# taz.de -- Internes Dokument der Uni Hamburg: Exzellenz-Uni muss drastisch schrumpfen
> Budget und Kosten der Uni Hamburg klaffen derart weit auseinander, dass
> die Streichung von Studiengängen droht. Denn auch die Rücklagen sind
> alle.
(IMG) Bild: Bald weniger Plätze? Die Uni Hamburg mit rund 43.000 Studierenden hat schon in diesem Jahr ein Finanzproblem
Nicht mehr so zum Feiern dürfte der Universität Hamburg sein, die gerade
erst den [1][Exzellenz-Titel bestätigt] bekam. Zwar fließen nun bis 2033
die Gelder für ausgewählte Projekte, doch [2][das Grundbudget ist zu
knapp]. Wie aus einem internen Dokument hervorgeht, das der taz vorliegt,
gehen Budget und Kosten bis 2032 derart auseinander, dass ein Abbau von
„10,5 %, 20 % oder noch mehr?“ erforderlich wird.
Nötig seien strukturelle Einsparungen von „mindestens“ jenen 10,5 Prozent,
heißt es in dem Papier, über das zuerst das [3][Hamburger Abendblatt]
berichtet hat. Doch berücksichtige man die strukturelle Unterfinanzierung
und die Integration von „on Top“-Professuren und weitere
Querschnittaufgaben, liege die nötige Anpassung bei „eher 20 %“.
„Ganze Studiengänge stehen vor dem Aus“, heißt es in einer [4][Erklärung
der „AG Ausfinanzierung]“, die Studierende, wissenschaftliche Mitarbeitende
und Lehrende gegründet haben, um das Ruder noch herumzureißen. Sie fordern,
dass die Stadt Hamburg das Loch von etwa 30 Millionen Euro im Budget seiner
größten Uni ausgleicht. Rechnen würde sich das, sagen sie, flössen doch von
jedem in Hochschulen investierten Euro rund 1,90 Euro in die Stadt zurück.
Wie berichtet, hat die Uni mit ihren rund 43.000 Studierenden [5][schon in
diesem Jahr ein Finanzproblem], weil höhere Tarife und gestiegene Kosten
für Cyber-Sicherheit nicht ausgeglichen wurden und ihre Rücklagen
aufgebraucht sind. Jede [6][der acht Fakultäten soll deshalb 4,5 Prozent
einsparen]. Der Allgemeine Studierendenausschuss Asta riet deshalb bereits
vom Studium dort ab.
## Bisherige Kürzung erst der Anfang
Uni-Präsident [7][Hauke Heekeren warnte im Herbst], in einigen Fächern
gerate „die Studierbarkeit zunehmend unter Druck“. Immer mehr Studierende
fänden keine Betreuung für ihre Abschlussarbeit, Bibliotheken bestellten
wichtige Publikationen ab und dauerhaft unbesetzt gehaltene Stellen
gefährdeten Studiengänge.
Doch nun zeigt sich, dass jene 4,5-Prozent-Kürzung erst der Anfang war.
Alexander Lemonakis, der Sprecher des Präsidenten, erklärt der taz, im
Rahmen eines langfristig angelegten Strukturprozesses gehe man derzeit von
„Zielwerten in Höhe von mindestens 10,5 Prozent für die Fakultäten
beziehungsweise 11 Prozent für die zentrale Verwaltung für den gesamten
Zeitraum bis 2032“ aus.
Beschlossen sei aber noch nichts. Die Uni befinde sich in „engem und
konstruktiven Austausch“ mit der Wissenschaftsbehörde. Unter den
gestiegenen Kosten befinden sich allein vier Millionen Euro für
IT-Sicherheit und die höheren Kosten von 8,35 Prozent durch einen
Tarifabschluß aus dem Jahr 2023. Insgesamt fehlten 22 Millionen Euro.
Hamburgs Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) hatte in der
[8][Zeit] erklärt, „die Uni Hamburg hat ein Defizit und muss da
rauskommen“, und einen Abbau von Studienplätzen angeregt. Zu dem neuen
Papier befragt, erklärt ihre Sprecherin Helen Hahne, die Stadt habe in den
vergangenen Jahren für alle Hochschulen Tarifsteigerungen aufgefangen und
Energiekosten ausgeglichen. Die Behörde nehme die Sorgen der Uni sehr
ernst. Doch die kolportierten Zahlen über einen Abbau bis 2032 lägen der
Behörde noch nicht vor und könnten deshalb nicht kommentiert werden.
Aktuell für 2026 ist festgelegt, dass die Uni 10.243 Anfängerplätze
anbietet. Auf die Frage, wie viele Plätze die Uni denn nach Einschätzung
der Behörde abbauen könnte, gibt diese zur Antwort, dies werde mit der Uni
für die Jahre 2027 und 2028 in Zielvereinbarungen festgelegt, die noch
nicht abgeschlossen sind. Die Kultusminister gingen bis 2028 von steigenden
Schülerzahlen aus und ab 2029 von einem Rückgang. Das werde bei der Planung
„berücksichtigt“.
Die grüne Hochschulpolitikerin Selina Storm erklärt: „Es stimmt nicht, dass
Hamburg seine Hochschulen in den vergangenen Jahren kaputtgespart hat.“
Doch die Universität müsse nun ihr strukturelles Defizit abbauen. „Dazu
gehört auch, die Studienkapazitäten in den Blick zu nehmen.“ Zahlen nennt
auch sie nicht. Angesichts kommender Abiturjahrgänge und des
Fachkräftebedarfs wäre es jedoch falsch, „in einer zu kleinen Perspektive
die Zukunft zu suchen“. Ihre Kollegin Philine Sturzenbecher von der
SPD-Fraktion spricht von „Anpassungen mit Augenmaß“.
Die CDU hält indes einen Strukturabbau von 10,5 Prozent für „nicht
hinnehmbar“. Auch eine Reduzierung von Studienplätzen wäre „bildungs- und
wirtschaftspolitisch das falsche Signal“, erklärt deren
Hochschulpolitikerin Anna von Treuenfels-Frowein.
Auch die Linke Sabine Ritter hält eine Kürzung der Kapazitäten für
„überhaupt nicht akzeptabel“. Nach ihrer Kenntnis wurde der Uni jahrelang
suggeriert, dass sie ihre Rücklagen aufbrauchen möge und die
Ausfinanzierung dann von der Behörde übernommen werde, sagt Ritter. Nun
seien die Rücklagen aufgebraucht und Rot-Grün habe scheinbar nicht vor, der
Universität beizuspringen, sagt Ritter. „Vielmehr duckt sich der Senat
komplett weg.“
29 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Forschungsfoerderung-in-Deutschland/!6161961
(DIR) [2] /Hamburger-Uni-bleibt-exzellent/!6162029
(DIR) [3] https://www.abendblatt.de/hamburg/politik/article411481467/universitaet-hamburg-neue-interne-dokumente-zeigen-gewaltigen-spardruck-2.html
(DIR) [4] https://ag-ausfinanzierung.blogs.uni-hamburg.de/
(DIR) [5] /Studierenden-Protest-in-Hamburg/!6116797
(DIR) [6] https://www.uni-hamburg.de/uhh/organisation/zukunftssichere-universitaet
(DIR) [7] /Hochschulpolitik-in-Hamburg/!6137395
(DIR) [8] https://www.zeit.de/news/2026-01/28/senatorin-raet-universitaet-zur-verringerung-der-studentenzahl
## AUTOREN
(DIR) Kaija Kutter
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