# taz.de -- Studie zu Entwicklungspolitik: UN-Ziel zu Entwicklungshilfe deutlich verfehlt
> Deutschland gibt immer weniger für die Hilfe in armen Ländern aus.
> Hilfswerke kritisieren, internationale Vereinbarungen würden nicht mehr
> angestrebt.
(IMG) Bild: Entwicklungsminister-in Alabali Radovan bei einem geförderten Schulprojekt in Sierra Leone im Januar
epd | Die deutschen [1][Ausgaben für die Entwicklungshilfe sind einer
Studie zufolge eingebrochen]. Die staatlichen Mittel könnten bis 2027 auf
0,39 Prozent des Bruttonationalprodukts absinken, teilte der Verband
entwicklungspolitischer Organisationen Venro bei der Veröffentlichung der
Untersuchung mit. In den Jahren 2020 bis 2023 habe Deutschland das [2][Ziel
der Vereinten Nationen, mindestens 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung] für
humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit auszugeben, erfüllt.
Seitdem gingen die Ausgaben aber drastisch zurück, und ein
Paradigmenwechsel zeichne sich ab, kritisierte die Organisation.
Obwohl der Bedarf an Hilfe immer weiter steige, habe sich die aktuelle
Bundesregierung im Koalitionsvertrag nicht zum UN-Ziel bekannt, kritisierte
Venro. Die Studie belege, dass sich der negative Trend bei den Ausgaben für
öffentliche Entwicklungshilfe, kurz ODA (Official Development Assistance)
fortsetzt, erklärte Venro-Vorstandsmitglied Michael Herbst.
Bereits 2024 habe Deutschland die Zielmarke verfehlt, mit einer ODA-Quote
von 0,67 Prozent – dem niedrigsten Wert seit 2019. Für 2025 habe Venro auf
Grundlage des im Juni 2025 vorgelegten Haushaltsentwurfs eine Quote von
0,44 berechnet, der Etat des Entwicklungsministeriums wurde in dem Jahr um
fast 1 Milliarde Euro auf rund 10 Milliarden gekürzt. „Damit hätte sich
Deutschlands Beitrag seit 2023 um beinahe 45 Prozent reduziert“, erläuterte
Herbst. „Das ist ein katastrophales Signal.“ Die Organisation für
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht am 9.
April die ODA-Quoten der Industriestaaten für 2025.
## Weiterer Rückgang absehbar
Basierend auf der mittelfristigen Finanzplanung der schwarz-roten
Bundesregierung und der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands sei von
einem weiteren Rückgang auszugehen, bis 2027 auf 0,39 Prozent, bis 2029 auf
0,38 Prozent, erläuterte der Venro-Haushaltsexperte Lukas Goltermann. Die
Bundesregierung rechnet mit einer Absenkung der ODA-Quote auf
voraussichtlich 0,43 Prozent im Jahr 2029.
Gleichzeitig geht nicht alles Geld, das in die ODA-Quote gerechnet wird, in
die Länder des globalen Südens. Zunehmend würden Ausgaben ohne
entwicklungspolitischen oder humanitären Hintergrund in die Quote
eingerechnet, kritisierte Venro. Damit würde die Quote „massiv geschönt“.
Finanzielle Mittel im Inland, beispielsweise für die Versorgung
Studierender aus dem globalen Süden oder von Geflüchteten, machten rund 40
Prozent der Entwicklungshilfe aus.
## Schwächste Länder benachteiligt
Das bedeutet Venro zufolge auch, dass immer weniger Geld an die ökonomisch
schwächsten Länder geht. Dies trifft sie besonders, weil die staatliche
Entwicklungshilfe für sie das wichtigste Instrument der Finanzierung aus
dem Ausland ist, da sie kaum Ziel privatwirtschaftlicher Investitionen
sind.
Nach den Vereinbarungen sollen mindestens 0,15 Prozent des
Bruttonationalprodukts der Industrieländer in die Hilfe in diese Länder
fließen. 2024 lag sie laut vorläufigen OECD-Zahlen bei nur 0,08 Prozent.
[3][Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) hat
angekündigt, besonders arme Länder wieder mehr in den Blick zu nehmen.]
1 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://venro.org/presse/detail/studie-zu-oda-zahlen
(DIR) [2] /Haushalt-des-Entwicklugsministeriums/!6133432
(DIR) [3] /BMZ-Ministerin-vor-der-UN-Klimakonferenz/!6123498
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