# taz.de -- Staatsbesuch aus Syrien: Vergesst die Zivilgesellschaft nicht!
> Deutsch-syrische Organisation kritisiert mögliche Abschiebedeals und
> fordert die Bundesregierung auf, lokale Netzwerke vor Ort zu
> unterstützen.
(IMG) Bild: Kanzler Merz soll über dem Treffen mit al-Scharaa die Zivilgesellschaft nicht vergessen, fordert die NGO „Adopt a Revolution“
Anlässlich des Besuchs des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa
riefen Vertreter:innen der zivilgesellschaftlichen Organisation „Adopt
a Revolution“ die Bundesregierung am Montag auf, beim Wiederaufbau Syriens
die lokale Bevölkerung aktiv miteinzubeziehen.
Die Einladung von al-Scharaa nach Berlin sei zwar richtig, sagte Sophie
Bischoff, Co-Vorsitzende [1][der deutsch-syrischen
Menschenrechtsorganisation.] Gleichzeitig forderte sie, Unterstützung an
demokratiefördernde Bedingungen zu knüpfen. „Syrien hat ein massives
Demokratieproblem“, so Bischoff.
„Adopt a Revolution“ setzt sich seit 2011 in Syrien mit Partner:innen
vor Ort für die Stärkung der Zivilgesellschaft ein.
Seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 biete sich eine
historische Chance für eine demokratische Zukunft, sagte Bischoff. Schon
jetzt beobachte die Organisation aber, dass die autoritären Tendenzen und
Einschüchterungsversuche der Übergangsregierung zunehmen. Genau deswegen
müsse die Bundesregierung ihren Einfluss jetzt nutzen, um demokratische
Prozesse im Land in Gang zu setzen.
## Schluss mit „schmutzigen Abschiebedeals“
Bischoff kritisierte scharf, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
Unterstützung aus Deutschland daran knüpfe, „schmutzige Abschiebe-Deals
wieder zu ermöglichen“. Das würde die Situation vor Ort verkennen, das Land
liege in Trümmern. Stattdessen fordert die Organisation, die
Rechtssicherheit für Syrer:innen in Deutschland zu verbessern: „Viele
von ihnen wollen nach Syrien reisen und helfen, haben aber Angst, danach
nicht mehr in Deutschland einreisen zu dürfen.“
„Adopt a Revolution“ verlangte zudem, dass die Bundesregierung
demokratische Institutionen gegenüber der Übergangsregierung einfordert,
aber auch die Zivilgesellschaft als politischen Partner anerkennt. Farhad
Ahma, vom Kulturzentrum PEL-Civil Waves in Syrien, zeigte sich besorgt,
dass die Bundesregierung nur mit der Übergangsregierung redet. Das sei
kurzsichtig. „Die Menschen in Syrien sind der Freiheit näher gekommen,
brauchen aber Unterstützung“, sagte er am Montag in Berlin.
30 Mar 2026
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(DIR) Clara Dünkler
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