen sie auch längere Pausenzeiten. Ihre Blasen sind kleiner, der
Toilettengang an sich dauert länger, das verlängert wiederum die Wartezeit
für alle Frauen, und die eine oder andere wird während des Laufs auch einen
Tampon wechseln müssen. Hinzu kommt der [4][Gender-Time-Gap] des Alltags:
Männer haben durchschnittlich mehr Freizeit als Frauen, können also mehr
trainieren und regenerieren.
In den sozialen Medien haben Lauf-Influencerinnen diesen Sexismus und
systematischen Ausschluss von vielen Frauen bei Laufevents bereits
angeprangert und sogleich hämische Rückmeldung bekommen: „Dann geht halt
alleine im Wald laufen, wenn ihr so langsam seid.“
Kurzum: Die strengen Cut-off-Zeiten unterliegen einer männlichen Leistungs-
und Stadtnutzungslogik – und viele Männer verstehen das Problem nicht. Also
alles wie immer.
18 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eva Fischer
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