# taz.de -- Wegen Energiekrise: Kohleausstieg erst 2038
       
       > Auf dem Rücken der Energiekrise vorwärts in die Vergangenheit: Italien
       > verschiebt den Abschied von der Kohle – auch wenn das teuer wird.
       
 (IMG) Bild: Brindisi raucht noch bis in weite Ferne, vermutlich bis 2038
       
       In Italien kann der [1][Kohleausstieg] warten. Das meint die
       Rechtsregierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die am Dienstag
       ein Gesetzesdekret durchs Parlament brachte, wonach der Abschied von den
       Kohlekraftwerken erst im Jahr 2038 stattfinden soll.
       
       Ursprünglich sollte schon Ende 2025 Schluss sein – doch angesichts der
       [2][Verwerfungen an den Energiemärkten] will Meloni sich alle Optionen
       offenhalten. Die beiden großen Kohlekraftwerke im 100 Kilometer nördlich
       von Rom gelegenen Civitavecchia und im apulischen Brindisi werden vorerst
       nicht dichtgemacht.
       
       Dass es nur zwei Kraftwerke sind, zeigt, dass Kohle im italienischen
       Strommix schon bisher eine geringe Rolle spielte: Selbst bei Volllast
       könnten die Anlagen pro Jahr nur 10 Terawattstunden (TWh) beisteuern – von
       310 TWh, die gebraucht werden. Die meiste Energie stammt aus Gaskraftwerken
       und erneuerbaren Quellen. Wasser-, Solar- und Windkraft decken mittlerweile
       rund 40 Prozent des Stromverbrauchs ab.
       
       ## Windausbau stagniert
       
       Atomenergie dagegen spielt in Italien keine Rolle, denn nach der
       Katastrophe von Tschernobyl 1986 votierten die Italiener*innen in einem
       Referendum für den Abschied vom Atomstrom, und als der seinerzeitige
       Ministerpräsident Silvio Berlusconi 2010 die Rückkehr versuchte, stimmten
       gar 94 Prozent dagegen.
       
       Angesichts der Importabhängigkeit beim Gas und der Klimakrise wären echte
       Fortschritte nur von einem forcierten Ausbau der Erneuerbaren zu erwarten.
       Doch gerade bei der Windkraft geht es kaum voran.
       
       Dass Italien jetzt bei der Kohle bleiben will, wird nicht helfen. Denn die
       Kraftwerke sind nicht nur umweltschädlich, sondern auch unwirtschaftlich.
       Und rentabel laut Umweltministerium erst dann, wenn der Gaspreis über 70
       Euro pro Megawattstunde liege; aktuell ist er bei 54 bis 56 Euro.
       
       Doch auch hier hat die Regierung Meloni einen Einfall. Schließlich ist
       Kohle auch so unwirtschaftlich, weil die CO2-Zertifikate kräftig zu Buche
       schlagen. Deshalb hat Meloni sich vorgenommen, in der EU [3][einen
       Beschluss zur Aussetzung der über die Zertifikate laufenden CO2-Bepreisung
       zu erreichen]. Nur so könnte sie ihrer Politik des Vorwärts in die
       Vergangenheit eine solide Grundlage verschaffen.
       
       1 Apr 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Braun
       
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