# taz.de -- Cannabis-Clubs in Deutschland: Bitte durchziehen
       
       > Das Gesetz zur Teillegalisierung von Cannabis setzt auf Anbauvereine, um
       > den Schwarzmarkt zu verringern. Aber in der Praxis werden diese
       > behindert.
       
 (IMG) Bild: Ein Vereinsmitglied begutachtet die Cannabispflanzen eines Cannabis Social Club in Niedersachsen
       
       Die Euphorie war groß in der Kifferszene, als der Gesetzgeber im Rahmen der
       am 1. April 2024 beschlossenen [1][Teillegalisierung von Cannabis]
       sogenannte Anbauvereinigungen als Hauptbezugsquelle für die legale
       Versorgung von Graskonsumenten vorsah. Überall in der Republik wurden Pläne
       geschmiedet, selbst so einen Verein, oft auch Cannabis Social Club genannt,
       zu gründen. Anbaufläche anmieten, separate Abgabestelle für die frischen
       Blüten an die Vereinsmitglieder einrichten – so schwer könne das ja nicht
       sein.
       
       Sogar von ein paar Minijobs wurde geträumt, die dabei entstehen könnten.
       Gemeinsam so den Schwarzmarkt trockenzulegen, das war das Ziel, von dem man
       dachte, er sei auch im Sinne des Gesetzgebers.
       
       Doch es kam ganz anders, wie auch der [2][zweite Zwischenbericht der
       Evaluation des Konsumcannabisgesetzes darlegt]. Dort heißt es, dass die
       Anbauvereinigungen bislang ihr „Potenzial nicht entfalten“ konnten. Stand
       Ende Oktober 2025 seien demnach die Clubs für lediglich 3,5 Prozent der
       Konsumenten bundesweit die primäre Versorgungsquelle.
       
       Der Hauptgrund für diese Fehlentwicklung ist schnell benannt: Die leidige
       Bürokratie, die sich allerlei Schikanen ausgedacht hat, um bloß nicht den
       Eindruck entstehen zu lassen, im Rahmen der Teillegalisierung zu wenig für
       Gesundheits- und Jugendschutz zu tun.
       
       ## Strenges Werbeverbot
       
       So wurde beispielsweise ein strenges Werbe- und sogar Informationsverbot
       erlassen. Mario Gäde, Vorstandsvorsitzender des Berliner Clubs White Lake
       Weed, meint dazu, dass es deswegen nur logisch sei, dass Konsumenten nicht
       so richtig auf die Clubs anspringen. Schließlich könnten sie auf deren
       Webseiten nicht wirklich erfahren, was genau ihnen dort geboten würde.
       
       Dazu kommen allerlei praxisferne Auflagen wie das Gebot, dass jedes
       Vereinsmitglied sich beim Anbau der Pflanzen persönlich einbringen müsse.
       Dabei hat sicherlich nicht jeder Gelegenheitskiffer Lust darauf, auch noch
       zu gärtnern, um sich dafür seine erlaubten 50 Gramm Cannabis im Monat für
       einen Mitgliedsbeitrag abholen zu dürfen.
       
       Dazu kommt die vom Gesetzgeber vorgesehene strikte räumliche Trennung von
       Anbau und Abgabe. Was vor allem in großen Städten wie Berlin zu Problemen
       führt. Platz für ein Gewächshaus findet sich hier fast nur im Speckgürtel
       oder gleich ganz im Brandenburger Umland. Gleichzeitig würden potenzielle
       Vermieter in der Innenstadt meist abwinken, wenn sie erführen, dass man
       gerne eine Gewerbefläche anmieten wolle, um dort als Verein Cannabis
       abzugeben, beklagen viele Clubaktivisten.
       
       Hat man dann doch einen solchen Ort gefunden, so Gäde, kämen das Bauamt und
       andere Behörden und achteten penibel darauf, dass auch wirklich alles
       vorschriftsgemäß möglichst klandestin zugehe, um so
       Kommerzialisierungstendenzen der Clubs zu verhindern. Wozu die Einhaltung
       von allerlei Vorgaben gehöre, zu der man sich in einem über 100 Seiten
       langen Antrag verpflichtet, der nach langer bis zu langer Prüfung genehmigt
       würde.
       
       Dabei wird von Bundesland zu Bundesland ganz unterschiedlich mit den Clubs
       umgegangen. In Bayern, wo CSU-Politiker wie Alexander Dobrindt und Markus
       Söder offen zugeben, den Clubs das Leben schwer machen zu wollen, ging und
       geht es immer noch ziemlich zäh voran. In liberaler regierten Bundesländern
       wie Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen wurden den Clubs dagegen weniger
       Steine in den Weg gelegt.
       
       Insgesamt, schlussfolgert die Evaluation, spielen deswegen die
       Anbauvereinigungen „auf dem Markt für Cannabis nach wie vor kaum eine
       Rolle“. Und würden demnach auch weniger zur Bekämpfung des Schwarzmarkts
       beitragen, als sie es könnten. Deswegen heißt es in dem Evaluationsbericht:
       „Dem Gesetzgeber wird empfohlen, die bisher restriktiven gesetzlichen und
       institutionellen Rahmenbedingungen für die Genehmigung von
       Anbauvereinigungen zu überprüfen.“
       
       Empfohlen wird sogar, das bislang geltende Konsumverbot in den Clubräumen
       zu überdenken. Würde dieses fallen, würde das im Umkehrschluss bedeuten,
       dass man ähnlich wie in den Niederlanden oder Barcelona gemeinsam vor Ort
       kiffen dürfte, was die Attraktivität der Clubs als soziale Orte
       beträchtlich steigern dürfte.
       
       Helfen dürfte diesen sicherlich auch, wenn die Bundesregierung, wie derzeit
       geplant, gleichzeitig den vergleichsweise einfachen Zugang zu medizinischem
       Cannabis wieder einschränken würde. Wenn man nicht mehr wie bisher auf den
       sogenannten [3][Telemedizinplattformen kinderleicht an ein Rezept für
       Cannabis] kommt, dafür an die gute Ware aus den Clubs, dann könnte es
       eventuell doch noch zu dem Boom des Modells der Cannabis Social Clubs
       kommen.
       
       1 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Debatte-ueber-ein-Jahr-Cannabisgesetz/!6075803
 (DIR) [2] https://www.fdr.uni-hamburg.de/record/18530
 (DIR) [3] /Medizinisches-Cannabis/!6163019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Hartmann
       
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