# taz.de -- Kunstraub in der italienischen Provinz: Cezannes Kirschen dienen jetzt dem Terror
       
       > Durch einen Einbruch im Museum der historischen Villa Magnani bei Parma
       > wurde ein Millionenschaden verursacht. Die Welt ist um drei Bilder ärmer.
       
 (IMG) Bild: Das Stillleben mit Kirschen gehörte zu den wenigen Werken Paul Cezannes in italienischen Sammlungen. Jetzt ist es geklaut
       
       Binnen drei Minuten haben vier maskierte Einbrecher aus der Sammlung der
       Fondazione Magnani-Rocca in der norditalienischen Region Parma Bilder im
       Wert von mehreren Millionen Euro erbeutet. Agenturmeldungen zufolge hatte
       der Raub bereits in der Nacht vom 22. auf den 23. März stattgefunden, war
       aber erst jetzt publik gemacht worden. [1][Entsprechend den dringenden
       Vorgaben der Ermittler nennt das Privatmuseum bislang keine weiteren
       Tat-Details]. Die Sammlung geht zurück auf den 1984 gestorbenen
       Kunstkritiker und Beethoven-Forscher Luigi Magnani.
       
       Schon 1978 hatte er begonnen, die Kunstwerke in seiner historischen Villa
       im Örtchen Mamiano zugänglich zu machen. Die Sammlung gehört zu den wenigen
       Italiens, die wichtige Werke des Impressionismus und der klassischen
       Moderne Frankreichs umfasst: Auf die hatten es die Langfinger abgesehen.
       Erbeutet wurden ein 1917 entstandenes Ölgemälde mit Fischen von Auguste
       Renoir sowie zwei Wasserfarben-Arbeiten – ein Stillleben mit Kirschen
       [2][von Paul Cezanne] von 1890 und die „Odaliske auf der Terrasse“, die
       Henri Matisse 1922 gemalt hat.
       
       Die Werke kann regulär niemand anbieten oder kaufen. Aber das spielt ja
       keine Rolle: Laut dem UN-Forschungsinstitut für Kriminalität und
       Rechtspflege (Unicri) [3][dient der Handel mit gestohlener Kunst vor allem
       dazu,] internationalen Terrorismus zu finanzieren. Das finanzielle Volumen
       dieses Schwarzmarkts soll ähnlich groß sein [4][wie bei Drogen- und
       Waffenhandel].
       
       Als entsprechend mächtig und gefährlich muss man sich die Auftraggeber
       vorstellen. Dort, wo Banden und Täter trotz hoher Professionalisierung
       gefasst, vor Gericht gestellt und verurteilt werden können, war der
       Verbleib der Beute ungeklärt geblieben.
       
       ## Das Kunstverbrechen boomt
       
       So war der als „Spiderman“ in der Boulevardpresse verherrlichte Vjéran
       Tomic 2017 zusammen mit zwei Komplizen zu acht Jahren Haft und der Zahlung
       von 104 Millionen Euro an die Stadt Paris verurteilt worden. Die hätten dem
       Schätzwert der von ihnen 2010 aus dem Musée d’Art Moderne geklauten
       Meisterwerke von Pablo Picasso, Fernand Léger und Amedeo Modigliani
       entsprochen. Seit 2022 ist Tomic frei. Die Namen der Auftraggeber hat er
       bisher nicht preisgegeben. Die Bilder sind futsch. Und was das Geld angeht
       …
       
       Interpol zufolge boomt das Kunstverbrechen. Eher wie eine hilflose
       Kopfgeburt wirkt im Hinblick darauf ein [5][von der Unesco im Herbst
       gelaunchtes virtuelles Museum für gestohlene Kulturgüter]. Wohl gerade
       wegen der herausragenden Digital-Architektur [6][von Diébédo Francis Kéré]
       macht der Besuch höchstens per Hochleistungsrechner Spaß. Und dass die
       immense Sammlung ständig wächst und jetzt noch drei tolle Zugänge bekommen
       hat, kann nur Zyniker freuen.
       
       30 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.parmatoday.it/cronaca/renoir-cezanne-Matisse-tre-opere-rubate-in-meno-di-tre-minuti-commando-mercato-nero.html
 (DIR) [2] https://www.kmw.ch/aktuelles/cezanne-eine-frage-des-akzents/
 (DIR) [3] https://www.un.org/securitycouncil/ctc/ru/news/cted-unicri-host-expert-group-meeting-cultural-heritage-smuggling-and-its-nexus-terrorism
 (DIR) [4] /Asiatika-Diebstahl-in-Museen/!5997017
 (DIR) [5] https://museum.unesco.org/
 (DIR) [6] https://www.kerearchitecture.com/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Benno Schirrmeister
       
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