# taz.de -- Cannabis Social Clubs: Nur ein zartes Pflänzchen
> Anbauvereine wie Lucas Green könnten eine gute Sache sein. Aber es fehlen
> ihnen die Mitglieder, weil sie anders als Telemedizin, keine Werbung für
> sich machen dürfen.
(IMG) Bild: Cannabispflanze sucht nach Kunden
Die erste Cannabis-Ernte ist eingebracht. Fein säuberlich verpackt in
hellbraunen Pappumschlägen, zu je 2 und 5 Gramm, liegt sie in dem
Anbauverein Lucas Green e.V. bereit zum Abholen für die Mitglieder.
Bananacoda, Cap Junky oder Purple Octain steht auf den Etiketten. Unter dem
Sortennamen befindet sich eine Chargennummer und der THC- und CBD-Gehalt.
David Boldt und Madeleine Lengert konsumieren selbst am liebsten Purple
Octain, 21,2 Prozent THC, 0,37 Prozent CBD: „Gelegentlich, zum Genuss“. Die
beiden hauptberuflichen Eventmanager sind die Vereinsvorsitzenden von Lucas
Green. Seit August 2025 hat der Verein eine auf sieben Jahre befristete
Anbaulizenz.
Einfach zu bekommen war die nicht. [1][Die Anforderungen zur Gründung eines
CSC (Cannabis-Social-Club)], wie die Anbauvereinigungen auch heißen, sind
sehr hoch. Zahlreiche Konzepte müssen dem zuständigen Landesamt für
Gesundheit und Soziales (Lageso) vorgelegt werden. Sind diese endlich
abgenickt, gilt es viele Auflagen einzuhalten. Dazu kommt, dass es sehr
schwer ist, Räume für den Anbau zu finden.
Auf einem Gelände in Weißensee, das früher ein Stasi-Munitionslager war,
wurden Boldt und Lengert fündig. Die angemietete Fabriketage ist
lichtdurchflutet. In einem gesonderten Raum stehen mehrere Zelte, es ist
das Gewächshaus. 200.000 Euro haben die beiden in Beleuchtung,
Bewässerungs- und Filteranlage investiert, und was man sonst noch so an
Technik braucht. „Wie bei Musikclubs, die keine Lärmemissionen haben
dürfen, darf beim Cannabisanbau keine Geruchsemission entstehen“, erklärt
Boldt, auf die silbernen Abzugsrohre deutend.
Auch die erforderten Sicherheitsmaßnahmen haben ihren Preis. Das LKA sei
dagewesen und habe die Anlage abgenommen. Es gibt einen Safe für die
Lagerung der Portionspackungen. Alle Türen sind besonders gesichert, „das
ist Goldstandard, wie in Banken, mit mehreren Zylindern“, erklärt Lengert.
Und es gibt eine geräumige Küche und einen Versammlungsraum für das
„Community- Building“.
## Nur die Mitglieder fehlen
Eigentlich könnte Lucas Green jetzt richtig loslegen, das Problem ist nur:
Dem Verein mangelt es an Mitgliedern. Auch anderen Anbauvereinen geht das
so. Schuld daran ist, dass sie keine Werbung für sich machen dürfen.
Seit das Konsumcannabisgesetz (KCanG) im April 2024 in Kraft getreten ist,
sind in Berlin elf CSC zugelassen worden. Für eine Stadt, die sich
Kifferhauptstadt nennt, ist das nicht viel. [2][Bundesweit gibt es mehr als
300 Genehmigungen für Anbauvereinigungen]. Nach Angaben einer
Lageso-Sprecherin sind aktuell sechs weitere Anträge „in unterschiedlichen
Stadien“ in der Prüfung, neun wurden nicht bewilligt. „Es scheint
herausfordernd zu sein, ein geeignetes, befriedetes Besitztum für den Anbau
zu finden“, vermutet die Sprecherin.
[3][Auf einer Veranstaltung im Herbst 2025] hatten Anbauvereine über die
großen bürokratischen Hürden und die schleppende Bearbeitung der Anträge
geklagt. Auch das Werbeverbot war ein wichtiges Thema. Anders als der
Telemedizin ist es Anbauvereinen untersagt, durch Anzeigen im Internet oder
öffentlichen Raum auf sich aufmerksam zu machen und Mitglieder zu werben.
Das wird von den Anbauvereinen als große Ungerechtigkeit empfunden. Die
Befürchtung: Immer mehr Konsumenten wandern zu den Apotheken ab, wo man
keinem Verein beitreten müsse, um abends mal einen Joint zu rauchen
[4][Seit Inkrafttreten des Cannabisgesetzes] ist dieser Markt regelrecht
explodiert. Telemedizinische Plattformen werben offensiv dafür, bei der
Verschreibung von Cannabisblüten zu medizinischen Zwecken ohne persönlichen
Arzt-Patienten Kontakt zu Diensten zu sein, und sorgen für die Lieferung
nach Hause. CDU-Bundesgesundheitsministerin Nina Warken versucht dieser
Praxis zwar einen Riegel vorzuschieben, aber der entsprechende
Gesetzesentwurf hängt in den Ausschüssen des Bundestages fest.
## Gewinn machen verboten
Bis zu 500 Mitglieder darf ein CSC haben. Lucas Green hat inzwischen 50
Mitglieder. Nicht mal auf einem T-Shirt dürfe sie werben, sagt Madeleine
Lengert, lange blonde Haare geboren 1989 in Luckenwalde.
Anbauvereine dürfen keinen Gewinn machen, aber auf den hohen
Investitionskosten können und wollen sie natürlich auch nicht sitzen
bleiben. Um kostendeckend arbeiten zu können, brauche man deutlich mehr
Mitglieder, sagt Boldt, 39 Jahre alt, Tattoos auf den Armen. „Die Frage
ist, wie soll das gehen, wenn man keine Werbung für sich machen darf?“
Legner und Boldt gehört zusammen eine Event-Agentur. Die laufe so gut, dass
sie sich für die Investitionen in den Verein nicht verschulden mussten,
erzählen sie. „Bei uns gibt es keinen Investor“, sagt Lengert stolz.
Warum sie den Verein gegründet haben? Das Projekt sei ein Herzensprojekt.
„Es geht um das Wir-Gefühl.“ Um Kontakte zu neuen Leuten und
zwischenmenschlichen Austausch, beim Gärtnern mit Cannabis und
gelegentlichem gemeinsamen Kochen. In der Regel seien Kiffer deutlich
coolere Leute als Trinker, findet Boldt, der in Lichtenberg groß geworden
ist.
8 bis 15 Euro bezahlen Mitglieder pro Gramm. Beim Anbau werde Öko und
Transparenz großgeschrieben. Die gesamte Ernte werde noch mal von mehreren
Laboren gecheckt. „Wir können genau nachweisen, was in dem Zeug drin ist“,
sagt Boldt. Das sei bei dem Cannabis, das man über Telemedizin erwirbt,
nicht der Fall.
Auf die Frage der taz, ob das Werbeverbot nicht ungerecht und eine
Benachteiligung sei, verwies die Lageso-Sprecherin auf die bestehende
Rechtslage.
Und was passiert mit der Ernte, wenn sich nicht genug Mitglieder finden?
„Dann müssen wir sie vernichten“, sagt Lengert. Das getrocknete Cannabis
werde mit Katzenstreu vermengt und nass gemacht. „Damit ja keiner auf die
Idee kommt, daraus noch was zu machen.“
17 Mar 2026
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## AUTOREN
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