# taz.de -- Premiere von „Automatenbüfett“ am DT: Angel dir einen
> Jan Bosse inszeniert „Automatenbüfett“ von Anna Gmeyner am Deutschen
> Theater in Berlin als liebevolles Trash-Spektakel, das aber auch nervt.
(IMG) Bild: Adam und Eva schmachten im Wurstkarussell
Auf der Bühne des Deutschen Theaters in Berlin steht eine imposante
Maschine. Sie sieht aus wie ein riesiges Kettenkarussell, nur dass an den
Ketten keine Sitze, sondern Drahtkörbe mit eingepackten Salamibrötchen
befestigt sind. Gespielt wird die Tragikomöde [1][„Automatenbüfett“ von
Anna Gmeyner]; Regisseur Jan Bosse inszeniert sie als liebevolle
Provinz-Revue, die jedoch stellenweise in den nervigen Klamauk eines
Theaterstadels abgleitet.
Doch zu Beginn überwiegt die Faszination für das fantastische Karussell.
Bosses Haus- und Hof-Bühnenbilder Stéphane Laimé hat es mit viel Liebe zum
Detail aus Holzplatten fertigen lassen, was ihm trotz der enormen Ausmaße
eine filigrane Anmutung verleiht. Neben jeder Menge Hebeln, Leuchten und
Lautsprechern gibt es sogar einen richtigen Verkaufstresen.
Reizvoll ist auch die Anspielung an kinetische Kunst: In einer Schlussszene
drehen mehrere fantasievolle Gebilde aus Metallschrott und Jagdtrophäen,
die von Hand bewegt werden, wie gespenstische Karusselltiere ihre Runden.
Das Automatenbüfett ist eine Erfindung vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Mit
dieser Frühform des Fastfoodrestaurants wollte man gleichzeitig
Arbeitskräfte einsparen und die schnelle und preiswerte Nahrungsaufnahme
einer wachsenden Stadtbevölkerung gewährleisten.
## Skurril und trashig
Bei Gmeyner ist es der Schauplatz für eine ambivalente Liebesgeschichte vor
dem Hintergrund des erstarkenden Nationalsozialismus. Ihr Stück wurde 1932
am Thalia Theater in Hamburg uraufgeführt und begeistert besprochen. Einen
Monat später ergriff Hitler die Macht und die damals 30-Jährige musste ins
Exil fliehen.
In seiner Inszenierung entwirft [2][Jan Bosse] einen skurrilen Mikrokosmos,
der sich an Elementen aus der Trashkultur bedient: Seine Figuren tragen
Cowboyhüte und Westernhemden, dazu glamouröse Glitzerkleider, die man vom
Latin Dance kennt. Zeitweise hat man das Gefühl, einer Karl-May-Party
beizuwohnen, die das „Weiter so“ nach der Kritik an problematischen
Stereotypen bewusst ausstellt.
Fans von deutschsprachigem Herzschmerz dürften bei den Kompositionen von
Carolina Bigge und Arno Kraehahn frohlocken. Zwischen den Szenen singen die
Darsteller*innen selbst und sind dabei richtig gut. Beeindruckend auch,
dass viele von ihnen ein Instrument spielen können und so gleich auch noch
die Liveband stellen.
Ihre Rollen füllen sie mit viel Lust an der Karikatur aus. Felix Goeser
spielt seinen Leopold Adam als angelnden Kleinstadt-Schluffi, der die
umliegenden Teiche in eine prosperierende Fischzucht verwandeln will. Doch
statt Fisch zieht er eine junge suizidale Frau aus dem Wasser, die von
Mathilda Switala als neuzeitliche Eva gespielt wird.
## Etwas verstaubt, aber okay
Die Gruppe um Adam, die aus einem trinkfreudigen Schulrat, einem
machtbesessenen Stadtrat, einem mit dem Faschismus liebäugelnden Redakteur
und einem schmierigen Oberförster besteht, organisiert sich in einem
Anglerclub, den man getrost als Veräppelung der damaligen NSDAP-Ortsgruppen
verstehen kann. Auf der Bühne verbringt der Männerbund viel Zeit mit Saufen
und großspurigen Reden im Separee.
Bei Anna Gmeyner geht es um große Träume, Liebe, Geld, Macht und Verrat.
Gewissermaßen ist ihr Stück aber auch ein MeToo-Stück: Die Besitzerin des
Automatenbüfetts steht dem unklaren Verhältnis zwischen ihrem Ehemann und
Eva zu Recht skeptisch gegenüber. Kaum auszuhalten, wie die Männer an der
jungen Frau kleben, sie umgarnen und am Schluss mit Verachtung strafen.
Allerdings sind seit der Veröffentlichung des Stückes fast hundert Jahre
vergangen. Dies führt dazu, dass viele Feststellungen der Autorin zwar
erschreckend aktuell sind, die daraus entstandenen Dialoge aber bisweilen
etwas verstaubt rüberkommen. Etwa als Adam Eva darum bittet, „ihre Reize“
für seine Idee einzusetzen und sie antwortet: „Angler angeln, das mach ich
gern.“ Nach einem heftigen Streit mit dem Ex fällt der Bühnen-Eva nicht
viel mehr als ein Stinkefinger ein.
Zwar wirken die Figuren bei Jan Bosse nicht gänzlich aus der Zeit gefallen,
eine entschiedenere Überführung in die Gegenwart hätte ihnen aber gutgetan.
29 Mar 2026
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