# taz.de -- Studenten finden keine Wohnung: Zimmer, Küche, Bonzenbude
> Wenn das Studierendenleben zum Luxus wird: WG-Zimmer in Hamburg sind so
> teuer wie noch nie, im Schnitt 650 Euro. Jetzt will der Asta selbst
> bauen.
(IMG) Bild: Wann gar nichts geht: Notschlafplätze für Studenten
Elf junge Menschen sitzen im Café Knallo der Uni Hamburg auf knarrenden
Holzsesseln, an den Wänden hängen Poster, der Couchtisch ist voll geklebt
mit Stickern. Es ist ihr erster Tag im Studentenleben.
Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten stolpern sie über das, was alle
Zugezogenen eint: den Horror der Wohnungssuche. Einer erzählt von einem
50-jährigen Mann mit Schäferhund, der sich nur junge Frauen als
Mitbewohnerinnen wünscht. Eine andere von „kink-friendly“-Anzeigen oder
WGs, in denen sich sieben Menschen ein Schlafzimmer teilen.
„Ich habe bestimmt 30 oder 40 WGs angeschrieben“, erzählt Henni, 19, und
nippt an ihrer Spezi. An ihrer Hand glitzern Ringe, sie trägt kleine
Creolen und einen pinken Strickpulli. Für ihr Jurastudium will sie von
Tübingen nach Hamburg ziehen, gefunden hat sie bislang nichts.
Die erste Woche verbringt sie bei einer Freundin, danach zwei Monate zur
Untermiete in Altona. Wie es weitergeht, ist noch offen. Damit ist sie
nicht allein. Viele der Erstis schlafen vorübergehend auf Sofas oder in
Hostels.
Bafög-Satz unrealistisch
Hennis Traum: eine Mädchen-WG, möglichst zentral, bis 600, vielleicht 650
Euro. Das sei ihre Schmerzgrenze, die habe sie bereits nach oben
korrigiert.
Junges Wohnen ist in Hamburg so teuer wie nie: 650 Euro kostet ein
WG-Zimmer im Schnitt, [1][teilte das Moses-Mendelssohn-Institut kürzlich
mit]. Damit übertrifft Hamburg deutlich den Bundesschnitt von 512 Euro. Die
Bafög-Wohnkostenpauschale liegt derzeit bei 380 Euro. Trotz steigender
Mietpreise wurde sie nicht angepasst.
„Der Mietpreis für ein WG-Zimmer ist viel zu hoch“, sagt Lasse Machalet,
Referent für Soziales im Asta der Uni Hamburg. Zwar könne das
Studierendenwerk mit den Wohnheimen grundsätzlich günstigen Wohnraum
bereitstellen. „Doch da sehen wir seit Jahren immer wieder dieselbe
Überlastung zu Semesterbeginn: Mehr Leute fragen an, als untergebracht
werden können“, erklärt Machalet.
Zu Beginn des Sommersemesters bewarben sich 1.260 Menschen auf 744 freie
Plätze in den Wohnheimen, wie das Studierendenwerk Hamburg mitteilt. Bis
2030 sollen gemeinsam mit dem Studierendenwerk 3.000 neue Wohnheimplätze
für Studierende entstehen, das hat die Bürgerschaft Ende vergangenen Jahres
beschlossen.
Gleichzeitig lässt der Bestand zu wünschen übrig: „Es gibt
Studierendenwohnheime in Hamburg, die dafür bekannt sind, dass es Probleme
gibt mit Kakerlaken und allem möglichen“, sagt Machalet. Besonders das
Gustav-Radbruch-Haus stehe immer wieder in der Kritik, dort müsse
regelmäßig ein Kammerjäger kommen.
Das Studierendenwerk, welches das Gustav-Radbruch-Haus betreibt, spielt das
herunter: „Zum jetzigen Zeitpunkt liegen dem Studierendenwerk Hamburg keine
Meldungen über einen akuten Schädlingsbefall im Gustav-Radbruch-Haus vor.“
Der Asta verweist auf eine bereits geplante Sanierung. „Aber das
Studierendenwerk – wie alles Mögliche hier an der Uni – hat nicht die
Mittel, um da groß zu investieren“, sagt Machalet. Aufgrund des
[2][Sparkurses der Universität] riet die Studierendenvertretung zuletzt
sogar vom Studieren in Hamburg ab.
Jetzt will der Asta selbst ein Wohnheim bauen
Der Asta will deshalb künftig selbst aktiv werden und ein Wohnheim bauen.
Seit dem vergangenen Jahr prüfe er eigene Handlungsmöglichkeiten, im
Februar sei ein Gesellschaftsvertrag zur Gründung einer gemeinnützigen GmbH
verabschiedet worden. Finanziert werden solle das Projekt über
Direktkredite.
Als Vorbilder dienen das Mietshäuser-Syndikat und das [3][selbstverwaltete
Studierendenwohnheim Collegium Academicum in Heidelberg]. Noch befindet
sich das Projekt in einer frühen Planungsphase. Mit einer Umsetzung rechnet
der Asta erst gegen 2032.
Zu dem Bauvorhaben äußert sich das Studierendenwerk nur vage:
„Grundsätzlich begrüßt das Studierendenwerk Hamburg alle Initiativen, die
dazu beitragen, das Angebot an bezahlbarem Wohnraum für Studierende zu
erweitern.“
Den Erstis, die gerade im Café Knallo sitzen, hilft geplanter Wohnraum
wenig. Henni trinkt den letzten Schluck Spezi. „Meine Outfits gehen aus …
und das in der Orientierungswoche“, erzählt sie und grinst. Gerade lebt sie
aus einem Koffer. Ihre Eltern haben bereits ein Paket aus Tübingen mit
Klamotten nach Altona zu ihrer Untermiete geschickt.
Sie freue sich jetzt einfach darauf, neue Leute kennenzulernen, zu
studieren und Hamburg zu entdecken. [4][Und die Wohnungssuche?] Henni zuckt
mit den Schultern: „Ach, das wird schon.“
Das muss es auch. Ihr erstes Semester Jura beginnt heute.
31 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.moses-mendelssohn-institut.de/aktuelles/SoSe2026
(DIR) [2] /Internes-Dokument-der-Uni-Hamburg/!6166422
(DIR) [3] /Wie-Familie-mit-weniger-Streit/!5280789/
(DIR) [4] /Wohnungsbautag-2026/!6166191
## AUTOREN
(DIR) Linn Bertelsmeier
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